Theoretische Grundlagen der systemischen Familienberatung. Erläuterung und Darstellung der Systemtheorie und Systemisches Denken


Studienarbeit, 2017

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeines zur Beratung: Definition und Überblick

2. Allgemeines zur Familie: Definition und Kennzechen

3. Theoretische Grundlagen der systemischen Familienberatung
3.1 Der Begriff System und Strukturmerkmale von sozialen Systemen
3.2 Familie als besonderes System
3.3 Die allgemeine Systemtheorie
3.3.1 Die Systemtheorie nach Niklas Luhmann
3.3.2 Das Konzept der Autopoiese
3.3.3 Das Konzept der Konstruktivismus
3.3.4 Probleme in systemischer Sicht

4. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Geschichte des Systemisches Denken, der Therapie und der Beratung reicht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück, ihre Entstehung liegt in der Familientherapie in den USA im Rahmen der Erforschung:

(Bateson, 1956; Bowen, 1960; Lidt,1958; Wynne & Singer,1963) und Behandlung psychiatrischer Störungen (vgl. Sydov/Beher/Retzlaff/Schweitzer, 2007 S. 18-19.).

Zur dieser Zeit erweiterten systemisch denkende Pioniere den Blickwinkel von der individualisierten Sichtweise, die ihren Fokus stark auf das einzelnen Individuum richtete, Ähin zur einer systemischen Perspektive, die dem sozialen Kontext eine größere Bedeutung bei den Veränderungsprozessen schenkte“. Sie verließen das Handlungsfeld der Einzel- und Gruppentherapie und begangen mit Familien zu arbeiten. So entstand die Familientherapie (vgl. König, 2005, S. 11-12: Schlippe/Schweizer, 2002, S. 17).

Die Liste der Begründer der systemischen (Familien-) Therapie ist lang. Zu benennen sind insbesondere Personen wie: Virginia Satire,1 Paul Watzlawick, Salvador Minuchin, Jay Haley, Kurt Lewin, Jakob Moreno, Don Jackson, Jules Riskin sowie vier Therapeuten der Mailänder Gruppe: mit Palozzoli, Boscolo, Cecchin, Prata mit ihrem ÄMailänder Modell“, das für die Entwicklung der systemischen Theorie eine immense Bedeutung hatte. Begriffe wie Zirkularität, Neutralität sowie wie Methoden wie „zirkuläres Fragen“, die nicht aus der Anwendung der Systempraktiker weg zu denken sind, sind dem ÄMailänder Model“ (1978-1981) 2 zu verdanken (vgl. Kritz, 2001, S. 243: Schlippe & Schweizer, 2002, S. 22). Im Allgemeinen hat die Beratung sich im Laufe der letzten Jahrzehnten Äzu einem konti- nuierlich, expandierenden Arbeitsbereich sozialer, pädagogischer, psychologischer und medizinischer Fachkräfte“ in verschiedenen Praxisfeldern entwickelt (Sickendiek, Engel & Nestmann, 2007, S. 34).

Durch die unterschiedlichsten Zielsetzungen, Anlässe und Aufgaben von Beratung, durch die verschiedenen Gruppen der Ratsuchenden und die zahlreichen hinzukommenden Beratungseinrichtungen, durchquert die Beratung inzwischen als eine Form der Kommuni- kation und der Interaktion sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens und Professionsfor- men. Infolgedessen versteht sich die Beratung als professionelle Handlungsform und un- terliegt somit den allgeneinen Modernisierungsprozessen moderner Gesellschaften (vgl. Engel/Nestmann, 1998, S. 178).

Im einschlägigen Fachdiskurs herrscht die Übereinstimmung, dass die Beratung eine Handlungsoption pädagogischer Berufstätigkeit darstellt. Insbesondere hat die Beratung im Rahmen pädagogischer Berufstätigkeit, im Bereich der Sozialpädagogik (Bellardi, 2007), der Erwachsenenbildung/Weiterbildung (Schweizer & Buchwald, 2009), der Son- derpädagogik (Diouani-Streek/Ellinger, 2007), der Schulpädagogik nicht nur erheblich an Bedeutung gewonnen.

Wie sich die Beratung konkret gestaltet, welche Komponente wie akzentuiert sind, ist abhängig von jeweiligem Handlungsfeld, auf die sie sich bezieht.

Das systemische Denken als Beratungsansatz findet mittlerweile in unterschiedlichen Handlungsfelder Anwendung: im Erziehungs- und Sozialwesen als systemische Pädago- gik; in der Kindertherapie; im psychotherapeutischen Bereich und auch als Einzel-, Paar-, Familien-, Gruppen- und Multifamiliengruppentherapie. Besonders stark Team- und der Organisationsberatung als systemisches Management (vgl. Schlippe/Schweitzer 2010, S.8).

Das Handlungsfeld Systemische Familienberatung, das in dieser Arbeit beleuchtet wird, differenziert sich in diesem Kontext als lösungs- und ressourcenorientierte Therapie/Beratung, sie betrachtet die ÄProblemfelder“ der Familie als hilfreich und förderlich an. Denn sehr oft sind Ratsuchende nicht in der Lage, mit dem Problem an sich umzugehen und es aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Der systemischer Beratungsansatz mit dem sich die vorliegende Arbeit beschäftigt, unterstützt die Familie/Ratsuchende, sich wieder neu zu orientieren, indem gemeinsam mit dem Berater nach Lösungen gesucht wird und eröffnet den Familienmitgliedern neue Aspekte und Sichten. Problemlösungen werden dann von der Familie selbst erarbeitet und zwar im Rahmen dessen, was jede einzelne Person in der Familie leisten kann, um wieder eine gemeinsame Grundlage des Zusammenlebens zu finden. Dabei ist diese Form der systemischen Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe zu sehen.

In vorliegender Arbeit werden die theoretischen Grundlagen im Mittelpunkt stehen. Darauf aufbauend werden das Verständnis der Systemtheorie und des Systemisches Denkens kurz skizziert.

Einleitet wird mit dem Forschungsfeld Beratung. So gilt es zunächst zu klären, was Bera- tung-allgemein sowie speziell, auf systemische Familienberatung bezogen, ausmacht. Da- nach folgt die Erörterung des Begriffs Beratung und des Begriffs systemisch. An die sich eine Beschäftigung mit den wichtigsten Grundlagen der systemischen Familienberatung anschließt.

Des Weiteren werden die Systemtheorie und das Wesen des systemischen Denkens vorgestellt, und daran anknüpfend die Frage zu behandeln:

Welche besonderen Merkmale der Familien sollten bei der systemischen Familienberatung beachtet werden?

1. Allgemeines zur Beratung: Definition und Überblick

Bevor wir die theoretischen Grundlagen der systemischen Familienberatung charakterisie- ren, ist es zunächst notwendig zu begreifen was heute unter dem Begriff Beratung verstan- den wird.

So führt ein kurzer etymologischer Exkurs des Begriffs Beratung zu seinem gemeingermanistischen Ursprung Äraten“, Ä(sich etwas geistig) zurechtlegen“, überlegen, Vorsorge treffen, empfehlen, erraten, deuten, (aus)sinnen. (vgl. Kaiser/Seel 1981, S.60). Der Begriff Beratung gilt als komplexer Begriff, da es wegen der zahlreichen Deutungsmöglichkeiten keine eindeutige Auslegung möglich ist. In der Literatur liegen zahlreiche Versuche zur Definition von Beratung vor:

Schwarzer und Pose (1986) nähern sich dem Begriff der Beratung in dem sie die Beratung bezeichnen als:

-Ä(…) eine freiwillige, kurzfristige, oft nur situative, soziale Interaktion zwi- schen Ratsuchenden (Klienten) und Berater mit dem Ziel, im Beratungsprozess eine Entscheidungshilfe zur Bewältigung eines vom Klienten vorgegebenen ak- tuellen Problem durch Vermittlung von Informationen und/oder Einüben von Fertigkeiten gemeinsam zu erarbeiten“ (Schwarzer & Pose, 1986, S.634).
- „Dietrich (1983) betont den aktiven Lernprozess der mit Hilfe des Beraters
beim Klienten in Gang gebracht wird, durch den v.a. die Selbsthilfebereitschaft des Klienten verbessert werden soll“ (vgl. Krause 2003, S. 22).

Sickendiek, Engel und Nestmann (2008) verstehen die Beratung allgemein wie folgt:

- „ Beratung ist zunächst eine Interaktion zwischen zumindest zwei Beteiligten bei der beratende(n) Person(en), die Ratsuchenden - mit Einsatz von kommunikativen Mittel - dabei unterstützen, in Bezug auf eine Frage oder auf ein Problem mehr Wissen, Orientierung oder Lösungskompetenz zu gewinnen“ (Sickendiek, Engel/Nestmann, 2008, S. 13).

Die Betonung dieser Definition liegt insbesondere auf den zielgerichtenden, interaktiona- len Handeln zwischen mindestens zwei Personen. Ich schließe mich der Definition der Beratung von Sickendiek, Engel & Nestmann an, da ich es aufgrund eigener beruflichen Praxiserfahrung innerhalb der sozialen Beratung für sinnvoll halte, sowohl die Kenntnis über die Entstehung der Probleme der Ratsuchende als auch die Lösungskompetenz mit einzubeziehen.

In der psychologischen und der pädagogischen Literatur wir der Begriff von Beratung erheblich erweitert, in dem Beratung nicht nur als Vermittlung von Informationen, oder als Ädirekte Anweisung“ (Dietrich 1983), sondern als „zwischenmenschlicher Prozess“ ver- standen wird.

Dem zugrunde liegt Erkenntnis, dass der Ratsuchende3 keine Ratschläge in Form eines Lösungsvorschlags erhält, sondern bei der eigenständigen Findung einer Lösung des Problems unterstützt wird. Die Beratung bekommt (vgl. Engel/Nestmann/Sickendieck 1997). somit mehr klärenden als informativen Charakter, sie wird ÄHilfe zur Selbsthilfe“ (vgl. Steinhauer 2015, S. 11-12).

Zusammenfassend ist fest zu halten, dass Begriff der Beratung ein Metabegriff ist.bzw sozialwissenschaftliche Metadisziplin ist, die verschiedenen Wissenschaften vereine. Beratung ist demzufolge Äeine problemlösende Lösungsstrategie auf eine Interdisziplinären Basis“(vgl. Weber, 2009, S.59).

Insgesamt können drei verschiedene Anlässe zu einer Beratung unterschieden werden:

- Informationsbedarf;
- die inadäquate Belastung bzw. Entlastung;
- Prävention zur Verhinderung von Problemen, die ohne Beratung auftreten könnten.

Als charakteristische Merkmale einer professionellen Beratung können festgehalten wer- den:

- Beratung ist ein Geschehen, das hilfsorientiert, kommunikativ und interaktiv ist, mit dem Ziel Ratsuchende mit jeweils individuellen Problemlagen zu unterstützen.
- Mit Hilfe des Beraters sollen jene Kompetenzen gestärkt werden, die den Ratsu- chenden dazu bringen eigene Lösungseinsätze zu finden.
- Beratung ist in ihrem Wesen nach präventiv und hinsichtlich ihrer Ratsuchenden und Einsatzfelder vielfältig und an den Bedürfnissen der Ratsuchenden orientiert.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass um das Ziel einer Beratung zu erreichen (vgl. Barthelsmeß, 1999) kann der Berater den Ratsuchenden sowie seine Umwelt beim Aufbau von Kompetenzen unterstützen, Informationen vermitteln, Verände- rungsprozesse beim Ratsuchenden anstoßen und begleiten. (vgl. Grassinger, 2006, S.6).

Vielfalt der Themen, Handlungsfelder und Institutionalisierungsformen von Beratung sind sehr groß. Sie erstrecken sich individuell von der Bewältigung existenzieller Krisen wie zum Beispiel Flucht aus der Heimat oder die Arbeitslösichkeit eines Erwachsenen bis zur Auswahl des Bildungsganges. Im pädagogischen Diskurs versucht man diese Vielfalt zu systematisieren.

So unterscheiden Eckard König und Gerda Volmer (1986) vier Felder pädagogischer Beratung (vgl. Göhlich/ König/Schwarzer, 2007, S.8-9).

- Psychosoziale Einzelberatung:

(Drogenberatung, Suchberatung, Gesundheitsberatung, Schuldnerberatung, Krisentelefon, Wohnungsberatung, Seniorenberatung);

- Bildungs- und Berufsberatung:

(individuelle Zurechtkommen und Zurechtfinden mit dem Bildungs- und Berufssystem);

- Familienberatung:

(Erziehungsberatung, Ehe- und Scheidungsberatung);

- Organisationsberatung:

- (Coaching, Mentoring, Supervision, Teamsupervision).

Die methodische und konzeptionelle Ausgestaltung der Beratungsangebote differenzieren sich in zwei konzeptionelle Grundrichtungen:

- der klientenzentrierte Ansatz (Rogers, 1983):

die klientenzentrierte Sichtweise geht auf Carl R. Roger zurück. Kennzeichnend für die Sichtweise ist, dass es nicht zwischen Psychotherapie und Beratung (Roger, 1985) unterschieden wird. Wertschätzung, Empathie und Kongruenz und Verbali- sierung emotionalen Erlebensinhalte (VEE) als notwendige Beratungsvariablen werden als hinreichend für psychotherapeutischen- beraterischen Prozess gesehen. In diesem Kontext vertritt Roger das KonzeptÄHeilung durch Beziehung“4

- der systemische Ansatz (Schlippe u. Schweizer, 2003):

die systemische Sichtweise ist nicht auf eine Person zurückzuführen und ist nicht einheitlich (Becker, 2005). Diese Sichtweise geht von der Annahme aus, dass menschliche Erleben und Verhalten stets durch den Kontext indem sich Individuum bewegt, mit beeinflusst wird (Schlippe/Schweizer 1997)

An dieser Stelle soll hingewiesen werden, dass das Handlungsfeld Beratung und das Handlungsfeld Psychotherapie sich voneinander unterscheiden. Die Abgrenzung zwischen den beiden ist nicht einfach. Eine genaue Differenzierung von Psychotherapie und Beratung ist in der Fachwelt umstritten. Hier folgen einige:

Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus beiden Disziplinen:

- So beschäftigt sich z.B. Therapie mit Krankheiten und Beratung mit Lebenswelten. Eine genaue Abgrenzung zwischen Störungen, die als krankhaft verstanden werden und beeinträchtigenden Konflikten aus der Lebenswelt ist nicht eindeutig, die Übergänge sind fließend.
- Bei der Psychotherapie steht die Beziehung zwischen Therapeuten und Klienten im Vordergrund. Die klientorientierte Beratung betrachtet den Klienten als selbststeu- ernd und wachstumsfähig. Der Berater hat als Ziel, im Beratungsprozess ein wachstumsförderndes Klima zu erzeugen (ein Klima der Echtheit und Akzeptanz, Empathie, aktives Zuhören, Selbstoffenbarung, etc.)

Gemeinsamkeiten von Psychotherapie und Beratung:

- Psychotherapie und Beratung haben Überschneidungspunkte (Engel, 2004) in den folgenden Punkten: inhaltlich; Interventionen; Ablauf; Entwicklung von persönli- chen Ressourcen; Asymmetrische Beziehung (Ratsuchende und therapiebedürftige Personen fühlen sich bei einigen Belastungen hilflos. Beides kann verordnet wer- den (z. B. Schwangerschaftsberatung, Therapieauflage für den Straftäter); vertrau- ensvolle Beziehung; Klienten aus der gleichen Berufsgruppen; Freiwilligkeit (wird in Familienberatung nicht immer gegeben).

Unterschiede von Psychotherapie und Beratung:

- Psychotherapie und Beratung haben Unterschneidungspunkte in den folgenden Punkten: (Dauer; (Beratung ist meistens von kurzer Dauer und die Psychotherapie kann über mehrere Jahre dauern); Kosten; Zugangsweg (z. B. Therapiebedürftig- keit muss von der Kasse genehmigt werden); Zielsetzung; Anwendungsfeld (vgl. Boeger, 2009, S7-12.).

Nachdem der Begriff der Beratung geklärt wurde, soll nun das dritte Kapitel behandelt werden. Hierbei wird sich alles um den Begriff Familie drehen.

2. Allgemeines zur Familie:

Definition und Kennzeichen

In der zeitgenössischen Familienforschung herrscht ein Konsens, dass eine Definition der Familie sich als sehr komplex erweist und nicht als eine homogene Institution verstanden werden darf. Denn jede wissenschaftliche Disziplin stellt die Familie anders dar. Statt die Familie zu untersuchen, geht es vielmehr darum die Familie im Plural zu sehen. Denn, wir haben mit sehr unterschiedlichen Familien zu tun, die Familien haben sich, ab etwa der Mitte der 60er Jahre, grundlegend in Richtung auf Pluralisierung verändert (siehe Tendenz (Beck, 1986, S. 189) der Pluralisierung, Enttraditionalisierung, Individualisierung der Familie).5 Früher war die Familie eine ökonomische Einheit. Die heutige Familie wird mehr als eine emotionale Gemeinschaft verstanden. (vgl. Ecarius, 2007, S 25).

So sieht die familienrechtliche Definition der Familie, die Ehe und Familie eng miteinander verknüpft und aus diesem Blickwinkel betont die Familie als Grundlage des Familienrechts und stellt den Sorgerechtsprinzip in Vordergrund.

Von der Familie (Schneewind 1984, S. 1972.) „kann gesprochen werden, wenn zwei Ge- nerationen durch biologische oder rechtliche Elternschaft miteinander verbunden werden und eine Klärung des Sorgerechts für die nachwachsende Generation erfolgt ist“. Unser Grundgesetz stellt die Familie und Ehe unter den besonderen Schutz des Staates “(vgl. Cierpka, 2008, S. 19-20).

Der genealogische Familienbegriff umfasst eine größere Vielfalt von Familienformen. Der einzelne Mensch bildet „seine Familie als die Gruppe von Menschen (…), die miteinander verwandt, verheiratet oder verschwägert sind, gleichgültig ob sie zusammen oder getrennt leben, ob die einzelnen Mitglieder noch leben oder- bereits verstorben- ein Glied in der Entstehung der Familie sind“. (Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Jugend 1984, S. 27).

Psychotherapeuten betrachten die Familie aus psychologischer Sicht als intimes Beziehungssystem Schneewind 1987), (Frevert, 1992) von zwei oder mehr Personen in einem gemeinsamen Lebensvollzug. Der gemeinsame Lebensvollzug wird durch Merkmale der Privatheit, Abgrenzung, Nähe, Intimität, Dauerhaftigkeit und Emotionalität bestimmt (vgl. Schneewind, 2010, S. 24-25).

Aus (sozial-)pädagogischer Sich können die Familien als “potenziell auf Dauer gestellte Lebensgemeinschaften“ bezeichnet werden, Ädie durch mehrdimensionale Beziehungen geprägt sind und bei denen die wechselseitige informell Sorge um das körperliche und emotionale und geistige Wohl im Zentrum steht“ dabei tragen die Familien zur Sozialisa- tion und der Erziehung des Kindes wesentlich bei (Uhlendorff 2013, S.43). Betont wird mehr die soziale Konstruktion der Familie als biologische Abstammungsverhältnisse.

Mollenhauer (1975) legt den ausschlaggebenden Grundstein für die Betrachtung der Familie als Sozialzusammenhang mit stetigen Reproduktion, Anpassung und Gestaltung unterschiedlicher Entwicklungen in diesem Zusammenhang. Sein zentraler Aspekt ist, die Familie als Lern und Bildungsmilieu zu begreifen. (vgl. Wonneberger/Weidtmann /Stelzig- Willutzki, 2017, S.291-292).

[...]


1 Virginia Satir entwickelte 1965 das Konzept der Familienkonstruktion, um die psychologische Matrix ihrer eigenen Ursprungsfamilie zu reintegrieren. Mit dieser Arbeitsweise konstruierte sie eine Handhabe, Gegenwert, Vergangenheit und Zukunft aus einer veränderten Perspektive (Jost, 2012, S.39).

2 Siehe dazu genauer z. B. Sydov, K. / Beher, S. / Retzlaff, R./Schweitzer, J. Die Wirksamkeit der systemischen Therapie/ Familientherapie. 2007, S. 65.

3 Auf Grund der Lesbarkeit verzichte ich in dieser Arbeit auf die Zusätzliche Nennung der weiblichen Form. Soweit nicht Explizit anders angegeben, sind immer beide Geschlechter gemeint.

4 Carl Roger (1902-1987) ist der Begründer der klientenzentrierten Psychotherapie.ÄKeine andere therapeutische Richtung ist so gründ- lich mit den Methoden der empirischen Forschung untersucht worden wie die klientenzentrierte Psychotherapie. Ausgangspunkt seiner Sicht der Persönlichkeit ist die Annahme, dass jeder Mensch einzigartig ist, weil jedes Individuum die Realität auf seine ganzpersönliche Art und Weise und damit anders als seine Menschen, wahrnimmt und interpretiert. Roger geht davon aus, dass der Klient selbst am besten seine Problematik kennt und die entsprechenden Veränderungen in der Therapie bewirken kann. Es geht nicht darum den Menschenzu behandeln, sondern um eine geeignete Beziehungskonstellation zwischen dem Therapeuten und dem Klienten. Die Beziehung Klient-Therapeut weist eine heilsame Wirkung auf“ (Roger, 1976, S. 47).

5 Zur Vertiefung hier z. B. Dieter Hoffmeister (2001, S134-135). Mythos Familie. Zur soziologischen Theorie familialen Wandels.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen der systemischen Familienberatung. Erläuterung und Darstellung der Systemtheorie und Systemisches Denken
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V439439
ISBN (eBook)
9783668791602
ISBN (Buch)
9783668791619
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theoretische, grundlagen, familienberatung, erläuterung, darstellung, systemtheorie, systemisches, denken
Arbeit zitieren
Magister Artium Larissa Grillo (Autor), 2017, Theoretische Grundlagen der systemischen Familienberatung. Erläuterung und Darstellung der Systemtheorie und Systemisches Denken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439439

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