Urban Gardening. Das Beispiel "Stadtfrüchtchen" im Kontext der Go-Along-Methode


Forschungsarbeit, 2017
16 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Urban Gardening
2.2 Go-Along-Methode

3. Fragestellung und Forschungsziel

4. Forschungsgegenstand

5. Diskussion der empirischen Ergebnisse
5.1 Methodisches Vorgehen
5.2 Ergebnisse aus den Go-Alongs
5.3 Reflexion der empirischen Ergebnisse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Satellitenbild Stadtfrüchtchen

Abbildung 2: Blick vom Eingang aus in den Garten

Abbildung 3: Umzäunung des Grundstücks

Abbildung 4: Eingangsschild

Abbildung 5: Hochbeet mit Noppenfolie

Abbildung 6: Sitzgelegenheiten aus Badewannen

Abbildung 7: Hochbeet mit Namen des Pächters

1. Einleitung

rbane Gemeinschaftsgärten sind unlängst Teil vieler dicht besiedelter Städte dieser Welt. Dabei muss das sogenannte Konzept ״Urban Gardening" nicht immer durch Stadtplaner_innen initiiert und organisiert werden. In vielen Fällen beteiligen sich auch die Bürgerinnen und Bürger selbst, etwa in Form von Initiativen, bei der Reaktivierung von ungenutzten Brachflächen sowie bei der Wiederbelebung von Grünstrukturen in den Großstädten. Dieser Trend zum urbanen Gärtnern weitet sich mittlerweile auch in Deutschland aus. So kann in der Stadt Bonn ebenfalls Urban Gardening beobachtet werden. Seit 201 7 wurde dort das Projekt ״Stadtfrüchtchen" gegründet (Stadtfrüchtchen 2017).

Im Rahmen des Methodenseminars ״(Post)Humanistische Methoden zur Erforschung von Mensch-Natur Beziehungen" soll das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt bei dem Projekt Stadtfrüchtchen anhand der ״Go-Along-Methode" aus ethnographischer Perspektive dargestellt werden. Dazu sollen die Ergebnisse aus den qualitativen Erhebungen mit den Probandinnen untereinander verglichen und ausgewertet werden.

Zum Einstieg in dieser Arbeit dient ein Kapitel zu den theoretischen Grundlagen. In diesem Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand zu Urban Gardening identifiziert und der Begriff anhand dessen definiert. Der zweite theoretische Teil befasst sich dagegen mit der ethnographischen Erhebungsmethode Go-A/ong, da dies ein besseres Verständnis für die Diskussion der empirischen Ergebnisse im späteren Verlauf beitragen soll. Anhand der theoretischen Grundlagen werden im darauffolgenden Kapitel die Fragestellung und das Forschungsziel erläutert. Ausgehend von den theoretischen Grundlagen dieser Arbeit wird der Forschungsgegenstand vorgestellt.

Nachdem die Basis für diese Arbeit geschaffen worden ist, geht es im Hauptteil um die Wahrnehmungen der einzelnen Probandinnen zum Projekt ״Stadtfrüchtchen", welches den Forschungsgegenstand darstellt. Zunächst wird die Auswahl der Probandinnen begründet und auch das methodische Vorgehen erläutert. Die empirischen Ergebnisse werden dann anschließend präsentiert. Im selbigen Kapitel sollen neue Erkenntnisse während der Anwendung der Go-Along- Methode aus Sicht des Autors reflektiert werden.

Schließlich werden im Fazit die wesentlichen Ergebnisse aus dieser Arbeit zusammengefasst und wertend vorgestellt.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Urban Gardening

Durch die steigende Popularität in der städtischen Bevölkerung wird Urban Gardening zunehmend in der Wissenschaft aufgegriffen (Biedermann & Rippert 2017: 13). Der englische Begriff Urban Gardening kann dabei wortwörtlich als ״Urbanes Gärtnern" in die deutsche Sprache übersetzt werden. Bereits diese zwei Wörter beschreiben, zunächst einmal auf einer rein oberflächlichen Ebene, auf der einen Seite eine vage räumliche Zuordnung und zum anderen die praktische Umsetzung des Konzepts. In der Theorie hingegen gibt es viele unterschiedliche sowie umfassende Erklärungs- und Definitionsansätze für Urban Gardening.

Verschiedene Formen des Urban Gardenings gab es bereits in den 1970er und 1980er Jahren in Großbritannien, Australien, Kuba und den USA (Biedermann & Rippert 2017: 13 f.). In Deutschland kam die Entwicklung hingegen erst relativ spät. Die ersten Urban-Gardening-Projekte in Deutschland entstanden frühestens ab dem Jahre 2009, mit der Gründung der ״Prinzessinnengärten" in Berlin (ebd.). Dies ist auch der Grund warum die deutschsprachigen im Vergleich zu den englischen Werken (noch) wenig umfangreich sind (Biedermann & Rippert 201 7: 13). Dafür befassen sich die wenigen deutschsprachigen Werke mehr diskurstheoretisch mit der Thematik. Eine allgemeingültige Definition ist aufgrund der vielen Facetten des Konzepts schwierig. Je nachdem wie eng oder weit die Definition aufgefasst wird, variiert auch die räumliche Wahrnehmung von Urban Gardening, welches sich auch bei der Befragung der Probandinnen wiederspiegelt. So werden im engeren Sinn unter diesem Begriff ״[...] neue Formen öffentlicher oder teil- öffentlicher, bürgerschaftlicher, partizipativer, kooperativer, experimenteller, ökologischer, produktiver, DIY Freiraumgestaltung im Siedlungsbereich [...]" verstanden, die auch als urbane Gemeinschaftsgärten bezeichnet werden (von der Haide 2014: 5). Im weiteren Sinne werden aber auch neue und alte Formen von Gartenbau hinzugezählt, wie Z.B. Parks, Straßenbäume oder auch private Hausgärten und Balkone (ebd.). Da Urban Gardening zudem von Innovationen und neuen Formen geprägt ist, kann die Definition noch einige Zeit variieren (ebd.). Grundsätzlich beabsichtigen Akteur_innen damit folgendes:

1. Ein anderes Verständnis für Stadt und Ökologie zu schaffen bzw. die Überwindung der Dichotomie zwischen Stadt und Natur vermitteln.
2. Einen Beitrag zur lokalen Ernährungssouveränität leisten.
3. Eine Form der Partizipation, der urbanen Demokratie und der Möglichkeit zur Gestaltung öffentlicher Räume etablieren (Metzger 2014: 245 f.).

2.2 Go-Along-Methode

ln Kapitel 2.1 wurde bereits angedeutet, wie unterschiedlich der Raum und die Umwelt im Kontext des Urban Gardening individuell wahrgenommen werden kann (vgl. Seite 2). Welche Methoden eignen sich also für die Forschung der einzelnen Proband_innen und ihrer Raumwahrnehmung in Bezug auf die Fallstudie dieser Arbeit? Warum wurde die Go-Along-Methode gegenüber anderen etablierten Erhebungsmethoden bevorzugt?

Ziel der Go-Along-Methode ist es, ein besseres phänomenologisches Verständnis dafür zu schaffen, wie einzelne Personen ihr materielles und soziales Umfeld im Alltag begreifen und benutzen (KUSENBACH 2003: 456). Wesentliches Merkmal des Go-Along ist das interaktive ״Mitgehen" mit den lnformant_innen. Diese sollen während der Raumerkundung begleitet und beobachtet werden (KUSENBACH 2003: 463). Dabei sollten so wenige Vorgaben und Fragen gestellt werden wie möglich (KlISENBACEl 2003: 465). Go-Alongs zielen nämlich darauf ab, Wahrnehmungen, Emotionen und Umweltinterpretationen der lnformant_innen aufzunehmen, die sie bei herkömmlichen Erhebungsmethoden meist für sich behalten (KUSENBACH 2003: 464). Forscherinnen können praktisch ״live" dabei beobachten können, wie ihre lnformant_innen mit ihrer Umwelt interagieren und zeitgleich Zugang zu deren Erfahrungen und Interpretationen haben (KUSENBACH 2003: 463). Der entscheidende Unterschied zu anderen Methoden ist, dass das Go- Along die Vorteile einer teilnehmenden Beobachtung und eines Interviews in sich vereint, um die Rolle des ״place" in der alltäglichen Erfahrung der lnformant_innen erforschen zu können (KUSENBACH 2003: 463). Aus geographischer Sicht müssen ״space" und ״place" dabei deutlich voneinander getrennt werden. Der Geograph Y. Tuan definiert die beiden Begriffe wie folgt:

Space bezeichnet einen Raum, der keine (soziale) Verbindung zum Menschen hat (Tuan 1977). Spaces sind Räume, die zwar öffentlich zugänglich sind, die Menschen aber nicht dazu ״einlädt" diese auch zu ״füllen" und denen dementsprechend keine besondere Bedeutung beigemessen wird (Tuan 1 977: 6). Nach Tuan sind spaces mehr oder weniger abstrakt (ebd.).

Place dagegen kann als ein durch menschliche Erfahrungen geschaffener Ort verstanden werden, dessen Größe unbegrenzt ist, je nachdem wie viel Bedeutung und Wert dem beigemessen wird (Tuan 1977). So können places von dem eigenen privaten Wohnzimmer hin zu einer Großstadt variieren. Auch öffentliche Orte wie urbane Gemeinschaftsgärten können je nach individueller Erfahrung hinzugezählt werden.

Die Differenzierung dieser beiden Begriffe ist entscheidend für die Auswahl der Proband_innen in dieser Arbeit, welches in Kapitel 5 anschaulicher erläutert wird.

3. Fragestellung und Forschungsziel

Der aktuelle Forschungsstand zu Urban Gardening hat gezeigt, dass in Deutschland noch relativ wenige wissenschaftliche Werke sich mit dem Thema beschäftigt haben. Außerdem scheint diese neue Bewegung eine überwiegend positive Resonanz sowohl in den Medien, in der Wissenschaft als auch bei den Anwender_innen selbst zu haben. Die Go-Along-Methode ist aus Sicht des Verfassers daher eine geeignete Technik, um andere und gegebenenfalls auch kritische Wahrnehmungen der Menschen zu Urban Gardening aufzudecken, die in der Wissenschaft bisher weniger berücksichtigt worden sind. Grund dafür ist, dass viele qualitative Erhebungen, meist in Form von Expert_inneninterviews, sich oft auf Personen beschränken, die im Allgemeinen und auch in diesem Falle in der Thematik involviert sind. Ergebnisse aus quantitativen Erhebungen sagen aufgrund ihrer zu großen Stichprobe wenig über die individuelle Raumwahrnehmung aus und geben wenn überhaupt ein allgemeines Meinungsbild wieder. Daher bietet sich die Go-Along- Methode hierzu an auch individuelle Wahrnehmungen aufzuzeigen, die bisher unbekannt bzw. verborgen geblieben sind.

Folgende Fragen haben sich also dadurch für diese Arbeit ergeben:

1. Gibt es in Bezug zum Forschungsgegenstand auch andere bzw. kritische Stimmen durch die individuelle Wahrnehmung der Beteiligten?

2. Welche neuen Erkenntnisse zum Thema Urban Gardening konnten durch die Go- Along-Methode gewonnen werden?

Ziel dieser Arbeit ist es auf wissenschaftlicher Ebene, durch das Go-Along eine phänomenologische Sensibilität für die qualitative Sozialforschung zu schaffen und eine Alternative vorzustellen, ohne dabei die bereits etablierten Erhebungsmethoden abzuwerten oder zu denunzieren. Auf der anderen Seite bietet diese Arbeit den Gründerinnen von Stadtfrüchtchen sich ein Bild darüber zu machen, dass abgesehen von den bereits wahrgenommenen sowie positiven Rückmeldungen der Bürgerinnen noch andere Wahrnehmungen zu ihrem Projekt existieren können, die ihnen bisher unbekannt blieben.

Es soll darauf hingewiesen werden, dass die Ergebnisse, aufgrund der geringen Stichprobe und der daraus resultierenden mangelnden Aussagekraft, bewusst keinen repräsentativen Anspruch haben. Vielmehr bietet das Fallbeispiel die Möglichkeit an, eine relativ neue Erhebungsmethode explorativ anzuwenden, um die Umwelterfahrung der einzelnen Probandinnen zu erforschen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Urban Gardening. Das Beispiel "Stadtfrüchtchen" im Kontext der Go-Along-Methode
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Geographisches Institut der Universität Bonn)
Veranstaltung
(Post)Humanistische Methoden zur Erforschung von Mensch-Natur Beziehungen
Note
1,8
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V439154
ISBN (eBook)
9783668788725
ISBN (Buch)
9783668788732
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Urban Gardening, Go-Along, Öffentlicher Raum, Grün, Grünflächen, Nachhaltigkeit, Garten, Stadtgrün, Raumwahrnehmung, Wahrnehmung
Arbeit zitieren
Bachelor of Science Geographie Hoang Long Nguyen (Autor), 2017, Urban Gardening. Das Beispiel "Stadtfrüchtchen" im Kontext der Go-Along-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439154

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