Social Commerce als Disziplin des E-Commerce 2.0. Erfolgreiches Relationship-Marketing bei ABOUT YOU am Beispiel von "You&Idol"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Relationship Marketing im E-Commerce
2.1 Begriffserklärung Relationship-Marketing
2.2 Entwicklung des Relationship-Marketings

3 Social Commerce und Influencer Marketing
3.1 Definition Social Commerce und Influencer Marketing
3.2 Relevanz von Influencer Marketing
3.3 Anzeigenkennzeichnung im Influencer Marketing

4 Online Marketing- Ansatz YOU&IDOL
4.1 USPs von ABOUT YOU
4.2 Online Marketing- Maßnahmen – YOU&IDOL
4.3 Ein Vergleich – Zalandos Dienst “Fleek.de”

5 Chancen und Risiken für ABOUT YOU

6 Fazit und Ausblick

IV Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 3: Entstehung des Fachbegriffs Social Commerce

Abb. 4: Vergleich der Produktwahrnehmung über Social Media-Kanäle

Abb. 5: Bezahlte Partnerschaft mit @editedofficial von @shoppisticated

Abb. 6: Online Marketing - Ansatz mit YOU&IDOL

Abb. 7: Vergleich der Trafficzufuhr von OTTO.de und aboutyou.de

Abb. 8: Startseite ABOUT MICHÈLE bei aboutyou.de

Abb. 9: Inspiration zu neuen Outfits durch Valentina Pahde mit dem „Metallic Glam Outfit“

Abb. 10: Contentstory mit der Idol- Family zu Weihnachten

Abb. 11: User Journey der "Shop the feed"- Integration im @aboutyoude Instagram-Account zur iPhone App von ABOUT YOU

Abb. 12: Userführung durch organisches Posting von @lenagercke zu ihrer Kollektion in der iPhone App

Abb. 13: User Journey des Paid Postings bei Instagram von @celinebethmann zur Bewerbung der „LeGer-Kollektion“ von Lena Gercke

Abb. 14: User Journey des Shopping-Dienstes "LIKEtoKNOW.it"

Abb. 15: Verlinkung eines Sportoutfits in der Sarah Lombardi App zu aboutyou.de

Abb. 16: Adventskalender- Verlosung in der Lena Gercke Fashion- App

Abb. 17: Vergleich verschiedener Kanäle bezüglich des ROIs

Abb. 18: Nikolaus- Newsletter (links) und Newsletters zur Weihnachtspartykollektion (rechts)

Abb. 19: App-Erinnerung an den Warenkorb (links) und personalisierter Newsletter (rechts)

Abb. 20: User Journey zum Nikolaus von mobiler Push-Nachricht, die direkt zu den Produkten führt in der ABOUT YOU - App

Abb. 21: Personalisierte Push-Notification"Hoodie Emily" mit Verlinkung zur App

Abb. 22: Christmas Shooting mit den Idols, Instastory ABOUT YOU

Abb. 23: ABOUT YOU Awards 2017

Abb. 24: Top zehn Online-Shops in Deutschland nach Umsatz in 2016

Abb. 25: Outfit- Inspiration Nathalie Larché bei fleek.de

Abb. 27: Prognose der Entwicklung von Same Day-Delivery in Westeuropa in 2020

II Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der verschiedenen Influencer- Szenarien bezüglich der Anzeigenkennzeichnung

Tabelle 2: Theoretisches Modell der SWOT-Analyse

Tabelle 3: SWOT-Analyse für Relationship-Marketing aus Sicht von ABOUT YOU und OTTO

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Jedes Teil dein Style“. [1] (ABOUT YOU)

Bereits der Werbeslogan des E-Fashion - Startups ABOUT YOU spricht sich für den individualisierten Stil eines jeden Users aus. Auch in dem Style Agency -Werbespot, in dem Germany’s Next Topmodel Teilnehmerin Serlina Hohmann[2] passende Vorschläge für das perfekte Date-Outfit erhält,[3] stellt aboutyou.de seinen USP in den Vordergrund: Personalisierte Fashion -Inspiration, die den Geschmack des Users treffen.

Doch neben der Personalisierung gehören zwei weitere wesentliche Merkmale laut ABOUT YOU Geschäftsführer Tarek Müller zur Erfolgsgeschichte des drei Jahre alten Fashionshops: Fashion Inspiration und Discovery und Mobile Commerce. Das schnell wachsende Startup möchte das „Stöbern“ und das damit verbundene Entdecken in die digitale Welt übertragen[4]. Dies erreicht das Techunternehmen durch passgenaue Inhalte, und die Verbindungen zu den ABOUT YOU Idols. Durch individuelle Profilangaben wie zum Beispiel Likes auf bestimmte Marken, Trends und Idols, schafft ABOUT YOU eine enorme Kundenbindung an das Fashion-Tool. Vor allem die Zusammenarbeit mit Influencern zahlt auf den Relationship-Marketing-Ansatz ein und steigert die Markenbekanntheit in den Zielgruppen. Somit bewerteten 88% Teilnehmer aus der Fashion- und Einzelhandelbranche laut einer Umfrage des amerikanischen Softwareherstellers Launchmetrics die Marketingdisziplin als effektiv oder sehr effektiv um die Brand Awareness zu steigern.[5]

Auch junge Startups haben die enorme Zugkraft von Social Media in Verbindung mit Influencer Marketing erkannt. Der Uhrenhersteller KAPTEN&SON baute als eine der ersten Unternehmen auf die bezahlten Posts von reichweitenstarken Instagrammern. Das Unternehmen hat 611.000 Instagram-Abonnenten [6] und kooperiert mit Influencer-Stars wie Pamela Reif (@pamela_rf, 3,3 Mio. Follower [7] ), um seine Markenbekanntheit zu stärken. Um Sales Leads zu generieren setzt das Uhrenlabel auf Micro-Influencer mit Reichweiten von 50.000 bis 200.000 Followern, da diese eine nähere Bindung zu ihren Fans genießen.[8]

Auch die OTTO Konzerntochter ABOUT YOU setzt verstärkt auf Social Commerce und sieht sich im Zeitalter der Digitalisierung immer wieder neuen Trends, Veränderungen und Wettbewerbern ausgesetzt.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken des Social Commerce und Relationship-Marketings anhand des YOU&IDOL -Konzepts von ABOUT YOU und soll einen relevanten Überblick zu den Möglichkeiten von Personalisierung und Influencer Marketing im E-Commerce 2.0 aufzeigen. Hierbei wird insbesondere auf die Personalisierung über Database Marketing und Content Inspiration über die Idols eingegangen. Des Weiteren werden verschiedene Maßnahmen über Instagram, Content Marketing, Mobile Push-Nachrichten, Public Relations, E-Mail-Marketing und Retargeting gezeigt.

Zunächst werden im zweiten Kapitel die Grundlagen des Relationship Marketings anhand einer Begriffserklärung und der historischen Entwicklung von Unternehmens-führungen erläutert. Darauf aufbauend werden im dritten Kapiteln die Begriffe Social Commerce und Influencer Marketing voneinander abgegrenzt. Weiterhin wird die Relevanz von Influencer Marketing aufgezeigt und die aktuelle Diskussion um die Anzeigenkennzeichnungspflicht in verschiedenen Situationen verglichen. Im vierten Kapitel wird auf den Online Marketing-Ansatz von ABOUT YOU mit seinem Herzstück YOU&IDOL eingegangen. Dabei werden die USPs des Unternehmens herausgestellt und relevante Online Marketing -Maßnahmen aufgezeigt, die sich positiv auf dieKundenbeziehung (Relationship-Marketing) auswirken.

Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit einer SWOT-Analyse zum Relationship Marketing, welches als wirkungsstarke Disziplin zum Aufbau und Festigen von Kundenbeziehungen abzielt. Diese Analyse geht dabei der Frage nach: „Inwiefern lassen sich Chancen und Risiken im Relationship-Marketing von ABOUT YOU ableiten?“. Abschließend wird ein Fazit gezogen und ein Ausblick zur weiteren Entwicklung von YOU&IDOL und dem E-Fashion-Markt aufgeführt.

Die vorliegende Ausarbeitung bietet einen relevanten Überblick über digitale Kanäle und Maßnahmen zum Auf- und Ausbau von langfristigen Kundenbeziehungen und der damit einhergehenden Kundenbindung (Relationships) im E-Fashion-M arkt.

2 Relationship Marketing im E-Commerce

In den nachfolgenden Unterkapiteln wird neben der der Begriffserklärung des Relationship-Marketings auch die historische Entwicklung der Unternehmensführungen aufgezeigt.

2.1 Begriffserklärung Relationship-Marketing

Der Fachbegriff des Relationship-Marketings wird auf den Marketingprofessoren und Präsident der American Marketing Association Leonard L. Berry zurückgeführt. Berry definiert das Beziehungsmarketing als "attracting, maintaining and- in multi-service organizations- enhancing customer relationships".[9] Nach Berry gehört neben dem Ausbau der Kundenbeziehung und die damit einhergehende Loyalität des Kunden auch die Betrachtung vom Kunden zum Klienten zum ganzheitlichen Marketing. Dabei lassen sich fünf strategische Instrumente herauskristallisieren:

- Aufbau eines Kerngeschäfts, um den sich die Kundenbeziehung bilden kann.
- Individualisierung der jeweiligen Beziehung gegenüber dem Klienten.
- Angebot von weiteren Leistungen neben dem Kerngeschäft.
- Preisgestaltung von Services um die Loyalität zu steigern.
- Implementierung von Angestelltenmarketing für bessere Performance gegenüber dem Kunden.[10]

Die Erfolgswirkung von Relationship-Marketing ist nicht zu unterschätzen. Wissenschaftler sind sich einig, dass diese Marketingdisziplin der fortwährenden Kundenbeziehungen stärker zum Unternehmenserfolg beiträgt als das auf einzelne, kurzfristige Käufe ausgelegte Transaktionsmarketing.[11] Die Kennzahl des Customer Lifetime Value (CLV) beziffert die langfristige Kundenbindung und das daraus resultierende Unternehmenswachstum, welches laut Google zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehört.[12] Das übergeordnete Ziel des Relationship-Marketings (Kundenorientierung) sollte in dem Ausbau der Kundenzufriedenheit liegen, welche sich positiv auf das Kundenverhalten und die Kundenloyalität auswirkt. Bei steigender Verbundenheit der Kunden an die Marke und das Unternehmen (Kundenbindung) lässt sich zum Beispiel durch Preisverhalten[13] und Weiterempfehlungen[14] auch ein wirtschaftlicher Erfolg des Unternehmens (Unternehmenserfolg) ablesen.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Verzahnung von Kundenbindung und Unternehmenserfolg

(Quelle: In Anlehnung an Homburg/Bucerius, Kundenzufriedenheit als Managementherausforderung, 2008, Gabler Verlag, S.56).

Zur übergeordneten Marketingdisziplin des Relationship-Marketings gehören viele weitere, die zum Erfolg einer langfristigen Kundenbeziehung im E-Commerce beitragen können. Bei dem E-Commerce -Unternehmen ABOUT YOU lassen sich im Wesentlichen vier erfolgreiche Bereiche definieren, die im Weiteren unter Kapitel drei und vier beleuchtet werden: Influencer Marketing, Social Media Marketing, Database Marketing und das Content Marketing.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Relationship-Marketing bei ABOUT YOU

(Quelle: Eigene Erarbeitung und Erstellung)

2.2 Entwicklung des Relationship-Marketings

Die Unternehmensführung hat sich seit den 1950/60er Jahren einem stetigen Wandel unterzogen. In der Nachkriegszeit war die Nachfrage höher als das Angebot und Unternehmen, die sich auf das Produkt fokussierten, machten besonders viel Umsatz. In den 70er Jahren änderte sich der Verkäufer- zum Käufermarkt und die Marktbeobachtung wurde zum wesentlichen Faktor für den Unternehmenserfolg. Daraufhin wurde es immer essentieller, sich als Unternehmen vom Wettbewerb abzugrenzen (Wettbewerbsorientierung). Im Weiteren stehen die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung im Vordergrund des strategischen Marketings für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Seit dem neuen Jahrtausend gibt es neue ökologische Anforderungen der Verbraucher, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit. Resultierend daraus kann dem Relationship-Marketing eine signifikante Bedeutung zugeschrieben werden, um die Kundenloyalität zu stärken und auszubauen. In den letzten Jahren setzen wettbewerbsfähige Unternehmen durch die fortlaufende Globalisierung und technologische Entwicklungen (Industrie 2.0) auf das netzwerkübergreifende und kooperative Zusammenspiel mit anderen Akteuren der Wertschöpfungskette.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2: Entwicklung der Unternehmensführung von Produktorientierung bis Netzwerkorientierung(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Relationship-Marketing: Das Management von Kundenbeziehungen, Bruhn, S.1)

Seit 1990 lässt sich auch beim OTTO Konzern eine stetige Weiterentwicklung des Managements beobachten, in dem die Rolle des Kunden immer wichtiger wurde. Ferner hatte die fortwährende Globalisierung und Digitalisierung Auswirkungen bei dem Multichannel-Einzelhändler. Anfang der 1990er Jahre ermöglicht OTTO den 24 Stunden Shopping-Service für seine Kunden und optimiert den Kundenservice stetig. Zudem investiert der damalige Vorstandsvorsitzende Dr. Michael OTTO in die OTTO Stiftung für den Umweltschutz. Vor 23 Jahren (1995) erweitert OTTO sein Geschäft ins Online Business und launcht den gleichnamigen Onlineshop OTTO.de. Bereits zwei Jahre später steigt der Online-Umsatz auf 450 Millionen D-Mark, welchen sieben Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Auch der Fokus auf nachhaltige Produktion und CSR zahlt sich aus (Umsatz von 320 Millionen D-Mark). Seit den 2000er Jahren setzt OTTO weiterhin auf neue und innovative Konzepte und baut auch seine digitalen Vertriebskanäle weiterhin aus. OTTO gelingt es durch erweiterte Angebote auf die spezifischen Kundenbedürfnisse einzugehen, wie zum Beispiel das Feature der virtuellen Anprobe. Im Jahr 2008 steht weiterhin der Klimaschutz im Vordergrund, der Konzern spricht sich zur Senkung der CO2-Emissione bis 2020 um bis zu 50% aus. Auch vor dem Prozess des Mobile Commerce schreckt der Konzern nicht zurück und baut mit seinem Projekt „Eyerywhere-Commerce“ mobile Applikationen und Social Media -Aktivitäten weiter aus. Weiterhin werden die Kundenbeziehungen langfristig aufgebaut und emotional aufgeladen durch spielerische Anwendungen wie Augmented-Reality - Anproben, die über Facebook mit den Freunden geteilt werden können.

In 2014 setzt OTTO mit dem „Projekt Collins“ auf die Netzwerkorientierung mit seinem Open Commerce -Ansatz. Durch die technologischen Entwicklungen wird das E-Fashion Startup ABOUT YOU mit dem gleichnamigen Online-Shop aboutyou.de gegründet.[17] Wie sich der OTTO Konzern zukünftig aufstellt und wie künstliche Intelligenz und Big Data den E-Commerce -Markt tangieren werden, bleibt abzuwarten.

Der Retourenabholservice mittels Roboter wird bereits in einigen Hamburger Stadtteilen von Hermes getestet. Der so genannte Starship-Roboter holt das Paket im gewünschten Zeitfenster und Wunschort ab und bringt dieses in den nächsten Hermes Paketshop.[18] Bei beiden Services könnten Synergieeffekte für Hermes und OTTO mittels netzwerkübergreifender und kooperativer Zusammenarbeit entstehen.

3 Social Commerce und Influencer Marketing

Im dritten Kapitel werden die beiden Fachbegriffe Social Commerce und Influencer Marketing voneinander abgegrenzt. In 3.2 wird die zunehmende Relevanz von Influencer Marketing aufgezeigt und dabei auf die Produktwahrnehmung in den verschiedenen Social Networks eingegangen. Ferner werden Szenarien der Anzeigenkennzeichnung im Influencer Marketing vorgestellt.

3.1 Definition Social Commerce und Influencer Marketing

Eine Besonderheit im Bereich des Social Commerces und Influencer Marketing besteht darin, dass die Disziplinen eng miteinander verwoben sind und sich in einer Digitalstrategie daher nur schwer trennen lassen.

Social Commerce

Der Fachbegriff Social Commerce ist ein zusammengesetztes Substantiv aus den Disziplinen Social Media und E-Commerce und erscheint erstmals im Jahr 2005 als der Marketingspezialist Steve Rubel diesen als „Trend to watch“ betitelt.[19] “[…] Creating places where people can collaborate online, get advice from trusted individuals, find goods and services and then purchase them. […]”.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entstehung des Fachbegriffs Social Commerce

(Quelle: In Anlehnung an Dr. Paul Marsden [2010], Social Commerce: Monetizing Social Media, S.4f.).

Social Commerce beschreibt eine Unterkategorie des Electronic Commerce (zu Deutsch: elektronischer Handel), bei der der Vertrieb über soziale Medien erweitert wird.[21] Daher steht hier die Userbeteiligung zum Beispiel durch Kommentar- und Teilfunktionen, Kundenbewertungen und personalisierte Angebote im Vordergrund. Durch den Aufbau einer persönlichen Beziehung zu dem Kunden öffnet sich eine weitere kommunikationsorientierte Ebene, der eine hohe Relevanz in der digitalen Ausrichtung eines Werbetreibenden zugeschrieben werden kann.[22] Auch aus Usersicht ergeben sich Vorteile, wie Vertrauen in die Marke, Steigerung der Usability und Unterhaltung.[23]

Influencer Marketing

Der BVDW beschreibt die Marketingdisziplin, indem „Unternehmen die Reputation von Influencern [nutzen], um Kommunikations- und Markenziele zu erreichen. Influencer machen eine Marke oder ein Produkt zum Gesprächsgegenstand, empfehlen dies ihrer Zielgruppe weiter und kreieren passende Inhalte zu den präsentierten Marken."[24] Demnach nutzen Influencer vor allem ihre eigenen Social Media Kanäle wie Blogs, YouTube, Instagram oder Facebook, um mit ihren Followern zu interagieren.

3.2 Relevanz von Influencer Marketing

Influencer Marketing ist zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil im Online Marketing geworden. Bei einer Befragung der Online-User ab 14 Jahren gaben 68% an, dass sie durch soziale Netzwerke ein Produkt wahrgenommen haben. Hierbei liegen vor allem die sozialen Medien Facebook (52%) und YouTube (37%) auf den ersten beiden Plätzen, gefolgt von Whatsapp (22%) und Instagram (15%).[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Vergleich der Produktwahrnehmung über Social Media-Kanäle

(Quelle: Bedeutung von Influencer Marketing in Deutschland 2017, BVDW/Influry, Goldmedia, S.8)

Auch die Wirksamkeit des Influencer -Budgets scheint vor allem in den jüngeren Zielgruppen gegeben. Demnach führte jeder sechste Kontakt bei den 14-29 jährigen auch zum Kauf des Produktes. In den älteren Zielgruppen führen die Produktpräsentationen bei Influencern zu weniger Sales Leads. Bei den 30-49 jährigen kauften 7% die Ware nach, bei den über 50 jährigen ist der Kanal eher nicht relevant (3%).[26] Daraus resultiert aber auch die Chance vor allem die älteren Zielgruppen zu erreichen, da dieser Zielgruppe ein besseres Haushaltsnettoeinkommen zur Verfügung steht. Im Jahr 2015 lag dieses bei den 45-55 jährigen (monatliches HHNE 3.835 Euro) um 61,12% höher als bei den 18-25 jährigen (monatliches HHNE 1.488 Euro).[27]

3.3 Anzeigenkennzeichnung im Influencer Marketing

Durch die steigenden Reichweiten der digitalen Meinungsführer und den damit einhergehenden steigenden Einfluss durch werbliche Postings herrscht derzeit viel Kritik und Unsicherheit am Markt bezüglich der Anzeigenkennzeichnung. Die 24 Landesmedienanstalten in Deutschland (die medienanstalten) sind neben der Regulierung der privaten Radio- und Fernsehsender auch für die Überwachung der Werbekennzeichnung und der Jugendschutzbestimmungen verantwortlich.[28]

Auch der Rundfunkstaatsvertrag nimmt hierzu deutlich Stellung:

„Werbung […] [muss] als solche leicht erkennbar und vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar sein. In der Werbung […] dürfen keine Techniken der unterschwelligen Beeinflussung eingesetzt werden. Auch bei Einsatz neuer Werbetechniken [muss] Werbung […] dem Medium angemessen durch optische oder akustische Mittel oder räumlich eindeutig von anderen Sendungsteilen abgesetzt sein.“[29]

Zu unterscheiden sind hier folgende Szenarien der Produktplatzierung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Übersicht der verschiedenen Influencer- Szenarien bezüglich der Anzeigenkennzeichnung

(Quelle: Antworten auf Werbefragen in sozialen Medien, „Darf ich das? Wie darf ich das?“ die medienanstalten, S.2ff., verfügbar unter: https://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/user_upload/die_medienanstalten/Themen/Werbeaufsicht/FAQ-Flyer_Kennzeichnung_Werbung_Social_Media.pdf 11.12.2017))

Die Kennzeichnungen #werbung oder #anzeige sollten laut den Richtlinien möglichst weit vorne in dem Post zu finden sein, während Kennzeichnungen wie #ad, #sponsored by oder #powered by hierzulande nicht für eine deutliche Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten beitragen.[30] Die Social Media Plattformen Instagram und Facebook führten kürzlich sogar ein Tool zur Kennzeichnung von „bezahlten Partnerschaften“ ein für Instagram Business-Accounts (siehe Abb. 5).[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Bezahlte Partnerschaft mit @editedofficial von @shoppisticated

(Quelle: Screenshot Instagram- Account @shoppisticated, verfügbar unter: https://www.instagram.com/p/BcdEv4sBlS_/?hl=de&taken-by=shoppisticated 08.12.2017))

4 Online Marketing- Ansatz YOU&IDOL

In diesem Kapitel wird auf den Online Marketing-Ansatz von ABOUT YOU eingegangen. Neben der Herausstellung der USPs (4.1) werden auch konkrete Beispiele zu aktuellen Weihnachtskampagnen entlang der User Journey gezeigt (4.2). Hierbei liegt der Fokus auf Maßnahmen bei Instagram in Kooperation mit den ABOUT YOU-Idols. Zusätzlich werden auch beispielhafte Newsletter-Mailings im Bereich des Email-Marketings und Push-Nachrichten über das Smartphone dargestellt. Den Abschluss finden Content Marketing - Maßnahmen.

4.1 USPs von ABOUT YOU

Die USPs von ABOUT YOU bestehen in dem übergeordneten Herzstück „ YOU & IDOL “.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Online Marketing - Ansatz mit YOU&IDOL

(Quelle: Eigene Darstellung und Erarbeitung)

Anders als die großen Online Player wie Amazon und Zalando positioniert sich ABOUT YOU als Inspirationsquelle – Bedarfsweckung statt der reinen Bedarfsdeckung. Der Geschäftsführer „Marketing & Brands“ Tarek Müller betitelt in seinem Gastauftritt beim OMR-Podcast die großen Wettbewerber als „durchklickbare Lagerhallen“. Müller möchte vielmehr das Gefühl des „Bummelns“ online in aboutyou.de transferieren und schafft durch datengestützte, personalisierte Angebote für jeden User ein individuelles ABOUT X (zum Beispiel ABOUT MICHÈLE).[32]

Dieses Konzept überträgt sich durch viele Content-Angebote in Zusammenarbeit mit den ABOUT YOU - Idols auch in die Sozialen Medien. Durch die Influencer Empfehlungen und Reichweiten profitiert das Unternehmen vor allen im Bereich des Brandings und der Awareness in der Zielgruppe.

[...]


[1] YouTube LLC [2017], o.S.

[2] Vgl. ProSieben Sat.1 Digital GmbH [2017], o.S.

[3] Vgl. YouTube LLC [2017], o.S.

[4] Vgl. Müller [2017], digital kompakt, o.S.

[5] Vgl. Launchmetrics [2017], S.5.

[6] Vgl. Instagram [2017a], @kaptenandson, o.S.

[7] Vgl. Instagram [2017b], @pamelareif, o.S.

[8] Vgl. Brecht [2017], o.S.

[9] Berry [1983], S.25.

[10] Vgl. Berry [1983], S.25ff.

[11] Vgl. Bauer/Stokburger/Hammerschmidt [2006], S.52f.

[12] Vgl. Lawsen [2017], Think with Google, o.S.

[13] Vgl. Hinterhuber/Matzler [2009], S.12.

[14] Vgl. Wadsworth [2016], o.S.

[15] Vgl. Homburg/Bucerius [2008], S. 55ff.

[16] Vgl. Bruhn [2016], S. 1ff.

[17] Vgl. OTTO GmbH & Co KG [2017], o.S.

[18] Vgl. Bertram [2017], o.S.

[19] Vgl. Ryte GmbH [2017], o.S.

[20] Rubel [2005],o.S.

[21] Vgl. Dr. Paul Marsden [2010], S.4f.

[22] Vgl. Richter, A. / Koch, M. / Krisch, [2007], S.4ff.

[23] Vgl. Dr. Paul Marsden [2010], S.7.

[24] Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V./ Influry GmbH [2017], S.3.

[25] Vgl. Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V./ Influry GmbH [2017], S.8.

[26] Vgl. Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V./ Influry GmbH [2017], S.13.

[27] Vgl. Statistisches Bundesamt [2017], S. 175.

[28] Vgl. die medienanstalten – ALM GbR [2017]. o.S.

[29] Rundfunkstaatsvertrag [1991], § 7 Abs.3, S.15.

[30] die medienanstalten [2017], S.5.

[31] Vgl. Instagram LLC [2017d], o.S.

[32] Vgl. Müller, OMR [2017], o.S.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Social Commerce als Disziplin des E-Commerce 2.0. Erfolgreiches Relationship-Marketing bei ABOUT YOU am Beispiel von "You&Idol"
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
44
Katalognummer
V438684
ISBN (eBook)
9783668784970
ISBN (Buch)
9783668784987
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Commerce, Social Commerce, Influencer Marketing, Relationship Marketing, Blogger Relations, Instagram, About You, You&Idol, Fashion Commerce
Arbeit zitieren
Michèle Nemsow (Autor), 2018, Social Commerce als Disziplin des E-Commerce 2.0. Erfolgreiches Relationship-Marketing bei ABOUT YOU am Beispiel von "You&Idol", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438684

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