Medien, Macht und Manipulation. Wie kommst du zu deiner Meinung?

Unterrichtsentwurf für das Fach Deutsch in der 6. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2014
23 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhalt

1. Sachanalyse
1.1. Inhalte und Lehrplanbezug
1.2. Zielgruppe und Lernvoraussetzungen
1.3. Mögliche Probleme

2. Themenformulierung

3. Lernziele und Lernzielkontrolle
3.1. Kognitive Lernziele nach der Bloomschen Taxonomie
3.2. Affektive Lernziele
3.3. Lernzielkontrolle

4. Verlaufsplanung
4.1. KIOSK-Modell

5. Materialien
5.1. Experiment: Artikel „Lokführer streiken“
5.2. Infoinput: Präsentation „Medien: Macht der Manipulation“
5.3. Handout: „Medien: Macht der Manipulation“
5.4. Zeitungsartikel für Gruppenarbeit

6. Qualitätskriterien nach Kramis
6.1. Bedeutsamkeit
6.2. Effizienz
6.3. Lernklima

7. Infoinput
7.1. Vortrag

8. Selbstständiges Arbeiten
8.1. Einzelarbeit

9. Gruppenarbeit
9.1. Lernziel
9.2. Gruppenbildung
9.3. Arbeitsauftrag
9.4. Verständnischeck
9.5. Kontrollphase

Reflexion und Lernfortschritt

Bibliographie

1. Sachanalyse

1.1. Inhalte und Lehrplanbezug

Die geplante Stunde ist Teil eines fächerübergreifenden Unterrichts der Fächer Deutsch und Bildnerische Erziehung zum Thema „Medien“. Während im BE-Unterricht verschiedene Schriften und Drucktechniken durchgenommen werden, wird sich der Deutschunterricht mit den Medieninhalten beschäftigen. Die geplante Unterrichtsstunde befasst sich mit der unterschiedlichen Berichterstattung verschiedener Medien über ein und dasselbe Ereignis und wie sich die Präsentation oder das Zurückhalten von Informationen in den Medien auf die Meinungsbildung in der Bevölkerung auswirkt.

Mediale Bildung ist laut Lehrplan ein Kernbereich des Deutschunterrichts in der AHS-Oberstufe. In dieser Stunde wird vorwiegend der Entwicklung von Medienkulturkompetenz Sorge getragen. Es geht darum, „gesellschaftliche Auswirkungen der Medien erkennen und ihre lebensgestaltenden Funktionen reflektieren“ (BMBF 2004, S.6) zu können, „Interessen und Absichten hinter (multi-)medialen Texten und Produkten analysieren und bewerten sowie manipulative Zielsetzungen“ (BMBF 2004, S.6) zu durchschauen, um in weiterer Folge „sprachliche und mediale Kommunikationsmittel verantwortungsbewusst einsetzen“ (BMBF 2004, S.6) zu können. Ferner beinhaltet die geplante Stunde auch den Kernbereich der Textkompetenz, weil es darum geht, „Textinhalt erfassen, Textsinn verstehen, den Text reflektieren und bewerten“ zu können. Außerdem sollen „verschiedene Standpunkte zu einem Thema“ erkannt und „Bezüge zwischen Texten, auch medienübergreifend“ hergestellt werden (BMBF 2004, S5).

Als Teil der schriftlichen Kompetenz sollen Schülerinnen und Schüler laut Lehrplan in der 5. und 6. Klasse auch lernen, „Textsorten aus dem [...] journalistischen Leben“ (BMBF, S.4) zu verfassen. Dies ist zwar nicht primäre Intention dieser Stunde, schließt jedoch inhaltlich an die Stunde an und wird in einer der folgenden Einheiten durchgenommen werden.

1.2. Zielgruppe und Lernvoraussetzungen

Die Stunde wird in einer (fiktiven) 6.Klasse AHS abgehalten, die aus 11 Schülern und 13 Schülerinnen (insgesamt 24 Personen) besteht. Die Schülerinnen und Schüler sind im Alter von 15-16 Jahren, ein Junge und ein Mädchen wiederholen diese Klassenstufe und sind dementsprechend bereits ein Jahr älter als der Durchschnitt. Beide sowie zusätzlich zwei weitere Mädchen weisen Defizite in Rechtschreibung und Grammatikkenntnissen auf, sind jedoch in anderen Bereichen des Deutschunterrichts sehr bemüht. In der Klasse befindet sich ein Schüler mit Migrationshintergrund, der über eine partielle Hochbegabung im sprachlichen Bereich verfügt. Ein weiterer Schüler erweist sich als generell sehr begabt und zeigt ausgeprägtes Interesse an politischen Themen bzw. dem aktuellen Tagesgeschehen. Mehrere Schülerinnen und Schüler lesen regelmäßig in verschiedenen Tageszeitungen. Da alle Schülerinnen und Schüler durch Facebook & Co ständig von medialen Einflüssen umgeben sind, ist hier ein guter Ansatzpunkt für diese Stunde gegeben und die geplanten Inhalte sollten für alle Schülerinnen und Schüler relevant sein.

Da mediale Bildung ein Kernbereich des Deutschunterrichts ist, wurden bestimmte Textsorten in Printmedien (z.B. Bericht, Reportage, Kommentar) bereits in vorangehenden Klassen durchgenommen. Die Schülerinnen und Schüler können demnach bereits die verschiedenen Textsorten und deren Intention unterscheiden, verfügen über allgemeine Kenntnisse die Herstellung sowie den Aufbau von Printmedien betreffend.

1.3. Mögliche Probleme

Problematisch könnte sein, dass sich manche Schülerinnen und Schüler nur kaum für mediale Berichterstattung interessieren und daher für das Thema schwer zu motivieren sind. Zusätzlich ist davon auszugehen, dass das Vorwissen zum Thema Medien nicht bei allen Schülerinnen und Schülern gleich gut gefestigt ist, weshalb es unter Umständen schwierig werden könnte, den anhand des Beispiels Zeitung durchgenommenen Stoff auf andere Medien zu übertragen.

Ferner kann es Schwierigkeiten geben, wenn Schülerinnen und Schüler in Gruppen selbstständig arbeiten, einerseits was die Zusammenarbeit betrifft, da die Gruppen zufällig gebildet werden, und andererseits im Hinblick auf die Ausführung der Aufgabe. In ersterem Fall sollte den Schülerinnen und Schülern unbedingt der Mehrwert dieser Mischgruppen bewusst gemacht werden. Für Zweiteres ist es wichtig, bei der Auswahl der Zeitungsartikel darauf zu achten, dass verschiedene Auslegungen möglich sind bzw. der Artikel offensichtlich eine Meinung bevorzugt. Sorgfältig ausgewählte Artikel, wenn möglich zu einem Thema aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler, erleichtern die Gruppenarbeit.

Ein zusätzliches Problem kann entstehen, wenn die Schülerinnen und Schüler beim Experiment in der Eingangsphase bereits mit vorgefertigten Meinungen an die Sache herangehen und ihre Meinung nicht wirklich auf den Informationen des Artikels beruht. So kann es sein, dass nicht zwei völlig konträre Pole aufeinander treffen und das Experiment zu scheitern droht. Hier ist es eventuell nötig, die zwei dargestellten Sichtweisen nochmals herauszustreichen und die intendierte Meinung zu erläutern. Unter Umständen durchschauen manche Schülerinnen und Schüler auch sehr schnell, dass zwei verschiedene Versionen des Artikels im Umlauf sind, weshalb die Lehrperson darauf achten sollte, dass nicht zu viel untereinander geredet wird und sich die Schülerinnen und Schüler nicht gegenseitig beeinflussen.

2. Themenformulierung

Das Thema soll griffig und einladend formuliert sein, um die intrinsische Motivation der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Es kann eine Frage oder Aussage sein, die auf die Schülerinnen und Schüler und deren Lebenswelt zugeschnitten ist, sie anspricht und zum Denken anregt. Es darf aber niemandes Gefühle verletzen und niemanden ausgrenzen, daher ist auf die sprachliche Formulierung besonders zu achten. (Berger & Fuchs 2007, S.34)

Die Stunde beschäftigt sich inhaltlich damit, inwiefern und mit welchen Mitteln mediale Texte unsere Meinung beeinflussen (können). Das Thema lautet deshalb „Medien, Macht und Manipulation – Wie kommst du zu deiner Meinung?“.

Damit das Experiment zu Stundenbeginn gut funktionieren kann, ist es wichtig, noch nicht allzu viel zum Thema zu verraten, sondern die Einführung ins Thema eher knapp zu halten:

„Ihr habt in letzter Zeit sicherlich in den verschiedensten Zeitungen Berichte über die Zentralmatura* gelesen oder zumindest aus anderen Medien davon gehört. Dass es dazu viele verschiedene Meinungen gibt, ist euch wahrscheinlich auch schon aufgefallen. Deshalb ist unser heutiges Thema `Medien, Macht und Manipulation – Wie kommst du zu deiner Meinung?´. Wir werden uns damit beschäftigen, wie unterschiedliche Meinungen zustande kommen und wodurch sie in eine bestimmte Richtung beeinflusst werden.“

* das Thema „Zentralmatura“ sollte jedenfalls durch eine aktuelle Begebenheit ersetzt werden, am besten wäre ein Thema, das die Schülerinnen und Schüler in ihrer Lebenswelt betrifft bzw. das sie interessiert.

3. Lernziele und Lernzielkontrolle

3.1. Kognitive Lernziele nach der Bloomschen Taxonomie

Zur Differenzierung der Lernziele wurden diese in den einzelnen Taxonomieebenen nach Bloom aufgeschlüsselt. Bloom unterscheidet dabei zwischen anspruchslosen Denkleistungen wie das Memorieren von Fakten und anspruchsvollen Denkleistungen wie das Verstehen von Zusammenhängen, das Anwenden und Übertragen von Kenntnissen auf ähnliche Situationen und die Analyse, Synthese und Bewertung von Sachverhalten. Bloom fasst folgende sechs Lernzielebenen zusammen (Becker 1984, S.65):

1. Kenntnisse (sich an Faktenwissen erinnern)
2. Verstehen (Erklärungen folgen können)
3. Anwendung (Kenntnisse in neuen Situationen anwenden können)
4. Analyse (Strukturen und Zusammenhänge erkennen)
5. Synthese (Verknüpfungen herstellen)
6. Bewertung (Sachverhalte nach bestimmten Kriterien beurteilen)

Da sich die sechs Taxonomieebenen auf die Einteilung verschiedener kognitiver Niveaus beziehen, sind sie für den Theorieunterricht gut geeignet und lassen sich auf viele Themen anwenden. Durch eine derartige Aufschlüsselung ist es für besonders begabte Schülerinnen und Schüler möglich, Lernziele auf einer höheren Ebene zu bewältigen, während schwächere Schülerinnen und Schüler Ziele der unteren Ebenen erreichen können und dadurch ebenfalls Lernerfolge erzielen.

Folgende Lernziele lassen sich in den einzelnen Bloomschen Taxonomieebenen für diese Stunde bzw. für eine Weiterführung des Themas in der Folgestunde identifizieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Affektive Lernziele

Im affektiven Bereich, der sich mit der Entwicklung von Werthaltungen und Gefühlen befasst, unterscheiden Berger & Fuchs (2007, S.14f) folgende Ebenen:

1. Aufmerksamwerden, Beachten (Kenntnisnahme ohne negative Haltung)

2. Reagieren (Handlungen setzen, die positive Emotionen auslösen)

3. Werten (Haltungen entwickeln und nach außen vertreten)

4. Wertordnungen (Entwicklung eines Wertesystems)

5. Bestimmtsein durch Werte (logische Wertordnungen als Grundlage für Handlungen)

Zusätzlich zu den kognitiven Lernzielen werden in dieser Stunde auch affektive Lernziele angestrebt, die sich wie folgt den einzelnen Ebenen zuordnen lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Lernzielkontrolle

Die affektiven Lernziele sind als übergeordnete Bildungsziele zu sehen und entziehen sich daher einer Lernzielkontrolle in dieser Einzelstunde. Über einen längeren Zeitraum kann jedoch vor allem durch Beobachtungen festgestellt werden, ob mehr Schülerinnen und Schüler als vorher regelmäßig Zeitung lesen oder sich über andere Medien zum aktuellen Tagesgeschehen informieren. Offenkundig wird dies besonders bei Diskussionen zu verschiedenen Themen, wobei auch die Wertehaltungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler zum Tragen kommen.

Die Erreichung der kognitiven Lernziele hingegen kann in dieser Stunde überprüft werden:

Eine erste Überprüfung der Lernziele erfolgt nach der Einzelarbeit im Plenum, wobei einige Schülerinnen und Schüler stichprobenartig ausgewählt werden und ihre Meinung zum Gelesenen sagen. Kenntnisse und Verstehen werden auch nach dem Infoinput auf dieselbe Weise abgefragt. In einer Folgestunde wird es dazu nochmals eine mündliche Wiederholung geben.

Anwendung, Analyse und Bewertung kommen in der Gruppenarbeit zum Tragen. Schülerinnen und Schüler sollen einen Zeitungstext analysieren und nach den vorhandenen manipulativen Elementen bewerten. Die Lernzielkontrolle erfolgt durch die Präsentation der Gruppenergebnisse, wozu es eine mündliche Rückmeldung gibt.

Als Hausübung ist ein eigenständiger Zeitungsartikel zu schreiben, der zeigt, inwieweit das Gelernte auch in eigenen Arbeiten angewendet und umgesetzt werden kann. Diese Hausübung wird vor allem danach bewertet, inwieweit sie manipulative Elemente, die in der Stunde besprochen wurden, enthält – andere Bewertungskriterien wie Rechtschreibung und Textsortenwissen treten dafür in den Hintergrund, werden jedoch auch schriftlich rückgemeldet.

4. Verlaufsplanung

Datum: 16.6.2014 Zeit: 3.Einheit, 9.45 Uhr – 10.35 Uhr Fach: Deutsch Thema: Medien, Macht und Manipulation – Wie kommst du zu deiner Meinung? Lernziele: Schülerinnen und Schüler können vier Maßnahmen nennen, durch die Zeitungen ihre Leserinnen und Leser manipu- lieren. (Kenntnisse) Schülerinnen und Schüler können manipulative Elemente in einem Zeitungstext identifizieren. (Anwendung) Schülerinnen und Schüler können einen Zeitungstext mit den generellen Interessen (politische Linie) der jeweiligen Zeitung in Beziehung setzen und erkennen, warum Sachverhalte auf eine bestimmte Art und Weise dargestellt wer- den. (Analyse)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Medien, Macht und Manipulation. Wie kommst du zu deiner Meinung?
Untertitel
Unterrichtsentwurf für das Fach Deutsch in der 6. Klasse
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,00
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V437813
ISBN (eBook)
9783668813731
ISBN (Buch)
9783668813748
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschunterricht, Deutschdidaktik, Unterrichtsplanung, Medien
Arbeit zitieren
Bianca Lehner (Autor), 2014, Medien, Macht und Manipulation. Wie kommst du zu deiner Meinung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437813

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