Karl Marx und Max Weber. Klassenstruktur und Schichtungstheorien


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karl Marx
2.1 Die Klassentheorie
2.2 Das Klassensystem
2.3 Perspektive

3. Max Weber
3.1 Ständetheorie
3.2 Die Schichtung
3.3 Perspektive

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Marx oder Weber? Mit ihren Theorien zu Klassen und Schichtung haben beide die Grundsteine soziologischer- und ökonomischer Betrachtungsweisen gelegt, mit denen praktisch jede menschliche Handlung zu erklären ist. Um das gemeinschaftliche Leben unter dem Blickpunkt wirtschaftlicher- und sozialer Interessen aufzudecken, lassen sich selbst moderne Gesellschaftsstrukturen mit diesen Theorien untersuchen. Wichtig sind hierbei nicht nur Menschen an sich, ihre Besitztümer und ihr Status, sondern auch die sozioökonomischen Verhältnissen die ihnen vom Staat auferlegt werden. Gerade auch die problematischen Faktoren der Gesellschaft, wie zum Beispiel die Bedarfsdeckung, spielen eine wichtige Rolle in diesem Kreislauf und bieten noch heute eine breite Diskussionsgrundlage. Weber und Marx entwickelten ihre Theorien nicht nur auf Basis von unterschiedlichen zeitlichen Epochen, sondern auch unterschiedlichen sozialen Ständen. Charakteristisch nicht nur für ihre Zeit, sondern auch für ihr Leben, entwickelten sie Betrachtungsweisen und Theorien, welche nicht nur ihre damalige Gesellschaftsstruktur erklärten, sondern auch Wegweiser für kommende Untersuchungen und Zeitalter wurden.

Doch wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Theoretiker und woraus könnten diese resultieren? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich innerhalb dieser Hausarbeit. Ich widme jedes Kapitel je einem der beiden Wissenschaftler, stelle ihre Theorien vor und untersuche sie jeweils getrennt auf ihre Weitsicht in Bezug auf die Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen im kapitalistischen System. Bei Karl Marx beginne ich mit der Klassentheorie und dem Klassensystem und im Anschluss präsentiere ich Max Webers Ständetheorie mit Fokus auf dem Konzept der Schichtung. Innerhalb des Fazits werde ich dann noch auf die unterschiedlichen Biografien der beiden Wissenschaftler eingehen, um potenzielle Unterschiede zu erläutern und alle Erkenntnisse im Hinblick auf die Fragestellung final zu reflektieren.

2. Karl Marx

2.1 Die Klassentheorie

Nach Marx Definition lässt sich unsere Gesellschaft in zwei Grundklassen aufteilen. Die Bourgeoisie, also Kapitalisten, Eigentümer von Produktionsmitteln und Grundeigentümer und das Proletariat, die Arbeiterklasse. Durch Privateigentum an Produktionsmitteln und dem Besitz von Grund, Boden und Geldvermögen klassifiziert sich jedes Individuum der Gesellschaft als Teil der Bourgeoise, oder nach Marx der herrschenden Klasse. Fundamental für die Dynamiken unserer Gesellschaft, ist der ständige Kampf zwischen der herrschenden Klasse und dem Proletariat, dieser Zustand wird als Klassenkampf begriffen und markiert einen Grundgedanken der marxistischen Definition der Klassen.

„Die Eigentümer von bloßer Arbeitskraft, die Eigentümer von Kapital und die Grundeigentümer, deren respektive Einkommenquellen Arbeitslohn, Profit und Grundrente sind, bilden die großen Klassen der auf der kapitalistischen Produktionsweise beruhenden Gesellschaft.“ (Kaesler 2002: 132)

Aufgrund dieser Darstellung bildet sich der Klassenkampf, der in erster Linie auf der Diskriminierung und der Ausbeutung des Proletariats beruht. Klassen lassen sich demnach auf unterschiedliche Kleingruppen runterbrechen, welche Produktionskräfte und Produktionsverhältnisse vertreten. Innerhalb dieser Ordnung entstehen Konflikte, welche Ausdruck der unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche der jeweiligen Klasse sind. Ein fundamentaler Punkt. Die Klassenstruktur entwickelte sich aber nicht von selber, sondern ist das Ergebnis der Industrialisierung und der gesellschaftlichen Teilung von Arbeit. (Mauke 1971: 9). Die Theorie des Klassenkampfes ist unwiderruflich verknüpft mit der zunehmenden Abstraktion des Wertes von Arbeit. Der von der Arbeiterklasse geschaffene Mehrwert wird durch die steigende Produktivität und Modernisierung der kapitalistischen Gesellschaft zum Wurzel allen Übels. Nur noch dafür da, um den Produktionsmittelinhabern zum schnellen Profit zu verhelfen.

Diese inhaltliche Verbindung zwischen der Arbeitsteilung und dem Klassenkampf ist einer der Schlüsselpunkte von Marx Ausführungen. Sobald die Weiterentwicklung der Werkzeuge und technischen Arbeitsmethoden, die Arbeiter zu einer Befähigung der Arbeiterklasse zur Mehrarbeit führen, differenziert diese Arbeitsteilung die Gesellschaft. Doch diese Mehrarbeit kann auch die bloße Optimierung der Arbeitsmittel- und Methoden sein, also durch jegliche Faktoren, die die Produktivkräfte dazu befähigen bei gleichem Arbeitsaufwand, in Zeit und Kraft, die Produktion zu vermehren bzw. ein Mehrprodukt zu schaffen (Mauke 1971: 10). Mit Hilfe dieser Mehrproduktion äußert sich die Teilung der Gesellschaft in einer Differenzierung zwischen Produzenten und den Konsumenten, welche autonom über die Waren verfügen. Marx sieht die Modernisierung, den technischen Fortschritt und die Rationalisierung von Produktionsabläufen, als weitestgehend von der Bourgeoisie betriebenes Handeln, mit dem Fokus auf der Steigerung des Mehrwertes. Dies führt wiederum zu einer immer reicher werdenden Bourgeoise, was wiederum mit der Ausbeutung des Proletariats einhergeht. Wie bereits zu erkennen ist, liegt also der Kern dieser Wechselwirkung in den komplett unterschiedlichen Zielsetzungen der beiden Klassen. Marx unterstellt der Bourgeoisie eine omnipräsente Fokussierung auf die Gewinnmaximierung, eine absolut übergeordnete Agenda. Um dieses Ziel auch zu verwirklichen, entwickelt die Klasse ganz bestimmte Interessen und Strategien, dies einigt und spaltet die Gruppe parallel. Marx begreift als Basis oder Existenzbedingung der Bourgeoise die ständige Optimierung und Revolutionierung der Produktionsmittel. Gemeinsam mit der Reduzierung der Lohnkosten, durch die im Rahmen der Industrialisierung stark wachsende Maschinenkraft, sind dies typische Mittel der Produktionsmaximierung und Effizienz. Dies gipfelt in der Maximierung des Gewinns, dadurch können wiederum neue Arbeitsmärkte erschlossen werden. Der Produktionsprozess wird also fortwährend im Interesse der Bourgeoisie gestaltet. Dies wird laut Marx auch vom Staat unterstützt und gefördert, die Rahmenbedingungen für die Produktionen werden vom Staat begünstigt und verstaatlicht dadurch auch die Ausbeutung des Proletariats.

„Der kapitalistische Staat ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisieklasse verwaltet.“ (Marx/Engels, 1946: 28)

Ein weiterer wichtiger Punkt ist hier auch die wachsende Souveränität des Privateigentums vom staatlichen und gesellschaftlichen Gemeinwesen. Dadurch verwandelt sich der Staat zu der Art von Organisation, welche der Bourgeoisie die Begünstigung, Erhaltung und Sicherung ihrer Interessen und Produktionsstrategie sichert und damit zu einer gegenseitigen Garantie des Reichtums und der Macht führt, eine Beziehung die fundamental ist (Marx/Engels 1953: 76).

Das Interesse des Proletariats leitet sich nach Marx wiederum aus der Situation und Notlage aller Arbeiter ab. Diese sind in Abhängigkeit von der Gehaltszahlung ihres Arbeitsgebers, dazu verpflichtet ihrer Arbeitskraft zu verkaufen. Dieser Zustand wird durch die steigende Industrialisierung und den sinkenden Bedarf an Personal nur verschlimmert. Zusätzlich führt es zu einer Entwertung der Arbeitskraft, welche den Preis für die Arbeit und damit auch den Lohn senkt. Als ein Faktor der Einheit innerhalb des Proletariats versteht Marx vor allem den Arbeitslohn. Durch diesen Mechanismus, oder auch diese Abhängigkeit, ist die stetige Ausbeutung des Proletariats durch die herrschende Bourgeoisie zu erklären. Resultierend aus dieser ausweglosen und tragischen Situation entwickelt Karl Marx seinen revolutionären Ansatz des Klassenkampfs. In der Überzeugung, dass dieser Zustand des Missstandes und der Ausbeutung nicht ewig halten kann, prophezeit Marx die Erhebung des Proletariats über die Bourgeoisie, welche ihren Höhepunkt in einem alles verändernden Klassenkampf findet. Die alten gesellschaftlichen Strukturen werden zerschlagen und eine komplett neue Ordnung errichtet. Zwar versteht sich die Bourgeoisie somit als erfolglose Klasse, welche keine Zukunft haben kann, dennoch weist Marx ausdrücklich darauf hin, dass die Bourgeoise durchaus eine lange Lebensdauer haben kann.

„Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft.“ (Kaesler 2002: 493)

2.2 Das Klassensystem

Obwohl gemeinhin behauptet wird, dass das Klassensystem von Karl Marx eine reine Zweiklassengesellschaft zu verstehen sei, ist sie doch bei genauerer Analyse wesentlich vielschichtiger als das.

Karl Marx hat es im Grunde nie geschafft sein Klassenkonzept vollständig und nachvollziehbar zu entwickeln. Obwohl er in seinen Abhandlungen zum größten Teil in der Tat nur von der Bourgeoise und dem Proletariat spricht, hat Marx durchaus auch die Existenz von Über- und Unterklassen innerhalb einer gesellschaftlichen Struktur in seine Überlegungen mit einbezogen und auch die Konflikte innerhalb der einzelnen Klassen analysiert. Die überwiegende Mehrheit seiner Arbeiten behandelt die Theorie der Schichtung und der gesellschaftlichen Klassen. Eine wichtige Rolle innerhalb dieser Überlegungen spielen die Übergangsklassen. Laut Marx sind dies gesellschaftliche Gruppierungen, welche zwar aus einer vergangenen Epoche beziehungsweise einem vergangenen gesellschaftlichen System stammen, aber dennoch einen Platz in einer neuen Ordnung finden. Soziale Relikte aus lange zusammengebrochenen Gesellschaftsstrukturen, wie beispielsweise die Bauern oder Landarbeiter (Giddens 1999: 269).

Den Schwerpunkt seiner Betrachtung von gesellschaftlichen Strukturen legt Marx in den unvermeidbaren Klassenkampf zwischen den unterschiedlichen Klassen. Hierbei sind Verhaltensmuster der Individuen fundamental, welche aus einer klar kapitalistischen Gesellschaftsordnung heraus entstehen und zu verstehen sind. Er zeigt dabei strukturierte wirtschaftliche Ungleichheiten in der Gesellschaft auf: „Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern.“ (Marx/ Engels 1946: 33)

Industrielle Gesellschaftsstrukturen sind dabei für Marx, anders als bei Weber, gesellschaftliche Übergangsformen, welche keine dauerhafte Existenzgrundlage innehaben und radikal umorganisiert werden. Dies führt auf Dauer auch zu einer Ablösung der kapitalistischen Grundordnung durch eine neue sozialistische Gesellschaftsstruktur.

2.3 Perspektive

Der wachsende westliche Einfluss auf die Welt, welcher bis dato unübersehbare kapitalistische Ausmaße angenommen hat, ist laut Marx die zwingende Folge, der nach Gewinnmaximierung und Ausbeutung strebenden kapitalistischen Systeme (Giddens 1999: 621). Er sieht in ihnen prinzipiell eine sterbende Gesellschaftsordnung, deren Existenz nicht von Dauer sein kann und prophezeit ihren Untergang, welcher sich in der Revolution der Arbeiterklasse, dem Klassenkampf, zeigt. Allerdings ist dies nicht die einzige Sichtweise die Marx vorstellt.

In der Kritik der politischen Ökonomie von 1859, beschreibt Marx den sozialen Wandel auf Basis einer Wechselwirkung von Produktionskräften und -verhältnissen. Dies führt auch zu einer Neugestaltung der Sozialstruktur, äußert sich aber viel friedlicher und harmonischer als der zuvor propagierte Klassenkampf. Die Produktionskräfte wachsen über die bestehenden Strukturen der Produktionsverhältnisse hinaus und erlangen die Möglichkeit eine neue Ordnung zu bilden. Die Bourgeoise versteht sich dabei als die Vertretung der Produktivkräfte. Aufgrund der folgenden sozialökonomischen Entwicklungen, wie beispielsweise die Erschließung neuer Märkte, verlangt es nach Veränderungen der Ordnung, um den aufkommenden neuen Möglichkeiten auch gerecht zu werden. Dieser Prozess wird stufenweise vollzogen. Haben sich dann am Ende die neuen Produktionsverhältnisse durchgesetzt und vollständig etabliert, kann die neu entstandene Bourgeoise, wiederum als starke und herrschende Klasse, die Neustrukturierung nach ihren Vorstellungen vornehmen (Kaesler 2002: 61).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Karl Marx und Max Weber. Klassenstruktur und Schichtungstheorien
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V438858
ISBN (eBook)
9783668788145
ISBN (Buch)
9783668788152
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Marx, Max Weber, Klassen, Struktur, Schichten
Arbeit zitieren
Maria Korosteljow (Autor), 2018, Karl Marx und Max Weber. Klassenstruktur und Schichtungstheorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438858

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