Der Puritanismus hat seinen Ursprung in der Zeit der Regentschaft der englischen Königin Mary von 1553 bis 1558. Die Königin ersetzte protestantische Minister durch römisch-katholische, woraufhin die Protestanten auf das europäische Festland ins Exil gingen. Dort kamen sie unter anderem mit calvinistischen Strömungen in Berührung. Auf der englischen Insel wurden knapp 300 Protestanten verbrannt und unzählige gingen ins freiwillige Exil. Die emigrierten Protestanten wurden in England als Märtyrer gefeiert und wurden Basis der populären puritanischen Bewegung. Nach und nach wurde aus reiner Sympathie der Bevölkerung eine breite Unterstützung. Die Protestanten im Exil waren überzeugt, dass die Bibel für alle zugänglich sein müsse und alle Menschen von Gott auserwählt sein könnten. Bedeutendste Vertreter dieser frühen puritanischen Strömung waren John Rogers, Nicholas Ridley und John Hopper, die sich selbst als „Precisians “1 bezeichneten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der Begriff „Precisians“ dann zunehmend gleichbedeutend mit „p uritan“ verwendet.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Grundlagen des Puritanismus
2. Politik und Puritanismus in den USA
2.1 Massachusetts im 17. Jahrhundert
2.1.1 Recht und Regierung
2.1.2 Gruppen und Bewegungen
2.2 Die USA heute
2.2.1 Recht und Regierung
2.2.2 Gruppen und Bewegungen
3. Status der puritanischen Bewegung
4. Bibliographie
5. Erklärung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den politischen Einfluss puritanischer Traditionen in den USA, ausgehend vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart, und analysiert, wie diese Werte die moderne politische Landschaft und gesellschaftliche Debatten prägen.
- Historische Wurzeln des Puritanismus im England des 16. Jahrhunderts
- Einfluss puritanischer Rechtsvorstellungen in Massachusetts
- Transformation puritanischer Ethik im säkularen US-Staat der Gegenwart
- Rolle religiöser Bewegungen und der "Neuen Rechten" in der modernen US-Politik
- Diskurs über Sexualität, Moral und gesellschaftliche Kontrolle
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Recht und Regierung
Die Struktur der puritanischen Gesellschaft in Massachusetts war bis dato sehr seltsam, da nicht nur Engländer nach Amerika kamen, sondern Menschen aus den verschiedensten Winkeln der Welt. Dieses bunte Gemisch galt es nun durch ein Gesetz zu regeln.
Das existierende Recht war zur unmittelbaren Anwendung bestimmt und war in kurzer Zeit entstanden und nie wirklich ausformuliert worden. Einerseits bezog man sich auf das Alte Testament, andererseits auf eine politische Theorie mit Strömungen der traditionellen Schutzbestimmungen des englischen Rechts.
Die Regierung von Massachusetts war zuerst als Wirtschaftsunternehmen verfasst, dass die Rechtshoheit über Ländereien innehatte. Die Handelsgesellschaft hatte einen Gouverneur und einen Stellvertreter sowie 18 Assistenten, die alle von den Aktionären gewählt wurden. Bestimmend war auch, dass die Gesetze des Mutterlandes England nicht verletzt werden durften.
Innerhalb dieses Rahmens errichteten die Siedler nun ihr Gemeinwesen. Anfangs gab es noch heftigen Streit über die Stellung weltlichen Rechts in einer religiösen Gemeinschaft. Die englische Protesthaltung musste in Parteigeist und –disziplin umgewandelt werden. Unter den Siedlern war wenig Wissen über Rechtswissenschaft vorhanden, daraus resultierten gemischte Rechtsvorstellungen. Wichtigste Quelle des Rechtsdenkens war die Bibel, auf der die ersten Siedler eigentlich die Rechtsordnung absolut aufbauen wollten. Die puritanischen Gerichte kamen durch schwammige Formulierungen der Bibel immer häufiger zu Problemen bei Interpretationen und Ableitungen bei der Rechtssprechung. Geistliche hatten in den Anfangsjahren gar eine Doppelfunktion als Ersatz-Richter. Friedensrichter waren für die Ruhe in der Bevölkerung zuständig, Geistliche waren die letzte Autorität in längerfristigen politischen Entscheidungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Grundlagen des Puritanismus: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Ursprung des Puritanismus in England während des 16. Jahrhunderts und die daraus resultierende moralische sowie politische Lehre.
2. Politik und Puritanismus in den USA: Hier wird der Einfluss puritanischer Traditionen auf die politische Entwicklung der USA von der frühen Besiedlung bis zur Ära von George W. Bush untersucht.
2.1 Massachusetts im 17. Jahrhundert: Der Abschnitt beschreibt die Etablierung puritanischer Ideale in der kolonialen Gesellschaft von Massachusetts.
2.1.1 Recht und Regierung: Die Analyse konzentriert sich auf die Herausforderungen bei der Schaffung einer Rechtsordnung, die biblische Grundsätze mit der Notwendigkeit praktischer Verwaltung verband.
2.1.2 Gruppen und Bewegungen: Dieses Kapitel erörtert die sozialen Strategien und inoffiziellen Kontrollmechanismen, mit denen die puritanische Gemeinschaft Homogenität bewahrte.
2.2 Die USA heute: Das Kapitel betrachtet die Persistenz puritanischer Verhaltensweisen und Werte in der säkularisierten Gesellschaft der modernen USA.
2.2.1 Recht und Regierung: Die Untersuchung befasst sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen einer laizistischen Verfassung und einer Gesellschaft, die stark von christlichen Werten geprägt bleibt.
2.2.2 Gruppen und Bewegungen: Hier werden zeitgenössische religiöse und politische Strömungen identifiziert, die den sogenannten "neuen Puritanismus" formen.
3. Status der puritanischen Bewegung: Der Autor resümiert, dass heutige puritanische Bestrebungen den ursprünglichen Geist teilweise verfälschen und primär als politische Antwort auf gesellschaftliche Unsicherheiten dienen.
Schlüsselwörter
Puritanismus, Massachusetts, 17. Jahrhundert, USA, Politik, Recht, Regierung, Christliche Rechte, George W. Bush, Sexualmoral, Säkularisierung, Religion, Fundamentalismus, Auserwähltheit, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Herkunft und den fortdauernden Einfluss puritanischer Denkweisen auf die politische Kultur und Gesellschaft der USA.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte des Puritanismus, das Verhältnis von Religion und staatlichem Recht, soziale Kontrollstrategien sowie die Rolle von Moralvorstellungen in der modernen US-Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie puritanische Wurzeln trotz säkularer Verfassungsstrukturen die politische Praxis und aktuelle gesellschaftliche Diskurse in den USA beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, um die Entwicklung und Transformation puritanischer Konzepte über mehrere Jahrhunderte hinweg nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der kolonialen Anfänge in Massachusetts und die Untersuchung des "neuen Puritanismus" unter der Regierung von George W. Bush.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Puritanismus, politische Ethik, religiöser Konservatismus, soziale Kontrolle und die Spannung zwischen säkularem Staat und biblischer Tradition.
Wie unterscheidet sich der historische Puritanismus von der heutigen Bewegung laut der Autorin?
Die Autorin argumentiert, dass der moderne Puritanismus stärker durch eine explizite Ablehnung von Sexualität geprägt ist, während die frühen Puritaner einen gewissenhaften, aber nicht grundlegend lustfeindlichen Umgang predigten.
Warum spielt die Sexualität in der modernen puritanischen Bewegung eine so große Rolle?
Laut dem Text wird die Sexualität heute zum politischen Kampfplatz, da viele soziale Probleme fälschlicherweise auf diesen Bereich zurückgeführt werden, um Stabilität und moralische Eindeutigkeit in einer als chaotisch empfundenen Welt zu suchen.
- Quote paper
- Karola Hoffmann (Author), 2005, Politik und Puritanismus in den USA: 17. Jahrhundert und heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43869