Schulische Lernsituationen zeichnen sich durch ihren Probiercharakter, die Suche nach Neuem und den Umgang mit noch nicht ganz Verstandenem aus. Lehrer erachten daher Lernschwierigkeiten als einen normalen Aspekt innerhalb von Lernprozessen. Das Auftreten von Fehlern ist somit ein natürlicher Bestandteil des Lernens und eröffnet die Chance, einen Einblick auf Missverständnisse und fehlgeschlagene Verstehensprozesse auf Seiten der Schüler und Mängel in der Vermittlung des Unterrichtsangebotes zu gewinnen. Die Nutzung dieser Fehler als Lernchance gelten als besonders förderlich für die Entwicklung der Lernmotivation und damit indirekt für die Kompetenzentwicklung. Demzufolge sollten Lehrpersonen ein Lernklima schaffen, in denen Fehler als Lerngelegenheiten willkommen sind, das Verwerfen von fehlerhaftem Wissen begrüßt wird und in denen sich Lernende sicher fühlen können, um zu lernen, neu zu lernen und Wissen und Erkenntnisse zu erkunden. Es stellt sich die Frage, über welche verschiedenen Wissensfacetten ein Lehrer verfügen muss, um mit Schülerfehlern lernwirksam umzugehen. Im Rahmen dieser Arbeit werden daher folgende Forschungfragen untersucht: Welche verschiedenen Wissenfacetten umfasst die professionelle Fehlerkompetenz? Welche Leistungsunterschiede gibt es hinsichtlich des berufsbiografischen Status? Ziel dieser Arbeit ist es, die Inhalte der professionellen Fehlerkompetenz vorzustellen und die Leistungsunterschiede hinsichtlich des berufsbiographischen Status aufzuzeigen. Bei dieser Hausarbeit handelt es sich um eine analytische Literaturarbeit. Um eine vertiefende Auseinandersetzung mit der professionellen Fehlerkompetenz zu gewährleisten, werden zunächst die elementaren begrifflichen Bestandteile Professionalisierung, Fehler und Kompetenz näher erläutert. Daraufhin werden die verschiedenen Wissensfacetten vorgestellt und in das COACTIV-Kompetenzmodell eingeordnet. Aktuelle empirische Befunde setzen sich anschließend mit den Leistungsunterschieden innerhalb des berufsbiographischen Status auseinander und prüfen somit die Kompetenzentwicklung in den Stadien der Lehrerexpertise. Die professionelle Fehlerkompetenz ist ein neues Forschungsgebiet in der Wirtschaftspädagogik, weshalb nur wenig Datenmaterial bis jetzt erhoben werden konnte. Bei den empirischen Befunden wird sich auf die Studienergebnisse von Türling beschränkt, da sie die erste große empirische Arbeit zu diesem Themenbereich darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
2.1 Professionalisierung
2.2 Fehler
2.3 Kompetenz
3. Professioneller Fehlerkompetenz
3.1 Umfang der professionellen Fehlerkompetenz
3.2 Einordnung in das COACTIV-Kompetenzmodell
4. Ausgewählte empirische Befunde
4.1 Untersuchungsdesign von Türling (2014)
4.2 Leistungsunterschiede in der Fehleridentifikation und Fehlerkorrektur
4.3 Ergebnisse zum Umgang mit Schülerfehlern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Struktur und Messbarkeit der sogenannten professionellen Fehlerkompetenz bei angehenden und praktizierenden Lehrkräften im Bereich der kaufmännischen Bildung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, über welche Wissensfacetten Lehrpersonen verfügen müssen, um Schülerfehler lernwirksam zu nutzen, und inwiefern sich diese Kompetenz entlang des berufsbiografischen Status von Studierenden bis hin zu erfahrenen Lehrkräften unterscheidet.
- Grundlagen von Professionalisierung, Fehlerverständnis und Kompetenzentwicklung
- Konzeptualisierung der professionellen Fehlerkompetenz in zwei Wissensfacetten
- Einbettung der Fehlerkompetenz in das COACTIV-Modell
- Empirische Analyse von Leistungsunterschieden durch vignettenbasierte Studien
- Evaluation von Feedbackstrategien im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Umfang der professionellen Fehlerkompetenz
Die Bedeutung der professionellen Fehlerkompetenz wird bereits in den 45 professionsspezifischen Kompetenzprofilen für Lehrkräfte festgestellt. Als Kompetenzprofil des Lernprozesses nach Heinzer, Oser & Salzmann (2009, S. 45) kann die Lehrperson in unterschiedlichen Situationen angemessen auf Fehler reagieren und mit den Lernenden diese Fehler so besprechen, dass sie nachhaltig daraus lernen. Türling (2014, S.90ff) unterteilt die professionelle Fehlerkompetenz in zwei Wissensfacetten und ordnet ihnen die dazugehörigen Kompetenzen zu. Die Abbildung 3.1-2 zeigt, dass sich professionelle Fehlerkompetenz aus Fehlerwissen und Handlungsstrategien zusammensetzt. Das Fehlerwissen (PFK 1) beschreibt die Fähigkeit Schülerfehler im Unterricht zu identifizieren sowie das Wissen über die dazugehörige korrekte Lösung. Eine adäquate fachwissenschaftliche Wissensbasis ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Identifikation und der darauffolgenden Klärung im Unterrichtsverlauf. Außerdem beinhaltet das Fehlerwissen die Kenntnis über typische Schülerfehler. Die Lehrperson sollte in der Lage sein, mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen wie zum Beispiel die Abstraktheit des Lerninhaltes, fehlendes Interesse und Motivation des Lernenden, mangelnde Anschaulichkeit durch die Lehrkraft oder die organisatorischen Rahmenbedingungen (Türling, 2014, S. 90).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Fehlern als Lernchancen und definiert das Ziel der Arbeit, die professionelle Fehlerkompetenz als neues Forschungsfeld zu untersuchen.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Professionalisierung, Fehler und Kompetenz im Kontext der wirtschaftspädagogischen Lehrerausbildung.
3. Professioneller Fehlerkompetenz: Es werden die Wissensfacetten der Fehlerkompetenz (Fehlerwissen und Handlungsstrategien) vorgestellt und in das COACTIV-Kompetenzmodell integriert.
4. Ausgewählte empirische Befunde: Anhand der Studienergebnisse von Türling (2014) werden Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Statusgruppen (Studierende, Referendare, Lehrkräfte) in der Fehleridentifikation und dem Feedback-Umgang analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Forschungsfragen und reflektiert kritisch das Forschungsdefizit sowie die Bedeutung der Lehrerexpertise.
Schlüsselwörter
Professionelle Fehlerkompetenz, Lehrerexpertise, Wirtschaftspädagogik, Schülerfehler, Fehlerwissen, Handlungsstrategien, COACTIV-Modell, Feedbackarten, Lehrerbildung, Professionalisierung, Fachdidaktik, Fehleranalyse, Unterrichtsqualität, empirische Forschung, berufsbiografischer Status.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Fehlerkompetenz, also der Fähigkeit von Lehrkräften, Schülerfehler im Unterricht zu erkennen, zu analysieren und konstruktiv für den Lernprozess zu nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Lehrerprofessionalität, die Unterteilung der Fehlerkompetenz in Fehlerwissen und Handlungsstrategien sowie der Vergleich empirischer Leistungen zwischen verschiedenen Phasen der Lehrerbildung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschung untersucht, aus welchen Wissensfacetten sich die professionelle Fehlerkompetenz zusammensetzt und inwieweit sich die Kompetenzniveaus in Abhängigkeit vom berufsbiografischen Status der Lehrpersonen (Studierende bis erfahrene Lehrkräfte) unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Literaturarbeit, die zur Beantwortung der empirischen Fragestellungen auf die Studienergebnisse von Türling (2014) zurückgreift, welche einen Mixed-Methods-Ansatz (Interviewstudie und vignettenbasierte Paper-Pencil-Tests) verfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil definiert Begriffe wie Professionalisierung und Kompetenz, leitet das Rahmenmodell der Fehlerkompetenz her, ordnet dieses in das wissenschaftliche COACTIV-Modell ein und diskutiert empirische Befunde zu Fehlern im Rechnungswesenunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind professionelle Fehlerkompetenz, Lehrerexpertise, Schülerfehler, Feedbackstrategien, Lehrerbildung und das COACTIV-Modell.
Warum spielt die Berufserfahrung für die Fehlerkompetenz eine Rolle?
Die Ergebnisse zeigen, dass erfahrene Lehrkräfte signifikant besser darin sind, Fehler zu identifizieren und elaboriertes Feedback zu geben, was das Novizen-Experten-Paradigma unterstreicht.
Was zeichnet ein "elaboriertes Feedback" aus?
Ein elaboriertes Feedback bietet über die bloße Fehlerkorrektur hinaus gezielte Hinweise auf den Fehlerort, Fachbegriffe und metakognitive Leitfragen, die den Lernenden selbst zur Lösung führen sollen.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Kompetenzentwicklung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass mit zunehmender Lehrerexpertise die professionelle Fehlerkompetenz steigt, wobei jedoch insbesondere bei komplexen Aufgabenstellungen noch Verbesserungsbedarf besteht.
Welche Limitationen werden genannt?
Die Arbeit identifiziert ein starkes Forschungsdefizit in diesem Bereich und weist darauf hin, dass die bisherigen Ergebnisse primär auf dem Fach Rechnungswesen basieren und auf andere Fächer wie Deutsch oder Englisch noch nicht ohne Weiteres übertragbar sind.
- Quote paper
- Kevin Lutter (Author), 2015, Die professionelle Fehlerkompetenz bei angehenden Lehrkräften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437908