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Zoologe, Eugeniker und Pragmatiker. Hans Nachtsheim und seine Forschung nach dem Interesse des Naziregimes und der BRD in der Nachkriegszeit

Título: Zoologe, Eugeniker und Pragmatiker. Hans Nachtsheim und seine Forschung nach dem Interesse des Naziregimes und der BRD in der Nachkriegszeit

Trabajo de Seminario , 2018 , 20 Páginas , Calificación: 2,0

Autor:in: Sara Tegge (Autor)

Historia de Alemania - Nazismo, Segunda Guerra Mundial
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In dieser Hausarbeit wird nicht nur Nachtsheims Karriere und Verbindung zu dem Naziregime bearbeitet. Es wird versucht, einen Überblick auf die Positionen der Eugeniker und Rassentheoretiker zu verschaffen, um deren Haltung und Einstellung zu einem totalitären Staat wie das Naziregime zu betrachten, sowie ihre Leben und Karrieren nach 1945.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung

II.) Begriffsdefinition

III) Nachtsheims Karriereverlauf

a) Das Landwirtschaftliche Ministerium und die beginnenden Konflikte zwischen Nachtsheim und Baur

b) Die Forschung mit den Rexkaninchen und Nachtsheims Rückkehr in die Wissenschaft

c) Nach Hitlers Machtergreifung

IV) Das Mendel`sche Kreuzungsschema der Kaninchen und das menschliche Erbgut – Wie Parallelen nach Nachtsheims Sichtweise gezogen werden

V) Nachtsheims Karriereverlauf in der Nachkriegszeit bis zu seinem Tod

VI) Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Lebensweg und die wissenschaftliche Karriere von Hans Nachtsheim unter besonderer Berücksichtigung seiner Rolle in der Erbpathologie und Eugenik während des Nationalsozialismus sowie seiner beruflichen Kontinuität in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie ein Zoologe zum einflussreichen Genetiker aufsteigen konnte und wie Nachtsheim seine Verstrickungen in NS-Experimente im Kontext der Nachkriegszeit strategisch zu überspielen wusste.

  • Wissenschaftliche Karriere von Hans Nachtsheim
  • Eugenik und Erbpathologie im Nationalsozialismus
  • Die Instrumentalisierung von Tierversuchen für rassenpolitische Ziele
  • Verhältnis von NS-Ideologie, Wissenschaft und Forschungspraxis
  • Entnazifizierung und berufliche Etablierung nach 1945

Auszug aus dem Buch

b) Die Forschung mit den Rexkaninchen und Nachtsheims Rückkehr in die Wissenschaft

Dennoch gab Nachtsheim in den Krisenzeiten seine Forschung nicht auf. Er besaß noch seine Rexkaninchen, die er Mitte der 1920er Jahre erwarb und für seine Forschungszwecke mit ihnen experimentierte und sie züchtete. Als Schüler von Botanikern wie Richard Goldschmidt und Richard Hertwig kannte Nachtsheim sich mit der Zellbiologie aus und beschäftigte sich mit dem Mendelismus. Mit Goldschmidts Interpretation zur Vererbungslehre mit Hinblick auf die Rassenhygiene kam er als Student in Berührung, intensivierte dieses Thema aber ab 1930er Jahre. Während er in den 1920er Jahren sich mit den Fellarten der Rexkaninchen beschäftigte , änderten sich sein Vorhaben und Forschungsinteresse, als er 1931 wieder anfing, die Rexkaninchen zu begutachten.

Diesmal ging es in seinen Forschungen nicht um die Pelztierzucht, sondern um genetische Merkmale der Kaninchen, die aus der Kreuzung verschiedener Kaninchenarten entstanden. Nachtsheim fiel auf, dass seine gezüchteten Rexkaninchen Anomalien besaßen: Rachitis, Lähmungserscheinungen (Syringomyelie) und eine kurze Lebensdauer. Diese sogenannten „Anomalien“ und Krankheiten wurden auch bei den Nachkommen und Urahnen der Rexkaninchen gefunden, sodass sich für Nachtsheim ein weiteres und für ihn nützliches Forschungsfeld anbot: Die Erbpathologie.

Während er sich um die Zucht seiner Kaninchen kümmerte, merkte Nachtsheim, dass die Nachkommen seines ersten Stammkaninchens nicht lange lebten und unter der Lähmungserscheinung, die auch in Fachkreisen als Syringomyelie bekannt war, litten. Bei einigen von den Nachkommen wurden Rachitis diagnostiziert, eine Krankheit, die auch bei den Menschen bekannt war. Nicht nur Nachtsheim war an den Lähmungserscheinungen der Rexkaninchenarten interessiert. Der Neuropathologe Berthold Ostertag untersuchte die Rexkaninchenrammler und diagnostizierte „verschiedenartige Störungen im Rückenmark der Tiere.“ Im Jahre 1930 stellte Ostertag auf dem Pathologentag Syringomyelie als eine Erbkrankheit vor. Dafür dienten Nachtsheims Kaninchen als Modellbeispiele. Nach seiner Behandlung in Dresden zeigte Nachtsheim verstärkt Interesse für Erbkrankheiten und Erbanomalien, aber noch lagen seine Interessen in der Tierwelt. Somit fing Nachtsheim an, sich mit den Forschungen und Recherchen anderer Wissenschaftler zu befassen, die sich mit Fehlbildungen, äußerlichen und krankheitlichen Vererbungen bei den Tieren beschäftigten.

Zusammenfassung der Kapitel

I) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Hans Nachtsheim seine wissenschaftliche Karriere opportunistisch an das Interesse des Naziregimes und später der BRD angepasst hat.

II.) Begriffsdefinition: Hier werden die zentralen Fachbegriffe Erbpathologie, Eugenik und die Mendelschen Regeln im Kontext der damaligen Zeit definiert.

III) Nachtsheims Karriereverlauf: Das Kapitel beleuchtet Nachtsheims schwierige berufliche Anfänge, seine Hinwendung zur Erbpathologie durch Kaninchenzucht und sein Arrangement mit der nationalsozialistischen Hochschulpolitik nach 1933.

IV) Das Mendel`sche Kreuzungsschema der Kaninchen und das menschliche Erbgut – Wie Parallelen nach Nachtsheims Sichtweise gezogen werden: Es wird analysiert, wie Nachtsheim tiergenetische Ergebnisse nutzte, um rassenhygienische Maßnahmen beim Menschen zu legitimieren, inklusive seiner moralisch hochgradig fragwürdigen Experimente an Kindern.

V) Nachtsheims Karriereverlauf in der Nachkriegszeit bis zu seinem Tod: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Nachtsheim durch antikommunistische Positionierung im Kalten Krieg seine NS-Vergangenheit kaschierte und seine Karriere in der Humangenetik fortsetzen konnte.

VI) Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Nachtsheim ein pragmatischer Eugeniker war, der durch die Ausnutzung politischer Opportunitäten eine ungebrochene wissenschaftliche Laufbahn forcierte und für seine Rolle im Nationalsozialismus nie zur Verantwortung gezogen wurde.

Schlüsselwörter

Hans Nachtsheim, Eugenik, Erbpathologie, Nationalsozialismus, Rassenhygiene, Humangenetik, Kaninchenzucht, Mendelismus, Experimente an Kindern, Entnazifizierung, Kalter Krieg, Wissenschaftsgeschichte, Otto von Verschuer, Biopolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und der wissenschaftlichen Laufbahn des Zoologen und Genetikers Hans Nachtsheim, insbesondere mit seiner Tätigkeit im Nationalsozialismus und der Kontinuität seines Wirkens in der Nachkriegszeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Wissenschaft und NS-Ideologie, die Anwendung eugenischer Theorien auf den Menschen sowie der Strategiewechsel von NS-Wissenschaftlern nach 1945.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, wie Nachtsheim trotz seiner Involvierung in das NS-System und die Beteiligung an fragwürdigen Experimenten eine erfolgreiche Karriere in der Bundesrepublik aufbauen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung von Fachliteratur, Dokumenten, Publikationen Nachtsheims und historischer Forschungsarbeiten zur Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Instrumentalisierung der Kaninchenzucht für Erbpathologie, die Zusammenarbeit mit NS-Größen sowie die Strategien, mit denen Nachtsheim im Entnazifizierungsprozess als „Mitläufer“ eingestuft wurde.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Eugenik, Erbpathologie, Hans Nachtsheim, NS-Wissenschaftspolitik, Humangenetik und Entnazifizierung.

Wie legitimierte Nachtsheim seine Versuche an Kindern?

Nachtsheim versuchte seine Versuche an epilepsiekranken Kindern in der Landesanstalt Brandenburg-Görden im Nachhinein als medizinische Forschung zu rechtfertigen, während er die Beteiligung an NS-Verbrechen aktiv zu verharmlosen suchte.

Welche Rolle spielte der Kalte Krieg für seine Karriere?

Nachtsheim nutzte den Kalten Krieg und seine antikommunistische Haltung gegen den Lyssenkoismus, um sich als westlich orientierter, demokratisch gesinnter Wissenschaftler zu stilisieren und so von seiner NS-Vergangenheit abzulenken.

Warum blieb Nachtsheim trotz seiner Tätigkeiten unbehelligt?

Da er kein offizielles NSDAP-Mitglied war und sich geschickt als Opfer bzw. Kritiker des NS-Regimes darstellte, konnte er sich erfolgreich den Entnazifizierungsprozessen entziehen.

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Detalles

Título
Zoologe, Eugeniker und Pragmatiker. Hans Nachtsheim und seine Forschung nach dem Interesse des Naziregimes und der BRD in der Nachkriegszeit
Universidad
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Geschichte)
Calificación
2,0
Autor
Sara Tegge (Autor)
Año de publicación
2018
Páginas
20
No. de catálogo
V438846
ISBN (Ebook)
9783668801233
ISBN (Libro)
9783668801240
Idioma
Alemán
Etiqueta
Eugenik Wissenschaftsgeschichte Nationalsozialismus
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Sara Tegge (Autor), 2018, Zoologe, Eugeniker und Pragmatiker. Hans Nachtsheim und seine Forschung nach dem Interesse des Naziregimes und der BRD in der Nachkriegszeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438846
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