Die heutige liturgische Feier der Firmung im Vergleich zur Praxis der frühchristlichen Gemeinden


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Ursprung der Firmung
2.1 Die Feier der Eingliederung in die Kirche
2.2 Die Entwicklung der Firmung als eigenes Sakrament

3. Die Firmung heute
3.1 Die liturgische Feier nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

4. Vergleich der frühen Traditionen mit der heutigen Firmliturgie – ein Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zunächst soll es in dieser Arbeit um den ursprünglichen Sinn der Firmung gehen, indem die Initiationsfeier in den frühchristlichen Gemeinden betrachtet wird, wobei der Schwerpunkt auf der liturgischen Feier der Firmung liegt.

Anschließend sollen die Faktoren benannt werden, die dafür gesorgt haben, dass die Firmung sich zu einem eigenen Sakrament entwickelt hat. Betrachtet werden soll in diesem Zusammenhang, wie diese Entwicklungen die Rituselemente verändert haben. Dafür werden zentrale Riten, aber auch zentrale Ereignisse und Einschnitte herausgegriffen, um an Hand dieser einen strukturierten Überblick zu schaffen.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem darauffolgenden Teil, in dem es um die heutige liturgische Feier der Firmung nach der Reform durch das Zweite Vatikanische Konzil gehen soll. Dabei wird zu beachten sein, wie sich die heutige Firmliturgie im Verhältnis zur ursprünglichen Feier darstellt, wo Probleme liegen und wie diese gelöst werden könnten.

Der Vergleich der Praxis in den frühchristlichen Gemeinden mit der heutigen liturgischen Feier der Firmung beinhaltet die Fragestellung nach dem Verhältnis von Kirche und Gesellschaft. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit liegt also auf den gesellschaftlichen Veränderungen im Laufe der Zeit, wobei diese im Hinblick auf die Entwicklung und Veränderung kirchlicher Strukturen untersucht werden und dabei insbesondere auf die Feiern der Sakramente, explizit auf das Sakrament der Firmung, eingegangen wird.

2. Zum Ursprung der Firmung

2.1 Die Feier der Aufnahme in die Kirche

Bei den frühchristlichen Gemeinschaften in der Zeit vor Nicaea stand vor den Initiationsfeiern das Katechument, das die Anwärter auf die Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft vorbereitete. Voraussetzungen und Formen des Katechumenats zu erklären, ist jedoch nicht Inhalt dieser Arbeit. Jedoch ist wichtig zu wissen, dass dieses Katechumenat vor den Initiationsfeiern stand.

Damit zur Liturgie der Aufnahme, bei deren Ablauf ich mich auf die grafische Darstellung bei August Jilek[1] beziehe: Der erste Abschnitt der Feier soll nur kurz dargestellt werden – der erste Abschnitt, welcher der heutigen Taufe entspricht, begann mit dem Gebet über dem Wasser. Darauf folgte das Gebet über dem Öl der Danksagung und dann ein Gebet über das Öl der Befreiung vom Bösen. Für die Gebete über die Öle war mit Sicherheit der Bischof zuständig. Dies ist jedoch auch für das Gebet über dem Wasser wahrscheinlich.

Anschließend folgten Taufbekenntnis und Taufabsage der Kandidaten, worauf die Salbung mit dem Öl der Befreiung vom Bösen folgte. Anschließend wies der salbende Presbyter den Bewerber an den Taufspender weiter. Der Täufling bekundete seine Bereitschaft und artikulierte seinen Glauben in einem dreigliedrigen Bekenntnis. Nach jedem „Credo“ taufte der Spender den Täufling. Daraufhin folgte die postbaptismale Ganzkörpersalbung mit dem Öl der Danksagung durch einen weiteren Presbyter.

Dann folgte der zweite Abschnitt der Liturgie der Aufnahme, der Abschnitt der damaligen Firmung, der in dieser Arbeit ausführlicher dargestellt werden soll: Nach der postbaptismalen Salbung gingen die Neugetauften zur Besiegelung der Taufe durch den Bischof in die Kirche. An erster Stelle stand die Handauflegung des Bischofs mit dazugehörigem Gebet[2]. Dieses Gebet beschreibt die Taufe als Bad der Wiedergeburt, durch das Gott Sünden vergibt. Inhalt dieses Gebets ist auch die Bitte an Gott um die Erfüllung der Neugetauften mit dem Heiligen Geist.[3]

Auf das Gebet mit Handritus folgte die Salbung mit dem Öl der Danksagung.

Dabei sprach der Bischof: „Ich salbe dich mit heiligem Öl in Gott, dem allmächtigen Vater, in Christus Jesus und im Heiligen Geist“[4].

Die postbaptismale Salbung und die Salbung durch den Bischof wurden mit demselben Öl vollzogen. Die postbaptismale Salbung scheint also eine Salbung in zwei Stufen zu sein. So kennt Tertullian nur eine postbaptismale Salbung, weshalb anzunehmen ist, dass eine größere Anzahl an Bewerbern dafür gesorgt hat, dass der Bischof aus zeitlichen Gründen den Ritus der Ganzkörpersalbung nicht bei jedem Neugetauften vornehmen konnte. Deshalb kam es zu einer zeitlichen Trennung der Doppelsalbung.[5]

Zum Schluss zeichnete der Bischof jedem ein Kreuz auf die Stirn und gab den Friedenskuss. Dabei sagte er: „Der Herr sei mit dir“, worauf die Antwort „Und mit deinem Geist“ folgte.[6] Signation und Kuss sind verstehbar als Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden und gleichzeitig als Besiegelung.

Die geschilderte Reihenfolge ist möglicherweise nicht die Älteste: So lautet die Reihenfolge der Gesten bei Tertullian Salbung, Signation, Handauflegung.[7]

Es folgt der dritte Abschnitt der Aufnahme, der auch nur der Vollständigkeit wegen kurz dargestellt werden soll: Er entspricht der heutigen Feier der Erstkommunion, beziehungsweise dem Sakrament der Eucharistie. Erstmals durften die Neugetauften mit der Gemeinde beten und empfingen von allen Gemeindemitgliedern den Friedenskuss.

Das Ziel der Initiation ist das Mitfeiern der Eucharistie. So betete der Bischof das Gebet über Brot und Kelch mit dem Brot- und Kelchritus: In dieser Eucharistiefeier wurden also auch Milch und Honig als Zeichen dafür gereicht, dass Gottes Verheißungen an Israel sich jetzt wirklich erfüllt haben.

2.2 Die Entwicklung der Firmung als eigenes Sakrament

Die Hauptursache dafür, dass die Einheit der Initiationsliturgie zerbrach, ist die Veränderung der Kirchenstruktur in der Spätantike und dem Frühmittelalter. Im Umfeld der Kirchen, denen ein Bischof vorstand, entstanden auf dem Land Christengemeinden. Dies führte dazu, dass die Initiation zunehmend auch in Abwesenheit des Bischofs begangen wurde und zwar in den Kirchen auf dem Land. Mit der Leitung dieser Ortsgemeinden waren Presbyter betraut, die in Bezug auf die Initiation aber nur eingeschränkt befugt waren. Von Beginn an bestand ihre Aufgabe im ersten und dritten Teil der Aufnahmefeier (Taufe und Eucharistiefeier), wozu auch das Gebet über dem Wasser und die Salbungen vor und nach dem Wasserritus gehören. Die Gebete über Wasser und Öl, zunächst vom Bischof vorgetragen, fielen allerdings erst nach der Veränderung der Kirchenstruktur in das Aufgabengebiet der Presbyter.

Während Taufe und Erstkommunion von dann an in den Ortsgemeinden begangen werden konnten, war es den Presbytern verboten, den zweiten Teil der Liturgie der Aufnahme in ihren Gemeinden zu feiern.

Diese zweite Teilfeier blieb dem Bischof vorbehalten. Innozenz I. grenzt die Chrisamsalbung nach der Taufe durch die Presbyter von der Spendung der Firmung ab und bezieht sich hierbei auf die Apostelgeschichte, in der steht, dass Petrus und Johannes beauftragt worden sind, Getauften den Heiligen Geist zu übermitteln. Innozenz I. trennt hier also strikt das Aufgabengebiet der Presbyter von den Kompetenzen der Bischöfe.[8]

Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass die drei Teile der Initiationszeremonie sich in zwei Bereiche aufspalten: Auf der einen Seite stehen Taufe und Erstkommunion und auf der Anderen die Firmung. Die Konsequenz daraus war, dass die Firmung oftmals überhaupt nicht mehr nachgeholt wurde oder erst Jahre später gefeiert wurde. Deshalb wurden dann ab dem sechsten-siebten Jahrhundert auch Menschen zur Kommunion, die Zeichen der Vollmitgliedschaft ist, zugelassen, die noch nicht gefirmt worden waren, auf die also noch nicht der Geist Gottes herab gerufen worden war. Die Konsequenz daraus wiederum ist, dass die Firmung für die Zugehörigkeit zur Kirche an Bedeutung verlor. Dafür verantwortlich waren auch Mängel in der praktischen Umsetzung der Zeremonie, da Bischöfe oft im „Vorbeigehen“ firmten und so die Bedeutung des Sakraments untergruben.

In der größten Bischofskirche in Rom war die beschriebene Entwicklung ziemlich früh erkennbar. Diese Praxis versuchte Rom dann im ganzen Einflussbereich durchzusetzen. Vor allem die westliche Firmpraxis außerhalb Roms nahm jedoch eine eigene Entwicklung.

[...]


[1] Jilek, August. Eintauchen, Handauflegen, Brotbrechen. Eine Einführung in die Feier von Taufe, Firmung und Erstkommunion. (Kleine Liturgische Bibliothek 3). Regensburg 1996, 29.

[2] Vgl. Traditio Apostolica. Apostolische Überlieferung. Übersetzt und eingeleitet von Wilhelm Geerlings. (Fontes Christiani 1). Freiburg u.a. ³2000, 265.

[3] Vgl. Kleinheyer, Bruno. Sakramentliche Feiern I. Die Feiern der Eingliederung in die Kirche. (Gottesdienst der Kirche / Handbuch der Liturgiewissenschaft 7,1). Regensburg 1989, 53+54.

[4] TrAp 265.

[5] Vgl. Kleinheyer, Feiern 52.

[6] Vgl. TrAp 265+267.

[7] Vgl. Kleinheyer, Feiern 53.

[8] Vgl. Kleinheyer, Feiern 195.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die heutige liturgische Feier der Firmung im Vergleich zur Praxis der frühchristlichen Gemeinden
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Katholisch-Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V43876
ISBN (eBook)
9783638415729
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feier, Firmung, Vergleich, Praxis, Gemeinden, Proseminar
Arbeit zitieren
Christoph Braun (Autor), 2004, Die heutige liturgische Feier der Firmung im Vergleich zur Praxis der frühchristlichen Gemeinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43876

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