Die vorliegende Hausarbeit entstand im Zuge des Aufbauseminares „Mittelalterliche Portalprogramme“. In dieser Arbeit werde ich den Blick nach England wenden; genauer gesagt in den Südwesten Englands, nach Wiltshire, zur Gemeinde Malmesbury. In der ältesten Gemeinde Englands steht die Malmesbury Abbey, eine
Abtei mit vielen Vorgängerbauten und einem berühmten Südportal. Im Jahre 1531 zog Sir Harold Brakespear die Aufmerksamkeit auf einen Brief von Papst Alexander III. an den Bischof von Worcester und den Bischof von London. Gegenstand der Forschung ist hierbei die Weihe der Kirche. Laut Brakspear wurde dieser Brief mit
dem Datum 11. Februar und dem Ort Vesta unterschrieben. Er datierte das Datum falsch auf das Jahr 1163. Papst Alexander III. war laut Kit Gailbraith allerdings nur einmal in Vesta und zwar im Jahre 1177. Eine Weihe musste also unmittelbar zu diesem Zeitpunkt bevorstehen. Deswegen geht er davon aus, dass die Weihe bis 1180 stattgefunden haben muss. Die Arbeit am Südportal müssen gegen 1170 begonnen worden sein. Castineiras datiert dagegen den Bau der neuen Abteikirche auf die 1140er Jahre. Demnach hätte man um 1150 mit dem Südportal begonnen. Die Weihe setzt er auf das Jahre 1177 fest. Zu dem verantwortlichen Künstler ist leider nichts bekannt.
Die Abtei wurde über Jahrhunderte immer weiter zerstört und steht heute nur noch in Überresten. Auf der Südseite des romanischen Baus liegt das massive Südportal. Dieses Portal weist ein detailliertes romanisches Portalprogramm auf, welches in dieser Wertigkeit seinesgleichen in Großbritannien sucht. In dieser Arbeit möchte ich zunächst den Forschungsstand diskutieren. Was wurde in der Vergangenheit zur Malmesbury Abbey und dem Südportal verfasst und welche Thesen werden in der Literatur vertreten? Weiterführend werde ich mich detailliert mit dem Portal und seinen Darstellungen befassen. Woher kam der Künstler? Können wir dazu Aussagen treffen? Welche Einflüsse sind am Portalprogramm des Südportals erkennbar? Anschließend werde ich ausgehend von der Forschungsliteratur und ihrer Thesen Vergleiche zu anderen Objekten herstellen und prüfen, ob diese ikonografisch und kunstgeschichtlich zutreffend sind. Zum Abschluss ziehe ich mein Fazit und prüfe, inwieweit Malmesbury von anderen Objekten und Werken beeinflusst worden ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Forschungsstand
Das Südportal
Deutung und Interpretation
Illustrierte Manuskripte als Vorlage?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das berühmte romanische Südportal der Malmesbury Abbey, um dessen ikonografisches Programm, die möglichen künstlerischen Einflüsse und die Verbindung zu zeitgenössischen Manuskripten zu analysieren.
- Analyse des romanischen Portalprogramms und dessen Aufbau
- Diskussion des Forschungsstands und der ikonografischen Deutung
- Untersuchung von Einflüssen durch die Buchmalerei und angelsächsische Manuskripte
- Vergleichende kunstgeschichtliche Analyse mit anderen europäischen Portalen
- Interpretation der symbolischen Bedeutung für die klösterliche Gemeinschaft
Auszug aus dem Buch
Das Südportal
Verlässt man den Marktplatz von Malmesbury Abbey und läuft über den nahen Friedhof nach Norden, so steht man unmittelbar vor dem massiven und weitläufigen romanischen Südportal der Malmesbury Abbey (Anhang, S.17 oben). Der Bau lässt auf einen lokalen, spätromanischen Stil schließen, der hier starken Einfluss des angelsächsischen Stiles aufweist. Positioniert man sich mittig vor dem Portaleingang, so fällt auf, dass das Portal in drei Bereiche zu gliedern ist. Zuerst ist da das vordere Rundbogenportal. Schreitet man dieses durch, so wird man von zwei Tympana an den Seitenwänden links und rechts flankiert. Vor einem liegt nun direkt ein weiteres Portal, das heutzutage durch eine Glastür geschlossen wird. Diese Ausschmückungen der Vorhalle werden von Kalinowski als Triptychon bezeichnet, da sie Bezug zueinander nehmen. Die kleine Vorhalle wird über ein Rippengewölbe zur Decke hin abgeschlossen (Anhang, S.19 oben). Auffällig hierbei ist, dass die Seitentympana jeweils größer sind, als das Tympanon in der Mitte. Diese Skulpturen seien laut Kalinowski für die Außenfassade gedacht und im Nachhinein an einen rechteckigen Platz hinzugefügt worden. Die Flanken dominieren, der mittlere Teil wirkt gequetscht.
Das Vorhallenportal zur Kirche hin wird durch drei Archivolten umgeben. Jeder Bogen weist eine andere Ordnung auf. Es finden sich florale und geometrische Formen wieder, die sich über die Bögen als Muster verteilen. Eine Figur in einer Mandorla und mit Nimbus, getragen von zwei symmetrischen Engeln, bildet das Zentrum. Die Figur, welche einen Umhang trägt und lange Haare und einen Bart hat, kann in der Mitte als Christus charakterisiert werden. Im Hintergrund sitzt Christus auf einem Regenbogen, seine linke Hand hält ein Buch, die rechte Hand ist angehoben, wahrscheinlich zum Segensgestus. Über den Engeln und Christus sind am Rand des Tympanons „Zick-Zack“ Linien mit Punkten. Dies könnten Wolken sein. Der Türsturz darunter zeigt keine figürliche Darstellung, sondern eine florale Ornamentik.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Malmesbury Abbey ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung zur Analyse des berühmten Südportals.
Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bestehende wissenschaftliche Literatur und die bisherigen Thesen zur Herkunft und Ikonografie des Portals.
Das Südportal: Hier wird der architektonische Aufbau des Portals detailliert beschrieben, einschließlich des Triptychons der Vorhalle und der ikonografischen Anordnung der Skulpturen.
Deutung und Interpretation: Das Kapitel analysiert die symbolische Bedeutung der Apostelfiguren und der zentralen Christusdarstellung im Kontext der klösterlichen Gemeinschaft und lokaler Traditionen.
Illustrierte Manuskripte als Vorlage?: Hier wird untersucht, inwiefern angelsächsische Manuskripte wie das Aelfric- oder Junius-Manuskript als bildliche Vorlagen für die Reliefs des Portals gedient haben könnten.
Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Portal eine Darstellung der Himmelfahrt Christi ist, die stark von der angelsächsischen Tradition und Buchmalerei beeinflusst wurde.
Schlüsselwörter
Malmesbury Abbey, Südportal, Romanik, Ikonografie, Aposteldarstellung, Angelsächsische Kunst, Buchmalerei, Aelfric-Manuskript, Junius-Manuskript, Chartres, Portalprogramm, Skulptur, Architektur, Mittelalter, St. Aldhelm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kunstgeschichtlichen Untersuchung des romanischen Südportals der Malmesbury Abbey in England.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die architektonische Beschreibung, die ikonografische Deutung der Skulpturen, der Vergleich mit anderen europäischen Portalen und die Suche nach den Vorlagen in der zeitgenössischen Buchmalerei.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, das ikonografische Programm des Portals zu entschlüsseln und zu klären, welche künstlerischen Einflüsse – insbesondere aus der Buchmalerei – die Gestaltung maßgeblich geprägt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende ikonografische Analyse angewandt, die auf der Auswertung bestehender Forschungsliteratur sowie dem Vergleich mit Manuskripten und zeitgenössischen Kathedralbauten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des Portals, die Deutung der zentralen Figuren sowie die detaillierte Untersuchung der Medaillons im Hinblick auf ihre Vorlagen in der angelsächsischen Buchillustration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Malmesbury Abbey, Südportal, Ikonografie, angelsächsische Kunst und Buchmalerei.
Warum wird eine Verbindung zum Aelfric-Manuskript gezogen?
Es bestehen direkte ikonografische Parallelen in der Reihenfolge und Darstellung von biblischen Szenen, die darauf hindeuten, dass diese Manuskripte als direkte Vorlagen gedient haben könnten.
Welche Rolle spielt die Kathedrale von Chartres im Vergleich?
Chartres dient als Referenzobjekt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Himmelfahrt und der Apostel zu prüfen, wobei die Arbeit feststellt, dass trotz Inspirationen aus Frankreich eine eigene angelsächsische Tradition dominiert.
- Arbeit zitieren
- Yannick Noe (Autor:in), 2017, Malmesbury Abbey und das Programm des Südportals, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438093