"How can you hang on to a dream" - Eine Filmanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

45 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Vorüberlegungen
2.1.1 Der historische Hintergrund
2.1.2 Die Genealogie des „Terrorfilms“
2.1.3 „Die Innere Sicherheit“ im filmhistorischen Kontext
2.1.4 „Die Innere Sicherheit“ im politischen Kontext der 90er Jahre
2.1.4.1 Produktion
2.1.4.2 Rezeption
2.1.5 Regie, Drehbuch, Formales
2.1.6 Sequenzgrafik
2.2 Handlungsanalyse
2.2.1 Handlung I: Thriller einer Flucht
2.2.2 Handlung II : Pubertätsdrama
2.2.2.1 Fazit der Handlungsanalyse
2.2.2.2 Die Zweideutigkeit des Endes
2.2.3 Genres als Schlüssel zum Verständnis
2.3 Figurenalyse
2.3.1 Hauptfiguren
2.3.1.1 Hans und Klara
2.3.1.2 Jeanne
2.3.1.2.1 It`s all a dream?
2.3.1.3 Heinrich
2.3.2 Fazit der Analyse der Hauptfiguren
2.3.3 Wassermetaphern
2.3.4 Nebenfiguren
2.3.4.1 Der Dieb
2.3.4.2 Der Anwalt
2.3.4.3 Paulina
2.3.4.4 Der Verleger
2.3.4.5 Die Schülerin
2.3.4.6 Der Lehrer
2.3.5 Fazit der Figurenanalyse
2.4 Bauformen
2.4.1 Schnitt
2.4.1.1 Die Eingangsszene
2.4.1.2 Die Paranoia-Kreuzung
2.4.1.3 Schnitt als Erzähltechnik
2.4.2 Musik und Geräusche
2.5 Interpretation

3. Schluss

Verwendete Literatur

Anhang

1. Einleitung

„Film zu sehen ist leicht.(...) Filme zu verstehen ist schwierig.“[1] Die folgende Arbeit, die im Rahmen des Seminars "Die Kulturgeschichte der BRD im Film“ entstanden ist, versucht daher durch eine eingehende Analyse den Film „Die Innere Sicherheit“[2] besser verstehbar zu machen. Den Zugang zu einem tieferen Verständnis verschaffen die kurze Darstellung des kulturellen Hintergrundes und der filmhistorischen Tradition, in der „Die Innere Sicherheit“ steht. Nach dieser Einordnung folgt die Arbeit dann dem von Werner Faulstich[3] vorgeschlagenen Viererschritt, bestehend aus Handlungsanalyse, Figurenanalyse, Analyse der Bauformen und abschließender Analyse der vermittelten Werte, der Interpretation. Ziel der Arbeit ist es, die Antwort auf die im Soundtrack gestellte Frage „How can you hang on to a dream?“[4] zu finden und sie auf die Bedeutung für die Intention des Filmes hin zu untersuchen.

2. Hauptteil

2.1 Vorüberlegungen

2.1.1 Der historische Hintergrund

Die Geschichte des politischen Widerstandes in der BRD von links seit 1967 bezieht ihren Ursprung aus den Erfahrungen des 3. Reiches. Die nachfolgende Generation, die die Vergangenheit ihrer Eltern und ihre Verwicklungen in dieser Zeit erforschte und nach den Verantwortlichen zu fragen begann, hatte es sich zum Ziel gemacht, faschistischen Tendenzen und Überbleibseln entgegenzutreten, um dem Motto „Nie wieder Auschwitz“ gerecht werden zu können. Aus Angst vor einer zu großen Machtfülle des Staates aufgrund der verabschiedeten Notstandsgesetze und dem, wegen einer damaligen großen Koalition zwischen CDU und SPD quasi fehlenden politischen Gegengewicht, gründete sich aus der Studentenbewegung von 1967 heraus die Außerparlamentarische Opposition (APO). Aufgrund des Scheiterns der 68er als revolutionäre Bewegung und mit dem Zerfall der APO gab es in Teilen der Linken ernsthafte Überlegungen, dem als repressiv empfundenen Staatsapparat durch Anwendung von Gewalt Widerstand zu leisten. Seit dem Tod von Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien von Polizeieinsatzkräften erschossen wurde und dem Mordanschlag auf Rudi Dutschke am 11. April 1968, radikalisierte sich der politische Widerstand teilweise. Während sich ein Teil der Bewegung der SPD, der DKP oder den später gegründeten „Grünen“ anschloss um durch einen „langen Marsch durch die Institutionen“ das System mit legalen Mitteln von innen heraus zu unterwandern[5], kamen einige Splittergruppen zu dem Schluß, dass die bewaffnete Härte des Staates mit derselben Härte zu beantworten sei. Bereits am 2. April 1968 verübten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Holger Meins Brandanschläge auf Kaufhäuser in Frankfurt am Main. Diese Taten setzten eine fast dreißig Jahre andauernde Spirale der Gewalt zwischen dem Staatsapparat der Bundesrepublik Deutschland und militanten linksradikalen Gruppierungen wie der „Bewegung 2.Juni“ und der „Roten Armee Fraktion“ in Bewegung, die ihren Höhepunkt in den Ereignissen des „deutschen Herbstes“ 1977 fanden. Das Kapitel der RAF endet mit der Selbstauflösung 1998. Die filmische Verarbeitung ihrer Ideen und Taten begann bereits unmittelbar nach 1977.

2.1.2 Die Genealogie des „Terrorfilms“

1977 erschien mit „Deutschland im Herbst“ der erste Film, der die Gewalttaten der RAF bzw. deren Folgen im öffentlichen und privaten Leben zum Thema hatte. In Form eines Kompilationsfilmes mit Beiträgen von Rainer Werner Faßbinder, Alexander Kluge, Volker Schlöndorff und anderen setzt er sich kritisch mit dem Klima, das während des Herbstes 1977 herrschte, auseinander. 1981 folgte dann Margarete von Trottas „Die bleierne Zeit“, eine fiktive Geschichte zweier Schwestern, von denen die eine ihre politischen Ziele mit dem „langen Marsch durch die Institutionen“, die andere mit terroristischen Anschläge zu erreichen versucht. Angelehnt an das Leben der zwei Ensslin-Schwestern behandelt der Film die Problematik des politischen Widerstandes. Die 192 Tage des Prozesses gegen die RAF Mitglieder der ersten Generation, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe wurden für Rainer Hauffs Film „Stammheim“ 1984 rekonstruiert. Da er anhand von authentischen Protokollen entstand, ermöglicht er einen Einblick in den damaligen Justizapparat. Die Ereignisse des Herbstes 1977 finden auch in Heinrich Breloers „Todesspiel I“ (D, 1996) und „Todesspiel II“ (D, 1997), die in der Machart eines Psychothrillers gehalten sind, ihren Eingang. Volker Schlöndorff, der wie oben angemerkt bereits eine Episode zu „Deutschland im Herbst“ beisteuerte, befasste sich Ende der 1990er Jahre erneut mit dem Thema des linksradikalen Terrorismus. Im Mittelpunkt seines Films „Die Stille nach dem Schuß“( D, 2000) steht das Leben einer jungen Frau, die nach einem Terroranschlag in der BRD Unterschlupf in der DDR findet und dort vorhat, ein neues Leben aufzubauen. Wie schon in „Stammheim“ versucht der Film anhand realer Fakten der Lebensgeschichte der Terroristin Inge Viett, den realen Gegebenheiten mit fiktionalen Mitteln auf die Spur zu kommen. Bereits ein Jahr später, im Jahr 2001, rückt das Leben eines weiteren Terroristen in den Mittelpunkt: „Black Box BRD“ von Andreas Veiel stellt die Leben des Bankiers und RAF-Opfers Alfred Herrhausen und das Lebens seines Mörders, dem RAF-Terroristen Wolfgang Grams dar und sucht nach Parallelen in diesen beiden Biographien. In Gerd Conradts „Starbuck: Holger Meins“ (D 2001), einer biographische Collage des Lebens von Holger Meins, die mit Dokumenten, historischen TV-Nachrichten und Interviews ehemaliger Kommilitonen arbeitet, steht Meins´ Entwicklung vom christlichen Pfadfinder zum linksradikalen Terroristen, zum „Steuermann der RAF“[6] im Mittelpunkt. Das Umfeld des Linksradikalismus, die Hausbesetzer-Szene im Berlin der 1980er nimmt Gregor Schnitzlers „Was tun, wenn’s brennt?“ (D 2001) als Ausgangspunkt einer Erzählung über eine Gruppe ehemaliger Hausbesetzer, die sich noch einmal zusammentun muss, um einen vor vielen Jahren konstruierten Sprengsatz zu entschärfen. Der vorerst letzte Film dieser Reihe, „Die fetten Jahre sind vorbei“ (D/Ö 2004) beobachtet in Form einer Tragikkomödie drei Jugendliche der Jetztzeit auf ihrer Suche nach Idealen und der Antwort auf die Frage, wie und ob eine Rebellion in der heutigen Welt überhaupt noch möglich sein kann. Der Bogen zur Elterngeneration schließt sich. Ein Alt-68er der seine damaligen Ideale aufgegeben hatte, kehrt zurück in die Vergangenheit und empfindet sie als etwas positives, Freiheit versprechendes.

2.1.3 „Die Innere Sicherheit“ im filmhistorischen Kontext

Deutlich wird, dass sich „Die Innere Sicherheit“ als ein Film, der sich mit den Folgen des linksradikalen Terrors in der BRD beschäftigt, in einer Tradition, die im Jahr 1978 ihren Ursprung hat, steht. Gemeinsames Thema dieser Reihe von Filmen bildet der Linksterrorismus in der BRD. Die Herangehensweisen, diesen darzustellen, folgen allerdings keinem allgemeingültigen Muster, so dass man nicht von einem „Genre“ Terrorfilm sprechen kann. Vielmehr wird in verschiedenen Genres (Thriller, biographische Skizze, Dokumentation und Collage) versucht, hinter das Geheimnis des Phänomens RAF zu kommen. Im Hinblick auf die zeitliche Entwicklung lässt sich feststellen, dass die anfangs vorherrschende spontane Reaktion auf die RAF-Gewalttaten als Motivation zur Erstellung eines Filmes („Deutschland im Herbst“) sich über den Weg des Versuchs, gesellschaftspolitische, bzw. psychologische Hintergründe (Die bleierne Zeit) zu hinterfragen, gewandelt hat zu einem distanzierteren Blick mit größerem Fokus auf die Folgen der 68er Bewegung und der aus Teilen von ihr entstandenen RAF. Die Vergangenheit erscheint in den zuletzt veröffentlichten Filmen häufig nur noch als indirekte, medial bzw. durch dieser Generation angehörenden Personen vermitteltes Ereignis. In „Was tun, wenn’s brennt“ sind dies alte Filmrollen, in „Die fetten Jahre sind vorbei“ beziehen die dargestellten, jugendlichen Figuren ihr Wissen aus Büchern, sowie aus Gesprächen mit einem vermeintlichen Kapitalistenbonzen, der sich im Lauf der Erzählung als Alt68er, der sogar Rudi Dutschke noch kannte, herausstellt.

Christian Petzold geht mit „Die Innere Sicherheit“ (D, 2001) noch einen Schritt weiter. Die linksradikale Vergangenheit der Eltern wird lediglich durch dezente Hinweise, für deren Erkennung bereits Hintergrundwissen über die Begrifflichkeiten und Symbole dieser Epoche unerlässlich sind, thematisiert. Nicht die ursprüngliche Idee und nicht die daraus folgende Tat und auch nicht deren Folgen für die Gesellschaft stehen im Mittelpunkt des Interesses. Vielmehr versucht der Film eine Art Seitenwechsel zu bewerkstelligen, indem er die Folgen der in der Vergangenheit begangenen Straftat aus Sicht der Täter bzw. deren Nachkommen, die inzwischen wie Opfer ihrer eigenen Schuld wirken, darstellt. Die Geschichte der radikalen Linken spielt, obwohl sie die Voraussetzung für die Story ist, eine eher geringe Rolle.[7] Petzold verzichtet auf eine direkte Einordnung der RAF, bietet aber eine Möglichkeit des Umgangs mit den Idealen der Vergangenheit an, wie die Interpretation noch zeigen wird.

2.1.4 „Die Innere Sicherheit“ im politischen Kontext der 90er Jahre

2.1.4.1 Produktion

Es lässt sich feststellen, dass es um das Jahr 2001 zu einer Häufung von Filmproduktionen mit dem Thema der jüngsten politischen Vergangenheit der BRD kommt. Hierfür könnten zwei Gründe ausschlaggebend sein: Das Ende der Ära Kohl, das mit der Selbstauflösung der RAF 1998 zusammenfällt, beendet ein Kapitel der deutschen Geschichte, so dass der historische Blick auf die vergangenen Ereignisse möglich und nötig wird.[8] Gleichzeitig ist diejenige Generation von Filmemachern, welche den RAF-Terrorismus noch als Jugendliche miterlebten nun in eine Position medialer Macht gelangt, die es ihnen erlaubt, Themen ihres Lebens als Ausgangspunkt von Erzählungen zu gestalten. Als einschneidendes, auch die Allgemeinheit interessierendes Sujet, dient hier die Zeit der Konfrontation zwischen Staat und RAF.

2.1.4.2 Rezeption

Auf Seiten der Rezeption führten diverse innenpolitischen Ereignisse im Jahr 2001 zu einem erhöhten Interesse an der Aktualität der bundesrepublikanischen Vergangenheit. Die Protestbewegung von 1968 war geprägt von demokratischen Überzeugungen. Sie stellte die staatliche Autorität in Frage und setzte sich mit der Nazivergangenheit auseinander. Das heutige, liberale Klima in der BRD scheint in diesem Zusammenhang ein Verdienst dieser Bewegung. Die Frage, ob die Mittel, mit denen damals gearbeitet wurde, allerdings rechtens waren, rückte 2001 wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Anlass hierfür gaben unter anderem Fotos, die Bettina Röhl, Tochter von Ulrike Meinhof und dem „konkret“-Herausgeber Klaus Rainer Röhl, veröffentlicht hatte. Auf ihnen war der heutigen Außenminister Joschka Fischer abgebildet, wie er bei einer Demonstration in Frankfurt im April 1973 einen Polizisten angreift. Fischer war in den siebziger Jahren einer der führenden Köpfe in der Szene der linksorientierten Frankfurter Hausbesetzer. Ebenfalls aus diesem Millieu stammte Hans-Joachim Klein, der zusammen mit dem Terroristen „Carlos“ die Konferenz der OPEC-Staaten in Wien 1976 überfiel. Bei dem Prozess gegen den 1998 verhafteten Klein wurde Fischer als Zeuge geladen und musste über seine früheren Verstrickungen aussagen.

In zeitlicher Nähe zu diesen Ereignissen befindet sich nicht nur der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr im Ausland, sondern auch die Ausdehnung von Machtbefugnissen von Polizei und Grenzschutz durch Innenminister Otto Schily, der noch in den 70er Jahren als Anwalt auf Seiten der RAF agierte. Zusätzlich geriet im Januar 2001 Umweltminister Jürgen Trittin wegen der sogenannten „Mescalero-Affäre“ unter Beschuß[9]. In dieser Affäre ging es um einen von der Göttinger AstA 1977 veröffentlichten Nachruf, in dem ein gewisser „Göttinger Mescalero“ klammheimliche Freude über den Tod des von der RAF ermordeten Siegfried Bubacks äußert, woraufhin die Verbreitung des Artikels verboten wurde. Jürgen Trittin, damaliger Student der Universität Göttingen, sprach sich damals gegen diese Unterdrückung der Meinungsfreiheit aus. Im Verlauf der Affäre aber distanzierte er sich mit den Worten, dass dies „ein schwerer Fehler“[10] gewesen sei. Vor diesem Hintergrund erlangte der Film unerwartete Aktualität.

Der Erfolg von Filmen, die die bundesrepublikanische Vergangenheit thematisieren könnte sich auch aus dem Interesse der heutigen linksorientierten Globalisierungsgegner wie der ATTAC-Bewegung erklären. Sympathisanten dieser Gruppierungen könnten in ihnen Antworten auf die Gewalt, wie sie von Seiten des Staates in Genua und Göteborg 2001 angewandt worden sind, suchen. Womöglich spielt auch die Sehnsucht nach einer klar, in einen als gerecht empfundenen kommunistischen Block und einen als imperialistisch empfundenen kapitalistischen Block getrennten Welt der 70er Jahren mit. Da Rebellion in einer Zeit, in der sich das „Establishment“ ein liberales Gesicht gegeben hat, schwierig geworden ist, sucht das Publikum Orientierung in der Vergangenheit.

2.1.5 Regie, Drehbuch, Formales

Dass Christian Petzold mit „Die Innere Sicherheit“ das Leben einer Terroristenfamilie behandelt, erscheint in Betracht seiner Biographie nicht als Zufall Sie weist verschiedene biographische Anknüpfungspunkte an die RAF auf. Petzold, 1960 geboren, war zum Zeitpunkt des deutschen Herbstes 17 Jahre alt. Die Sympathie mit der RAF galt nicht wenigen seiner Generation als geeignetes Mittel, gegen das Elternhaus zu rebellieren. Als er erfuhr, dass in dem Düsseldorfer Chinarestaurant, in dem er mit seinen Eltern schon des öfteren gegessen hatte, der Terrorist Willy Peter Stoll erschossen worden war, wurde er mit der Realität von Gewalt und Gegengewalt fast direkt konfrontiert.

Nach dem Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaften schrieb sich Petzold an der Deutschen Hochschule für Film und Fernsehen (DFFB) in Berlin ein, wo auch schon Holger Meins studiert hatte, und unter anderem den Film „Wie baut man einen Molotowcocktail“ gedreht hatte, bevor er die Kamera niederlegte und sie gegen die Waffe eintauschte. Gemeinsam mit einem ehemaligen Kommilitonen von Holger Meins, Harun Farocki, schrieb Christian Petzold das Drehbuch zu „Die Innere Sicherheit“. Thematisiert wird das Privatleben einer Terroristenfamilie. Anlass für die Erzählung bildete nach Aussage von Christian Petzold eine Zeitungsmeldung über den Ex-Terroristen Wolfgang Grams, der bei einer Schießerei mit der Polizei am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen ums Leben kam: „Da stand, dass er Lieder geschrieben und im Untergrund Marmelade eingekocht hat. „Der Untergrund“- davon hatte ich vorher eine rein fiktionale Vorstellung. Wegen der BKA-Fahndungsfotos hatte ich mir die RAF immer in Schwarzweiß vorgestellt, alle mit unrasierten Gesichtern. Und plötzlich höre ich da was von Vierfrucht-Marmelade und Blues-Liedern. Da wurde mir klar, dass das Leben auch im Untergrund 24 Stunden hat. Dass es organisiert werden muss. Dass man sich die Fußnägel schneiden muss und so.“[11] Der 102 Minuten dauernde Film entstand im Jahr 2000 und kam 2001 mit nur 28 Kopien in die Kinos. Gedreht wurde er auf traditionellem 35mm-Format, wobei auf den Einsatz spezieller Filmaufnahmetechniken wie der Einsatz von Handkameras verzichtet wurde. Nach einigen Produktionen für das Fernsehen ist „Die Innere Sicherheit“ das erste fürs Kino gedrehte Werk Christian Petzolds.

2.1.6 Sequenzgrafik

Eine Sequenzgrafik von „Die Innere Sicherheit“ befindet sich im Anhang auf Tabelle 1. Sie ermöglicht einen leichteren Überblick über die Gesamthandlung und die einzelnen Handlungsabschnitte.

[...]


[1] James Monaco: Film verstehen. Kunst, Technik Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der neuen Medien. 5. Auflage Mai, Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe Juli 2000. Hamburg 2004, Klappentext.

[2] „Die Innere Sicherheit“. Deutschland 2000. Regie: Christian Petzold, Buch: Christian Petzold, Harun Farocki, Kamera: Hans Fromm, Schnitt: Bettina Böhler.

[3] Werner Faulstich: Grundkurs Filmanalyse. München 2002.

[4] Tim Harding: How can we hang on to a dream? Polydor 1994 ( Aufnahmejahr: 1967).

[5] Zu nennen wären hier Hans-Christian Ströbele, Otto Schily, Jürgen Trittin, Joschka Fischer und andere.

[6] „Starbuck“ der Steuermann der“ Pequod“ in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ war Deckname des im Hungerstreik gestorbenen Holger Meins.

[7] Richy Müller bemerkt hierzu in einem Interview auf die Frage, ob er sich für den Film besonders mit dem Terrorismus in Deutschland befasst hätte: „Nein, denn im Grunde geht es ja nicht um Terroristen, sondern es geht in erster Linie um Eltern, die eine Tochter haben, die sich in diesem Loslösungsprozess befindet.“ Richy Müller in: http://www.planet-interview.de/interviews/pi.php?interview=mueller-richy

[8] Oder wie es Christian Petzold in einem Interview mit der „Focus“-Redaktion ausdrückt: „Es ist eher so, dass mit der Abwahl von Kohl plötzlich Dinge herumliegen, die nicht bearbeitet und nicht zu Ende geführt worden sind. Da taucht dann auch die RAF auf.“ „Die Innere Sicherheit“: Interview mit Regisseur Christian Petzold. 1. Februar 2001. http:focus.msn.de/D/DF/DFU/DFU08/DFU08196/dfu08196.htm.

[9] vgl. Peter Schwarz: „Die Auseinandersetzung über die 68er“ www.wsws.org/de/2001/mar2001/fisc-10.shtml

[10] zitiert nach Schwarz.

[11] zitiert nach Focus.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
"How can you hang on to a dream" - Eine Filmanalyse
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Kulturgeschichte der BRD im Film
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
45
Katalognummer
V43918
ISBN (eBook)
9783638416047
Dateigröße
1194 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nach den Worten der Dozentin eine "perfekte" Arbeit. Der Film "Die Innere Sicherheit" wird mit den Analysemethoden von Werner Faulstich in vier Schritten (Handlung, Figuren, Bauformen, Interpretation) untersucht. Dazu gibt es zwei Sequenzgrafiken und zwei Sequenzanalysen, sowie ein paar stills. Um das ganze geschichtlich einzuordnen werden außerdem der historische Hintergrund (RAF) sowie die Genealogie des "Terrorfilms" beleuchtet.
Schlagworte
Eine, Filmanalyse, Kulturgeschichte, Film
Arbeit zitieren
Jörg Hartmann (Autor), 2004, "How can you hang on to a dream" - Eine Filmanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43918

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