Sind die Taliban eine terroristische Organisation


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Afghanistan
2.1. Die sowjetische Intervention
2.2. Der Beginn des Afghanistankonflikts
2.3. Unruhen nach den Mudschaheddin

3. Die Taliban
3.1. Das Aufkommen der Taliban
3.2. Die Taliban erobern Afghanistan
3.2.1. Kandahar
3.2.2. Herat
3.2.3. Kabul
3.2.4. Mazar-i-Sharif
3.3. Afghanistan unter den Taliban
3.3.1. Frauen
3.3.2. Restriktionen für Männer
3.3.3. Folter, Erschießungen
3.3.4. Drogenpolitik der Taliban
3.3.5. Das Massaker von Mazar-i-Sharif

4. Interessen an Afghanistan
4.1. Die USA
4.2. Pakistan
4.3. Saudi-Arabien

5. Verbindung der Taliban zu der Al-Qaida
5.1. Definition Terrorismus
5.2. Unterstützung durch die Taliban

6. Fazit

7. Quellennachweis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Taliban eine terroristische Organisation sind, und beleuchtet die Umstände näher, die es ermöglichten, dass eine Gruppe von Koranschülern innerhalb kürzester Zeit 95% Afghanistans unter ihre Kontrolle bringen konnte. Um die Frage beantworten zu können, wird zunächst Afghanistan betrachtet, von den Anfängen bis heute, darauf folgt der Beginn des Bürgerkriegs, der durch die Sowjet-Intervention in Afghanistan ausgelöst wurde. Mudschaheddin-Gruppen, von Stammesführern geleitet, leisteten Widerstand, die einen Dschihad, einen heiligen Krieg, gegen die ungläubigen Russen ausgerufen hatten. Als der Krieg nach zehn Jahren vorbei war, herrschten diese Gruppen über einzelne Teile des Landes, doch für die Zivilbevölkerung war die Zeit nach dem Krieg fast genauso schrecklich wie während des Krieges. Die Stammesführer plünderten das Land, töteten Zivilisten und vergewaltigten Frauen. Darauf folgt eine Erläuterung, wie und mit wessen Hilfe die Taliban das Land erobern konnten, mit welchen schrecklichen Mitteln sie das Land nach eigenen Angaben „befriedet“ haben und welche Auswirkungen das Taliban-Regime auf die Bevölkerung hatte. Danach werden die Beziehungen der Taliban zu den USA, die ein starkes ökonomisches Interesse an dem Land zeigten, zu Pakistan und zu Saudi-Arabien erläutert. Zuletzt wird auf die Verbindung der Taliban zu Al-Qaida eingegangen.

2. Afghanistan

Das Gebiet, auf dem sich Afghanistan befindet, liegt in Mittelasien und war bis vor 150 Jahren kein eigener Staat, sondern eine Gegend, in der durch viele Völkerwanderungen eine große Anzahl ethnischer Gruppen heimisch war, in der Mehrheit Paschtunen, die der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam angehören. Seit der Grenzfestlegung, die 1895 abgeschlossen war, gab es viele königliche Herrscher, die versuchten die Traditionen des Islam mit einem Staat zu verbinden, was in der Bevölkerung meist keinen Anklang fand. In den Dörfern waren die Menschen immer stark an die islamischen Strukturen gebunden, die das Leben regelten. Um die Frauen vor unsittlichen Blicken zu schützen, trugen sie Schleier, arbeiteten in der Familie und versorgten diese. In den Städten jedoch fand ein Wandel statt, zunehmend orientierten sich die Herrscher am Westen. Frauen wurde von der Verfassung die Gleichberechtigung zugesprochen, sie bekamen das Wahlrecht und schließlich durften sie zur Schule und Universität gehen und einen Beruf ausüben. Diese Fortschritte wurden jedoch von den Taliban zunichte gemacht, die sofort nach der Eroberung des Landes alle Frauen zwangen, die Burka zu tragen, das ist ein Überwurf über der Bekleidung, der den ganzen Körper bedeckt und nur an den Augen befindet sich ein netzartiges Sichtfenster.

2.1. Die sowjetische Intervention

Nachdem mehrere Regierungen an der Macht waren, fand 1978 ein Staatsstreich statt, verübt von Teilen der Armee, die in Moskau ausgebildet[AH1] worden sind und von dort eine sozialistisch-kommunistische Denkweise mitgebracht hatten. Daoud, der vorherige Machthaber, mitsamt der Königsfamilie wurde ermordet. Taraki wurde Ministerpräsident des Landes, inzwischen die Demokratische Republik Afghanistan, die auf eine starke Zusammenarbeit mit der Sowjet Union setzte. 1979 revoltierten die traditionellen Stämme sowie Teile der Armee gegen die von ihnen als anti-islamisch angesehene Regierung. Daraufhin ernannte sich Hafisollah Amin zum Ministerpräsidenten, dessen Politik von Terror geprägt war und weitere Unruhen entstanden.[1]

Moskau sah sich verpflichtet, den afghanischen Kommunisten zu Hilfe zu kommen. Außerdem hatte die russische Regierung Angst, den „Bündnispartner“ zu verlieren. Des Weiteren war Afghanistan zu einer Art Satellitenstaat Russlands geworden. Der Westen folgerte, dass die Invasion aus Expansionsstreben heraus geschehen war. Eine weitere Spekulation lässt vermuten, dass Russland durch Afghanistan den Zugang zum Indischen Ozean nicht verlieren oder die Energiereserven des mittleren Ostens sichern wollte.[2]

2.2. Der Beginn des Afghanistankonflikts

Seit dem 25. Dezember 1979 kamen mittels einer Luftbrücke russische Soldaten nach Kabul. Am 27. Dezember fand die Besetzung der Kabuler Innenstadt statt.

Der Palast von Darulaman wurde eingenommen, in dem sich Amin versteckte, welcher im Gefecht erschossen wurde. Innerhalb kürzester Zeit waren 85.000 Mann im Einsatz. Die Sowjets rechtfertigten ihre Invasion damit, dass sie behaupteten, Amin hätte sie um Hilfe gebeten, worauf sie zu einer militärischen „Hilfeleistung“ verpflichtet gewesen wären. Dieses Argument ist völlig unglaubwürdig, da er selber Opfer der Sowjets wurde.[AH2] Die Intervention sollte ein Blitzkrieg von höchstens einem Jahr Dauer werden, doch es war nicht möglich, die Widerstandskämpfer zu besiegen, vor allem da die diese von den USA erhebliche Geldsummen erhielten. Das Land wurde von sowjetischen Bomben zu großen Teilen zerstört, der Krieg forderte 1 bis 1,6 Millionen Tote auf Seiten der Afghanen und bis zu 40.000 auf sowjetischer Seite. Der weltweit größte „Massenexodus“ seit dem zweiten Weltkrieg fand statt, bis Mitte der achtziger Jahre waren fünfzig Prozent der Bevölkerung auf der Flucht.[3]

1989 zogen die Russen ihre Truppen ab, da sie einsahen, nicht gewinnen zu können. Sie hinterließen ein Chaos, in dem die Mudschaheddin sich von nun an um die Macht stritten und die Bevölkerung ausplünderten, viele Menschen töteten und etliche Frauen vergewaltigten.

2.3. Unruhen nach den Mudschaheddin

Die verschiedenen Guerilla-Gruppen erwiesen sich als unfähig, eine zentrale, für Ordnung sorgende Regierung zu schaffen. Durch Rivalitäten unter den verschieden Gruppen kam es nach 1992 zu Auseinandersetzungen, die in einen Bürgerkrieg mündeten. Dieser führte zu Unruhen im gesamten Land. Die „Warlords“ bemächtigten sich der Ortschaften, was nur als Folge der dezentralen und mobilen Kriegsführung der Widerstandkämpfer angesehen werden[AH3] konnte, die ihnen zuvor als dienliche Strategie gegen die Sowjet-Besatzung geholfen hatte.

Die zwei größten und bedeutendsten Widerstandsgruppen sind die Hezb-i-Islami mit deren Anführer Hekmatyar und die Jamiat-i-Islami unter Rabbani und Masud. Rabbani gelang es, das Regime von Präsident Nadschibullah zu stürzen und sich als neuen Machthaber in Kabul zu installieren. Geplant war eine Übergangsregierung mit Rabbani als Präsidenten, Masud als Verteidigungsminister und Hekmatyar als Premierminister, doch da der paschtunische Hekmatyar keinen Tadjiken als Präsidenten anerkennen wollte, kam es nicht zur Vertragsunterzeichnung.

Die Mitglieder von Jamiat-i-Islami waren daraufhin enttäuscht, dies schlug jedoch bald in Hass um, auf den 1992 ständige Raketenangriffe auf Kabul folgten, bei denen es zehntausend Tote gab. 1993 wurde Hekmatyars erneut als Premier nominiert. Auch diesmal wollte er den Posten nicht ergreifen und zerstörte 1994 mit Hilfe von anderen, nicht an der Regierung beteiligten Gruppen, fünfzig Prozent von Kabul. Allerdings waren die anderen Gruppen, die ihm zugetan waren, durch dieses Nichtzustandekommen nicht mehr unbedingt auf Hekmatyars Seite. Dieses Mal gab es fünfundzwanzigtausend [AH4] Tote, sechsmal so viele Verletzte und viermal so viele Menschen flüchteten. Kabul blieb weiterhin unter der Kontrolle von Rabbani, jedoch vollzog sich gleichzeitig eine Fragmentierung der Stadt, mehrere Gruppen beherrschten verschiedene Teile der Stadt. Auch im übrigen Land gab es keinen alleinigen Herrscher, sondern die jeweils ansässigen Stammesgruppen herrschten über ihr jeweiliges Gebiet. Es herrschte Anarchie:

Da alle Stammesstrukturen und die Wirtschaft vernichtet war [ … ] bekriegten sich die Paschtunen im Süden untereinander. […] Die Kriegsherren beschlagnahmten Häuser und Höfe, warfen die Bewohner hinaus und übergaben sie ihren Anhängern. Die Befehlshaber missbrauchten die Bevölkerung, griffen sich Mädchen und Jungen für sexuelle Vergnügen, beraubten Händler in den Basaren und randalierten auf den Straßen. Die Flüchtlinge in Pakistan kehrten nicht zurück, stattdessen setzte sich eine neue Welle von Flüchtlingen […] in Bewegung.[4]

Somit waren die Rahmenbedingungen für die Entstehung der Taliban geschaffen. Die Afghanen sehnten sich nach zehnjährigem Krieg gegen die sowjetischen Besatzer und den darauf folgenden Wirren des Bürgerkriegs nach einer Zeit des Friedens.[5]

3. Die Taliban

Die Taliban richteten sich, anders als Terrorgruppen wie Osama bin Ladens Al-Qaida, gegen die eigene Bevölkerung. Sie haben Unmengen von Edikten herausgegeben, durch die Frauen massivst unterdrückt wurden und die Männer gezwungen wurden, Bärte zu tragen. Sie richteten keine Anschläge gegen die westliche Welt, aber sie stellten eine Bedrohung dar, indem sie Terror im eigenen Land verbreiteten. Gefangene wurden ohne Prozess zum Tode verurteilt. Folter und Erschießungen waren an der Tagesordnung. Sie versuchten, einen streng muslimischen Staat zu errichten.

Mullah Amir Khan Motaqi, der amtierende Minister für Information und Kultur, sagte über seinen Glauben im Freitagsgebet am 15. November 1996:

[AH5] There no longer exists any cruelty, oppression, savagery or selfishness in the framework of the Islamic government. Instead, there is legality and fulfilment of the lofty Sharià of Muhammad, the peace and blessing of God be upon him, both in words and action. The Islamic state of Afghanistan, under the leadership of the Taliban Islamic movement, has put into practice everything that it has preached, according to God’s law and the guidance of the magnificient Holy Qur’an. Any step which has be taken by the Islamic state has been in conformity with the Shari’a and whatever has been said in words has been implemented in action.[6]

Die Taliban führten einen heiligen Krieg gegen die Sowjets und stellten einen nationalen afghanischen Widerstand dar.[7]

3.1. Das Aufkommen der Taliban

Von Anfang an behaupteten die Taliban, das Land nach den Gesetzen der Scharia, dem islamischen Recht, regieren zu wollen und gegen die Ungerechtigkeiten der Mudschaheddin-Führer einzuschreiten. Sie legitimierten ihren Machtanspruch mit einer Vision Mullah Omars, nach der er in einem Traum dazu auserkoren sei, „das Land zu befrieden und aus dem Chaos zu führen“. Mullah Omar sagte am 5. Dezember im Radio Sharia:

[…] Create an atmosphere of security for the residents of Kabul who have suffered for several years. Refrain from any kind of … violation. All your acts must be in line with the Shari’a so that you receive help from almighty God and the cooperation of the Muslim nation.[8]

Omar war ein Kriegsveteran und Mullah aus einem Dorf bei Kandahar. Dort ging er in der Stadt mit einer kleinen Gruppe von Schülern gegen die Entführungen, Vergewaltigungen und Ermordungen vor .

Die Taliban, was übersetzt „Schüler des Islam“ bedeutet, sind Paschtunen und distanzierten sich von anderen ethnischen Gruppen. Ihre primäre Absicht war es, die Gesellschaft, nachdem sie von der Moral abgewichen war, im Sinne ihres „puritanischen Verständnisses zu läutern“. Die Taliban-Mitglieder, die Führungspositionen innehatten, waren überwiegend Kriegsveteranen des sowjetisch-afghanischen Krieges.[9]

[...]


[1] Der große Ploetz, 32. Auflage, Herder Verlag, Freiburg 1998, S. 1626.

[2] Schetter, Conrad, Kleine Geschichte Afghanistans, C. H. Beck, München 2004, S. 99-100.

[3] Schetter, Conrad, Kleine Geschichte Afghanistans, S. 100-104.

[4] Olumi, Yama, Die Taliban- 1994-1998, Verlag für Wissenschaft und Forschung, Berlin 2002, S. 54.

[5] Olumi, Yama, Die Taliban- 1994-1998, S. 51-55.

[6] Marsden, Peter, The Taliban- War, religion and the new order in Afghanistan, Oxford University Press, Karachi 1999, S. 62.

[7] Rashid, Ahmed, Taliban- Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad, Droemer, München 2001, S.12.

[8] Marsden, Peter, The Taliban- War, religion and the new order in Afghanistan, S. 64.

[9] Olumi, Yama, Die Taliban- 1994-1998, S. 55.

[AH1]Wer wurde von Teilen der Armee ausgebidlet??

[AH2]Ist das Deine Meinungsäußerung oder aus dem Buch auch?

[AH3]Von wem „konnte“ es so angesehen werden? Oder gilt Widerstandskämpfer = Warlords?

[AH4]Nur Zahlen bis einschließlich zwölf schreibt man aus ;-)

[AH5]Ich würde das alles in der Vergangenheitsform, nicht Gegenwart schreiben (zumal: Mullah Omar SAGTE…., siehe unten)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sind die Taliban eine terroristische Organisation
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Terrorismus
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V43870
ISBN (eBook)
9783638415675
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sind, Taliban, Organisation, Terrorismus
Arbeit zitieren
Annika Lüchau (Autor), 2005, Sind die Taliban eine terroristische Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43870

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