Globale öffentliche Güter: Klimaschutz


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ökonomische Betrachtung des Klimaschutzes
2.1. Das Konzept der öffentlichen Güter
2.1.1. Rein öffentliche und private Güter
2.1.2. Mischformen der öffentlichen Güter
2.2. Einordnung und Probleme klimaschutzrelevanter öffentlicher Güter
2.2.1. Klimaschutz
2.2.2. Atmosphäre
2.3. Instrumente zur Internalisierung externer Effekte
2.4. Anforderungen an ein globales Klimaschutzprogramm

3. Analyse des Kyoto-Protokolls
3.1. Entwicklung und Bestandteile des Kyoto-Protokolls
3.2. Bewertung des Protokolls und seiner Instrumente

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Treibhausgase in der Atmosphäre um unsere Erde sorgen dafür, dass die Wärmestrahlung, die uns von der Sonne erreicht, in der Nähe des Planeten gehalten wird. Während dieser natürliche Treibhauseffekt für ein Leben auf der Erde unverzichtbar ist, macht der anthropogene, also vom Menschen gemachte Treibhauseffekt negative Schlagzeilen: Seit über 15 Jahren weiß man, dass die seit Beginn der Industrialisierung vermehrt stattfindende Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen[1] zu einer unnatürlichen Erwärmung der Erdatmosphäre führt.[2] Die negativen Auswirkungen dieses Prozesses sind bereits jetzt immer deutlicher zu spüren.[3] Doch obwohl Problem und Ursache bekannt sind, nimmt der weltweite Ausstoß an Klimagasen nach wie vor zu.

Um den Trend zu stoppen, wurde 1997 das Kyoto-Protokoll ausgehandelt. Auf Basis dieses Abkommens sollen zunächst 38 Staaten, die allerdings 86% des weltweiten Klimagasausstoßes verursachen, ihre Emissionen reduzieren. Der nach wie vor weitgehend ungezügelte Ausstoß der Treibhausgase wirft jedoch Fragen auf: Kann das Protokoll überhaupt Erfolg haben? Warum sollten die Industriestaaten in größerem Umfang in Klimaschutz investieren und wie ist der Ausstieg der USA aus dem Prozess zu beurteilen?

Ziel dieser Arbeit ist es, Klimaschutzbemühungen generell, sowie das Kyoto-Protokoll im speziellen ökonomisch zu analysieren. Dazu wird in Kapitel 2 zunächst der Bezug zur Theorie der (Globalen) Öffentlichen Güter hergestellt. Vor dem Hintergrund der Theorie und der darin vorgestellten unterschiedlichen Güterarten ist zu klären, warum es überhaupt zu einer Belastung der Atmosphäre kommt und wie das Gut Klimaschutz, gerade angesichts der globalen Dimension, effizient bereitgestellt werden kann. Kapitel 3 stellt die Entwicklung des Kyoto-Prozesses dar und beschreibt die einzelnen Instrumente des Abkommens. Anschließend wird das Protokoll auf Basis der in Kapitel 2 aufgestellten Anforderungen an ein effizientes Klimaabkommen untersucht und bewertet. In Kapitel 4 folgen Zusammenfassung und Ausblick.

2. Ökonomische Betrachtung des Klimaschutzes

2.1. Das Konzept der öffentlichen Güter

2.1.1. Rein öffentliche und private Güter

Das Versagen von Märkten kann verschiedene Ursachen haben. Denkbar sind unvollkommener Wettbewerb auf Grund von natürlichen Monopolen, gravierenden Informationsasymmetrien, zeitverzögerten Reaktionen der Akteure u.a.. Ein spezieller Fall des Marktversagens ist der der öffentlichen Güter. Um ihn zu verstehen, lohnt sich der Umweg über die Definition privater Güter.[4]

Private Güter zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus: Durch Anwendung des Ausschlussprinzips ist gewährleistet, dass nur der zahlungswillige Konsument in den Genuss des Gutes und seiner positiven Effekte gelangt. Umgekehrt lassen sich alle anderen Wirtschaftssubjekte von dem Konsum ausschließen. Der Konsument eines gekauften Apfels schließt beispielsweise durch den Verzehr alle anderen vom Verspeisen des Apfels aus. Ferner zeichnen sich die privaten Güter durch Rivalität im Konsum aus. Nimmt sich die Freundin des o.g. Apfelkäufers den Apfel und verspeist ihn, ist er weg und kann dem Käufer keinen Nutzen mehr spenden. Die beiden rivalisieren also um den Apfelkonsum. Diese beiden Eigenschaften sorgen dafür, dass ein Interessent seinen Wunsch und seine Zahlungsbereitschaft bezüglich des gewünschten Gutes bekannt geben muss und dann im Idealfall einen Anbieter finden wird, mit dem er handelseinig wird.

Für öffentliche Güter gelten diese Prinzipien nicht. In Ermangelung des Ausschlussprinzips kann kein Interessent von der Nutzung eines Gutes ausgeschlossen werden, auch wenn er sich finanziell nicht an der Erstellung beteiligt hat. Gründe für die Nichtausschließbarkeit können technische Schwierigkeiten, finanzielle Hürden oder bewusste politische Entscheidung sein; als Beispiel sei auf die Ausrottung bestimmter Seuchen verwiesen. Dies bedeutet, dass im Zusammenhang mit dem Gut positive externe Effekte entstehen – im Gegensatz zu privaten Gütern, bei denen lediglich positive interne, also Zahlenden zugängliche Effekte vorliegen.

Liegt Nicht-Rivalität vor, so schränkt der Konsument eines Gutes durch den Konsum nicht den Nutzen eines (potenziellen) anderen Konsumenten dieses Gutes ein (anders als im Apfel-Beispiel); dies ist beispielsweise im Rahmen der Landesverteidigung beim Konsum des Gutes „Sicherheit“ der Fall. Kommen Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit zusammen, handelt es sich um ein reines öffentliches Gut.[5]

Liegt das öffentliche Gut bereits (unbegrenzt) vor, führt dies zu keinen unmittelbaren Problemen und alle Interessenten können uneingeschränkt konsumieren. Muss es jedoch erst produziert werden (was i.d.R. die realistischere Annahme sein dürfte), so sind prinzipiell die Produktionskosten von allen Konsumenten gemeinsam zu tragen. Da jedes Individuum freien Zugang hat und sich bewusst ist, dass sein Beitrag zur Finanzierung verschwindend gering ist, verhält es sich aber individuell ökonomisch, wenn es seine Zahlung einstellt. Man spricht in diesem Zusammenhang von Trittbrettfahrern oder „ free-rider - Verhalten[6]. Dieses Verhalten betrifft natürlich alle Konsumenten, so dass die Finanzierung des Gutes zusammenbricht. Mit anderen Worten: „Individuell rationales Verhalten führt zu kollektiver Irrationalität“[7].

In der Darstellung der öffentlichen Güter wurde von positiven Effekten auf die Allgemeinheit ausgegangen. Denkbar ist die Darstellung jedoch auch „mit einem negativen Vorzeichen“: Werden die Effekte, die von Gütern gewollt oder ungewollt auf die Allgemeinheit ausgehen, von dieser nicht als positiv, d.h. nutzenstiftend, sondern als negativ, also kostenverursachend, wahrgenommen, so handelt es sich nicht um öffentliche Güter bzw. Public Goods, sondern um Public Bads[8].

Neben der oben beschriebenen Reinform des öffentlichen Gutes finden sich auch Mischformen von Ausschließbarkeit und Rivalität, die im Folgenden näher dargestellt werden sollen.[9]

2.1.2. Mischformen der öffentlichen Güter

Wie Tabelle 1 zeigt, gibt es neben dem reinen privaten[10] und dem reinen öffentlichen Gut zwei Mischformen. Ist ein Gut nicht rival, die Konsumenten aber von der Nutzung ausschließbar, so handelt es sich um ein Mautgut. Benannt ist es nach der Straße, auf der (in gewissen Grenzen) beliebig viele Autos fahren können, denen aber Zufahrt nur gegen Zahlung eines Obolus gewährleistet wird. Ein weiteres Beispiel ist z.B. die Ausstrahlung von Pay-TV. Diese Güterart spielt für die weiteren Untersuchungen der Klimaproblematik allerdings keine Rolle und soll daher nicht weiter betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Unterschiedliche Arten öffentlicher und privater Güter.

Eigene Darstellung

Der andere Sonderfall besteht aus der Kombination der Eigenschaften hoher Rivalität und schlechter Ausschließbarkeit – es handelt sich um ein so genanntes Allmendegut.

Diese Güterart verursacht Probleme, die gerade im Zusammenhang mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen von großer Bedeutung sind. Denn sind die Ressourcen einerseits begrenzt – was zu Rivalität führt – und lassen sich andererseits aber keine exklusiven Rechte durchsetzen, so lässt dies weder eine geordnete, geschweige denn nachhaltige Ausbeutung zu. Das wohl bekannteste Beispiel in diesem Zusammenhang stammt von Garrett Hardin[11]: Hirten, die zur Maximierung kurzfristiger Gewinne zu viel Vieh grasen lassen, reduzieren damit den langfristigen Wert ihrer gemeinsamen Weiden. Jeder einzelne verhält sich dabei aber kurzfristig ökonomisch-rational, da sein Nutzen durch ein weiteres Stück Vieh heute größer ist als seine persönlichen zukünftigen Einbußen durch die Überweidung. Formal ausgedrückt: Im Fall realisierter exklusiver Rechte würde die Ausbeutung einer Ressource bzw. eines Umweltgutes nur so lange erfolgen, bis die Kosten (z.B. Lohnkosten w) gleich Grenzertrag (z.B. der exklusiv zugeteilten Weidefläche) sind (L1). Im Allmendefall hingegen wird so lange ausgebeutet, bis die Kosten dem Durchschnittsertrag entsprechen (L2). Dies führt jedoch zu einer übermäßigen Ausbeutung des Allmendegutes (a). Abbildung 1 verdeutlicht die Zusammenhänge.

[...]


[1] Als Treibhausgase gelten neben Kohlendioxid (CO2) noch 15 weitere Gase wie z.B. Methan (CH4) oder Distickstoffoxid (N2O). Die Gase werden im Rahmen des Kyoto-Protokolls in sog. CO2-Äquvalenten ausgedrückt, um eine leichtere Verrechnung zu ermöglichen (Tabelle A2 des Protokolls (UNFCCC, 1997)). In dieser Arbeit wird im Folgenden generell von Treibhausgasen oder stellvertretend von CO2 gesprochen.

[2] Eine Konsequenz der Erwärmung kann aber auch sein, dass es in bestimmten Regionen der Erde, z.B. durch eine Veränderung des Golfstroms, kälter wird.

[3] Spiegel (2004).

[4] Die folgenden Ausführungen lassen sich in zahlreichen finanzwissenschaftlichen Lehrbüchern in ähnlicher Weise nachlesen, vgl. z.B. Petersen (1993), S. 139 ff. oder Blankart (2001), S. 55 ff.

[5] In der Literatur finden sich zahlreiche weitere, teilweise entgegengesetzte Ansichten zur Klassifikation, wonach Ausschließbarkeit bzw. Rivalität jeweils nicht zwingend notwenig für ein öffentliches Gut sein. Eine erste Übersicht über entsprechende Ansichten und Autoren liefert z.B. Pickhardt (2003), S.115 ff. Im Folgenden soll jedoch ausschließlich dem dargestellten Ansatz gefolgt werden.

[6] Mit dieser Thematik beschäftigt sich auch das sog. Gefangenendilemma der Spieltheorie. Nähere Ausführungen und Verweise auf weiterführende Literatur bei Heister (1997), S.27 ff. Bezüglich des spielttheoretischen Vergleiches von reinem öffentlichen Gut und Allmendegut (s.u.) siehe auch Maier-Rigau, Apesteguia, (2004).

[7] Blankart (2001), S. 59.

[8] Die negativen externen Effekte können natürlich nicht nur bei öffentlichen Gütern, sondern ebenso bei privaten Gütern auftreten.

[9] Neben öffentlichen und privaten Gütern, für die eine „korrekte“ individuelle Präferenzfunktion vorliegt, gibt es auch Güter, die in den individuellen Präferenzfunktionen unterrepräsentiert, im Sinne des Gemeinwohls aber trotzdem erwünscht sind. Diese werden meritorische Güter genannt. Das Ausschlussprinzip findet hier nur teilweise Anwendung (vgl. Petersen (1993), S.144 f.).

[10] Wie Nordhaus bemerkt, gibt es ein breites Spektrum zwischen privaten und öffentlichen Gütern. Selbst der verzehrte Apfel ist demnach kein rein privates Gut, sondern enthält auch „öffentliche Komponenten“, weil z.B. durch den Transport externe Effekte (CO2-Ausstoß) entstehen (Nordhaus 2001, S. 188).

[11] Hardin, 1968: „The Tragedy of the Commons“, Science 162: 1243-48, in: Harrison, Matson (2001), S. 220 f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Globale öffentliche Güter: Klimaschutz
Hochschule
Universität Potsdam  (Lehrstuhl für Finanzwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Öffentliche Güter
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V43903
ISBN (eBook)
9783638415958
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, in wie fern es sich bei Klimaschutz um ein öffentliches Gut handelt und welche Folgen die Einordnung für eine effiziente Klimaschutzpolitik mit sich bringt bzw. wie diese zu gewährleisten ist.
Schlagworte
Globale, Güter, Klimaschutz, Seminar, Güter
Arbeit zitieren
Jörg Thurm (Autor), 2004, Globale öffentliche Güter: Klimaschutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43903

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