Die moderne Illustrierte und Regenbogenpresse. Unterschiede und Gemeinsamkeiten


Seminararbeit, 2001
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

1. Begriffserläuterungen
1. 1. Begriff „Moderne Illustrierte“
1. 2. Begriff „Regenbogenpresse“

2. Geschichte

3. Vertrieb

4. Analyse anhand von Beispielen.
4. 1. Moderne Illustrierte „Brigitte“
4. 1. 1. Geschichte der „Brigitte“
4. 1. 2. Heftanalyse „Brigitte“ (23/2000)
4. 1. 3. Leserkreis der „Brigitte“
4. 2. Regenbogenpresse „Das Neue Blatt“
4. 2. 1. Heftanalyse „Das Neue Blatt“ 46/ 2000
4. 2. 2. Leserkreis von „Das Neue Blatt“
4. 3. Vergleichende Zusammenfassung
4. 3. 1. Unterschiede
4. 3. 2. Gemeinsamkeiten

5. Fazit

Bibliographie

Anlagen

Vorwort

Warum ist das Thema „Moderne Illustrierte und Regenbogenpresse“ so interessant für die Volkskunde? Auf dem deutschen Markt gibt es eine Fülle solcher Presseprodukte, die von vielen Menschen regelmäßig gekauft und gelesen werden, dabei stellt sich sofort die Frage, warum diese so erfolgreich sind. Doch nicht nur der Grund für die Beliebtheit wäre interessant, sondern auch die Art und Weise, wie auf die Leser eingewirkt werden kann, bzw. in welchem Maße dieses möglich ist. Außerdem, inwieweit es einen Kommunikationsprozess zwischen Leser und Macher dieser Zeitschriften gibt. Innerhalb dieser Arbeit werden vordergründig zwei Zeitschriftentypen behandelt, wobei die Regenbogenpresse eine Unterart der modernen Illustrierten darstellt. Anhand zweier Beispiele sollen beide Typen vorgestellt und miteinander verglichen werden. Im Hintergrund soll aber immer die Betrachtung des gesamten Illustriertenmarktes stehen.

1. Bergriffserläuterungen

1. 1. Begriff „Moderne Illustrierte“

Heute wird „Illustrierte“ oft mit „Zeitschrift“ gleichgesetzt, obwohl eigentlich ein Unterschied besteht. „Illustrierte“ ist die Abkürzung für illustrierte (=bebilderte)[1] Zeitschrift. Oftmals treten bei der Definition Schwierigkeiten auf. Wilhelm Jacob dazu:

„Obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch Konsens darüber herrscht, was unter einer Zeitschrift zu verstehen ist, gibt es in der Wissenschaft bis heute noch keine endgültige Definition zu diesem Phänomen.“[2]

Hans A. Münster unterscheidet beispielsweise zwischen „Fachzeitschriften und Publikumszeitschriften“[3], fasst die verschiedenen Formen in einem Schema (Abb. 1, S. 18) zusammen und zeigt die Übergänge zu Zeitung und Buch. Das Wort Illustrierte taucht nur im Zusammenhang mit „Familienzeitschriften“ auf und ist in diesem Fall sehr speziell gebraucht bzw. beschreibt eine Form des ausgehenden 19. Jahrhunderts, auf die in Kapitel 2 näher eingegangen wird.

Eine konkrete, quasi ’lexikalisierte’ Definition liefert Alphons Silbermann und unternimmt damit den Versuch eine Grundlage für den wissenschaftlichen Diskurs zu bieten.

„[Die Illustrierte ist, d. Verf.] gekennzeichnet durch vielseitigen Inhalt, breite Publikumsgeschmacksbasis u. starkes Vorherrschen von Bebilderung u. Bildberichterstattung. Massenbildpresse [= Illustrierte, d. Verf.] wird als Zeitschriftengattung definiert, die bei wöchentlicher o. vierzehntägiger Erscheinungsweise mit universeller Stoffauswahl u. dem Bild als dominierenden Aussageträger unter weitgehendem Verzicht auf aktuelle Nachrichtenübermittlung ein heterogen strukturiertes, überregional ausgedehntes Publikum zumeist unterhaltend anspricht.“[4]

Der Ausdruck universelle Stoffauswahl darf nicht falsch verstanden werden, da es sich bei Illustrierten um eine Zeitschriftengattung handelt, deren einzelne Erzeugnisse meist sehr spezielle Themen haben.[5]

Der Zusatz „modern“ kann verschieden aufgefasst werden. Nach Münster beginnt die moderne Form der Presse bereits im 18. / 19. Jahrhundert[6]. Jacob dagegen setzt als völligen Neubeginn der deutschen Presse den November 1944, bzw. den 1. Januar 1947, da hier die erste Lizenz für eine Zeitschrift, nämlich „Der Spiegel“ vergeben wurde.[7]

Streng genommen ist der Auffassung Münsters schon zuzustimmen, da in dieser Zeit tatsächlich eine Wandlung einsetzt, welche die Presse entscheidend verändert. Aus den allgemeiner gehaltenen „Familienzeitschriften“ bildeten sich langsam immer spezialisiertere Formen heraus und machten den Markt wesentlich vielfältiger.

Aber trotzdem ist im Zweiten Weltkrieg ein so gewichtiger Einschnitt zu sehen, bei dem, nach dessen Beendigung, die Alliierten mit Stilllegungen und Lizenzvergaben dem Pressemarkt durch diese Beeinflussung einen Neuanfang ermöglichten. Daher sollen in dieser Arbeit die Illustrierten behandelt werden, die nach 1947 neu oder in neuem Format wieder auf den Markt kamen.

1. 2. Definition „Regenbogenpresse“

Die Definition dieser Gattung birgt ebenfalls einige Schwierigkeiten, da sie, wie Walter Nutz deutlich machte, „bisher kaum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen war.“[8] Des weiteren schreibt er, dass

„die Blätter [...] mit den Farben des Regenbogens den Kopf ihrer ersten Seite aufmachen, [...und...] auch einen bestimmten Stil, bestimmte Inhalte und bestimmte Präsentationstechniken zur regelmäßigen und sich stets wiederholenden Praxis zählen.“[9]

Vorerst geht er nicht auf die von ihm angesprochenen drei Komponenten ein, erst im Verlauf seiner Arbeit zeichnet er ein genaueres Bild. Seine anfängliche Begriffserklärung legt vorerst nur sehr vage Kriterien fest und setzt voraus, dass allgemein bekannt ist, was unter „Regenbogenpresse“ zu verstehen ist.

In dem Schema von Münster (Abb. 1, S. 18) taucht der Begriff gar nicht erst auf, wäre eventuell unter „Unterhaltung“ bei „Magazine“ einzuordnen, aber der Begriff an sich oder ähnliche Ausdrücke wie „Yellow-Press“ kommen nicht vor.

Die Regenbogenpresse wird jedoch im allgemeinen zu den Frauenzeitschriften gerechnet[10], ist also ähnlich wie eine Illustrierte zu behandeln.

Doch noch stärker als bei der modernen Illustrierten ist es kaum möglich eine kurze, prägnante Definition zu finden, da die Wissenschaft erst langsam begonnen hat diese Form der Presse als ‘analysewürdig‘ anzusehen. Wenn man von der Abgrenzung zu den Zeitungen absieht, von der sich sowohl Illustrierte, wie auch Regenbogenpresse durch Nicht-Aktualität und Überregionalität abheben, ist die exakte Zuordnung nur durch nähere Analyse möglich.

2. Geschichte

Historisch gesehen ist die Illustrierte die ältere der beiden Gattungen. Da die Entwicklung von Zeitschriften und damit auch der Illustrierten eng an die der Drucktechnik gebunden ist, ist - unter anderem - auch zu erklären, warum ab dem 18. / 19. Jahrhundert die Neugründung und Verbreitung von Zeitschriften rapide anstieg. 1860 erfand William Bullock die Rotationsmaschine, mit der man 640.000 sechsseitige Zeitungen stündlich drucken konnte[11] und nachdem 1884 die Setzmaschine erfunden wurde, war die Produktion noch schneller möglich. Damals waren Zeitschriften spärlich bebildert, aber um 1850 ermöglichte der „kostengünstigere Holzschnitt“[12] mehr Verzierungen und Zeichnungen.

[...]


[1] lat. illustratio,-onis: anschauliche Darstellung. Langenscheidt Wörterbuch Lateinisch. Erster Teil Lateinisch-Deutsch von Hermann Menge, Bearbeitung von Erich Pertsch. 5. Aufl. Berlin/ München 1998.

[2] Jacob, Wilhelm: Neuentwicklung von Zeitschriften. Eine kritische Analyse unterschiedlicher Vorgehensweisen von der Idee bis zum Leser. München 1986. S. 16.

[3] Münster, Hans A.: Die moderne Presse. Das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen im In- und Ausland in zwei Bänden. Band I, Die Presse in Deutschland. Bad Kreuznach 1955. S. 160.

[4] Silbermann, Alphons: Handwörterbuch der Massenkommunikation und Medienforschung. Band 1. Berlin 1982. S. 34.

[5] Erich Straßner beschreibt fünf Eigenschaften der Zeitschrift: Räumliche, Sachliche und Zeitliche Mobilität, sowie Zeitliche Intensität und Variierbarkeit. Straßner, Erich: Zeitschrift. Grundlagen der Medienkommunikation Band 3. Tübingen 1997. S. 32.

[6] Vgl. hierzu Münster: wie Anm.3, Umschlaginnenseite.

[7] Vgl. hierzu Jacob: wie Anm.2, S. 28-29.

[8] Nutz, Walter: Die Regenbogenpresse. Eine Analyse der deutschen bunten Wochenblätter. Opladen 1971. S. 5.

[9] Nutz: wie Anm.8, S. 5.

[10] Vgl. hierzu Straßner: wie Anm.5, S. 23.

[11] Zum Vergleich: mit der Handpresse waren 35 zweiseitige Zeitungen stündlich. Münster: wie Anm.3, Umschlaginnenseite.

[12] Lott-Almstadt, Sylvia: Brigitte 1886-1986. Die ersten hundert Jahre. Chronik einer Frauenzeitschrift. München 1986. S. 32/ r. Sp.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die moderne Illustrierte und Regenbogenpresse. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Volkskunde)
Veranstaltung
Von Flugblatt bis Big Brother - Zur Geschichte modernder Massenmedien
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V4390
ISBN (eBook)
9783638127233
ISBN (Buch)
9783668148031
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gehört zu Volkskunde/ Europäische Ethnologie in den Bereich Medienforschung etc. In der Arbeit werden die -Brigitte- und -Das Neue Blatt- verglichen (Heftaufbau, Leserkreis) um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Printmedien herauszuarbeiten. Zwei Abbildungen werden nicht mitgeliefert, können aber über die exakte Quellenangabe nachvollzogen werden.
Schlagworte
Illustrierte, Regenbogenpresse, Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Flugblatt, Brother, Geschichte, Massenmedien
Arbeit zitieren
Kim Thiel (Autor), 2001, Die moderne Illustrierte und Regenbogenpresse. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4390

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