Treibhausgase in der Atmosphäre um unsere Erde sorgen dafür, dass die Wärmestrahlung, die uns von der Sonne erreicht, in der Nähe des Planeten gehalten wird. Während dieser natürliche Treibhauseffekt für ein Leben auf der Erde unverzichtbar ist, macht der anthropogene, also vom Menschen gemachte Treibhauseffekt negative Schlagzeilen: Seit über 15 Jahren weiß man, dass die seit Beginn der Industrialisierung vermehrt stattfindende Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen zu einer unnatürlichen Erwärmung der Erdatmosphäre führt. Die negativen Auswirkungen dieses Prozesses sind bereits jetzt immer deutlicher zu spüren. Doch obwohl Problem und Ursache bekannt sind, nimmt der weltweite Ausstoß an Klimagasen nach wie vor zu.
Um den Trend zu stoppen, wurde 1997 das Kyoto-Protokoll ausgehandelt. Auf Basis dieses Abkommens sollen zunächst 38 Staaten, die allerdings 86% des weltweiten Klimagasausstoßes verursachen, ihre Emissionen reduzieren. Der nach wie vor weitgehend ungezügelte Ausstoß der Treibhausgase wirft jedoch Fragen auf: Kann das Protokoll überhaupt Erfolg haben? Warum sollten die Industriestaaten in größerem Umfang in Klimaschutz investieren und wie ist der Ausstieg der USA aus dem Prozess zu beurteilen?
Ziel dieser Arbeit ist es, Klimaschutzbemühungen generell, sowie das Kyoto-Protokoll im speziellen ökonomisch zu analysieren. Dazu wird in Kapitel 2 zunächst der Bezug zur Theorie der (Globalen) Öffentlichen Güter hergestellt. Vor dem Hintergrund der Theorie und der darin vorgestellten unterschiedlichen Güterarten ist zu klären, warum es überhaupt zu einer Belastung der Atmosphäre kommt und wie das Gut Klimaschutz, gerade angesichts der globalen Dimension, effizient bereitgestellt werden kann. Kapitel 3 stellt die Entwicklung des Kyoto-Prozesses dar und beschreibt die einzelnen Instrumente des Abkommens. Anschließend wird das Protokoll auf Basis der in Kapitel 2 aufgestellten Anforderungen an ein effizientes Klimaabkommen untersucht und bewertet. In Kapitel 4 folgen Zusammenfassung und Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ökonomische Betrachtung des Klimaschutzes
2.1. Das Konzept der öffentlichen Güter
2.1.1. Rein öffentliche und private Güter
2.1.2. Mischformen der öffentlichen Güter
2.2. Einordnung und Probleme klimaschutzrelevanter öffentlicher Güter
2.2.1. Klimaschutz
2.2.2. Atmosphäre
2.3. Instrumente zur Internalisierung externer Effekte
2.4. Anforderungen an ein globales Klimaschutzprogramm
3. Analyse des Kyoto-Protokolls
3.1. Entwicklung und Bestandteile des Kyoto-Protokolls
3.2. Bewertung des Protokolls und seiner Instrumente
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht ökonomische Klimaschutzbemühungen sowie das Kyoto-Protokoll vor dem Hintergrund der Theorie der (Globalen) Öffentlichen Güter, um zu analysieren, wie Klimaschutz angesichts seiner globalen Dimension effizient bereitgestellt werden kann.
- Theorie öffentlicher Güter und Marktversagen
- Klimaschutz und Atmosphäre als öffentliche Güter
- Instrumente zur Internalisierung externer Effekte
- Analyse und Bewertung des Kyoto-Protokolls
- Ökonomische Anforderungen an globale Klimaschutzabkommen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Rein öffentliche und private Güter
Das Versagen von Märkten kann verschiedene Ursachen haben. Denkbar sind unvollkommener Wettbewerb auf Grund von natürlichen Monopolen, gravierenden Informationsasymmetrien, zeitverzögerten Reaktionen der Akteure u.a.. Ein spezieller Fall des Marktversagens ist der der öffentlichen Güter. Um ihn zu verstehen, lohnt sich der Umweg über die Definition privater Güter. Private Güter zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus: Durch Anwendung des Ausschlussprinzips ist gewährleistet, dass nur der zahlungswillige Konsument in den Genuss des Gutes und seiner positiven Effekte gelangt. Umgekehrt lassen sich alle anderen Wirtschaftssubjekte von dem Konsum ausschließen. Der Konsument eines gekauften Apfels schließt beispielsweise durch den Verzehr alle anderen vom Verspeisen des Apfels aus. Ferner zeichnen sich die privaten Güter durch Rivalität im Konsum aus. Nimmt sich die Freundin des o.g. Apfelkäufers den Apfel und verspeist ihn, ist er weg und kann dem Käufer keinen Nutzen mehr spenden. Die beiden rivalisieren also um den Apfelkonsum. Diese beiden Eigenschaften sorgen dafür, dass ein Interessent seinen Wunsch und seine Zahlungsbereitschaft bezüglich des gewünschten Gutes bekannt geben muss und dann im Idealfall einen Anbieter finden wird, mit dem er handelseinig wird.
Für öffentliche Güter gelten diese Prinzipien nicht. In Ermangelung des Ausschlussprinzips kann kein Interessent von der Nutzung eines Gutes ausgeschlossen werden, auch wenn er sich finanziell nicht an der Erstellung beteiligt hat. Gründe für die Nichtausschließbarkeit können technische Schwierigkeiten, finanzielle Hürden oder bewusste politische Entscheidung sein; als Beispiel sei auf die Ausrottung bestimmter Seuchen verwiesen. Dies bedeutet, dass im Zusammenhang mit dem Gut positive externe Effekte entstehen – im Gegensatz zu privaten Gütern, bei denen lediglich positive interne, also Zahlenden zugängliche Effekte vorliegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des anthropogenen Treibhauseffekts ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Klimaschutz und das Kyoto-Protokoll ökonomisch zu analysieren.
2. Ökonomische Betrachtung des Klimaschutzes: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der öffentlichen Güter sowie die Einordnung der Atmosphäre und des Klimaschutzes in dieses Schema dargelegt.
3. Analyse des Kyoto-Protokolls: Das Kapitel befasst sich mit der historischen Entwicklung des Kyoto-Protokolls und unterzieht dessen Instrumente einer kritischen ökonomischen Bewertung.
Schlüsselwörter
Klimaschutz, Öffentliche Güter, Kyoto-Protokoll, Treibhausgase, Marktversagen, Trittbrettfahrer, Externe Effekte, Atmosphäre, Emissionshandel, Allmendegut, Internalisierung, Klimawandel, Ökonomische Analyse, Ressourcennutzung, Kyoto-Mechanismen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Aspekte von Klimaschutzbemühungen und untersucht insbesondere das Kyoto-Protokoll im Kontext der Theorie der globalen öffentlichen Güter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Unterscheidung verschiedener Güterarten, die Problematik der Trittbrettfahrer bei globalen Gütern sowie die Funktionsweise und Bewertung marktwirtschaftlicher Instrumente im Klimaschutz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, warum es zu einer Belastung der Atmosphäre kommt und unter welchen Bedingungen das globale Gut Klimaschutz effizient bereitgestellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-ökonomische Analyse, basierend auf finanzwissenschaftlichen Konzepten sowie einer spieltheoretischen Betrachtung der internationalen Kooperation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Gütereigenschaften, eine Einordnung der Atmosphäre und des Klimaschutzes, eine Diskussion von Internalisierungsinstrumenten sowie eine detaillierte Analyse der Kyoto-Mechanismen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die zentralen Begriffe sind öffentliche Güter, Marktversagen, externe Effekte, Kyoto-Protokoll, Emissionshandel und Klimaschutz.
Wie bewertet der Autor das Kyoto-Protokoll hinsichtlich seiner Effektivität?
Der Autor stuft das Protokoll als notwendigen, aber in der aktuellen Form ökologisch unzureichenden Schritt ein, da die Wirkung durch ein Übermaß an Flexibilität und fehlende breite Beteiligung geschwächt wird.
Welche Rolle spielt die "Free-Rider-Problematik" in diesem Kontext?
Sie erklärt, warum es ökonomisch rational für einzelne Staaten sein kann, nationale Klimaschutzanstrengungen zu verweigern, obwohl eine globale Kooperation für das Gesamtziel notwendig wäre.
- Quote paper
- Jörg Thurm (Author), 2004, Globale öffentliche Güter: Klimaschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43903