„Film zu sehen ist leicht.(...) Filme zu verstehen ist schwierig.“ Die folgende Arbeit, die im Rahmen des Seminars "Die Kulturgeschichte der BRD im Film“ entstanden ist, versucht daher durch eine eingehende Analyse den Film „Die Innere Sicherheit“ besser verstehbar zu machen. Den Zugang zu einem tieferen Verständnis verschaffen die kurze Darstellung des kulturellen Hintergrundes und der filmhistorischen Tradition, in der „Die Innere Sicherheit“ steht. Nach dieser Einordnung folgt die Arbeit dann dem von Werner Faulstich vorgeschlagenen Viererschritt, bestehend aus Handlungsanalyse, Figurenanalyse, Analyse der Bauformen und abschließender Analyse der vermittelten Werte, der Interpretation. Ziel der Arbeit ist es, die Antwort auf die im Soundtrack gestellte Frage „How can you hang on to a dream?“ zu finden und sie auf die Bedeutung für die Intention des Filmes hin zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Vorüberlegungen
2.1.1 Der historische Hintergrund
2.1.2 Die Genealogie des „Terrorfilms“
2.1.3 „Die Innere Sicherheit“ im filmhistorischen Kontext
2.1.4 „Die Innere Sicherheit“ im politischen Kontext der 90er Jahre
2.1.4.1 Produktion
2.1.4.2 Rezeption
2.1.5 Regie, Drehbuch, Formales
2.1.6 Sequenzgrafik
2.2 Handlungsanalyse
2.2.1 Handlung I: Thriller einer Flucht
2.2.2 Handlung II : Pubertätsdrama
2.2.2.1 Fazit der Handlungsanalyse
2.2.2.2 Die Zweideutigkeit des Endes
2.2.3 Genres als Schlüssel zum Verständnis
2.3 Figurenanalyse
2.3.1 Hauptfiguren
2.3.1.1 Hans und Klara
2.3.1.2 Jeanne
2.3.1.2.1 It`s all a dream?
2.3.1.3 Heinrich
2.3.2 Fazit der Analyse der Hauptfiguren
2.3.3 Wassermetaphern
2.3.4 Nebenfiguren
2.3.4.1 Der Dieb
2.3.4.2 Der Anwalt
2.3.4.3 Paulina
2.3.4.4 Der Verleger
2.3.4.5 Die Schülerin
2.3.4.6 Der Lehrer
2.3.5 Fazit der Figurenanalyse
2.4 Bauformen
2.4.1 Schnitt
2.4.1.1 Die Eingangsszene
2.4.1.2 Die Paranoia-Kreuzung
2.4.1.3 Schnitt als Erzähltechnik
2.4.2 Musik und Geräusche
2.5 Interpretation
3. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert den Film „Die Innere Sicherheit“ von Christian Petzold, um ein tieferes Verständnis für dessen narrative und ästhetische Gestaltung sowie die politische Intention zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung der Frage, wie sich die Protagonistin Jeanne von ihrer durch die terroristische Vergangenheit ihrer Eltern geprägten Umgebung lösen kann, um ein eigenständiges „normales“ Leben zu führen.
- Historischer und politischer Hintergrund der RAF-Thematik im deutschen Film.
- Strukturelle Analyse anhand des klassischen aristotelischen Dramas (5-aktige Struktur).
- Figurenanalyse zur Entwicklung der Hauptakteure und deren Generationenkonflikt.
- Untersuchung filmischer Bauformen wie Schnitttechnik, Musik und Metaphorik (insb. Wassermetaphern).
- Interpretation der persönlichen Suche nach Identität versus der politischen Ernüchterung.
Auszug aus dem Buch
2.3.1.2 Jeanne
Jeanne ist nicht nur die 15-jährige Tochter von Hans und Klara, sie ist zugleich der zentrale Entwicklungsmotor der Erzählung. Ihr gebührt die erste Szene im Film. In einer langen Einstellung lernt der Zuschauer sie als junges, einsames Mädchen kennen. In einer Strandbar trinkt sie Cola und blickt nachdenklich, während sie ein Lied hört, dass sie sich aus der Jukebox gewählt hat. Allein am Tisch einer verlassenen Strandbar sitzend wirkt sie auf den ersten Blick fast wie jede andere Jugendliche auch: sie raucht heimlich, lässt sich von Fremden ansprechen und lernt dabei den Surfer Heinrich kennen.
Obwohl die Bar in der Nebensaison menschenleer ist, drückt der Platz, an dem sie sich befindet, ihr Verlangen nach Gemeinschaft aus. Die Bar fungiert hier als geselliger Ort, an dem man soziale Kontakte knüpfen kann. Darin erscheint sie allerdings nicht sehr geübt: Im Gespräch mit Heinrich macht sie nicht viel Worte. Sie lässt ihr Gesicht und Gesten sprechen. Ihre Sprache ist vernuschelt, mühsam zusammengeklaubt, sie blickt wie aus Schießscharten. Sie scheint sich über die Aufmerksamkeit, die ihr Heinrich entgegen bringt, zu freuen, prüft jedoch immer wieder ängstlich, ob Hans, der am Strand sitzt, zu ihr hinüberschaut. Sie weiß, dass es ihr von Hans und Klara verboten worden ist, sich mit fremden Menschen anzufreunden. Das wäre zu gefährlich für die Tarnung der Familie. So wird bereits in der Eingangssequenz des Films ihr Dilemma zwischen der Loyalität zu ihren Eltern und dem Wunsch ein jugendgemäßes Leben zu führen deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Film „Die Innere Sicherheit“ ein und erläutert die methodische Herangehensweise nach Werner Faulstich zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
2. Hauptteil: Der Hauptteil bietet eine umfassende Untersuchung, die historische Hintergründe, eine detaillierte Handlungs- und Figurenanalyse sowie die Analyse filmischer Bauformen und eine abschließende Interpretation umfasst.
2.1 Vorüberlegungen: Beleuchtet den historischen Widerstand der 68er und die filmische Aufarbeitung des RAF-Terrorismus als Kontext für den Film.
2.2 Handlungsanalyse: Untersucht die beiden Handlungsstränge des Films – die Flucht der Eltern als Thriller und den Coming-of-age-Prozess der Tochter Jeanne – im Rahmen eines 5-Akt-Schemas.
2.3 Figurenanalyse: Analysiert die Rollen von Hans, Klara, Jeanne und Heinrich sowie die Bedeutung der Nebenfiguren für die Entwicklung der Protagonisten.
2.4 Bauformen: Analysiert die formale Gestaltung durch Schnitttechniken, wie die Eingangs- und Kreuzungsszenen, sowie den bewussten Einsatz von Musik und Geräuschen.
2.5 Interpretation: Führt die Analyseergebnisse zusammen und deutet den Titel sowohl auf politischer Ebene als Zustandsbeschreibung der Linken als auch auf persönlicher Ebene als Familienpsychogramm.
3. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die Ergebnisse und schlägt einen internationalen Vergleich zu weiteren Filmen mit terroristischer Thematik vor.
Schlüsselwörter
Die Innere Sicherheit, Christian Petzold, RAF, Terrorismus, Filmanalyse, Coming-of-age, Generationenkonflikt, Identitätssuche, Roadmovie, Schnitttechnik, Metaphorik, Politfilm, 68er Bewegung, deutsche Filmgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Film „Die Innere Sicherheit“ von Christian Petzold und untersucht, wie der Film das Leben einer ehemaligen Terroristenfamilie und den Emanzipationsprozess der Tochter Jeanne darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Aufarbeitung der RAF-Vergangenheit im deutschen Film, der Generationenkonflikt zwischen den 68ern und ihren Kindern sowie die Suche nach Identität und Normalität in einer von der Vergangenheit geprägten Fluchtsituation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der im Soundtrack gestellten Frage „How can you hang on to a dream?“ für die Intention des Films zu ergründen und aufzuzeigen, wie Jeanne durch die Trennung von ihren Eltern eine symbolische Wiedergeburt erlebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt dem von Werner Faulstich vorgeschlagenen Viererschritt der Filmanalyse: Handlungsanalyse, Figurenanalyse, Analyse der Bauformen und abschließende Interpretation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Untersuchung der zwei Handlungsstränge, eine tiefgehende Analyse der Haupt- und Nebenfiguren, eine Betrachtung der filmischen Gestaltung (Schnitt, Ton) sowie eine zusammenfassende Interpretation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Die Innere Sicherheit“, „RAF“, „Filmanalyse“, „Identitätssuche“, „Generationenkonflikt“ und „Bauformen“ geprägt.
Welche symbolische Bedeutung haben die Wassermetaphern im Film?
Wasser dient als durchgängiges Metapher für die Ziellosigkeit, das Gefühl des Versinkens bei fehlender Orientierung und die Verbindung zu Melvilles „Moby Dick“, welches die Besessenheit der Eltern von ihrer Ideologie widerspiegelt.
Warum ist das Ende des Films „Die Innere Sicherheit“ zweideutig?
Das Ende ist zweideutig, da es sowohl als reale Tragödie verstanden werden kann als auch als subjektive Vision bzw. Traum Jeannes, die sich durch den (symbolischen) „Elternmord“ endgültig von ihrer Vergangenheit befreit.
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- Jörg Hartmann (Author), 2004, "How can you hang on to a dream" - Eine Filmanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43918