Schon seit je her gibt es eine Mehrzahl an unterschiedlichsten Formen der Interviewverfahren in der Sozialforschung. Entdeckt wurde das Verfahren als journalistische Befragung Ende des 19. Jahrhunderts – lange davor war es bereits eine bekannte Technik in den Bereichen Kriminalistik, dann auch unter Volkskundlern und Ethnologen, in der Medizin und zuletzt auch in den Sozialwissenschaften.
Heute ist die Methode des Interviews aus der modernen Sozialforschung nicht wegzudenken. Eine besonders offene Form des Interviews, mit einem hohen Narrativgrad ist dabei das narrative Interview. Ein völlig offener Verlauf und ein zeitlicher Rahmen der dem Interviewten die Möglichkeit bietet völlig ausgiebig über seine wichtigsten Lebensereignisse sprechen zu lassen, zeichnen diese Methode aus - daher spricht man auch vom erzählenden Interview.
Dabei interessieren vor allem Ereignisabläufe mit sozialwissenschaftlichem Hintergrund in die der Interviewte selbst verwickelt war. Es soll möglichst nur erzählt, nicht bewertet oder argumentiert werden um eine möglichst klare Erzählstruktur zu entwickeln und dem Befragte die Möglichkeit zu geben so viel preiszugeben wie möglich. Doch so frei diese Methode auch ist, birgt auch sie Vor- und Nachteile. Welche genau diese sind, werde ich im Rahmen meiner Hausarbeit an einem konkreten Beispiel aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsansätze der Sozialforschung
2.1 Der quantitative Forschungsansatz
2.2 Der qualitative Forschungsansatz
3. Das narrative Interview im Gesamtkontext der qualitativen Forschungsmethoden
3.1 Definition des narrativen Interviews
3.2 Die Methode des narrativen Interviews
3.3 Der Ablauf des narrativen Interviews
4. Interviewbeispiel mit Erläuterung der Verfahrensschritte
5. Nachteile des Verfahrens
5.1 Schwierigkeiten für Interviewer
6. Fazit
7. Transkript zur Hausarbeit Das narrative Interview in der Sozialforschung – das für und wider am Beispiel veranschaulicht
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das narrative Interview als qualitative Forschungsmethode, beleuchtet dessen Vor- und Nachteile sowie die theoretischen Hintergründe. Ziel ist es, anhand eines konkreten Interviewbeispiels die praktischen Anwendungsschritte, die Rolle des Interviewers sowie die Herausforderungen für den Befragten kritisch zu analysieren und den Wert des Verfahrens für die Sozialforschung und Sozialpädagogik einzuordnen.
- Grundlagen qualitativer und quantitativer Forschungsansätze.
- Theorie und Methode des narrativen Interviews nach Fritz Schütze.
- Phasenmodell: Aushandlungsphase, Haupterzählung und Nachfrageteil.
- Analyse der Zwänge für Erzählende und Anforderungen an den Interviewer.
- Praktische Erläuterung der Auswertungsschritte anhand eines Transkripts.
Auszug aus dem Buch
Die Aushandlungsphase
Zu Beginn wird vom Forscher der Erzählstimulus gesetzt, in dem er dem Informanten ein potenzielles Thema vorgibt. Dadurch fokussiert man den sozialwissenschaftlich relevanten Teil der Geschichte. Dieses Thema sollte ein großes narratives Potenzial besitzen und es sollte dem Informanten auch als sinnvoll erscheinen darüber sprechen zu wollen. Dieses Gefühl erweckt der Interviewer nur, indem er dem Befragten eine hohe Wichtigkeit und Stellung innerhalb des Interviews vermittelt. Diese Art der Wertschätzung gegenüber des Befragten und seiner Geschichte, unterstützt ihn dabei eine eigene Sinngebung während des Erzählens zu entwickeln. Doch per se geht es hier nicht nur um die externe Aufmerksamkeit die dem Interviewten als Person und seiner Geschichte entgegengebracht wird, der Befragte muss erkennen, dass das Reflektieren von vergangenen Ereignisentwicklungen hilfreich sein kann. Diese Phase nennt man daher Aushandlungsphase, da sich Befragter und Forscher in gegenseitigen Einverständnis auf eine Erzählthematik einigen. Innerhalb dieser Absprache, werden dem Interviewten auch die Rahmenbedingungen des Interviewablaufs erklärt. Man informiert ihn darüber, dass er während des gesamten Interviews das uneingeschränkte Rederecht besitzt und der Forscher nur die Rolle des aufmerksamen Zuhörers einnimmt. Dies markiert im Grunde genommen auch das Ende der Aushandlungsphase. Mit der Ratifizierung – also der Bestätigung des Befragten mit diesem Verfahren weiterzumachen, wird der Übergang in die nächste Phase, der Haupterzählung eingeleitet (vgl. Glinka, 2009 [1998], S.10-13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Interviewverfahrens ein, definiert das narrative Interview als offene Methode und skizziert das Ziel der Hausarbeit.
2. Forschungsansätze der Sozialforschung: Hier werden quantitative und qualitative Ansätze gegenübergestellt, wobei der Fokus auf Zahlen vs. Text als Erkenntnismedium liegt.
3. Das narrative Interview im Gesamtkontext der qualitativen Forschungsmethoden: Dieses Kapitel definiert das narrative Interview nach Fritz Schütze, beschreibt die spezifische Methodik der Stehgreiferzählung und den dreiphasigen Ablauf des Interviews.
4. Interviewbeispiel mit Erläuterung der Verfahrensschritte: Anhand eines selbst erstellten Transkripts werden die methodischen Schritte der Analyse, wie das theoretical sampling und die Sequenzanalyse, praktisch illustriert.
5. Nachteile des Verfahrens: Das Kapitel beleuchtet die narrativen Zwänge für den Erzählenden sowie die Herausforderungen und Kompetenzanforderungen an den Interviewer.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Methode für die Sozialpädagogik zusammen und reflektiert die notwendige Sozialkompetenz für eine erfolgreiche Durchführung.
7. Transkript zur Hausarbeit Das narrative Interview in der Sozialforschung – das für und wider am Beispiel veranschaulicht: Dieser Anhang enthält das für die Analyse verwendete Interviewtranskript zwischen Interviewer und der Befragten Sofia.
Schlüsselwörter
Narratives Interview, Qualitative Sozialforschung, Stehgreiferzählung, Aushandlungsphase, Haupterzählung, Nachfrageteil, Interviewer, Erzählender, Sozialpädagogik, Transkription, Fallanalyse, Biographieforschung, Fritz Schütze, Methodenvielfalt, Deutungsmuster.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem narrativen Interview als einer zentralen Methode der qualitativen Sozialforschung, wobei das Für und Wider des Verfahrens theoretisch erörtert und praktisch veranschaulicht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zum quantitativen Ansatz, die Struktur des narrativen Interviews (nach Schütze), die methodischen Herausforderungen für Interviewer und Interviewte sowie die praktische Anwendung durch Transkript-Analyse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Eignung und Anwendungsmöglichkeiten des narrativen Interviews für sozialwissenschaftliche Fragestellungen und die soziale Arbeit aufzuzeigen und kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche zu qualitativen Methoden sowie eine exemplarische Fallanalyse mittels Transkription, um die Verfahrensschritte des narrativen Interviews zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des narrativen Interviews, den phasenorientierten Ablauf, die methodischen Arbeitsschritte bei der Analyse sowie die spezifischen Schwierigkeiten für die Beteiligten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Narratives Interview", "Qualitative Sozialforschung", "Stehgreiferzählung", "Biographieforschung" und "Soziale Arbeit" charakterisiert.
Warum wird das narrative Interview auch als "erzählendes Interview" bezeichnet?
Da der Gesprächsverlauf durch sehr offene Fragen so gestaltet wird, dass der Befragte ausführlich und zusammenhängend über seine Lebensereignisse berichten kann, um den Charakter einer Geschichte zu erzeugen.
Welche Rolle spielt der Interviewer während der Haupterzählung?
Der Interviewer agiert als aufmerksamer, passiver Zuhörer, der durch nonverbale Signale (Mimik, Gestik, kleine Rückmeldungen) den Erzählfluss unterstützt, ohne das Thema durch eigene Zwischenfragen oder Kommentare zu beeinflussen.
Was ist mit den "Zwängen" gemeint, denen ein Erzählender ausgesetzt ist?
Damit sind die psychologischen und strukturellen Anforderungen gemeint, wie der Detaillierungszwang, der Gestaltschließungszwang und der Relevanzfestsetzungszwang, die den Befragten dazu führen, die Erzählung kohärent, vollständig und auf das Thema fokussiert zu halten.
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- Maria Korosteljow (Author), 2017, Das narrative Interview in der Sozialforschung. Eine Veranschaulichung des Für und Wider, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/438863