Auswirkungen der Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht auf Sprachvermögen und Stilkompetenz der Schüler

Erörterung: Materialgestützt - Antithetisch/Dialektisch


Referat / Aufsatz (Schule), 2018

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Contra-Seite

Pro-Seite

Synthese

Schluss

Literatur

Einleitung

Mit dem neu erschienenen Kinofilm „Fack Ju Göhte“ erlebt das Kiezdeutsche, welches von Kritikern auch mit „Kanaksprak“ umschrieben wird, sein Debüt auf der großen Leinwand. Was von einigen lediglich als scherzhafte Satire wahrgenommen wird, stellt in Teilen der deutschen Jugend, zumindest dann, wenn es um die Kommunikation mit Gleichaltrigen geht, gesellschaftliche Realität dar. Gerade die Frage, welche derzeit diskutiert wird, nämlich, ob die Jugendsprache in den Deutschunterricht Einzug finden sollte, stößt bei vielen Menschen auf scharfe Kritik. Andere hingegen sind der Meinung, die Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht würde zu mehr Sprachvermögen und Stilkompetenz der Schüler führen. Vor- und Nachteile einer solchen Thematisierung sollen im Folgenden anhand der Gegenüberstellung verschiedener Aspekte erörtert werden.

Contra-Seite

Als wohl stärkstes Argument, welches gegen das genannte Vorgehen spricht, ist die Tatsache zu nennen, dass durch eine Verschiebung der Schwerpunktsetzung des Unterrichts hin zur Behandlung der Jugendsprache der Raum für Beschäftigung mit der formalen deutschen Sprache eingeschränkt werden würde. Dies ist damit zu begründen, dass Schüler lediglich über begrenzte Merkkapazitäten verfügen, sich also nur eine bestimmte Menge an Lerninhalten in einem bestimmten Zeitraum einprägen können. Würde Jugendsprache im Deutschunterricht thematisiert werden, so müsste auf der anderen Seite weniger Fokus auf das Hochdeutsche gelegt werden, wenn man die Schüler nicht mit zusätzlichem Stoff belasten möchte. Die einzige Möglichkeit, Jugendsprache in den Unterricht einzubetten bei gleichzeitiger Beibehaltung der Behandlung des Hochdeutschen im Rahmen, wie es derzeit der Fall ist, wäre eine Erhöhung der Stofffülle. Dies kann allerdings weder im Interesse der Schüler, noch in jenem des verantwortlichen Kultusministeriums liegen, da, gerade in Zeiten des G8-Schulsystems, schwerwiegende negative Erfahrungen mit einer Erhöhung der Stofffülle für einen bestimmten Lernzeitraum gemacht worden sind. Von daher gilt es, Jugendsprache nicht im Deutschunterricht zu behandeln. Anderenfalls müsste der Grad an Fokussierung auf das Hochdeutsche gesenkt werden, was gerade in Zeiten, in welchen „viele Schüler“ (vgl. M1) schon „das Bilden ganzer Sätze“ (vgl. M1) zu überfordern scheint, in niemandes Interesse liegen sollte. Gerade das Zuwanderungsland Deutschland sollte im Hinblick auf seine zahlreiche Schüler mit Migrationshintergrund so viel Fokus wie möglich auf die Unterrichtung des Hochdeutschen setzen.

Einen weiteren schwerwiegenden Aspekt, welcher gegen eine Thematisierung der Jugendsprache im Unterricht spricht, stellt die damit verbundene Gefahr eines Anstiegs von Kommunikationsproblemen zwischen Jung und Alt dar. So kann, falls die geforderte Thematisierung tatsächlich stattfindet, davon ausgegangen werden, dass Schüler durch die Behandlung ihrer Varietät nicht nur im Privatleben, sondern auch in der Schule, diese auch öfter in ihren Sprachgebrauch einfließen lassen würden. Auch würden sich jene Schüler, welche Jugendsprache nicht verwenden, beispielsweise Außenseiter, durch gefordertes Vorgehen auch Elemente dieser Jugendsprache aneignen. Die Gemeinsamkeit in der Sprachverwendung der Schüler klingt zwar schön und gut, doch wird der Aspekt außer Acht gelassen, dass jene Generationen, welche sich nicht im Milieu der Jugendlichen befinden, mit der Jugendsprache Probleme haben und sie im Extremfall nahezu überhaupt nicht verstehen würden (vgl. M4). Eine steigende Häufung des Gebrauchs der Jugendsprache würde also zur Folge haben, dass sich die schon bestehende Kommunikationslücke zwischen den Generationen noch weiter vergrößert. Somit würde eine Thematisierung dieser Varietät im Unterricht dazu führen, dass die Sprache in dem, wofür sie eigentlich da ist, nämlich der Verständigungsfunktion zwischen zwei oder mehreren Personen, geschwächt werden würde. Angesichts dieses Aspekts ist die geforderte Thematisierung also als kontraproduktiv anzusehen.

Außerdem birgt eine Verwendung von Jugendsprache im Unterricht die Gefahr, dass die hierdurch vermittelten sprachlichen Elemente von jungen Menschen falsch aufgenommen werden können. Wer im Unterricht auf Begriffe und Wendungen bestimmter, dem Hochdeutschen ferner Sprachvarietäten trifft, ist zugleich dafür prädestiniert, diese in sein mündliches Vokabular einfließen zu lassen. Damit würden also Elemente des Kiezdeutschen Teil der gesprochenen Sprache der Schüler werden. Dass sich viele solcher in der Umgangssprache verwendeten Begriffe und Wendungen, welche aber formal nicht richtig sind, in Aufsätzen von Schülern oft auffinden lassen, stellt eine Tatsache dar, welche wohl kein Deutschlehrer zu leugnen versuchen würde. Letztendlich lässt sich feststellen, dass die mit einer Behandlung von Jugendsprache im Unterricht einhergehende häufigere Verwendung dieser Varietät im Mündlichen dazu führen würde, dass sich ein Teil dieser gesprochenen Sprache in Texten der Schüler wiederfinden ließe. Die Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht ist also auch aus dieser Facette als negativ statt förderlich zu bewerten.

Das letzte hier angeführte Argument der Kritiker lässt sich am Besten am Beispiel des bekannten deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe, von welchem in der Einleitung schon in Form eines kiezdeutschen Filmtitels die Rede war, verdeutlichen. „Fack ju Göhte“ oder „Fick dich, Goethe!“ könnte durchaus als ein Schlag ins Gesicht jener Sprachverwendung Goethes und seiner Zeitgenossen, ausgeführt vom Kiezdeutschen, betrachtet werden. Nicht umsonst wird das Kiezdeutsche heute spottend als „Kanaksprak“ bezeichnet. Viele möchten diese Varietät nicht mit dem Deutschen in Verbindung bringen, was auch die Endung „-sprak“ statt „-sprache“ verrät. Sie sehen die Jugendsprache als nicht den ästhetischen Idealen der deutschen Sprache, wie sie beispielsweise in Goethes Faust, Lessings Dramen oder Schillers Gedichten verwendet wird, genügend an, gewissermaßen als Gegenpol zu den gerade angeführten Beispielen. Diese ästhetische Identität würde durch eine Thematisierung im Unterricht insofern gefährdet werden, als dass sie den schon jetzt möglicherweise auch bedauernswerten Wandel der deutschen Sprache begünstigen würde. Wer dies verhindern möchte, sollte sich darauf fokussieren, eine Thematisierung der Jugendsprache im Unterricht zu verhindern.

Pro-Seite

Nachdem nun die Argumentation der Kritikerseite ausführlich formuliert worden ist, gilt es, jene Argumente der Befürworterseite zu beleuchten. So heben einige dieser hervor, dass die Entwicklung neuer Sprachvarietäten unter anderem auch einen Ausdruck von Kreativität darstellt (vgl. M5). Ähnlich wie Jesus Christus seine Meinung zum Sabbat formulierte, gilt es hier, anzuführen, dass die Sprache für den Menschen da ist, nicht der Mensch für die Sprache. So ist die Tatsache, dass die deutsche Sprache über ein solches breites Spektrum an Vokabular verfügt, darauf zurückzuführen, dass Menschen ihre kreative Schöpferkraft sprachlich zum Ausdruck gebracht haben. Speziell der Jugendsprache im Bezug auf die Thematisierung im Unterricht einen Riegel vorzuschieben, erscheint von daher nicht sinnvoll. Vielmehr gilt es, diesen kreativen Geist im Unterricht zu fördern. Dies würde dem von vielen als kalt und langweilig empfundenen Deutschunterricht eine kreative Komponente verleihen und dadurch das Interesse von Schülern an Sprache steigern. Somit kann eine Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht durchaus als sehr förderlich für Schüler angesehen werden, da eine hiermit einhergehende, durch die kreative Komponente gesteigerte, Motivation letztendlich auch eine Erhöhung des Sprachvermögens und der Stilkompetenz der Jugendlichen zur Folge hätte.

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht auf Sprachvermögen und Stilkompetenz der Schüler
Untertitel
Erörterung: Materialgestützt - Antithetisch/Dialektisch
Hochschule
Maria-Theresia-Gymnasium Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V438621
ISBN (eBook)
9783668798793
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Halbjahr 12/2 am Maria-Theresia-Gymnasium in Augsburg verfasst. Materialgestützte Erörterung.
Schlagworte
Jugendsprache, Kiezdeutsch, Kanaksprak, Varietäten, Hochdeutsch, Schüler, Vokabular, Sprachwandel, Antithetisch, Dialektisch, Materialgestützt, Jung und Alt, Sprachvermögen, Stilkompetenz, Unterricht, Erörterung, Deutsch, Sprache, Synthese, Pro, Contra, Jugendliche, Maria-Theresia-Gymnasium, Augsburg, aktuell, Fremdwörter, Anglizismen, Duden, Generation, Schule
Arbeit zitieren
Sebastian Schuster (Autor), 2018, Auswirkungen der Thematisierung von Jugendsprache im Unterricht auf Sprachvermögen und Stilkompetenz der Schüler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438621

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