Don Juan gilt seit Jahrhunderten als Mythos, der 1613 von dem spanischen Dichter und Dramatiker Fray Gabriel Téllez, der unter dem Pseudonym Tirso de Molina schrieb, geschaffen wurde. „El Burlador de Sevilla y Convidado de piedra“, („Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast“), lautete der vollständige Titel des religiösen Dramas - des Ur-Don Juan. Diese Urversion wurde seitdem 450 mal auf internationalem Raum verarbeitet, und gelangte schließlich auch nach Hollywood. Jeremy Leven schuf 1995 mit seinem Film „Don Juan de Marco“ eine weitere Version des Don-Juan-Stoffes. Die Adaption des Mythos in dem amerikanischen Film soll in dieser Hausarbeit aufgezeigt werden, verglichen mit der Urversion, dem „Burlador de Sevilla“ von Tirso de Molina.
Das Urgestein von Molina wurde nicht nur deshalb als Vergleichswerk gewählt, weil es sich hierbei, wie bereits erwähnt, um die aller erste Don Juan-Fassung handelt, sondern auch darum, weil bereits das aller erste Bild des Films eine Verbindung zum Ur- Don Juan herstellt, denn auf dem Tisch von Don Juan de Marco liegt das Buch „El Burlador de Sevilla- The original tale of Don Juan“... In dieser Hausarbeit wird im folgenden zunächst der Mythosbegriff an sich geklärt, indem seine Struktur näher betrachtet wird. Die grundlegenden Merkmale des Mythos sollen dabei einsichtig werden. Im weiteren wird dann speziell auf den Don Juan Mythos eingegangen und seine wichtigsten Elemente dargestellt. Danach werden einige aufschlussreiche Informationen zu Tirso de Molina und dem spanischen Theater des 17. Jahrhunderts gegeben, um die anschließende Darstellung und Interpretation des Ur-Don Juan besser nachvollziehen zu können. Nach einigen allgemeinen Informationen zum Film „Don Juan de Marco“ wird dieser dann ausführlich im Blickwinkel der Adaption des Mythos dargestellt und dadurch letztendlich auch Unterschiede zur Urversion herausgearbeitet. Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Anpassung an den bereits Jahrhunderte lang währenden Mythos deutlich zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Mythos
2.1 Der allgemeine Mythosbegriff
2.2 Der Don Juan Mythos
3. Der Ur-Don Juan
3.1 Tirso de Molina und das spanische Theater
3.2 „Don Juan - Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast“
4. Der Film „Don Juan de Marco“
4.1 Filmdaten
4.2 Inhalt und Adaption
4.3 Interpretation und Analyse der Adaptionselemente
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Adaption des Don-Juan-Stoffes in Jeremy Levens „Don Juan de Marco“ (1995) und vergleicht diese mit der Urfassung von Tirso de Molina, um die Transformation und Kontinuität des jahrhundertealten Mythos zu analysieren.
- Strukturelle Analyse des Mythosbegriffs und der Don-Juan-Elemente.
- Untersuchung der Ur-Fassung des spanischen Theaters des 17. Jahrhunderts.
- Analyse der narrativen Adaptionselemente im Film „Don Juan de Marco“.
- Vergleich der Rollenbilder und der Funktion von Bestrafung und Moral in beiden Fassungen.
Auszug aus dem Buch
3.2 „Don Juan - Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast“
Das Drama von Tirso de Molina stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde 1613 geschrieben, 1630 erstmals gedruckt und bereits 1624 uraufgeführt. Protagonist des Stücks ist Don Juan de Tenorio, ein junger, adliger Mann, der nichts anderes im Sinn hat, als Frauen zu verführen, zu belügen und zu entehren. (S. 38 „…es ist für mich der allergrößte Spaß, die Fraun zu hintergehn und zu entehren.“) Oftmals enden seine Streiche, wie er sie selbst nennt, blutig oder sogar tödlich. Gewalt scheut Don Juan nicht, weder bei dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht.
Am Beispiel von vier Frauen, die er in dem Stück verführt, wird Don Juans Charakter und Leben deutlich: Donna Isabella wird in der Nacht von ihm verführt, indem er sich als ihr Liebhaber Don Octavio ausgibt, (S. 6/7 „Ich hinterging die Herzogin, …Ich gab mich als Octavio, den Herzog aus…“). Der Grafentochter Donna Anna erscheint Don Juan ebenfalls im Mantel des Liebhabers. Als deren Vater Don Gonzalo ihr zur Hilfe eilt, ersticht ihn Don Juan im Zweikampf. Die beiden anderen Eroberungen sind Mädchen aus dem Volk. Zum einen das Fischermädchen Tisbea, welches froh ist, bislang von der Liebe verschont worden zu sein, und Don Juan kennen lernt, indem sie ihn vor dem Ertrinken rettet, und zum anderen Aminta, ein Bauernmädchen und zugleich die Geliebte des Bauern Beatricio. Beide Mädchen macht er sich durch Heiratsversprechen gefügig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, begründet die Wahl des Vergleichswerks von Tirso de Molina und erläutert das Ziel der Arbeit, die Anpassung des Mythos aufzuzeigen.
2. Der Mythos: Das Kapitel definiert den allgemeinen Mythosbegriff als wandelbare Erzählung und erarbeitet die drei zentralen Grundmotive des Don-Juan-Mythos.
3. Der Ur-Don Juan: Es wird der geschichtliche Hintergrund des Autors Tirso de Molina beleuchtet und das Drama von 1613 inhaltlich sowie hinsichtlich der Charakterisierung des Protagonisten analysiert.
4. Der Film „Don Juan de Marco“: Dieser Abschnitt widmet sich den Produktionsdaten, der detaillierten Inhaltsanalyse der Adaption und der Interpretation zentraler Elemente wie der Kindheit Don Juans oder der Rolle des Psychiaters Mickler.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz der modernen und romantisierten Adaption als Liebeskomödie der Kern des Mythos in der filmischen Umsetzung erhalten bleibt.
6. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Sekundärliteratur aufgelistet.
Schlüsselwörter
Don Juan, Mythos, Adaption, Tirso de Molina, Don Juan de Marco, Verführer, Mythosbegriff, Lévi Strauss, Dramatik, Liebeskomödie, Motivation, Charme, Identität, Literaturgeschichte, Film.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des Don-Juan-Mythos vom ursprünglichen Drama des 17. Jahrhunderts hin zur modernen filmischen Adaption „Don Juan de Marco“ aus dem Jahr 1995.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Definition des Mythosbegriffs, die Analyse der Ur-Fassung von Tirso de Molina und die Gegenüberstellung von klassischen Motiven mit den neuen, romantisierten Adaptionselementen des Films.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit des Don-Juan-Mythos über Jahrhunderte hinweg zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie moderne Interpretationen den Kerngehalt bewahren, während sie den Kontext ändern.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es wird eine literatur- und filmwissenschaftliche Vergleichsanalyse angewandt, die auf der strukturanalytischen Methode von Lévi Strauss sowie der Untersuchung dramentheoretischer Charakteristiken basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Mythos, eine detaillierte Betrachtung des „Ur-Don Juan“ und eine umfassende Analyse der filmischen Umsetzung, inklusive der Charakterentwicklung und der Rolle von Nebenfiguren wie Dr. Jack Mickler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Don Juan, Mythos, Adaption, Verführung, Liebeskomödie, Identität und Literaturgeschichte.
Wie unterscheidet sich der Film-Don-Juan von der literarischen Vorlage?
Während der Ur-Don Juan als skrupelloser Verführer und Frevler dargestellt wird, der am Ende bestraft wird, agiert der Protagonist im Film als romantischer Liebhaber, dessen Geschichte durch ein „Happy End“ und eine psychologische Komponente ergänzt wird.
Warum spielt die Figur des Psychiaters Mickler eine so zentrale Rolle in der Adaption?
Mickler fungiert als Bindeglied zwischen Mythos und Moderne; er wird durch Don Juan selbst zum „verführten“ Patienten und dient als erzählerisches Korrektiv, um die romantische Vision des Films glaubhaft zu machen.
Wie begründet die Autorin das Fehlen der klassischen Strafe im Film?
Die Autorin argumentiert, dass das Motiv der Bestrafung im Film auf den Vater Don Juans verlagert wurde, da eine Bestrafung des „Liebhabers“ in der modernen, westlichen Gesellschaft nicht mehr den gleichen moralischen Stellenwert hätte wie im spanischen Katholizismus des 17. Jahrhunderts.
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- Melanie Konrad (Author), 2002, "Don Juan de Marco" - Eine Adaption des Don Juan Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43936