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Der Kibbutz. Eine gelebte Utopie?

Die Kibbutzidee und ihre Umsetzung von der ersten Alija bis in die 70er Jahre

Titel: Der Kibbutz. Eine gelebte Utopie?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 30 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Sascha Dankudis (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Kibbutz repräsentiert als genuin israelische Genossenschaftssiedlung mit ursprünglich landwirtschaftlichem Schwerpunkt den Versuch die zionistische Besiedlung Palästinas nach dem Vorbild einer kollektiven egalitären Gesellschaftsutopie sozialistischen Zuschnitts zu gestalten. In die Kibbutzidee sind neben zionistischem und sozialistischem Gedankengut unterschiedliche konzeptionelle und theoretische Ansätze, etwa aus der Reformpädagogik und der Psychoanalyse, eingeflossen. Es ging den Pionieren der Kibbutzbewegung, die anfangs fast ausschließlich aus Osteuropa vor Pogromen und Diskriminierung nach Eretz Israel flohen, um nichts weniger, als für den erhofften jüdischen Nationalstaat auf palästinensischem Boden einen „neuen Menschen“ zu schaffen. Dieser neue Mensch sollte nach dem Grundsatz „gib nach deinen Fähigkeiten und empfange nach deinen Bedürfnissen“ in kollektiver Selbstarbeit, grundsätzlicher Geschlechtergleichheit und ohne Privatbesitz die kargen oder sumpfigen Böden Palästinas urbar machen.

Trotz der Tatsache, dass der Anteil der zionistischen Siedler, die im ehemaligen Palästina und späteren Israel in Kibbutzim lebten, damals wie heute eine kleine Minderheit darstellt, hat der Kibbutz als einzigartige Lebensgemeinschaft und Verwirklichung einer sozialistischen Utopie weltweite Bekanntheit erreicht und eine bedeutende Rolle auf dem Weg zum israelischen Nationalstaat gespielt.

Angesichts dieser utopischen Ideale drängt sich natürlich die Frage auf, ob und wie die verschiedenen Kibbuzim diesen in der praktischen Umsetzung gerecht werden konnten. In der Folge sollen nun zunächst in einem ersten Teil die ideengeschichtlichen Einflüsse der Kibbutzbewegung näher untersucht werden. Hier wird der Fokus auf Bewegungen und Institutionen des 19. Jahrhunderts in Ost- und Westeuropa liegen, die das soziale Milieu der Kibbutzgründer entscheidend prägten. In diesem Kontext ist auch die Situation der Juden in der Diaspora in den Blick zu nehmen, die zunächst im Osten später auch massiv im Westen von Diskriminierung und Verfolgung geprägt war und schließlich den Zionismus für viele Juden als Rettungsidee erscheinen ließ.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literatur und Forschung

3. Ideengeschichtliche Wurzeln der Kibbutzbewegung

3.1. Ideen der osteuropäischen Juden

3.2. Die jüdische Jugendbewegung

4. Die praktische Umsetzung der Ideen im Kibbutz

4.1. Ökonomische Strukturen

4.2. Politische und soziale Strukturen

4.3. Die Kollektiverziehung

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Kibbutzbewegung von ihren ideengeschichtlichen Ursprüngen bis in die 1970er Jahre, mit dem Ziel zu analysieren, inwieweit die zugrundeliegenden zionistischen und sozialistischen Utopien in der praktischen Lebenswirklichkeit der Kibbutzim umgesetzt werden konnten.

  • Ideengeschichtliche Einflüsse durch osteuropäische Denker und die jüdische Jugendbewegung
  • Die ökonomische Realität zwischen kollektivem Ideal und notwendiger Anpassung
  • Basisdemokratische Strukturen und das soziale Zusammenleben im Kibbutz
  • Entwicklung und Wandel des Konzepts der Kollektiverziehung

Auszug aus dem Buch

3.1. Ideen der osteuropäischen Juden

Da die ersten Kibbutzim von Siedlern aus Osteuropa gegründet wurden und hier zionistisches und sozialistisches Gedankengut zunächst weiter verbreitet war als im westlichen Galuth, bietet es sich an zuerst die Situation der osteuropäischen Juden und ihre ideengeschichtliche Entwicklung in den Blick zu nehmen. Die meisten Juden in Osteuropa, damit ist vor allem Russland und Galizien gemeint, hatten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert einen schweren gesellschaftlichen Stand. Antisemitismus war weit verbreitet. Die Juden lebten hier weniger assimiliert als ihre Glaubensbrüder und Schwestern im Westen und wurden von großen Teilen der Bevölkerung als gesellschaftlicher Fremdkörper empfunden. Unter Zar Alexander III. entluden sich die antisemitischen Ressentiments seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in äußerst brutalen und gewaltsamen Pogromen, die die ersten Alijot auslösten. Zwar gab es auch in Osteuropa parallel zum Westen eine jüdische Minderheit, die im Handel und Bankwesen zu Wohlstand gelangt war, aber das Gros der osteuropäischen Juden lebte in bescheidenen, wenn nicht gar ärmlichen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Unter diesen Prämissen stellte sich für die jüdische Bevölkerung die Frage, wie die prekäre Situation gelöst werden könnte. Dabei schwankten die Optionen zwischen Assimilation und Russifizierung auf der einen und der Hinwendung zum Zionismus auf der anderen Seite. Die Haskalah als jüdische Aufklärungsbewegung war bereits im 18. Jahrhundert im Westen entstanden und verband sich im Osten des 19. Jahrhunderts, im Rahmen der allgemeinen Trends zum Nationalismus jener Zeit, mit der Idee eines säkularen Nationalstaates, in dem Juden mit Angehörigen anderer Religionen gleichberechtigt leben könnten. Hier ging es also nicht um einen jüdischen Nationalstaat, sondern letztlich um Assimilation. Die Verschärfung antisemitischer Tendenzen im späten 19. Jahrhundert ließen aber sehr bald kritische Stimmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kibbutzbewegung als israelische Genossenschaftssiedlung ein und skizziert die Ambition, eine sozialistische Utopie auf palästinensischem Boden zu verwirklichen.

2. Literatur und Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kibbutz, unterteilt in verschiedene Kategorien wie Ratgeber, historische Darstellungen und sozialwissenschaftliche Studien.

3. Ideengeschichtliche Wurzeln der Kibbutzbewegung: Hier werden die geistigen Ursprünge untersucht, insbesondere die Einflüsse durch osteuropäische jüdische Traditionen sowie die prägende Rolle der jüdischen Jugendbewegung.

4. Die praktische Umsetzung der Ideen im Kibbutz: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Realisierung der Konzepte in den Bereichen Ökonomie, Politik und soziale Organisation sowie in der Erziehung.

5. Zusammenfassung: Dieses Fazit resümiert die Untersuchungsergebnisse und bewertet die Entwicklung der Kibbutzbewegung zwischen utopischem Anspruch und den Notwendigkeiten der Realität.

Schlüsselwörter

Kibbutz, Zionismus, Sozialismus, Osteuropa, Jugendbewegung, Kollektiverziehung, Martin Buber, Ökonomie, Basisdemokratie, Siedlungsgenossenschaft, Ideengeschichte, Israel, Utopie, Lohnarbeit, Gemeinschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Geschichte der Kibbutzbewegung und untersucht, wie die ursprünglichen zionistischen und sozialistischen Ideen der Gründergeneration im Alltag der Siedlungen umgesetzt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die ideengeschichtlichen Grundlagen, die ökonomischen Strukturen, die politische Selbstverwaltung und das Konzept der Kollektiverziehung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Spannungsfeld zwischen dem utopischen Anspruch eines egalitären Gemeinwesens und den praktischen Anpassungsprozessen über mehrere Jahrzehnte hinweg aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit ist primär ideengeschichtlich und historisch orientiert und stützt sich auf die Analyse von Fachliteratur sowie ego-dokumentarische Zeugnisse der Kibbutzmitglieder.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Herkunft dieser Ideale (u.a. Osteuropa, Jugendbewegung) und deren anschließende praktische Anwendung in den Kibbutzim bis in die 1970er Jahre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kibbutz, Zionismus, Sozialismus, Kollektiverziehung, Basisdemokratie und Utopie.

Warum spielte die osteuropäische Herkunft der Gründer eine so große Rolle?

Die Herkunft war entscheidend, da die Pogrome und der Antisemitismus in Osteuropa den Wunsch nach einem eigenen jüdischen Nationalstaat und einer radikalen gesellschaftlichen Umgestaltung befeuerten.

Welchen Einfluss hatte die Jugendbewegung auf das Kibbutzmodell?

Die Jugendbewegung brachte Ideale der Naturverbundenheit, Gemeinschaft und Reformpädagogik mit ein, die das Kibbutzleben, insbesondere die Bildung und soziale Struktur, maßgeblich mitprägten.

Wie veränderte sich die Rolle der Familie im Kibbutz?

In der Gründungsphase wurde die Familie oft als überholte Institution gesehen, was zur Einführung der Kollektiverziehung führte; mit der Zeit gewann das Familienleben jedoch wieder an Bedeutung.

Wurde das sozialistische Ideal der Lohnverzicht-Prinzipien durchgehalten?

Dies gestaltete sich schwierig; in Krisenzeiten und bei wirtschaftlichem Druck wurde stellenweise von den ursprünglichen Prinzipien abgewichen, was innerhalb der Kibbutzbewegung zu anhaltenden Debatten führte.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Kibbutz. Eine gelebte Utopie?
Untertitel
Die Kibbutzidee und ihre Umsetzung von der ersten Alija bis in die 70er Jahre
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Geschichte Israels
Note
2,0
Autor
Sascha Dankudis (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
30
Katalognummer
V438061
ISBN (eBook)
9783668796218
ISBN (Buch)
9783668796225
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kibbutz Israel Zionismus Sozialismus Utopie Tolstoi Ideengeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sascha Dankudis (Autor:in), 2018, Der Kibbutz. Eine gelebte Utopie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438061
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  30  Seiten
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