Entwicklung und Bewertung von Einsatzmöglichkeiten des sozial-kognitiven Prozessmodells gesundheitlichen Handelns (Health Action Process Approach, HAPA) zur Förderung körperlicher Aktivität


Hausarbeit, 2018
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Gesundheit

3 Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport

4 Gesundheits- und Krankheitsverhalten

5 Theoretischer und empirischer Hintergrund
5.1 Persönlichkeitsmerkmale
5.2 Kausalattributionen und Kontrollüberzeugungen
5.3 Optimismus
5.4 Selbstwirksamkeitserwartung und Handlungsergebniserwartung
5.5 Modelle und Konzepte

6 Health Action Process Approach (HAPA): Das sozial-kognitive Prozessmodell
gesundheitlichen Handelns
6.1 Der motivationale Prozess: Intentionsbildung
6.2 Der volitionale Prozess: Planung und Realisierung gesundheitsbezogenen
Handelns

7 Sozial-kognitive Bedingungen körperlicher Aktivität

8 Einsatzmöglichkeiten des HAPA-Modells zur Förderung körperlicher Aktivität

9 Bewertung und Diskussion

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Hausarbeit behandelt die Entwicklung und Einsatzmöglichkeiten des Health Action Process Approach (HAPA): sozial-kognitives Prozessmodell gesundheitlichen Handelns von Ralf Schwarzer. Zunächst wird auf zentrale Begrifflichkeiten der Gesundheitspsychologie eingegangen, um anschließend daran den Einfluss einzelner Variablen auf die Aufnahme und Weiterführung körperlicher Aktivität zu erläutern. Konklusiv werden die Einsatzmöglichkeiten des Modells beleuchtet und darüber diskutiert. Anhand der verwendeten Literatur zeigt sich, dass sich das dynamische Modell von Schwarzer gut zur Erklärung und Vorhersage individueller gesundheitsförderlicher und gesundheitsschädlicher Verhaltensweisen eignet. Durch die Unterscheidung zwischen präintentionalen Motivationsprozessen und postintentionalen Volitionsprozessen erklärt es gut, welche spezifischen Variablen in den einzelnen Phasen eine Rolle spielen, wie gesundheitsbezogene Ziele stufenweise geplant und visualisiert werden können, wie Teilschritte am Weg zur Gesundheitsverhaltensveränderung überprüft und individuelle Interventionen geplant werden können. Besonders aufschlussreich für die Anwendung sind die Erkenntnisse des HAPA-Modells zu stufenspezifischen Interventionen. Aus praktischer Sicht liefern diese einen bedeutenden Vorteil: Interventionsmaßnahmen können für die betreffende Person phasenbezogen und maßgeschneidert entwickelt werden. Solche phasenbezogenen Treatments zielen auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse der Rezipienten ab. Die Einflussfaktoren, die auf die Gesundheitsverhaltensweise der Person einwirken, können so je nach Phase, fokussiert und modifiziert werden, weshalb diese Art von Maßnahmen auch als besonders erfolgversprechend gilt.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit nur die Verwendung männlicher Sprachformen gewählt. Dennoch gelten sämtliche Personenbezeichnungen gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

1 Einleitung

Bewegung als „Säule der Gesundheit“. Bereits Hippokrates erkannte Bewegung, Ernährung und Entspannung als zentrale Säule der gesundheitsmäßigen Lebensführung und wirksam in der Prävention von Erkrankungen. Der Nutzen von Bewegung ist mittlerweile durch umfangreiche wissenschaftliche Literatur belegt: Körperliche Aktivität wirkt in jedem Alter gesundheitsfördernd und trägt dazu bei, viele der im Alter vermehrt auftretenden Erkrankungen zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern (Schwarzer, 2004). Körperliche Aktivität und Sport haben einen protektiven Effekt auf Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Diabetes, metabolisches Syndrom sowie degenerative Erkrankungen bis hin zu Tumoren. Die Prävalenz von Menschen in europäischen Ländern mit bewegungsarmen Lebensstilen ist im letzten Jahrzehnt jedoch weitgehend konstant geblieben (Europäische Kommission, 2014). Ein starker Anstieg von Erkrankungen gerade in industrialisierten Gesellschaften ist zu beobachten. Viele dieser Erkrankungen sind auf einen Wandel des Lebensstils, geprägt durch Alltagsstress, Fehlernährung und Bewegungsarmut, zurückzuführen. Hinzu kommt, dass diese Erkrankungen nicht nur die Lebensqualität der Menschen stark beeinträchtigen, sondern auch deren Lebenserwartung senken können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organization, 2006) geht davon aus, dass mangelnde Bewegung in ca. acht bis zehn Prozent aller Todesfälle die Ursache für einen vorzeitigen Tod darstellt, und dass weltweit 17% der Erwachsenen völlig inaktiv sind. Vor dem Hintergrund der Bedrohung für das individuelle und gesellschaftliche Wohlergehen wird die zunehmende Relevanz des gesundheitlichen Handelns deutlich. Die gezielte Förderung körperlicher Aktivität wird demnach sowohl in der Prävention als auch bei verschiedensten Beschwerden bis hin zu Krankheiten eingesetzt. Um nun in den folgenden Kapiteln die Frage beantworten zu können, wie bewegungsinaktive Menschen am wirkungsvollsten in ihrem Bewegungsverhalten gefördert werden können und wie das HAPA-Modell hierfür eingesetzt und bewertet werden kann, soll zunächst eine kurze allgemeine Übersicht über Begrifflichkeiten gegeben werden.

2 Gesundheit

Zwei divergierende Sichtweisen auf den Gesundheitsbegriff lassen sich voneinander abgrenzen (Hoffmann, Schwarz & Mai, 2012, zitiert nach Antonovsky, 1987; Faselt, Hoffmann & Hoffmann, 2010). Das biomedizinische Gesundheitsverständnis fokussiert die pathogenetischen, also die an der Krankheitsgenese beteiligten Faktoren. Die salutogenetische Begriffsauffassung betrachtet dagegen, warum Menschen gesund sind bzw. bleiben. Früher verstand man, angelehnt an den pathogenetischen Ansatz, unter Gesundheit ausschließlich die Abwesenheit von Krankheit. Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Begriffsverständnis, und im Jahr 1946 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO eine positive Definition, die erstmalig neben physischen Kriterien auch psychische und soziale Aspekte zu den definitorischen Merkmalen zählt: „Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity“ [„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.“] (World Health Organization, 1946). Ein vollkommenes Wohlbefinden erreichen zu können, scheint erstrebenswert jedoch zugleich auch ziemlich unrealistisch. Vor allem im Hinblick auf das heutige Verständnis von Gesundheit, sollte diese Definition doch eher vorsichtig kritisch betrachtet werden. Faltermaier (2017) definiert Gesundheit als dynamischen Prozess, da sie immer wieder neu erlangt, wiederhergestellt und aufrechterhalten werden muss.

3 Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport

Körperlich aktiv zu sein, wird oftmals mit bestimmten Freizeit- und Sportaktivitäten, wie Wandern, Laufen, Radfahren, etc. verbunden. Doch auch die meisten Alltagshandlungen, wie beispielsweise Treppensteigen, Hausarbeit, Einkauf oder das morgendliche Anziehen sind ohne körperliche Aktivität erst gar nicht möglich. Schwarzer (2004) definiert körperliche Aktivität als durch die Skelettmuskulatur generierte Bewegung, die den Energieverbrauch verstärkt ansteigen lässt. Da der menschliche Körper auch im Ruhezustand Energie verbraucht (Ruheumsatz) impliziert diese Definition, dass die physische Aktivität, ausgelöst durch größere Muskelgruppen zu einem höheren Energieverbrauch führen sollte, je intensiver, länger und umfangreicher die Muskelarbeit betrieben wird. Um zu verdeutlichen, wie der Energieverbrauch durch körperliche Aktivität ansteigt, wird an dieser Stelle kurz auf das metabolische Äquivalent (MET) eingegangen. Der zuvor genannte Energieverbrauch wird nämlich in der Einheit des MET angegeben und beschreibt den Stoffwechselumsatz eines Menschen bezogen auf den Ruheumsatz im Verhältnis zu seinem Körpergewicht. Im Ruhezustand liegt das MET bei eins und steigt bei moderat intensiver körperlicher Aktivität auf bei drei bis sechs MET – der Energieverbrauch steigt also bei Bewegung deutlich an.

Körperliche Aktivitäten, die zu Trainingszwecken des Körpers, aus Spaß und Freude an der Aktivität, der Gemeinschaft, der Herausforderung oder zum Zwecke des Wettkampfes betrieben werden, bezeichnet man als Sport. Alltagsaktivitäten und berufliche Tätigkeiten, die ebenso Bewegung erfordern, grenzen sich dahingehend ab, da sie in der Regel nicht durch Spaß und Freude an der Bewegung motiviert sind. Die Begriffe „körperliche Aktivität“ und „Bewegung“ werden in den folgenden Kapiteln synonym verwendet.

Lt. der im Jahre 2017 veröffentlichten Nationalen Empfehlung für Bewegung und Bewegungsförderung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollten Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren eine tägliche Bewegungszeit von 90 Minuten und mehr in moderater bis hoher Intensität erreichen, 60 Minuten davon können durch Alltagsaktivitäten absolviert werden. Erwachsene sollten mindestens 150 Minuten/Woche ausdauerorientierte Bewegung mit moderater Intensität durchführen oder mindestens 75 Minuten/Woche ausdauerorientierte Bewegung mit hoher Intensität. Zusätzlich sollten Erwachsene muskelkräftigende körperliche Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche durchführen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2017).

4 Gesundheits- und Krankheitsverhalten

Das Gesundheitsverhalten von Menschen ist so unterschiedlich wie die unzähligen guten Vorsätze, die Menschen in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten immer wieder fassen. Manche suchen äußerst selten einen Mediziner auf, während andere unentwegt den Arzt konsultieren ohne überhaupt Krankheitssymptome aufzuweisen. Viele Menschen rauchen, obwohl bekannt ist, dass das Rauchen Krebs hervorrufen kann. Die einen betreiben intensiv Sport, andere sind bewegungsinaktiv und wieder andere nehmen sich zumindest vor täglich körperlich aktiv zu sein. Obwohl die Betroffenen wissen, dass ihr Verhalten gesundheitsschädigend ist, führen sie dieses dennoch weiter aus und trotz bester Absichten, werden auch die gute Vorsätze zur Änderung des Verhaltens nicht umgesetzt. Diese Beispiele zeigen, dass Menschen eine Bedrohung durch eine Krankheit offensichtlich ganz unterschiedlich einschätzen, diese divergent beurteilen und sich gegenüber einem Erkrankungsrisiko auch grundverschieden verhalten. Verhalten, das in Zusammenhang mit einer Wiederherstellung oder Verbesserung von Gesundheit steht und auf einem Verhaltensmuster, einer Gewohnheit oder Handlung basiert, wird als Gesundheitsverhalten verstanden (Ziegelmann, 2002). Zudem wird jedoch auch die Unterlassung eines Risikoverhaltens als Gesundheitsverhalten verstanden. Das an den Tag legen von Gesundheitsverhaltensweisen kann als durchaus mühevolle, kräfteverschleißende Aktivität angesehen werden, die viel Selbstregulation und mitmenschliche Unterstützung erfordert. Soziale und persönliche Ressourcen sind hierfür also unabdingbar.

So unterschiedlich und vielfältig wie das Gesundheitsverhalten von Menschen ist auch deren Krankheitsverhalten und wird nach Schwarzer (2004) als jegliche Reaktion auf das Wahrnehmen von Symptomen und Krankheitsinformation sowie auf die Bedrohung durch mögliche Erkrankungen und Behinderungen definiert. Dies impliziert, dass das Krankheitsverhalten von Menschen nicht nur die Folge von Krankheiten, sondern auch von erlerntem bzw. erworbenem Verhalten im Umgang mit Krankheitsvorgängen und Symptomen ist.

5 Theoretischer und empirischer Hintergrund

Bevor nachfolgend kurz auf die verschiedenen Theorien zum Gesundheitsverhalten eingegangen wird, werden an dieser Stelle einige theoretische Konstrukte der Psychologie beschrieben, um die Änderung von schwierigen Verhaltensweisen besser verstehen und erklären zu können. Die jeweiligen Modelle bauen auf diese Einflussgrößen und Wirkmechanismen auf.

5.1 Persönlichkeitsmerkmale

Die beiden häufigsten Sterbeursachen in Deutschland sind Krebs und koronare Herzkrankheit (Statistisches Bundesamt Destatis, 2017). Bewegungsmangel zählt unter anderem neben Rauchen und fettreicher Ernährung zu kardiovaskulärem Risikoverhalten, also zu Verhaltensweisen, die das Risiko erhöhen, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu entwickeln. Körperliche Aktivität trägt unter anderem dazu bei, die kardiovaskuläre Fitness zu verbessern und insbesondere regelmäßige aerobische Sportprogramme, wie z.B. Radfahren, Schwimmen, Laufen, Langlauf erhöhen diese Fitness (Schwarzer, 2004 zitiert nach Cooper, 1982). Erforderlich ist ein Training, mindestens dreimal pro Woche für mindestens 20 Minuten, bei dem die Herzfrequenz auf mindestens 60% über normal getrieben wird. Vergleicht man körperlich aktive mit körperlich inaktiven Personen, so ist das relative Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit von körperlich inaktiven Personen in etwa doppelt so hoch (Schwarzer, 2004 zitiert nach Miller, Balady & Fletcher, 1997), und auch bei Herzpatienten konnten deutliche Schutzwirkungen von Sport-Interventionen auf die Überlebensdauer nachgewiesen werden. Aus dem Risikoverhalten ergibt sich der Schluss, dass es beständige Merkmale einer Person geben könnte, die diese dazu disponieren, eher eine Krankheit auszubilden. Dieser Schluss scheint plausibel, da das menschliche Erleben und Verhalten von Persönlichkeitsmerkmalen beeinflusst wird und daher auch von einem Effekt auf die Gesundheit ausgegangen werden kann (Brinkmann, 2014).

Vom Ansatz, dass psychische Einflüsse bei der Entstehung von Erkrankungen eine große Rolle spielen und einige Krankheiten überzufällig häufig mit einem bestimmten Persönlichkeitsprofil einhergehen, geht die Psychosomatik aus. Die Forschung befasst sich mit Persönlichkeitsmerkmalen, die als Risikofaktoren für die Krankheitsentstehung und den Krankheitsverlauf angesehen werden können. Neuere gesundheitspsychologische Forschungen haben hierzu eine Reihe wichtiger Befunde beigetragen (Siegrist, 1996). Beispielsweise stellt es sich so dar, dass depressive und anti-emotionale Menschen, die sich von anderen abhängig machen und zugleich konfliktscheu sind, am ehesten für Krebserkrankungen prädestiniert sind. (Henning, 1998). Hingegen scheinen Feindseligkeit, Ungeduld, Aggressivität, Konkurrenz- und Zeitdruck, Ärgerausdruck und zynisches Misstrauen (Typ-A-Verhaltensmuster) eher ein ungünstiger Prognosefaktor für koronarer Herzkrankheit zu sein. Persönlichkeitsmerkmale im Kontext von Gesundheit und Krankheit können in zwei Bereiche differenziert werden (Kohlmann, 2003):

[...]

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Details

Titel
Entwicklung und Bewertung von Einsatzmöglichkeiten des sozial-kognitiven Prozessmodells gesundheitlichen Handelns (Health Action Process Approach, HAPA) zur Förderung körperlicher Aktivität
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V438082
ISBN (eBook)
9783668787209
ISBN (Buch)
9783668787216
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, bewertung, einsatzmöglichkeiten, prozessmodells, handelns, health, action, process, approach, hapa, förderung, aktivität
Arbeit zitieren
Gabriele Contola (Autor), 2018, Entwicklung und Bewertung von Einsatzmöglichkeiten des sozial-kognitiven Prozessmodells gesundheitlichen Handelns (Health Action Process Approach, HAPA) zur Förderung körperlicher Aktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438082

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