Forschungsleistungen von international bedeutenden Humangeographen: Der wissenschaftliche Beitrag von Dietrich Bartels


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Was ist Humangeographie? Definitionsversuche

3. Die Einordnung der Humangeographie im System der Geographie im 20. Jahrhundert

4. Das Leben und Werk von Dietrichs Bartels

5. Bartels Zielsetzung, Perspektiven und thematische Präferenzen innerhalb der Humangeographie

6. Chorologie nach Dietrich Bartels: die choristisch – chorologische Methode der raumwissenschaftlichen Forschungsweise

7. Stufenmodel anwachsender Rationalität von Bartels

8 Wissenschaftliche Leistung von Dietrich Bartels - Kritik, Würdigung und Auswirkungen

9.Quellen und weiterführende Literatur:

1. Einleitung

Im letzten Jahrhundert war die Geographie eine in ihrer ganzen Geschichte nie völlig unumstrittene Fachdisziplin, die sich notwendigerweise auf der Suche nach einem neuen Standort befand. Die Geschichte der Geographie ist voller Veränderungen, denn ihr Forschungsfeld zieht von Tag zu Tag andere Grenzen. In den Schulen und Universitäten wird meistens nur eine Vorstellung vermittelt, was Geographie heute ist, sein kann und soll. Diese Disziplin gilt als Nischenfüller, denn es gibt kaum eine Fachrichtung, in der ein Teilbereich der Geographie nicht gefragt wird. Diese Entwicklung ist nicht ohne weiteres entstanden, denn von der anfänglichen Neugier über fremde Länder, exotische Landschaften und das allgemeine Bild der Erde bis zu so komplizierten Aussagen über das Mensch-Raum-System und zukunftorientierten Globalforschungen war es ein langer Weg. Ein wichtiger Punkt dieser Entwicklung war zu erkennen, dass die Geographie in ständiger Konkurrenz gegenüber unterschiedlichen Disziplinen stand, und nur die Entwicklung eines theoretischen Gerüsts für die Geographie diese Situation begradigen konnte. In Deutschland geschah dies in der klassischen Phase der Geographie, als man versuchte, sie als eigenständige Wissenschaftsdisziplin aufzubauen und zu entwickeln. In den Jahren 1945 bis 1970 entwickelten sich viele Nebenströmungen, die die klassische Geographie durch Sozialgeographie und Landschaftsökologie modernisiert haben. Maßgebend für die Entwicklung der Geographie und deren Ausdifferenzierung in mehrere Hauptperspektiven war in den 60er und 70er Jahren Dietrich Bartels. Er war an der Entwicklung des raumwissenschaftlichen Ansatzes um 1970 beteiligt und einer der Weichensteller in der Humangeographie, welche die Raumwissenschaft zur einflussreichsten Forschungsorientierung der 70er und 80er Jahre machten.

2. Was ist Humangeographie? Definitionsversuche

Die Humangeographie macht einen der Hauptzweige der Geographie aus und gliedert sich ihrerseits in eine Vielzahl von Teildisziplinen. Aus diesem Grund ist es schwierig, die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung sowie die Ziele einzelner Forschungsansätze der Humangeographie zusammenfassend zu behandeln.

„Heutzutage wird Humangeographie synonym mit Anthropogeographie oder Kulturgeographie verwendet oder auch als Geographie des Menschen genannt und ist neben der Physiogeographie das zweite große Hauptgebiet der allgemeinen Geographie. Die Humangeographie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Gesellschaft, Technik, Wirtschaft und Politik im Raum und versucht, Gesetzlichkeiten allgemeiner Systemzusammenhänge und deren regionale Gültigkeitsbereiche zu erfassen und darzustellen.“[1]

„Humangeographie: Wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der räumlichen Organisation menschlichen Handelns, mit räumlichen Disparitäten der Gesellschaft und Wirtschaft und den Mensch-Umwelt –Beziehungen befasst.“[2]

3. Die Einordnung der Humangeographie im System der Geographie im 20. Jahrhundert

Viele Geographen des 19 Jh. wie Alexander von Humboldt (1769-1859) gelten als Begründer der Physischen Geographie. Er war ein weitgereister Naturwissenschaftler, der den Menschen als einen Teil der Natur betrachtete. Der von 1779-1859 schaffende Berliner Geograph Carl Ritter arbeitete nur vom Schreibtisch aus und begründete von dort die Regional- und Humangeographie. Es folgten Freiherr von Richthofen, Vidal de la Blache und andere. Eine Eigenschaft hatten all diesen Personen gemeinsam: Sie beschrieben in ihren Aussagen lediglich die Welt, doch sie erklärten die Prozesse wenig oder überhaupt nicht.

Diese Tatsache entrüstete die Geographiestudenten am Kieler Geographentag im Jahre 1969. Sie warfen der Fakultät der Geographen vor, dass eine Wissenschaft sich erst dann als solche etablieren kann, wenn sie die Beschreibungen lediglich für folgende Erklärungen nutzt. Eine Wandlung zur kausalen, empirischen Wissenschaft und nicht nur beschreibenden Länderkunde wurde erst von diesem Zeitpunkt an intensiv angestrebt. Die Habilitationsschrift Dietrich Bartels` aus dem Jahr 1968 mit dem Titel „Zur wissenschaftstheoretischen Grundlegung einer Geographie des Menschen“ gab einen entscheidenden Anstoß für die Abkehr von der Landschaftsforschung.

Abb.1: Dietrich Bartels, geb. 27.02.1931, gest.25.08.1983

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: HAHNE, U. /BARTELS, D. [Mitarb.] (1984): Lebensraum Norddeutschland. Reihe: Kieler geographische Schriften; Bd.61

Der Titel zeigt, dass die Beantwortung der Frage nach der wissenschaftlichen Legitimität und dem theoretischen Fundament der Geographie auch nach dem Scheitern der Definition in der Landschaftsgeographie nach wie vor akut war. Wie stark das Bedürfnis nach der Erklärung dieser Grundlagen war, zeigten im Jahre 1969 die bereits genannten Proteste, an denen Studenten sich gegen die traditionelle Geographie erhoben und eine Neuorientierung in Richtung einer empirischen Wissenschaft verlangten, weil der Sinn der beschreibenden Länderkunde als Wissenschaft bezweifelt wurde.

Jedoch muss auch an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Einbeziehung des Menschen als Element des Naturraumes schon sowohl bei Alexander von Humboldt als auch bei Ritter Einzug in deren Arbeiten fand. Dieser Ansatz war ausschlaggebend für das spätere Ansehen der beiden Forscher als Mitbegründer der modernen Geographie (BARTELS, 1968, S. 127).

Die wichtigste Entwicklung und der Wandel in die Geographie der post-kolonialen Zeit (koloniale Verwendung geographischen Wissens) fand Ende der 60er Jahre statt, als die Geographie eine thematische Erweiterung durch Themenbereiche der anderen Wissenschaften erfahren hatte.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Begriff „Raumwissenschaft“ neu definiert, und Dietrich Bartels war der Wegbereiter der wirtschaftlichen und sozialgeographischen Regionalforschung.

Als Pionier dieser Forschung gilt Walter Christaller (1893-1969), der als einer der Ersten sich mit der Thematik der raumwissenschaftlichen Siedlungsgeographie beschäftigte. In der modernen Raumwissenschaft besteht das Hauptinteresse raumwissenschaftlicher Forschung in der Aufdeckung von Gesetzmäßigkeiten in räumlichen Verteilungs- und Verbreitungsmustern. Bartels hat diesen Forschungsansatz unter Bezug auf angelsächsische Vorleistungen auf die Sozialgeographie und Wirtschaftsgeographie übertragen.

In dieser Entwicklungsphase der Geographie wurde die Hauptunterscheidung zwischen Anthropo- und Physiogeographie beibehalten, doch diese Unterscheidung wird immer öfters an die Differenzierung von Geistes-/ Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften gebunden. Außerdem stehen in dieser Forschungsorientierung nicht mehr nur die sog. Geofaktoren im Vordergrund sondern Themenbereiche, die zwischenzeitlich von anderen wissenschaftlichen Disziplinen als von der traditionellen Geographie selbst intensiver erforscht wurden, jedoch ohne die Berücksichtigung der räumlichen Komponente erfolgten. Die Geographie machte es sich nicht nur zur Aufgabe die Forschungsfelder der anderen Disziplinen um die räumliche Komponente zu bereichern, sondern den Raum selbst als eigentliches Forschungsobjekt der Humangeographie zu betrachten.

In der Humangeogaraphie führte diese Entwicklung zur Ausbildung von drei Unterbereichen, die sich aber in ihren Interessen durchaus überlappen:

- Sozialgeographie mit gesellschaftsorientierter Raumanalyse (Bezugnahme auf: Soziologie, Psychologie, Rechtswissenschaft und Politologie)
- Kulturgeographie bzw. Entwicklungsländerforschung mit kulturorientierter Raumanalyse (Bezugnahme auf: Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie)
- Wirtschaftsgeographie mit ökonomieorientierter Raumanalyse (Bezugnahme auf: BWL, VWL, Rechtswissenschaften und Politologie)

[...]


[1] DIERCKE (1998): Wörterbuch Allgemeine Geographie, S. 330

[2] KONX, P. L./ MARSTON, S. A. (2001): Humangeographie. Kapitel 1, S. 2

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Details

Titel
Forschungsleistungen von international bedeutenden Humangeographen: Der wissenschaftliche Beitrag von Dietrich Bartels
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V43813
ISBN (eBook)
9783638415361
ISBN (Buch)
9783638779012
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschungsleistungen, Humangeographen, Beitrag, Dietrich, Bartels, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Arthur Benisch (Autor), 2004, Forschungsleistungen von international bedeutenden Humangeographen: Der wissenschaftliche Beitrag von Dietrich Bartels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43813

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