Das serielle Format in "Breaking Bad"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
15 Seiten, Note: 2,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das serielle Format in „Breaking Bad“

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe „Pilot“ (Staffel 1, Episode 1)

3 Das serielle Format
3.1 Die traditionelle Serie
3.2 Die Quality-TV-Serie

4 Serielle Merkmale in „Breaking Bad“

5 Walters Transformation

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sowohl in Amerika als auch in Deutschland werden eine Vielzahl von Serien verschiedenster Art produziert und von einer großen Zuschauermenge regelmäßig konsumiert. Zum Teil geht das Interesse an den Serien sogar noch über das reine im Fernsehen ansehen hinaus. Die Rezipienten beschäftigen sich auch anderweitig mit den Inhalten der Serie und tauschen sich mit Gleichgesinnten aus.

Was aber macht die – eindeutig vorhandene – große Anziehungskraft von Serien aus? Was hat das Format „Serie“ an sich, dass eine Staffel den Fans oft nicht reicht und daher, bis hin zu jahrelangen Ausstrahlungen, immer mehr neue Folgen produziert werden?

Auch von der 2008 erstmals in Amerika und 2009 erstmals in Deutschland gezeigten Serie „Breaking Bad“ wird bereits die fünfte Staffel veröffentlicht. Die Serie handelt hauptsächlich von der Wandlung des an Lungenkrebs erkrankten Walter White vom ruhigen Chemielehrer zum berüchtigten Drogendealer. Diese wird in der folgenden Arbeit im Mittelpunkt stehen. Da das Besprechen der kompletten Serie allerdings den Rahmen sprengen würde, begrenzt die Arbeit sich auf die allererste Episode „Pilot“. Nur an wenigen Stellen wird darüber hinaus auf spätere Episoden verwiesen werden.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der hohen inhaltlichen, wie formalen Qualität der Serie „Breaking Bad“. Hierbei ist der Begriff „Quality-TV“ sowie insbesondere die Wandlung des Protagonisten Walter von Bedeutung.

Um einen Überblick zu schaffen wird am Beginn eine kurze Inhaltswiedergabe der Episode „Pilot“ gegeben. Darauffolgend wird es in Kapitel 3 um den Wandel von einer traditionellen Serie zur Quality-TV-Serie gehen, deren Merkmale in Kapitel 4 anhand von „Breaking Bad“ veranschaulicht werden. Abschließend wird in Kapitel 5 Walters Transformation als besonderes Merkmal beleuchtet und die Arbeit dann mit einem Fazit beendet. In diesem soll eine Antwort auf die Leitfrage der Arbeit gefunden werden: Aufgrund welcher Merkmale kann man bei „Breaking Bad“ schon in der ersten Episode von einer Quality-TV-Serie sprechen?

2 Inhaltsangabe „Pilot“ (Staffel 1, Episode 1)

Ein Mann mit Gasmaske lenkt einen Wohnwagen rasant durch die Wüste. Im Wagen liegen drei weitere Männer. Er kommt von der Straße ab, flucht und weint. Sirenen nähern sich. Er hinterlässt seiner Familie eine Video-Nachricht und stellt sich auf die Straße. Die Pistole eines der Männer richtet er in Richtung der Sirenen. Der Vorspann beginnt und die Serie springt zu einem drei Wochen früher liegenden Zeitpunkt. Der Fahrer Walter H. White ist Chemielehrer und lebt mit seiner schwangeren Frau Skyler und seinem behinderten Sohn Walter Jr. in Albuquerque. Nach der Schule arbeitet Walter in einer Autowaschanlage – eigentlich als Kassierer, doch oft muss er mitwaschen. Immer wieder muss er husten. Abends überrascht Skyler Walter mit einer Geburtstagsparty. Im Mittelpunkt steht das Fernseh-Interview seines Schwagers, des DEA-Agenten Hank, über die Verhaftung eines Drogenproduzenten. Walter ist fasziniert von der hohen Geldsumme. Hanks Angebot ihn bei einer Razzia zu begleiten lehnt er jedoch ab. Nach der Feier versucht Skyler ihn, während sie etwas auf Ebay versteigert, zu befriedigen, doch es gelingt nicht.

Kurz darauf wird Walter während eines Hustenanfalls in der Waschanlage ohnmächtig. Trotz seines Hinweises, dass er nicht gut versichert sei, wird er nicht aus dem Krankenwagen gelassen. Dann diagnostiziert ein Arzt Lungenkrebs. Inoperabel. Walter teilt es niemanden mit.

Als er bei der Arbeit wieder zum Autowaschen geschickt wird rastet er aus und kündigt. Auch begleitet er Hank nun doch bei einer Razzia. Er erkennt dabei seinen ehemaligen Schüler Jesse Pinkman. Walter stellt ihn vor die Wahl: Entweder wird er ab jetzt mit ihm Crystal Meth produzieren – Jesses ehemaliger Partner Emilio wurde bei der Razzia festgenommen – oder er wird ihn ausliefern. Die beiden „kochen“ die Drogen in einem Wohnwagen in der Wüste. Der Dealer Krazy-8 und der freigekaufte Emilio bedrohen Jesse als er ihnen die qualitativ hochwertigen Drogen anbietet. Er nimmt sie mit in die Wüste, wo Emilio Walter wiedererkennt. Um nicht erschossen zu werden zeigt dieser den beiden sein „Rezept“. Währenddessen wirft Emilio eine brennende Zigarette aus dem Wohnwagen und unbemerkt beginnt ein Feuer. Plötzlich schüttet Walter roten Phosphor in das kochende Wasser und es kommt zur Explosion. Walter rettet sich aus dem Wohnwagen und hält von außen die Tür zu. Man hört Emilio und Krazy-8 husten – dann ist es still. Walter entdeckt das Feuer, setzt sich und dem ohnmächtigen Jesse Gasmasken auf und fährt los. Kurz darauf kommt er von der Straße ab und die Episode kehrt an die Stelle vor der Rückblende zurück. Walter richtet die Pistole gegen sich selbst und drückt ab, doch es kommt kein Schuss. Dann fahren Feuerwehrwagen mit Sirenen achtlos vorbei.

Als er spät nach Hause kommt liegt Skyler besorgt im Bett. Walter beantwortet keine ihrer Fragen, sondern schläft sehr dominant mit ihr. Der Kontrast zur letzten Bett-Szene ist unübersehbar und die Episode endet mit Skylers erstaunter Frage: „Walt, bist du das?“

3 Das serielle Format

3.1 Die traditionelle Serie

Hickethier (1991) definiert die Serie ganz allgemein als einen sich durch regelmäßige Rezeption konstituierenden „in sich [abgeschlossenen] Kosmos innerhalb des Fernsehprogramms“ (S. 10). Dies trifft sowohl auf kontinuierlich gesendete Nachrichten- und Informationssendungen wie auch auf fiktionale Serien zu. Während den Nachrichtensendungen jedoch täglich neue Inhalte zur Verfügung stehen, muss die fiktionale Serie gleichbleibende Themen durch „Variation, Kombination und Transformation“ (S. 13) immer wieder interessant darstellen, um dem Anspruch des Zuschauers zu genügen. Dieser soll das Gefühl haben, „es sei in der Serie wie im Leben, nur zugespitzter, kompakter, schneller, direkter“ (S. 31), da die Handlung auf die relevanten Ereignisse komprimiert wird. Der Zuschauer bleibt über den Gesamtverlauf der Serie im Unklaren, während die einzelnen Erlebnisse der Figuren übersichtlich dargestellt werden. Sein Interesse gilt einem guten Ende, in welchem sich alle Konflikte lösen, doch eben dieses wird immer wieder hinausgezögert.

Allgemein lässt die fiktionale Serie sich in fünf Typen einteilen: Die Episodenserie, der Mehrteiler, die Sendereihe, die Endlos-Serie und die Soap, wobei diese komplett andere Merkmale als die vorigen vier Typen aufweist (Vgl. Faulstich, 2008, S.108-109).

Die traditionelle Fernsehserie wird von Faulstich (2008) als sehr einfach gebaut und leicht zu verstehen beschrieben, was er allerdings nicht als Nachteil sieht: „Fernsehserien haben genrespezifische Themen und sind meistens banal. Darin besteht ihre Attraktivität“ (S. 114). Sie bieten den Rezipienten Orientierung im Alltag, da die dargestellten Konflikte sich immer nur auf die Protagonisten beziehen, jedoch nie auf gesellschaftliche Umstände. Eine deutliche Aufteilung der eindimensionalen Charaktere in Gut und Böse sowie lineare Handlungsstränge innerhalb einer Episode lassen den Rezipienten leicht folgen und erfordern keine große Aufmerksamkeit. Während die meisten Serien im Endeffekt auf ein Happy End abzielen, sind bei den Endlosserien auch die Staffelenden immer so konstruiert, dass sich zwar ein Handlungsbogen schließt, aber gleichzeitig auch neue Konflikte angedeutet werden, um Interesse an der nächsten Staffel zu wecken (Vgl. Faulstich, 2008, S. 114-115).

Innerhalb des seriellen Formats vollzog sich ein fundamentaler Wandel. Viele neue Serien zeichnen sich nicht mehr durch ihren Beitrag zur „Verdummung des Zuschauers“ (Schabacher, 2010, S. 20), sondern durch „komplexe Narrative, die dem Publikum ein hohes Maß an Aufmerksamkeit abverlangen“ (Schabacher, 2010, S. 22) aus, wie im folgenden Kapitel erläutert wird.

3.2 Die Quality-TV-Serie

Aufgrund seines großen Investitionskapitals produzierte der amerikanische Pay-TV-Sender HBO in den 90er-Jahren erstmals qualitativ hochwertige Serien und prägte damit den Begriff Quality TV. Bis heute sind alle Definitionen dieses Begriffs ohne empirische Grundlage formuliert worden und es herrscht kein allgemeiner Konsens. In einigen Punkten, welche im Folgenden dargelegt werden, sind die Wissenschaftler sich allerdings einig.

HBO prägte den Begriff zwar, doch die Grundidee besteht schon seit den Anthologie-Dramen der 1950er. Diese wurden live aus den Studios gesendet und wiesen dadurch eine enge Verwandtschaft zu den allgemein als „higher form of art“ (Feuer, 2007, S. 146) angesehenen Theaterstücken auf. Von dieser Charakteristik profitierend, setzt sich das Merkmal sich an ein Elite-Publikum zu richten, bis heute bei der Definition von Quality-TV durch (Vgl. Feuer, 2007).

Kumpf (2011) bezeichnet die Rezipienten von Quality-TV-Serien als „intellies“ (S. 19). Die Bezeichnung beinhaltet die Adjektive intellektuell und intelligent, da die Zuschauer hoch gebildet sind und Wert auf anspruchsvolle Serien legen. Des Weiteren wird durch „in-telly“ das bezeichnet, was im Fernsehen gerade in ist. Die „intellies“ rezipieren nur Serien mit inhaltlich relevanten Themen, welche sowohl realitätsnah als auch emotional dargestellt werden. Sie wollen sich in die Protagonisten hineinversetzen und suchen nach Parallelen zwischen deren Leben und ihrem eigenen. Um diesen Ansprüchen genügen zu können, behandeln die neuen Serien kontroverse Themen in komplexen und hochwertig umgesetzten Drehbüchern. Vor allem auch visuell zeigt sich Kreativität durch innovative Kameraarbeit (Vgl. Kumpf, 2010).

Den Erfolg des Konzepts bestätigt beispielsweise auch Scheyer (2009): „Im Prinzip reichen viele moderne TV-Serien sowohl ästhetisch als auch dramaturgisch an die Standards von Kinospielfilmen heran und überschreiten sie manchmal sogar“ (S. 5). Trotzdem werden Quality-TV-Serien oftmals pauschal mit anderen Serien gleichgesetzt, da einige Merkmale beibehalten wurden, wie beispielsweise die Serialität. Jedoch bringen die Quality-TV-Serien, im Gegensatz zu alten Formaten, mehrere Handlungsstränge miteinander in Verbindung. Die Szenen wechseln dabei oft zwischen komödiantischen und dramatischen Elementen, während Standard-Serien meist eindeutig einem Genre zugeordnet werden können (Vgl. Feuer, 2007). Nicht nur die verschiedenen Handlungsstränge, sondern auch die explizite und die implizite Dramaturgie werden miteinander verwoben. Während die explizite Dramaturgie „das konkrete Handlungsgeschehen“ (Lang, 2011) bezeichnet, meint die implizite Dramaturgie die innerhalb der expliziten versteckte Dramaturgie, welche „für die Realismuswirkung und Authentisierung des Erzählten verantwortlich“ (ebd.) ist. Fehlende oder falsche Metaphern lassen eine Serie „schnell ahnungslos oder naiv wirken“ (ebd.). Neben den Handlungssträngen sind verschiedene Handlungsbögen von Relevanz. Im Gegensatz zu traditionellen Fernsehsendungen wird dem großen, vertikalen Handlungsbogen mehr Bedeutung zugemessen als den kleineren, nur eine oder wenige Episoden umspannenden horizontalen Bögen (Vgl. Lang, 2011).

Auch Mittell (2006) nennt in seiner Arbeit viele dieser Komplexitätsmerkmale wie: Analepsen, Traum- und Phantasieszenen, miteinander verwobene Handlungsstränge, die steigende Bedeutung des Dialogs im Vergleich zur Handlung, sowie Verweise und Bezüge auf andere Medien und Programme. Vor allem die exakte Ausarbeitung der visuellen Ebene und deren Relevanz für das Verständnis der Serie wird betont. Eine nur auditive Rezeption wird dadurch unmöglich.

Einzelne Episoden wurden schon bei den traditionellen Serien mit einem sogenannten Cliffhanger beendet, was sich auch nicht geändert hat. Ein Cliffhanger bezeichnet allgemein „eine intendierte Unterbrechung der Narration, die im weitesten Sinne Interesse am Fortgang der Handlung weckt“ (Weber/Junklewitz, 2010, S. 113). Er kann die „Steigerung und Kulmination dramatischer Konflikte, das Zusammenführen von Handlungssträngen, das Enthüllen neuer Charakterfacetten und Figurenhintergründe sowie den Vollzug richtungsweisender Drehungen und Umdeutungen des Seriengeschehens“ (Weber/Junklewitz, 2010, S. 131) beinhalten und ist somit narratologisch wertvoll. Aus unterhaltungs-theoretischer Sicht empfindet der Zuschauer durch das abrupte Ende an einem Höhepunkt eine angenehme Spannung, welche ihn bis zur nächsten Episode beschäftigt und deren Weitergang er erfahren möchte. Der Cliffhanger bindet den Rezipienten somit – wirtschaftlich bedeutend – durch seine Neugier an die Sendung.

4 Serielle Merkmale in „Breaking Bad“

Schon in der ersten Episode von „Breaking Bad“ zeigen sich einige der genannten Quality-TV-Merkmale. Während vordergründig Walters Umgang mit der Krebs-Diagnose gezeigt wird, geht es implizit um essentielle Themen wie das „unzureichende Krankenversicherungssystem in den USA“ (Lang, 2011) und die Schwierigkeiten eine Familie zu ernähren. Obwohl Walter zwei Jobs nachgeht wird die schlechte finanzielle Situation der Whites immer wieder deutlich. Beispiele hierfür sind das kaputte Auto (Gilligan, 2009, 10:28) sowie das Telefonat Skylers und das anschließende Gespräch mit Walter über die Verwendung der Mastercard (19:20).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das serielle Format in "Breaking Bad"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V437820
ISBN (eBook)
9783668778887
ISBN (Buch)
9783668778894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
format, breaking
Arbeit zitieren
Caroline Harsch (Autor), 2012, Das serielle Format in "Breaking Bad", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437820

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