Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt als Ganzschrift in den Klassen 9/10. Analyse und Bearbeitung


Seminararbeit, 2017
8 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Einleitung

In der nachfolgenden Arbeit soll die Komödie ״Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, die zur Hochliteratur gezählt wird, als Ganzschrift in den Klassen 9/10 begründet werden. Es wird dargelegt, mittels Sachanalyse im ersten Teil und didaktisch-methodischer Analyse im zweiten Teil, warum diese Lektüre für die genannten Klassenstufen geeignet ist, um die Schüler zum einen in ihrer literarischen und allgemeinen Bildung, als auch in ihrer Persönlichkeit zu fördern. Die Sachanalyse dient der Erarbeitung von Thema, Inhalt und besonderen literarischen Merkmalen des bearbeiteten Werkes, um so dessen literarischen Wert festzustellen. Die didaktisch-methodische Analyse wiederum, soll darlegen, wie sich die Wahl des Werkes für den Deutschunterricht in den Klassen 9/10 legitimiert. Abschließend sollen aufgrund dieser Analyse und unter Zuhilfenahme des aktuellen Bildungsplanes Lemziele formuliert werden.

Teil 1: Sachanalyse

1.1. Thema und Inhalt

Die Handlung in dem Werk ״Die Physiker“ spielt sich in einem Irrenhaus ab. Dort verlebt der Protagonist Möbius seine Zeit, um seine Erkenntnisse, die er als Physiker hatte, vor der Menschheit geheim zu halten, um jene damit zu schützen. Seine Erkenntnisse bergen ein zu hohes Risiko für die Menschheit.[1] Dies weist auf das zentrale Thema des Werkes hin: Die Ambivalenz des wissenschaftlichen Fortschrittes und die Verantwortung der Wissenschaft(ler). Auf der einen Seite steht der Drang des Menschen nach neuer Erkenntnis, um zum einen die Neugier zu stillen und zum anderen das menschliche Leben zu verbessern. Auf der anderen Seite jedoch steht die Selbstüberschätzung des Menschen, und dass jener nicht verantwortungsvoll mit den neuen Erkenntnissen umzugehen weiß. Jene Unfähigkeit des Menschen, die Gefahren seiner Erkenntnisse korrekt einzuschätzen, stellen das Risiko dar, weshalb Möbius seine Erkenntnisse geheim halten will

Die Handlung setzt im ersten Akt mit dem Mord an der Krankenschwester Irene Straub ein, der durch einen der Patienten verübt wurde. Der Kriminalinspektör Richard Voß untersucht den Vorfall und unterhält sich mit der Oberschwester Marta Boll. Diese verrät ihm auch zu gleich, dass es sich bei dem Mörder um den Patienten Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein, handelt. Es handelt sich dabei um einen der Physiker, die in der Irrenanstalt untergebracht sind. Der Name kommt daher, dass er sich für Einstein hält. Das Besondere an dem Vorfall ist, dass es sich schon um den zweiten Mord innerhalb von drei Monaten in der Irrenanstalt handelt. Zuvor hatte ein weiterer Patient ebenfalls eine Krankenschwester umgebracht. Dieser Patient heißt Herbert Georg Beutler, und ähnlich wie Einstein, hält er sich für den Physiker Newton, weshalb er auch so genannt wird. Der Kriminalinspektör unterhält sich daraufhin mit Newton. Im Verlauf des Gesprächs gibt Newton zu erkennen, dass er sich nicht für krank hält, Einstein hingegen krank sei, und er (Newton) sich deshalb als Newton ausgibt, obwohl er eigentlich der wahre Albert Einstein sei. Nach dem Gespräch unterhält sich der Inspektor mit der Oberärztin Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, die ihm ihre Sicht der Dinge mitteilt und über den dritten Patienten und Physiker Johann Wilhelm Möbius informiert. Möbius befindet sich in der Anstalt, da ihm der König Salomo erscheint.

Im weiteren Verlauf des ersten Aktes taucht die Ehefrau von Möbius auf, die inzwischen allerdings neu geheiratet hat und mit ihrem neuen Mann, dem Missionar Rose wegzieht. Sie möchte aber, dass die Kinder ihren leiblichen Vater wenigstens einmal gesehen haben. Des Weiteren teilt sie mit, dass sie nicht mehr in der Lage ist Möbius Aufenthalt finanziell zu stemmen. Möbius wird hinzugeholt. Er macht einen sehr verwirrten Eindruck, da er seine Söhne kaum erkennt und auch von der Scheidung nichts mehr weiß. Seinem jüngsten Sohn rät er davon ab, auch Physiker zu werden. Möbius wirft seine Familie raus, nachdem diese den König Salomo beleidigt hatten. Möbius verbleibt nun mit Schwester Monika Stettier, der er offenbart, dass er sich verstellt hatte, um seine Familie loszuwerden und damit diese ihn nun vergessen kann.

Im gemeinsamen Gespräch gestehen sich Schwester Monika und Möbius ihre gegenseitige Liebe, auf die Möbius allerdings nicht eingehen kann und Monika bittet zu gehen. Diese möchte ihn allerdings heiraten und seine Arbeit veröffentlichen. Möbius bringt sie daraufhin um. Der erste Akt ist zu Ende.

Der zweite Akt beginnt erneut mit der Untersuchung durch den Inspektor. Fräulein von Zahnd sieht nun ihre Karriere am Ende nach dem dritten Mord. Der Inspektor macht diesmal keinerlei Versuch Möbius zu verhaften. Als Möbius allein ist, gibt sich Newton ihm als Alec Jasper Kilton, dem Begründer der Entsprechungslehre, zu erkennen. Er gibt zu als Agent für einen Geheimdienst zu arbeiten, um an Möbius‘ Erkenntnisse zu gelangen und den Grund für seine Verrücktheit ausfindig zu machen. Auch Einstein gibt sich nun als Agent eines Geheimdienstes zu erkennen. Sein wahrer Name ist Joseph Eisler. Beide geben zu, die Krankenschwestern ermordet zu haben, da diese ihnen auf die Schliche gekommen waren.

Die beiden Agenten versuchen nun Möbius aus unterschiedlichen Beweggründen auf ihre Seite zu ziehen. Als die Agenten zu Waffengewalt greifen wollen, offenbart ihnen Möbius, dass er seine Manuskripte verbrannt hat, da diese ein zu hohes Risiko bergen. Um seine Erkenntnisse zu verheimlichen, ließ er sich in das Irrenhaus einliefem. Möbius kann die Agenten schließlich überzeugen im Irrenhaus zu bleiben, da dies kein Risiko für die Menschheit birgt.

Ihre Pläne werden jedoch von der Oberärztin durchkreuzt. Diese offenbart, dass auch ihr der König Salomo erschienen ist und sie mit dessen Hilfe Möbius Aufzeichnungen kopiert und verwendet hat um ein Firmenimperium aufzubauen. Sie hatte auch die Krankenschwestern auf die Physiker gehetzt, damit diese zu Mördern werden und somit keine Gefahr mehr darstellen, da sie in der Außenwelt Kriminelle sind. Sie finden sich nun mit ihren alten Rollen als Newton, Einstein und König Salomo ab und geben auf.

1.2. Autor und Zeitgeschehen

Der Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in Konolfingen in der Schweiz geboren. Zunächst studierte er Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik in Bern. Eigentlich wollte er aber eine Ausbildung zum Kunstmaler beginnen. Nach seinem Studium, das er 1946 beendete, wandte er sich dem Schreiben zu. Seinen ersten Erfolg konnte er mit dem Stück ״Romulus der Große“ 1949 verzeichnen. Zu internationaler Anerkennung in der Hochliteratur gelang er durch seine Werke ״Der Besuch der alten Dame“, das 1956 veröffentlich wurde und ״Die Physiker“ aus dem Jahre 1962. Weitere bekannte Werke sind ״Der Richter und sein Henker“ (1950), ״Der Verdacht“ (1951) und ״Das Versprechen“ (1958), bei denen es sich allesamt um Kriminalromane handelt. Diese Werke verhalfen ihm ebenfalls zur Steigerung seine Popularität.[2]

Der Erfolg der Komödie ״Die Physiker“ lässt sich auch auf ihren zeitgemäßen Inhalt zurückführen. Das Werk wurde zur Zeit des kalten Krieges geschrieben, als die Bedrohung durch einen atomaren Krieg zwischen den Großmächten USA und UdSSR sehr real war und zu einer Auslöschung der gesamten Menschheit hätte führen können. Die Invasion der Schweinebucht fand im Jahr 1961 statt und somit ein Jahr vor Veröffentlichung des Werkes. Doch auch in der heutigen Zeit ist die Thematik immer noch aktuell, was zum einen die Krise zwischen den USA und Nordkorea bezeugt, zum anderen aber der sich weiterhin rasant beschleunigende Fortschritt der Wissenschaft, bei dem es jeden Tag zu neuen Erkenntnisse positiver, aber auch negativer Art kommen kann. Als Beispiel sei hier die Gentechnik zu nennen oder die Datenüberwachung, die durch den informationstechnologischen Fortschritt mittlerweile allgegenwärtig ist.

1.3. Hauptpersonen und Figurenkonstellation

Die Konstellation der Figuren ist dermaßen gestaltet, dass sie sehr fest ist und die Personen sich kaum aus dieser lösen können, was auch dem Umstand des begrenzten Schauplatzes des Werkes zu schulden ist, welcher sich nur auf das Irrenhaus bezieht, aus dem es kaum einen Ausweg gibt.

Die wichtigste Konstellation bilden dabei die Figuren Möbius, Einstein und Newton. Die Beweggründe und Motivationen der Figuren sind dabei sehr verschieden. Einstein sieht Z.B. durchaus die Verantwortung eines Wissenschaftlers, was dessen Erkenntnisse angeht. Er verzichtet jedoch auf seine Macht ״zugunsten einer Partei“.[3] Wichtig ist ihm, dass der Menschheit gewaltige Machtmittel geliefert werden.[4]

Newton hingegen beharrt auf der Freiheit der Wissenschaft und es kümmert ihn nicht, wie diese Freiheit garantiert wird. Seiner Meinung nach, sind Möbius‘ Erkenntnisse Allgemeingut[5]. Beide Wissenschaftler stellen sich also in den Dienst der Mächtigen, um davon profitieren zu können.

Die Haltung von Möbius hingegen ist eine völlig andere. Seine Beweggründe, die auf Verantwortung und Vernunft basieren, sind moralischer Natur. Er erkennt, dass die Wissenschaft gefährlich geworden ist und Erkenntnisse tödlich sein können. Der Mensch muss sich in seinem Streben nach Wissen und in dem Wissen, dass er bereits erlangt hat zurückhalten.[6] Um seine Erkenntnisse unter Verschluss halten zu können, gibt er sich als Verrückter aus. Allerdings wird sein Vorhaben von der tatsächlich verrückten Oberärztin Mathilde von Zahnd durchkreuzt. Am Ende des Werkes offenbart sich deren Gier nach Macht und sie überschreitet alle Grenzen der Moral. Sie hat die Erkenntnisse von Möbius kopiert, womit dieser nicht mehr alleine über seine wissenschaftliche Leistung verfügen kann. Nun kann das, ״was einmal gedacht wurde“ nicht mehr zurückgenommen werden.[7]

Neben diesen vier Personen gibt es noch weiter Nebenfiguren, welche die Handlung ergänzen, aber für die Bedeutung der Haupthandlung keine größere Rolle einnehmen. Zu nennen sei hier der Kriminalinspektör, sowie die Ehefrau von Möbius und die Krankenschwestern, die aber für die Haupthandlung und deren Bedeutung keine größere Rolle spielen, abgesehen von den ermordeten Krankenschwestern.

[...]


[1] Vgl. Dürrenmatt, F. (1962), S.73

[2] Vgl. https://de.Wikipedia.org/wiki/Friedrich_D%C3%BCrrenmatt 03.09.2017

[3] Dürrenmatt, F. (1962), S.73

[4] Vgl. Ebenda, S.70

[5] Vgl. Dürrenmatt, F. (1962), s. 68

[6] Vgl. Ebenda, s.73

[7] Dürrenmatt, F. (1962), S.85

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt als Ganzschrift in den Klassen 9/10. Analyse und Bearbeitung
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Fachdidaktik I
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V438748
ISBN (eBook)
9783668792678
ISBN (Buch)
9783668792685
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Physiker, Dürrenmatt, Fachdidaktik, Deutsch, Literatur, Klafki, Sekundarstufe I, Schule, Gymnasium
Arbeit zitieren
Daniel Balle (Autor), 2017, Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt als Ganzschrift in den Klassen 9/10. Analyse und Bearbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438748

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt als Ganzschrift in den Klassen 9/10. Analyse und Bearbeitung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden