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Frauenfiguren in Lessings "Miss Sara Sampson" - Sara und Marwood - Zwei völlige Gegensätze?

Title: Frauenfiguren in Lessings "Miss Sara Sampson" -  Sara und Marwood - Zwei völlige Gegensätze?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 31 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Melanie Konrad (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Sind Tugend und Laster nicht ein ideales Begriffspaar um zwei völlige Gegensätze zu kennzeichnen? Zwei Extreme, an den jeweiligen Enden einer Skala, wie sie weiter nicht von einander entfernt sein könnten. Während in Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ die Titelheldin Sara offensichtlich die Tugendhaftigkeit par Excellenze verkörpert, weist ihre Rivalin Marwood scheinbar nur lasterhafte Züge auf. Aufgrund der sehr kontrastiven Darstellung der beiden Frauen ist sich die Forschungsliteratur fast völlig einig, dass Marwood den direkten Gegensatz zu Sara bildet. Sara, von Lessing gezeichnet als junge Unschuld, liebende Tochter und reinliches Wesen, das stets nach Einhaltung der Tugend bestrebt ist auf der einen Seite, und Marwood, die alte, verlassene und letztlich rasende Geliebte, die nur Verstellung und Intrige zu kennen scheint, auf der anderen Seite. Dabei ist jedoch bereits interessant, dass es beiden Frauen um den gleichen Mann geht, nämlich um Mellefont, den ehemaligen Geliebten der Marwood und gegenwärtigen Partner der Sara. Allein diese Tatsache verbindet die beiden Frauen miteinander und lässt die Vermutung zu, dass sie möglicherweise noch viel mehr Gemeinsamkeiten haben als nur den selben „Männergeschmack“. Die Frage, die sich nun stellt ist deshalb, ob hier wirklich zwei völlige Gegensätze aufeinandertreffen, ob sich tatsächlich pauschal sagen lässt, dass Sara „die Heilige“ und Marwood „die Böse“ ist? Ziel dieser Hausarbeit ist keine tiefenpsychologische Charakteranalyse, sondern es soll die Frage geklärt werden, welche Gegensätze Sara und Marwood kennzeichnen und wo Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Die Vorgehensweise ist eine Gegenüberstellung charakterlicher Unterschiede unter Einbezug der Inszenierung des Stücks, der Sprache und der Rollenfigur, welche die beiden Frauen jeweils innehaben. Gemeinsamkeiten, versteckt oder sichtbar, sollen dabei aufgedeckt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inszenierung

2.1 Die Leistung der Abfolge der Auftritte für die Charakterisierung

2.1.1 Der erste Auftritt

2.1.2 Die weiteren Auftritte

2.2 Sprache

2.3 Rollenfigur

3. Charakterliche Gegensätze

3.1 Verdrängte Sinnlichkeit vs. Einbekannte Sinnlichkeit

3.2 Blindheit und Naivität vs. Machtkalkül

3.3 Christliche Tugend vs. Lasterhaftigkeit

3.3.1 Totale Lauterkeit vs. Verruchtheit

3.3.2 Altruismus vs. Egoismus

3.3.3 Aufrichtigkeit vs. Verstellung

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob die Frauenfiguren Sara und Marwood in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ als absolute Gegensätze – verkörpert durch Tugend und Laster – betrachtet werden können oder ob signifikante Gemeinsamkeiten existieren. Ziel ist es, durch eine vergleichende Analyse von Inszenierung, Sprache und Rollenkonzeption ein differenziertes Bild der Charaktere zu zeichnen und die vermeintliche Eindeutigkeit ihrer Gegensätzlichkeit zu hinterfragen.

  • Charakterisierung durch die Abfolge der Auftritte
  • Rolle und Funktion der Sprache als Instrument der Verstellung bzw. moralischen Selbstkontrolle
  • Traditionelle Rollenbilder vs. individuelle Schicksale
  • Gegenüberstellung von Tugendhaftigkeit und Lasterhaftigkeit in der Praxis
  • Analyse von Handlungsweisen und emotionalen Motiven

Auszug aus dem Buch

3.1 Verdrängte vs. einbekannte Sinnlichkeit

Sexualität, Lust und Leidenschaft scheinen sich bei der tugendhaften Sara nicht zu finden. Sie klammert diese Sinnlichkeit bei sich völlig aus. Ihre Gefühle zeigt sie nie leidenschaftlich, ein heftiges Verlangen kommt nie zum Ausdruck; was ihre innersten sexuellen Empfindungen angeht, darüber schweigt sie sich aus. Man gewinnt den Eindruck, als kontrolliere sie jedes Gefühl und lasse nicht zu, dass irgendeine emotionale Regung nach außen dringt, die möglicherweise nicht tugendhaft und fromm ist. So lässt sie beispielsweise Mellefont allein mit dem Brief der Marwood, damit er seinen Empfindungen freien Lauf lassen kann, was für Sara selbst, nur ohne Anwesenheit anderer möglich zu sein scheint. „Man braucht sich weniger Zwang anzutun, wenn man allein ist.“ (18). Hier wird deutlich, dass sie ihre Gefühle nur sehr kontrolliert nach Außen dringen lässt. Aufgrund ihrer Liebe zum Vater und der Treue zur Religion verdrängt sie die in ihren Augen nicht der Tugendhaftigkeit entsprechende Sinnlichkeit komplett. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sie die Sinnlichkeit der Marwood, zu der diese sich zweifelsohne bekennt, anprangert. In Saras Augen ist Marwoods Wesen durch und durch lasterhaft, wenngleich sie dies nur aus Mellefonts Worten schließt. (70). Dabei steht Marwood nur zu ihren Gefühlen und ihrer Leidenschaft. An einigen Stellen gibt sie uns unverdeckt und völlig ohne Schauspiel einen Blick in ihr Herz, wie er tiefer kaum sein könnte: „Ich will Sie an den ersten Tag erinnern, da sie mich sahen und liebten; an den ersten Tag, da auch ich Sie sahe und liebte; an das erste stammelnde Bekenntnis, das Sie mir zu meinen Füßen von Ihrer Liebe ablegten; an die erste Versicherung von Gegenliebe, die Sie mir auspressten; an die zärtlichen Blicke, an die feurigen Umarmungen, [...], an das zitternde Erwarten der nahen Wollust; an die Trunkenheit ihrer Freuden; an das süße Erstarren nach der Fülle des Genusses, in welchem sich die ermatteten Geister zu neuen Entzückungen erholten.“ (26f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage, ob Sara und Marwood als reine Gegensätze von Tugend und Laster zu verstehen sind, und Skizzierung des methodischen Vorgehens.

2. Inszenierung: Analyse, wie die Auftrittsfolge, die Sprachgestaltung und die zugewiesenen traditionellen Rollenmodelle das Charakterbild der beiden Frauen beim Zuschauer formen.

3. Charakterliche Gegensätze: Detaillierte Gegenüberstellung der Frauen anhand der Spannungsfelder Sinnlichkeit, Naivität gegenüber Machtkalkül sowie Tugendhaftigkeit gegenüber Lasterhaftigkeit, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzudecken.

4. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass trotz der grundlegenden Gegensätzlichkeit beide Frauen durch ihre Schicksale und Handlungen menschlich nachvollziehbare Züge aufweisen, die eine einseitige Einordnung relativieren.

Schlüsselwörter

Miss Sara Sampson, Gotthold Ephraim Lessing, Sara, Marwood, Tugend, Laster, Inszenierung, Sprache, Charakterisierung, Rollenfigur, Sinnlichkeit, Machtkalkül, Moral, Gegensätze, bürgerliches Trauerspiel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die beiden zentralen Frauenfiguren Sara und Marwood in Lessings Trauerspiel „Miss Sara Sampson“ hinsichtlich ihrer charakterlichen Gegensätzlichkeit und Gemeinsamkeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Kategorien der Inszenierung, der sprachlichen Gestaltung sowie die moralischen und charakterlichen Attribute, die den Figuren traditionell zugeschrieben werden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Forschungsfrage lautet, ob man Sara und Marwood tatsächlich pauschal als „die Heilige“ und „die Böse“ bzw. als zwei völlige Gegensätze bezeichnen kann, oder ob eine differenziertere Analyse Gemeinsamkeiten offenbart.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Charakteranalyse, die den Text unter Einbezug von Dramentheorie, der Inszenierung der Auftritte, der Sprachanalyse und der Rollenfunktion untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Inszenierung durch Auftritte und Sprache sowie eine detaillierte Gegenüberstellung spezifischer Charakterzüge wie Sinnlichkeit, Naivität, Machtstreben, Tugend und Verstellung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tugend, Laster, Inszenierung, Rollenfigur, Sinnlichkeit und Charakteranalyse geprägt.

Wie unterscheidet sich Saras Sprachgebrauch von dem der Marwood?

Während Sara die Sprache eher leidend, bittend und zur Unterdrückung ihrer Sinnlichkeit einsetzt, nutzt Marwood die Sprache strategisch, um ihre Interessen durchzusetzen, wobei sie rhetorisch flexibler und überlegener agiert.

Warum ist Marwoods Handeln laut der Arbeit nicht als rein böse zu beurteilen?

Die Arbeit legt dar, dass Marwoods Handeln vor dem Hintergrund ihrer schicksalhaften Geschichte, ihres Kampfes um gesellschaftliche Anerkennung und der Leidenschaft für Mellefont verständlicher wird, was sie von einer bloßen Inkarnation des Bösen unterscheidet.

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Details

Title
Frauenfiguren in Lessings "Miss Sara Sampson" - Sara und Marwood - Zwei völlige Gegensätze?
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Das deutsche bürgerliche Trauerspiel
Grade
1,5
Author
Melanie Konrad (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V43935
ISBN (eBook)
9783638416160
ISBN (Book)
9783638656962
Language
German
Tags
Frauenfiguren Lessings Miss Sara Sampson Sara Marwood Zwei Gegensätze Trauerspiel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melanie Konrad (Author), 2005, Frauenfiguren in Lessings "Miss Sara Sampson" - Sara und Marwood - Zwei völlige Gegensätze?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43935
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