Außenhandel und Deutschland. Auswirkungen des Brexits auf deutsche Exporte nach Großbritannien

Sind Freihandelsabkommen aus der Sicht Deutschlands wirtschaftsethisch vertretbar?


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,30

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Auswirkungen des Brexits auf deutsche Exporte nach GroBbritannien
1.1. Die Pfundabwertung
1.2. Konjunkturabschwachung durch Investitionsruckgang
1.3. Handelshemmnisse

2. Auswirkungen des TTIP’s auf den deutschen Arbeitsmarkt
2.1. Gesteigerte Produktivitat
2.2. Kostensenkung

3. Eine kritische Betrachtung des Exportuberschusses Deutschlands in Zusammenhang zum Lohnwachstum

4. Die deutsche Waffenindustrie unter ethischer Betrachtung.
4.1. Pro Waffenexporte
4.2. Contra Waffenexporte

5. Sind Freihandelsabkommen aus der Sicht Deutschlands wirtschaftsethisch vertretbar?
5.1. Terms of Trade Effekte durch Diskriminierung
5.2. Auswirkungen bei inter-industriellem Handel am Beispiel Mexiko
5.3. Auswirkungen bei intra-industriellem Handel am Beispiel Japan
5.4. Ethisches Dilemma?

6. Handlungsempfehlung fur dt. Unternehmen zur Vermeidung von ethischen Problemen hinsichtlich der Standards fur Importguter
6.1. Pro-Import am Beispiel Bangladesh
6.2. Contra-Import
6.3. Losungsansatz fur deutsche Unternehmen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil Auslandsumsatz am Gesamtumsatz und Anteil Exporte nach UK an den Gesamtexporten

Abbildung 2: Wirkungen eines Importzolls; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 3: Die Verschiebung der Nachfragekurve; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 4: Die Verschiebung der Angebotskurve; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5: Das Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europaischen Union;

Abbildung 6: Die Entwicklung des deutschen Au&enhandels 1992-2015; Quelle: Creative Commons 2016

Abbildung 7: Arbeitsmarktdaten ausgewahlter Lander; Quelle: Joebges et al. 2010: 16

Abbildung 8: Wichtigste Bestimmungslander; Quelle Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie (BMWi) 2016: 24

Abbildung 9: Wertschopfung durch die deutsche Sicherheits- und Verteigungsindustrie 2011 in Millionen Euro), Quelle: BDSV 2012

Abbildung 10: Intensitat der Handelsbeziehungen; Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 11: Langfristige Effekte auf das reale Prokopfeinkommen, Quelle: Felbermayr et al. 2015: 38

1. Auswirkungen des Brexits auf deutsche Exporte nach GroRbritannien

Die Briten haben am 23. Juni 2016 mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent fur den sogenannten „Brexit", also den Austritt aus der Europaischen Union gestimmt. Die Grunde der Briten fur diesen Schritt sind eine EU-Skepsis auf Seiten der Briten, hervorgerufen durch die Schuldenkrise im Euroraum und die Einwanderungswelle.

GroBbritannien ist der drittgroBte Kunde fur deutsche Waren. Deutschland hat im Jahr 2015 Waren im Wert von gut 89 Milliarden Euro an die Briten geliefert.

Generell konnen die deutschen Exporte durch 3 mogliche Folgen des Brexits beeinflusst werden. (vgl. Becker et al. 2016; Busch 2016)

1.1. Die Pfundabwertung

Der Pfund ist nach dem Referendum von rund 1,30 Euro auf unter 1,20 Euro gefallen. Die durch den endgutligen Brexit ausgeloste, zu erwartende weitere Abwertung des Pfundes lasst die Kaufkraft und damit auch die Nachfrage aus UK nach Importgutern sinken. Importierte Guter aus Deutschland werden durch die Pfundabwertung fur Briten also teurer und somit weniger nachgefragt. Besonders betroffen waren die Exporte aus Deutschland, da knapp 8% aller Warenausfuhren aus Deutschland nach UK gehen. Am deutlichsten betroffen waren der Automobilsektor und die Pharmaindustrie, da der Anteil der Exporte knapp uber 10 und 13% auf UK entfallt. (vgl. Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil Auslandsumsatz am Gesamtumsatz und Anteil Exporte nach UK an den Gesamtexporten der Branche, 2015 in %; Quelle: Kipar 2016: 1.

1.2. Koniunkturabschwachung durch Investitionsruckgang

Die zweite Folge ist der Unsicherheitsschock, der auf die gesamte Europaische Union im Brexit-Fall wirken wurde und damit die Investitionsneigung der Unternehmen belastet. Investitionen in lokale Produktionsstatten und Tochtergesellschaften waren direkt betroffen von einem Brexit. Die unmittelbaren und mittelbaren Direktinvestitionen aus Deutschland in Unternehmen in UK 2014 liegen laut der Investitionsstatistik der Bundesbank bei 128 Mrd. Euro.Die niedrigeren Investitionen wurden die Konjunktur in UK schwachen und einen Nachfrageruckgang verursachen, der die Exporte von deutschen Unternehmen nach UK mindert. Die Auswirkungen des Referendums zeigen sich bereits heute.

Auf Branchenebene zeigt sich, dass ein erster branchenspezifischer Effekt der Brexit- Unsicherheit auf dem Aktienmarkt sichtbar ist.

Betroffen sind vor allem die Automobil- und Pharmaindustrie, die wie bereits erwahnt, einen GroBteil ihrer Exporte nach UK lieferten. (vgl. Kipar 2016: 2ff.; Schoof 2015: Iff.)

1.3. Handelshemmnisse

Als dritte Folge ist noch das unsichere AusmaB der handelspolitischen Abschottung GroBbritanniens zu nennen. Falls GroBbritannien die Europaische Union endgultig verlasst, scheidet das Land voraussichtlich aus dem EU-Binnenmarkt aus. Damit wurden die vier Grundfreiheiten des EU-Binnenmarktes (Freier Guter-, Dienstleistungs-, Kapital-, und Personenverkehr mit den anderen EU-Mitgliedern) nicht mehr gelten. UK musste im schlechtesten Szenario neue Handelsabkommen mit der EU verhandeln und dies konnte sich je nach Kooperationsbereitschaft Brussels in die Lange ziehen. In der Zwischenzeit konnte es zu einer Erhohung von Handelshemmnissen kommen, wie zum Beispiel zu Zollen. (vgl. Schoof 2015: 1ff.; Heidenreich 2016: 2)

Abbildung 2 zeigt das AuBenhandelstheoretische Modell von zwischenstaatlichem Handel und den Auswirkungen von Zollen auf die Importmenge. Ein Importzoll ist eine Steuer auf die im Ausland produzierten und im Inland verkauften Guter. Diese Zolle erhohen den Preis von importierten Gutern um den Zollsatz, reduzieren die Importmenge von I1-I2 auf IZ1-IZ2 und fuhren den Markt naher an das Gleichgewicht heran, das gelten wurde ohne AuBenhandel. (vgl. Abbildung 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Wirkungen eines Importzolls; Quelle: Eigene Darstellung

Es zeigt sich, dass Zolle, sowie andere Handelshemmnisse den Preis erhohen und somit die Importmenge verringern. Durch die durch einen Brexit eingefuhrten Importzolle wurden die Exporte deutscher Unternehmen nach UK sinken.

Zusammenfassend hatte ein endgultiger Brexit im Jahr 2018 nicht nur negative Effekte auf die Wirtschaft von UK sondern auch auf die deutschen Exporte nach GroBbritannien. (vgl. Kipar 2016: 2ff.; Mankiw/Taylor 2012: 225ff.)

2. Auswirkungen des TTIP's auf den deutschen Arbeitsmarkt

2013 gab Prasident Barack Obama den Start von Verhandlungen fur ein neues Freihandelsabkommen namens TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) mit der EU bekannt. Kritiker haben Bedenken wegen der Angleichung der unterschiedlichen Standards und der intransparenten Verhandlung. (vgl. Cieschinger 2016)

TTIP ist ahnlich zu dem erst kurzlich geschlossenen Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) zwischen Europa und Kanada. Es geht darum, Zolle und andere Handelsbarrieren zwischen der EU und der USA abzubauen. Die erwarteten Effekte sind Einsparungen in Milliardenhohe, die wiederum in die Unternehmen und somit in Arbeitsplatze investiert werden konnen. (vgl. Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie (BMWi) 2015: 6ff.)

2.1. Gesteigerte Produktivitat

Die EU-Komission geht von Wohlfartsgewinnen aufgrund zusatzlicher Exporte, hoheren Wachstums, Effizienz-, Einkommens- und Beschaftigungszuwachsen aus. Funf wirtschaftswissenschaftliche Studien stutzen diese theoretischen Annahmen, dass TTIP die Wohlfahrt sowohl in den USA als auch in der EU steigen wurde. Die Studien sind von:

- CEPR
- Impact Assessment Report der Europaischen Kommission
- CEPII
- ifo-BMWi
- ifo-Bertelsmann

Diese Annahmen stutzen sich zum einen auf erwartete Spezialisierungsgewinne in Folge einer Intensivierung des Handels und zum anderen darauf, dass der Markt gegenuber Formen staatlicher Wirtschaftslenkung uberlegen ist. Dies soll zu einem effizienterem Einsatz der Produktionsfaktoren beitragen und Produktivitatszuwachse generieren. (vgl. Beck/Scherrer 2014: 36ff.)

Die einheimischen Betriebe werden durch die neue Konkurrenzsituation einem erhohten Produktivitatsdruck ausgesetzt, was die Nachfrage nach leistungsfahigeren Arbeitnehmern erhoht. Durch Produktivitatssteigerungen steigt die Nachfrage nach Arbeitskraften von D1 auf D2 und somit erhoht sich die Beschaftigung von L1 auf L2 und der Lohnsatz steigt von W1 auf W2. Somit verschiebt sich die Arbeitsnachfragekurve nach rechts. (vgl. Abbildung 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Verschiebung der Nachfragekurve; Quelle: Eigene Darstellung

2.2. Kostensenkung

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind von technischen und burokratischen Handelshemmnissen betroffen. Durch den Wegfall der Zollle und burokratischer Prozesse sowie die Annaherung von Standards und Normen konnen viele Kosten gespart werden. Durch den Zugang zu offentlichen Beschaffungsmarkten hatten KMU mehr Moglichkeiten, sich an Ausschreibungen zu beteiligen und sich um staatliche Auftrage zu bewerben. Durch diese geplanten Kostensenkungen und Umsatzsteigerungen erhalten die deutschen Unternehmen neue Wachstumsimpulse. Die Unternehmen wachsen und konnen mehr Leute einstellen. Damit steigt das Arbeitsangebot von S1 auf S2, die Beschaftigung von L1 auf L2 und die Lohne sinken theoretisch von W1 auf W2. Die Arbeitsangebotskurve verschiebt sich nach rechts. (siehe Abbildung 4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die Verschiebung der Angebotskurve; Quelle: Eigene Darstellung

Zusammenfassend rechnet das Ifo-Institut mit deutlich positiven Auswirkungen fur Deutschland. Im besten Fall werden 181.100 neue Jobs geschaffen und die Arbeitslosenquote um -0,43% reduziert. Zusatzlich wird auch ein Zuwachs beim Reallohn in Deutschland von +2,19% geschatzt. (vgl. Die Bundesregierung 2016; Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie (BMWi) Offentlichkeitsarbeit 2015: 20ff.) (vgl. Abbildung 5)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Das Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europaischen Union; Quelle: Kafsack 2016

Trotz der vielen erwarteten positiven Effekte ist der neue US-Prasident Donald Trump nach eigenen Aussagen gegen Freihandelszonen wie NAFTA und TTIP. Der Ausgang der Verhandlungen uber TTIP bleibt also ungewiss. (vgl. Kafsack 2016)

3. Eine kritische Betrachtung des Exportuberschusses Deutschlands in Zusammenhang zum Lohnwachstum

Deutschland ist in hohem MaBe exportorientiert und die Wirtschaft somit auch exportabhangig. Nahezu jeder vierte Arbeitsplatz hangt in Deutschland vom Export ab. 2015 konnte ein Rekorduberschuss bei der Handelsbilanz von 248 Mrd. Euro erzielt werden. In jedem Jahr seit 1952 wurden mehr Waren aus Deutschland exportiert als importiert. (vgl. Creative Commons 2016) (vgl. Abbildung 6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Die Entwicklung des deutschen AuRenhandels 1992-2015; Quelle: Creative Commons 2016

Der starke Exportuberschuss wird jedoch von vielen anderen Landern, insbesondere Europas, immer wieder heftig kritisiert. Die Frage, die sich viele stellen ist, ob Deutschland sich den Handelserfolg durch ein niedriges Lohnwachstum und auf Kosten seiner Handelspartner erwirtschaftet hat. (vgl. Bocking 2013)

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Details

Titel
Außenhandel und Deutschland. Auswirkungen des Brexits auf deutsche Exporte nach Großbritannien
Untertitel
Sind Freihandelsabkommen aus der Sicht Deutschlands wirtschaftsethisch vertretbar?
Hochschule
International School of Management, Standort München
Note
1,30
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V438160
ISBN (eBook)
9783668793750
ISBN (Buch)
9783668793767
Sprache
Deutsch
Schlagworte
VWL, BWL, ISM, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Daniel Reger (Autor), 2016, Außenhandel und Deutschland. Auswirkungen des Brexits auf deutsche Exporte nach Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438160

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