In dieser Arbeit soll die empirische Fragestellung beantwortet werden, welche Rolle Hilfsbereitschaft in Kollegenbeziehungen spielt. Ebenso werden die Bedingungen, unter denen Hilfsbereitschaft in Kollegenbeziehungen auftritt analysiert. Es wird untersucht, wie zwei Aspekte des Berufslebens mit der Hilfsbereitschaft zusammenhängen. Diese Aspekte sind die Angewiesenheit der Kollegen untereinander und die Konkurrenzsituation.
In dieser Arbeit wurden Interviews zu Hilfe genommen. Die Hilfsbereitschaft wird untersucht, da viele Interviewpartner über sie berichteten. Zunächst wird ausführlich Dahrendorfs Rollentheorie behandelt und eine Verbindung zur empirischen Fragestellung hergestellt. Anschließend wird das methodische Vorgehen zur empirischen Untersuchung erläutert und die empirischen Befunde dargestellt. Nach einer Interpretation der Ergebnisse wird schließlich ein Ausblick der Rolltheorie gegeben. Zum Schluss folgt eine Zusammenfassung der zentralen Kategorien von Dahrendorfs Theorie und eine empirische Verortung dieser sowie eine Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorgehensweise und Auswahl der Theorie für die Untersuchung
2. Strukturtheoretische Rollentheorie nach Dahrendorf
2.1 Homo Sociologicus
2.2 Soziale Rolle
2.3 Position und Positionsfeld
2.4 Erwartungsarten
2.5 Bezugsgruppen
3. Empirische Ergebnisse
4. Interpretation der Ergebnisse
5. Ausblick und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Rolle von Hilfsbereitschaft innerhalb von Kollegenbeziehungen und analysiert die Bedingungen, unter denen dieses Verhalten auftritt. Dabei wird insbesondere geprüft, wie das Ausmaß der wechselseitigen Abhängigkeit sowie bestehende Konkurrenzsituationen die Hilfsbereitschaft beeinflussen, wobei Dahrendorfs strukturtheoretische Rollentheorie als theoretischer Analyserahmen herangezogen wird.
- Analyse der sozialen Rolle des Kollegen hinsichtlich Hilfsbereitschaft.
- Untersuchung des Einflusses von wechselseitiger beruflicher Angewiesenheit.
- Einfluss von Konkurrenzdenken auf das Hilfeverhalten im Berufsalltag.
- Empirische Untersuchung mittels Leitfadeninterviews in verschiedenen Branchen.
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit von Dahrendorfs Rollentheorie.
Auszug aus dem Buch
2.2 Soziale Rolle
„Soziale Rollen sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen.“ (Dahrendorf 1960: 21). Zu einer Rolle gehören also nicht die Verhaltensweisen von Individuen, sondern sie bezieht sich darauf, wie ein bestimmtes Verhalten zustande kommt (vgl. Gerhardt 1971: 138). In dieser Arbeit wird die soziale Rolle des Kollegen untersucht, und zwar hinsichtlich der Erwartung der Hilfsbereitschaft, die sich auf Kollegen bezieht. Darauf werde ich im Kapitel über die empirischen Ergebnisse näher eingehen.
Eine soziale Rolle kann nicht als Maske aufgefasst werden. Dies bedeutet, dass man nicht davon ausgehen kann, dass der Mensch ohne Rolle er selbst ist (vgl. Dahrendorf 1960: 17). Sie sagt auch nicht das tatsächliche Verhalten einer Person voraus, sondern nur die Erwartungen der Gesellschaft, die eine bestimmte Rolle betreffen. Von diesen Erwartungen kann der Einzelne durch sein Verhalten auch abweichen (vgl. Dahrendorf 1960: 21). Die Erwartungen beziehen sich dabei immer auf eine bestimmte Rolle und nicht auf eine bestimmte Person und werden von der Gesellschaft bestimmt sowie verändert (vgl. Dahrendorf 1960: 22). Eine Gesellschaft mit Menschen ohne soziale Rollen ist nicht möglich (vgl. Haug 1994: 32). Soziale Rollen dienen dazu, Verhalten vorhersehbar zu machen, da man in der Regel davon ausgehen kann, dass Individuen sich den Verhaltenserwartungen beugen. Diese Erwartbarkeit verringert die Verhaltensunsicherheit des Menschen, die sich durch seinen gering ausgeprägten Instinkt ergibt (vgl. Griese, Nikles, Rülcker 1977: 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorgehensweise und Auswahl der Theorie für die Untersuchung: Einführung in die Forschungsfrage zur Hilfsbereitschaft in Kollegenbeziehungen sowie Begründung der Wahl von Dahrendorfs Rollentheorie.
2. Strukturtheoretische Rollentheorie nach Dahrendorf: Theoretische Fundierung durch Erläuterung der Begriffe Homo Sociologicus, soziale Rolle, Position, Erwartungsarten und Bezugsgruppen.
3. Empirische Ergebnisse: Darstellung und Auswertung von vier Leitfadeninterviews mit Angestellten aus unterschiedlichen Branchen zur Hilfsbereitschaft.
4. Interpretation der Ergebnisse: Analyse der Interviewdaten im Kontext der theoretischen Annahmen, wobei sich insbesondere der Zusammenhang zwischen Angewiesenheit und Hilfsbereitschaft zeigt.
5. Ausblick und Zusammenfassung: Kritische Reflexion der Untersuchungsmethode und der Anwendbarkeit der Rollentheorie sowie Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Hilfsbereitschaft, Kollegenbeziehungen, Soziale Rolle, Dahrendorf, Homo Sociologicus, Erwartungsarten, Angewiesenheit, Konkurrenz, Empirische Untersuchung, Rollentheorie, Soziologie, Arbeitsumfeld, Sanktionen, Bezugsgruppen, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Hilfsbereitschaft in Arbeitsbeziehungen zwischen Kollegen und analysiert, welche sozialen Bedingungen dieses Verhalten fördern oder hemmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das kollegiale Hilfeverhalten, die Abhängigkeit zwischen Mitarbeitern, Konkurrenzsituationen im Unternehmen sowie die Anwendung der soziologischen Rollentheorie nach Ralf Dahrendorf.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, welche Rolle Hilfsbereitschaft spielt und unter welchen spezifischen Bedingungen sie innerhalb der Kollegenrolle auftritt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine qualitative Methode in Form von Leitfadeninterviews, die mit vier verschiedenen Berufstätigen aus unterschiedlichen Branchen geführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Rollentheorie nach Dahrendorf und die anschließende empirische Untersuchung, in der die Interviews ausgewertet und interpretiert werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Hilfsbereitschaft, soziale Rolle, Angewiesenheit, Konkurrenz, Rollenerwartungen und die Strukturtheorie nach Dahrendorf.
Wie beeinflusst die berufliche Angewiesenheit das Hilfeverhalten laut den Ergebnissen?
Die Untersuchung zeigt, dass gegenseitige berufliche Angewiesenheit eine wesentliche Bedingung für Hilfsbereitschaft darstellt, da diese oft als notwendig für die Erledigung der Arbeitsaufgaben wahrgenommen wird.
Welche Rolle spielt Konkurrenz bei der Hilfsbereitschaft?
Entgegen der Annahme, dass Konkurrenz Hilfsbereitschaft ausschließt, zeigte die empirische Analyse, dass Hilfsbereitschaft in vielen Fällen unabhängig vom Ausmaß des Konkurrenzdenkens besteht, sofern die Notwendigkeit der Zusammenarbeit gegeben ist.
Warum wird Dahrendorfs Rollentheorie am Ende kritisch bewertet?
Für die Interpretation der spezifischen empirischen Ergebnisse erwies sich der theoretische Rahmen der Rollentheorie als nur begrenzt nützlich, da menschliches Handeln oft komplexer ist, als es die starre Definition des "Homo Sociologicus" suggeriert.
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- Anonym (Author), 2013, Die Rollentheorie nach Ralf Dahrendorf. Welche Rolle spielt Hilfsbereitschaft in Kollegenbeziehungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437838