Der Kategorische Imperativ. Die Universalisierungsformel am Beispiel erklärt und diskutiert


Hausarbeit, 2018

11 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der kategorische Imperativ
2.1 Die Universalisierungsformel

3. Beispiel
3.1 Diskussion der Plausibilität

4. Fazit

1. Einleitung

Immanuel Kant – einer der größten deutschen Philosophen und bedeutendsten europäischen Schriftsteller und Denker der Neuzeit. Bis heute dienen seine Werke als Basis ethischer und philosophischer Analysen und bilden den Höhepunkt in der Geschichte des modernen Handels und Denkens. Durch seine Arbeiten revolutionierte er nicht nur Ethik als Disziplin, sondern beeinflusste auch den Prozess der deutschen Aufklärung maßgeblich. Bis heute werden seine Gedanken, Ideen und Prinzipien geachtet und immer wieder gerne in zeitgenössische Untersuchungen mit eingebracht.

Der kategorische Imperativ, eines der bekanntesten Konzepte Kants, versteht sich als die höchste ethische Handlungsweisung in der Philosophie und als ein absoluter Meilenstein in der Analyse der menschlichen Moral. Als Teil des Werkes Grundlegung zur Metaphysik der Sitten zeichnen Kants Überlegungen einen fundamentalen Schritt im Fachbereich Ethik auf, nachdem Kant sich vorher hauptsächlich mit der theoretischen Philosophie beschäftigt hat. Allein durch den kategorischen Imperativ entwickelte Kant einen universellen Wegweiser zu moralisch wertvollem und guten Handeln. Dabei muss eine Situation oder eine mögliche Handlung immer auf ihre Moralität und Vertretbarkeit hin überprüft werden. Ein wichtiger Bestandteil dieses Konzeptes ist die Universalisierungsformel, mit deren Hilfe man jederzeit seine Intentionen oder Handlungen überprüfen kann.

Dieser Thematik widme ich mich nun im Rahmen dieser Hausarbeit. Ich beginne mit einer detaillierten Erläuterung des kategorischen Imperativs und der Universalisierungsformel. Danach gehe ich noch tiefer in die Materie ein und wende die Universalisierungsformale an Hand eines konkreten Beispiels an. Sobald also das genaue Prozedere der Moralüberprüfung nach Kant aufgezeigt ist, diskutiere ich die Plausibilität dieses Konzeptes zur Bestimmung von moralischer Richtigkeit. Ich beende meine Ausführungen mit einem kurzen Fazit, in dem ich die Erkenntnisse im Rahmen der Fragestellung abschließend reflektiere.

2. Der kategorische Imperativ

Was soll ich tun? – eine der Grundfragen der Philosophie. Wie können wir objektiv beurteilen welche Handlungen moralisch wünschenswert sind und welche nicht? Dieser zentralen Frage hat sich auch Immanuel Kant in seinem Werk Grundlegung zur Metaphysik der Sitten gewidmet. Eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem moralisch richtigen Handeln soll der kategorische Imperativ – grundlegende These Kants innerhalb der Metaphysik - bieten.

Moralisch richtige Handlungen, sind laut Kant, Maxime. Die Maxime verstehen sich als ein Grundsatz, welcher innerhalb des kategorischen Imperativs auch kategorisch, also ohne irgendeine Einschränkung, angewendet werden soll. Damit diese aber auch moralisch richtig sind, müssen sie bestimmte Merkmale erfüllen. Maxime müssen allgemeingültig sein, einen Zweck haben, den jeder für erstrebenswert hält, aus der Pflicht heraus entstehen, frei von persönlichen Neigungen sein und der Mensch muss immer Zweck der moralischen Handlung bleiben und nicht zum Mittel werden. Dies bedeutet, dass man sich nicht durch eine gute Tat einem anderen Individuum gegenüber selbst profilieren darf, sondern immer die Hilfe in den eigenen Fokus setzen sollte. Handlungen die all diese Merkmale erfüllen, sind als moralisch richtig bzw. gut zu bewerten. Diese Merkmale findet man in den Formeln des kategorischen Imperativs wieder, dazu später mehr. Sobald aber eine dieser Grundsätze nicht erfüllt ist, ist die Handlung moralisch gesehen wertlos, dies obwohl die Tat prinzipiell noch gut sein kann. Ein Beispiel: Eine moralisch richtige Maxime nach Kant könnte Ich soll nicht lügen sein. Die Maxime ist allgemeingültig, jeder kann sie anwenden, jeder kann sich mit dem Ideal, welches hinter der Maxime steht identifizieren und sie ist frei von persönlichen Neigungen. Wenn dann noch die Motivation hinter dem Sagen der Wahrheit richtig ist, also nicht Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich ist , ist die Maxime nach Kant moralisch einwandfrei. Kant sieht aber nicht jede erfüllte Maxime als gleich erstrebenswert an, er unterscheidet auch zwischen negativen und positiven Pflichten (Schönecker 2002: 96).

Negative Pflichten, also die Pflicht etwas zu unterlassen, wiegen nach Kant mehr, da sie prinzipiell gegen unser menschliches Naturell gehen. Minderwertiger sind also positive Pflichten, die Pflicht etwas zu tun.

Wichtig ist also nicht nur die Ausführung einer Maxime, sondern auch ihre Absicht. Eine Handlung kann nie nur objektiv beurteilt werden, sondern muss immer im subjektiven Kontext des Handelnden selber analysiert werden. Somit ist im Rahmen des kategorischen Imperativs die Handlung nie vom Handelnden zu trennen.

Den kategorischen Imperativ teilt Kant in insgesamt vier verschiedene Formeln ein. Diese Formeln verstehen sich als Mittel zur Prüfung einer vermeintlich moralischen Handlung. Die Formeln lauten:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant: AA IV, 421)

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Immanuel Kant: AA IV, 429)

„Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“ (Immanuel Kant: AA IV, 421)

„Demnach muß ein jedes vernünftige Wesen so handeln, als ob es durch seine Maximen jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reiche der Zwecke wäre.“ (Immanuel Kant: AA IV, 438)

2.1 Die Universalisierungsformel

Die erste Formel – die Universalisierungsformel – möchte ich nun tiefer erläutern.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant: AA IV, 421)

Die Universalisierungsformel versteht sich als Basis des kategorischen Imperativs und wir hierarchisch über allen anderen angeordnet. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass Kant selber nicht von einer Universalisierungsformel per se spricht, sondern von der prinzipiellen Allgemeinheit eines Gesetzes. Hier liegt auch der Schlüssel der Formel. Praktisch bedeutet dies, dass man sich eine Maxime überlegt, also einen Handlungsgrundsatz und dann schaut ob wann wollen kann, dass diese Maxime zu einem allgemeinen Gesetz für alle wird. Dabei spielen zwei Bedingungen eine fundamentale Rolle: ich kann nur ein Gesetzt wollen, welches in sich logisch ist, dessen Zweck einwandfrei ist und das allgemein gelten kann. Gesetz versteht sich hierbei nicht unbedingt als rechtlich bindende Vorschrift, sondern als gemeinsame Verbindung zwischen der Maxime und allen die nach ihr leben.

3. Beispiel

Nun werde ich eine Handlung auf Basis der Universalisierungsformel auf ihre Moral hin überprüfen:

Ich sitze während einer Klausur in der Uni und schreibe konzentriert an meinem Text. Nach kurzer Zeit bemerke ich, dass mein Kommilitone offensichtlich Probleme beim Lösen der Aufgaben hat und Hilfe braucht. Ist es nun also moralisch richtig meinen Kommilitonen von mir abschreiben zu lassen? Auf den ersten Blick scheint die Maxime ‘‘Ich lasse jeden bei Klausuren von mir abschreiben, wenn er Hilfe braucht‘‘ in sich plausibel. Sie ist logisch konsistent und enthält keine Widersprüche. Sollte dies zu einem allgemeinen Gesetz werden, kann ich durchaus davon profitieren und selber Hilfeleistung erhalten, wenn ich diese brauche. Dies wäre also eine Maxime von der man zumindest wollen könnte, dass sie zu einem allgemeinen Gesetz wird.

Spinnt man das Gedankenspiel allerdings weiter, bemerkt man Konsequenzen der Maxime die wiederum nicht erstrebenswert für die Allgemeinheit sein können.

Sollte jeder von jedem abschreiben können, würde dies eine Entwertung des Lernens bedeuten. Eine Klausur verstände sich nicht mehr als eine schriftliche Prüfung des Einzelnen, sondern bekäme den Charakter einer Gruppenarbeit. Das Lernen würde entwertet, Klausuren würden entwertet und in letzter Konsequenz auch die Abschlüsse. Ich wäre nicht mehr in der Lage mir die Menge an Wissen anzueignen wie ich es ohne die Maxime täte.

Da ich aber nach Kant ein vernünftiges Wesen bin, dass davon profitiert sein volles Potenzial auszuschöpfen und dies auch anstrebt, kann ich nicht wollen, dass mein Wissen auf der einen Seite entwertet oder sogar auf der anderen Seite verringert wird. In Bezug auf die komplette Gesellschaft birgt der aufkommende Mangel an Wissen sogar regelrechte Gefahren. Wenn ein Arzt sich nicht genügend Wissen über sein Fachgebiet aneignet, trotzdem auf Basis eines entwerteten Abschlusses einen Job bekommt, könnte er auf Grund seines Wissensmangels Leben gefährden. Genauso können Professoren mangelhaftes Wissen reproduzieren, in dem sie es an ihre Studenten weitergeben. Betrachtet man nun das gesamte Ausmaß der Maxime muss man nach Kant zu dem Schluss kommen, dass man dieses Gesetz nicht wollen kann. Ein Grundsatz des kategorischen Imperativs ist gebrochen. Wenn ich meinen Kommilitonen also doch abschreiben lasse, wäre dies nicht moralisch richtig. Ich tue dies nämlich nicht aus einer moralischen Pflicht heraus, auf Basis einer Maxime, sondern vielleicht auf Grund von persönlichen Neigungen. Eventuell will ich dem Kommilitonen gefallen und weiß genau, dass er es mir übelnehmen würde, wenn ich ihn nicht abschreiben lasse. Tue ich das aber, dann unter der Annahme, dass die umgekehrte Maxime nur für mich gilt, dies ist wiederum ein Widerspruch gegen die Allgemeingültigkeit.

3.1 Diskussion der Plausibilität

Kants kategorischer Imperativ ist im gleichen Maße berühmt wie umstritten. Kritik gibt es dabei an verschiedenen Stellen von Kants Thesen.

Kant stützt seine Ausführungen auf der Überzeugung der Mensch sei ein vernünftiges Wesen (Ludwig 2009: 16). Dies ist nicht nur ein außerordentlich positives Menschenbild, sondern auch ein fragwürdiges. Zentrale Wortbausteine der Universalisierungsformel lauten wollen können. Ein Individuum muss es wollen, dass seine Maxime zu einem allgemeinen Gesetz wird. Es handelt sich hierbei also um den eigenen, subjektiven Willen, welcher nach Kant nicht primär durch persönliche Neigungen, sondern durch die Prinzipien der Vernunft bestimmt wird. Dies ist eine zentrale Voraussetzung von Kants kategorischem Imperativ. Dies steht nicht nur im Gegensatz zu dem Menschenbild vieler anderer Philosophen, sondern auch zu Kants eigenen Thesen, die dem Menschen auch einen gewissen Grad an Egoismus zuweisen. Wieso ein Mensch sich nun gegen seinen inneren Egoismus und für die Vernunft entscheiden soll und dies nach Kant sogar grundsätzlich tut, bleibt unklar. Aus der selben Problematik heraus entwickelt sich der mögliche Konflikt zwischen Gruppenkonsens und Einzelmeinung. Die Maximen berufen sich auf die Meinung des Individuums, welche sie ausführen wollen, dabei findet die Gruppe keine Betrachtung. Auch hier muss einfach darauf vertraut werden, dass der Mensch nicht nur auf Basis seiner Vernunft agiert, sondern, damit auch das Beste für die gesamte Gesellschaft im Fokus trägt.

Ein weiterer kritischer Punkt an Kants Thesen ist das Konzept der Maxime. Maxime verstehen sich als allgemein geltende Handlungsgrundlagen, welche den Anspruch haben moralisch zu sein. Diese können aber nach Kant individuell gewählt werden. Vielfältige sprachliche Freiheiten können auch den Weg für allerlei Handlungsmaxime die in sich widersprüchlich sind und sich selbst bei Anwendung aufheben ebnen. Es können Maximen entstehen, die die Verbindlichkeit der gesellschaftlichen Institutionen unterbinden oder auch missachten und dadurch die üblichen Normen außer Kraft setzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Kategorische Imperativ. Die Universalisierungsformel am Beispiel erklärt und diskutiert
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V438857
ISBN (eBook)
9783668787322
ISBN (Buch)
9783668787339
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Imperativ, Kategorisch, Universalisierungsformel, Moral
Arbeit zitieren
Maria Korosteljow (Autor), 2018, Der Kategorische Imperativ. Die Universalisierungsformel am Beispiel erklärt und diskutiert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438857

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