Praktikumsbericht Psychiatrie

Inklusive eines wissenschaftlichen Teils zum Thema Essstörungen


Praktikumsbericht / -arbeit, 2018

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

A) Praktikumsbericht
1. Einleitung
1.1 Wahl des Unternehmens
1.2 Persönliche Erwartungen und Ziele vor Antritt
2. Vorstellung des Praktikumsbetriebs
2.1 Knappe Darstellung der Einrichtungsgeschichte und -entwicklung
2.2 Struktur, Aufgaben und Ziele der Institution
2.3 Wichtige Personen bei der Einsatzstelle
2.4 Beschreibung der Station 16
3. Erfahrungen im Praktikum
3.1 Vorstellung der Tätigkeiten
3.2 Arbeitsbedingungen und Betriebsklima
3.3 Bezug zum Studium
4. Reflexion
4.1 Erwartungsanalyse
4.2 Schwächen- und Stärkenanalyse
4.3 Berufsabwägung

B) Theoretische Erörterung zum Thema Anorexie
1. Einführende Worte
2. Essstörungen
3. Anorexie
4. Ursachen von Anorexie
4.1 Genetische Dispositionen
4.2 Familiäre Hintergründe
4.3 Individuelle Erfahrungen
5. Fazit

C) Literaturverzeichnis
1.1 Bücher
1.2 Zeitschriften
2. Quellen aus dem Internet
2.1 Mit Angaben des Autors
2.2 Ohne Angaben des Autors

A) Praktikumsbericht

1. Einleitung

Im Rahmen des Bachelorstudiengangs Bewegung und Ernährung an der Pädagogischen Hochschule ist ein 14-wöchiges Praktikum vorgesehen. Die eine Hälfte des Praktikums wurde in einem Personal Training Unternehmen in den Semesterferien des Wintersemesters 2017 durchlaufen. Der andere Praktikumsanteil ist bereits vor dem Studium absolviert worden und als Vorleistung anerkannt.

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um einen Bericht über das vorgeleistete Praktikum in der Psychiatrie, welches im Frühjahr 2014 auf der Station 1 stattfand. Der Text ist in zwei Teile gegliedert. Ersterer befasst sich damit, wie meine Wahl auf diese Einrichtung gefallen ist sowie mit allgemeinen Informationen über die Klinik, meinen Aufgaben und Erfahrungen als Praktikantin und einer Reflexion im Anschluss. Der zweite Teil stellt eine theoretische Erörterung dar, welche sich mit der Essstörung Anorexie auseinandersetzt.

1.1 Wahl des Unternehmens

Zunächst soll thematisiert werden, wie ich auf die oben genannte Praktikumsstelle aufmerksam geworden bin, und weshalb meine Entscheidung auf diese gefallen ist: Einige Tage bevor das eigentliche Praktikum im Altersheim beginnen soll, gibt es für alle angehenden Praktikanten eine dreitägige Schulung zum Thema „Pflege und Therapie“. Diese wird vom Krankenhaus [Name der Institution] angeboten und soll die Schüler auf das bevorstehende Praktikum vorbereiten. Es werden pflegerische Maßnahmen, eine psychiatrische Einrichtung sowie Fallbeispiele und Therapieansätze vorgestellt. Durch die sehr gelungene Präsentation des Vortragenden wird mein Interesse an einem Praktikum in der Klinik [Name der Institution] geweckt. Aus Empathie und Begeisterung heraus frage ich deshalb nach dem Vortrag beim Referierenden spontan an, ob es kurzfristig die Möglichkeit gibt, eine Praktikumsstelle in der Psychiatrie zu bekommen. Nach einigen Telefonaten organisiert er eine Praktikumsstelle und wenige Tage später findet mein erster Praktikumstag in der [Name der Institution] Klinik statt.

1.2 Persönliche Erwartungen und Ziele vor Antritt

Aufgrund der oben erwähnten Einführungstage habe ich bereits eine Vorstellung, welche Krankheitsbilder und Patienten mich in der psychiatrischen Einrichtung erwarten. Daraus entsteht vor Antritt des Praktikums der Wunsch, mehr über die verschiedenen psychischen Erkrankungen und deren Therapieansätze zu erfahren. Dies möchte ich durch eine aktive Teilnahme am Tagesgeschäft der Klinik erreichen. Insbesondere erhoffe ich mir, vielfältige Einblicke im Bereich Medizin und Therapie. Als weiteres persönliches Ziel nehme ich mir ein gutes Verständnis für die Betroffenen vor, sowie die Maßnahmen für den hilfreichen und bestmöglichen Umgang mit ihnen kennenzulernen. Durch den Schwerpunkt Pädagogik und Psychologie in der Schule habe ich bereits theoretisches Wissen. Dieses möchte ich einerseits im Praktikum anwenden und andererseits konkrete Methoden kennenlernen, die in der Praxis ausgeführt werden.

Ein weiterer Punkt, welcher mir wichtig ist, ist es als gleichgestelltes Teammitglied akzeptiert zu werden und anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgaben in allen Bereichen zu bekommen.

2. Vorstellung des Praktikumsbetriebs

Die Klinik ist ein Fachkrankenhaus für „Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik für Kinder, Jugendliche und Erwachsene“ (vgl. www.[Name der Institution].de, S. 4.). Sie ist Teil des Verbundes „Kliniken des Bezirks [Region] ([Name der Institution])“. Im folgenden Abschnitt soll die Einrichtung sowie meine Einsatzstelle vorgestellt werden.

2.1 Knappe Darstellung der Einrichtungsgeschichte und -entwicklung

Die [Name der Institution] wird am XX. August 19XX als erste von drei Bezirkskliniken in Betrieb genommen. Seit dem XX.XX.20XX besitzt die Klinik die Rechtsform einer GmbH. Im Juli 2009 wird die Psychiatrie um eine Tagesklinik erweitert (vgl. [Name der Institution], 2018).

2.2 Struktur, Aufgaben und Ziele der Institution

Das Klinikum [Name der Institution] verteilt sich über 20 stationäre und teilstationäre Klinikabteile, ambulante Einrichtungen sowie Dienstleistungsunternehmen. Die psychiatrische Anstalt besitzt 5 Stationen mit insgesamt 108 Betten. Die Tagesklinik bietet eine Betreuung für 20 Patienten an (vgl. [Name der Institution], 2018b). Die besonderen Versorgungsschwerpunkte der Klinik sind die Behandlungen von Patienten mit affektiven Erkrankungen wie Depression, Burnout und Manie, Angst- und Panikstörungen, Suchterkrankungen wie zum Beispiel Essstörungen und Alkoholismus, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatische Erkrankungen, Demenz und Erkrankungen aus dem schizophrenen Spektrum.

An oberster Stelle soll „durch wirtschaftliches Handeln […] die größtmögliche Qualität in der Versorgung [der] Patienten [ermöglicht werden]“ ([Name der Institution], 2010). Der Einrichtung ist besonders wichtig ihren Patienten einen weitgehend angenehmen und effektiven Klinikaufenthalt zu gewährleisten. Es wird großer Wert darauf gelegt, dass sowohl die medizinische und therapeutische als auch die pflegerische Betreuung stets auf dem neuesten Stand ist (vgl. www.[Name der Institution].de). Jeder Patient wird individuell behandelt und betreut. Das Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ ([Name der Institution], 2018c) steht hierbei im Fokus.

Aufgabe der Einrichtung ist es Patienten so zu betreuen, dass sie lernen mit ihrer Krankheit umzugehen oder sogar von dieser ganz befreit zu werden. Es wird das Erlangen einer Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen angestrebt.

Ein weiteres Ziel der [Name der Institution] Klinik ist es, Rücksicht auf ihre Mitarbeiter zu nehmen, denn wenn sich diese bei ihrer Arbeit wohlfühlen, können sie gute Leistung erbringen (vgl. [Name der Institution], 2018d).

2.3 Wichtige Personen bei der Einsatzstelle

Geschäftsführer der [Name der Institution] ist seit 2007 Herr [Name des Geschäftsführers] (vgl. [Name der Institution], 2018e). In der Psychiatrie kümmert sich die Pflegedirektorin [Name der Direktorin] sowohl um die stationäre als auch um die Tagesklinik. Alle Stationen haben jeweils eine eigene Stationsleitung, die für die Station und ihre Angestellten zuständig ist. (vgl. [Name der Institution], 2015). Während des Praktikumsaufenthalts steht folgendes Personal auf der Station 16 zur Verfügung: Eine Stationsleitung, eine Psychologin, zwei Stationsärzte, eine Stationsübergreifende Oberärztin, 13 Pflegefachkräfte, zwei Pflegehelferinnen, eine Sekretärin, eine Dame vom Bundesfreiwilligendienst, eine Auszubildende aus der Pflegeschule und eine Praktikantin. Außerdem gibt es Fachkräfte für (Geronto-)Psychiatrie und Heilerziehung so­wie einen stationsübergreifenden Sozialpädagogen.

2.4 Beschreibung der Station 16

Die Station XX der [Name der Institution] ist zu der Zeit, in der mein Praktikum stattfindet, eine geschlossene Akutstation, deshalb muss man, wenn jemand hinaus oder hinein möchte, die Eingangstür aufsperren. Diese Sicherung ist von hoher Relevanz, damit niemand unerlaubt die Station betreten oder verlassen kann.

Laut Webseite handelt es sich zwar um eine Klink für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, auf der Station XX gibt es jedoch – während meines Praktikumsaufenthaltes – nur volljährige Personen. Ab der zweiten Präsenzphase des Praktikums sind die zu Behandelnden sogar überwiegend Gerontopatienten.

Die Station XX setzt sich aus folgenden Räumlichkeiten zusammen: 10 Patientenzimmer (2x3-Bettzimmer, 8x2-Bettzimmer und 1 Notflurbett), einem Speiseraum mit Patientenküche, einem Mehrzweckraum – dem Lichthof, ein Stationsbad, ein „Unreiner Arbeitsraum“, ein Stationszimmer mit Küche für das Personal, zwei Ärztezimmer und ein Psychologenzimmer. Der „Unreine Arbeitsraum“ ist mit einer speziellen Spülmaschine für Bettpfannen ausgestattet und dient zur besseren Hygiene auf der Station (vgl. Jaeger, 2013). Außerdem gibt es einen Tresen, den man sich wie eine Rezeption vorstellen kann. Dort sind alle Büroartikel enthalten, die für das Tagesgeschäft benötigt werden, beispielsweise zwei Computer, ein Drucker, Schreibwaren und Patientenunterlagen.

Die Station ist mit einer Waschmaschine und einem Trockner im Stationsbad ausgestattet. Im sogenannten „Unreinen Arbeitsraum“ ist eine spezielle Spülmaschine für Bettpfannen vorzufinden (vgl. Jaeger, 2013). Zudem gibt es zwei Fernseher und einen DVD-Player in den beiden Gemeinschaftsräumen. Hinzu kommen fünf Sitzgruppen, Schränke mit diversen Brett-, Kartenspielen, Mandalas, Büchern und Zeitschriften, eine Tischtennisplatte sowie ein Ergometer im Lichthof.

3. Erfahrungen im Praktikum

Nachdem ein Einblick über die Klinik und vor allem der Einsatzstation XX gegeben wurde, folgt in diesem Kapitel die Darstellung meiner Tätigkeiten als Praktikantin.

3.1 Vorstellung der Tätigkeiten

Im folgenden Abschnitt werden die einzelnen Tätigkeitsbereiche knapp dargelegt. Die Reihenfolge, in der diese Bereiche vorgestellt werden, ist bewusst – nach Einsatzhäufigkeit absteigend – gewählt. Im letzten Absatz werden sonstige zu erledigende Aufgaben vorgestellt.

3.1.1 Pflege und Verpflegung

Die meiste Zeit verbringe ich in den Räumlichkeiten des Pflegepersonals. Das heißt im „Unreinen Raum“, in den Sanitätsräumen der Patienten, in den Räumen für Pflegeutensilien sowie in den Ess- und Patientenzimmern. Am Tresen findet ebenfalls Verpflegung statt. Bereits in der Früh beim Eintreten auf die Praktikumsstation unterstützte ich das Pflegepersonal bei der Austeilung von Morgenmedizin am Tresen. Medikamente darf ich nicht verabreichen, doch alle anderen Aufgaben, die währenddessen stattfinden, werden auch von mir erledigt. Die Patienten stellen sich in einer Reihe am Tresen an und werden nacheinander von mir aufgerufen. Demjenigen, der dran ist, messe ich die Vitalwerte und trage diese in den vorgesehenen Abschnitt seiner Patientenakte. Dieser Vorgang wird mittags wiederholt. Wenn Patienten zu externen Untersuchungen in das Krankenhaus müssen, begleite ich diese zum jeweiligen Facharzt im Nebengebäude.

Zum Zeitpunkt des Praktikums sind viele Patienten eingewiesen, welche sich nicht mehr selbstständig pflegen und verpflegen können. Pflegerische Maßnahmen, die ich ausführe, äußern sich unter anderem in Form von körperlicher Pflege und dem Umgang mit Inkontinenz. Hier findet eine Grund- (z. B. Zähneputzen) und Intimpflege (z. B. Waschen, Schutzhose umlegen oder wechseln) derjenigen, die Hilfe benötigen, statt. Eine andere Pflegekraft ist oft zur Unterstützung und Sicherheit dabei.

Außerdem gehört zu meinen Tätigkeiten im Verpflegungsbereich das Holen der Essenswägen aus dem Restaurant des Krankenhauses im Nebengebäude. Das Mittagessen hole ich gemeinsam mit einigen Bewohnern der Station, welche einen hohen Ausgang auf der Skala 1-8 haben. Je höher die Zahl, umso mehr Freiheiten besitzen die Patienten.

Patienten, die nicht mehr in der Lage sind ihr Tablett selbst zu holen, wird das Essen serviert / gebracht. Viele dieser Patienten brauchen zudem Hilfe beim Zurechtschneiden und Aufnehmen der Mahlzeiten. Deshalb unterstütze ich diese beim Essen. Nicht nur das Versorgen mit Essen, sondern auch das regelmäßige Anbieten und Bringen von Getränken ist von Relevanz. Deshalb erinnere ich Patienten regelmäßig daran zu trinken. Bei Patienten, bei denen ein Trinktagebuch geführt wird, trage ich ein, welche Flüssigkeitsmenge in Form von welcher Art von Getränk sie aufgenommen haben und bin stets darum bemüht, dass sie ihre vorgegebene Mindestmenge an Flüssigkeit aufnehmen.

Auf meinem Tagesprogramm stehen außerdem allgemeine Haushaltsverrichtungen. Beispielsweise die Küche säubern, die Spülmaschine der Küche und des „Unreinen Arbeitsraums“ ein- und ausräumen, Wäscheversorgung bzw. -entsorgung sowie regelmäßiges Wischen und Desinfizieren. Die Pflegeschränke in den Zimmern der Patienten fülle ich regelmäßig nach, damit bei Bedarf Pflegematerial bereit steht.

Eine weitere Aufgabe stellt das Durchführen von Bewegungsübungen mit den Patienten zur Verbesserung der Mobilität dar. Patienten hohen Ausgangsgrades haben zudem die Möglichkeit mit mir spazieren zu gehen.

3.1.2 Arbeit am Stationstresen

Am zweithäufigsten werde ich am Tresen eingesetzt. Dieser fungiert auch als Rezeption und Büro. Hier gebe ich Informationen an die Patienten weiter und stehe bei Fragen und Anliegen zur Verfügung. Darüber hinaus arbeite ich am Tresen viel am Computer. Ich nehme neue Patienten auf und melde sie zur Erstanamnese an, die unmittelbar nach der Anmeldung gemeinsam mit einer anderen Pflegekraft stattfindet. Bei der Aufnahme werden allgemeine Informationen zur Person und deren Krankheitsverlauf ermittelt und notiert. Außerdem schaue ich bei der Anmeldung das Gepäck des neuen Patienten durch. Diese Kontrolle findet statt, da es sich um eine psychiatrische Einrichtung handelt. Scharfe und spitze Gegenstände sind abzugeben. Patienten mit Alkoholproblem nehme ich Hygieneartikel, die Alkohol beinhalten, ab. Abgegebene Artikel wie beispielsweise ein Föhn, Rasierer, Parfüm oder Deodorant können am Tresen für ein kurzes Zeitfenster geholt werden. In diesem Fall gebe ich das Benötigte heraus und vermerke gleichzeitig, wer, wann und wie lange das Material bekommen und wann wieder zurückgebracht hat.

Am Tresen gibt es zwei Computer, an denen ich unterschiedliche Aufgaben erledige. Beispielsweise gibt es ein Programm, welches dazu dient, die Essenswünsche der Patienten dem Krankenhausrestaurant zu kommunizieren. Hierfür drucke ich den Patienten Bögen aus, damit sie ihre gewünschten Gerichte angeben können. Im Anschluss geben sie ihre ausgefüllten Formulare ab und ich tippe diese in das Programm ein. Außerdem verfasse ich am Computer Beobachtungen über die Patienten und tippe Protokolle vom Teamgespräch ab.

Wie zu jeder Arbeit im Büro gehören auch zu meinen Aufgaben am Tresen Faxen, Drucken und Kopieren sowie Sortieren von Unterlagen. Ich lege unausgefüllte Formulare für die Patientenaufnahme, Teamgespräche, Therapien zurecht, fülle Patientenordner mit neuen Bögen und drucke die Therapie- sowie Patientenpläne aus. Wöchentlich findet eine Oberarztvisite statt. Hierfür gebe ich eine Liste heraus, damit sich die Patienten in diese für einen Termin eintragen können, und lege sie den Ärzten zu Seite.

3.1.3 Therapien

Einige der wichtigsten Angebote für die Patienten der Psychiatrie sind die Therapien und Sitzungen bei der Stationspsychologin. Die Stationspsychologin ist für die Patienten ihrer Station zuständig, bei den Therapien hingegen treffen Bewohner aus unterschiedlichen Stationen der Psychiatrie zusammen. Die [Name der Institution] hat ein weiteres Spektrum an Therapieangeboten. Während des Praktikums kann ich bei den folgenden Therapien, Gruppen- und Einzelsitzungen zusehen und mir einen Einblick verschaffen:

- Musiktherapie
- Bewegungstherapie
- Künstlerische Therapien wie Theater, Kunsttherapie und Gestaltungstherapie
- Gartentherapie
- Gruppensitzungen (z. B. Sucht- und Depressionsgruppen)
- Einzelsitzung (z. B. Sitzung, Beispieltestverfahren: Demenztest)

Die Stationspsychologin bietet mir oft an, bei ihren Sitzungen zuzusehen. Voraussetzung dafür ist es, dass mich das Pflegepersonal entlässt.

Bei der Sucht- sowie bei der Depressionsgruppe bereiten die Psychologin und ich in einem Raum, außerhalb der Station 16, der auch für Patienten anderer Stationen zugänglich ist, einen Stuhlkreis vor. Auf jeden Stuhl lege ich einen Fragebogen. Dieser beinhaltet Fragen zum Wohlbefinden des Patienten, seiner Stimmung, der Häufigkeit an Selbstmordgedanken und Ähnlichem. Mit diesem regelmäßig durchlaufenen Test kann die Entwicklung des Betroffenen im Laufe des Klinikaufenthalts beobachtet werden. Bevor die Gruppensitzung beginnt, bekommt jeder Teilnehmer einen Stift und füllt diesen Bogen aus. Im Anschluss der Sitzung werte ich diesen aus. Jede Antwort entspricht einer Punktezahl. Durch Addieren der Punktzahlen erhalte ich die Testergebnisse und teile diese der Psychologin mit. Wenn ein Betroffener einen hohen Grad an Suizidgedanken aufweist, muss dies sofort der Station weitergeleitet werden, damit auf diesen besonders Acht gegeben wird. Während der Sitzung höre ich der Gruppe zu. Bei psychologischen Sitzungen ist es schwer als Praktikantin mitzuhelfen, da besondere Qualifikationen gefordert sind.

Ähnlich wie bei Gruppensitzungen fungiere ich auch bei Einzelterminen als Beobachter. Bei diesen muss der Patient damit einverstanden sein, dass ich dabei bin. In der Regel genehmigen dies die Betroffenen. In Einzelsitzungen werden die Patienten individuell betreut und behandelt. Jedes psychologische Gespräch wird dem Patienten und seinem Krankheitsbild angepasst. Nach der Sitzung nimmt sich die Psychologin Zeit für mich, zeigt mir ihre Notizen und erklärt mir die Hintergründe bestimmter Fragen und Verfahren. In Einzelsitzungen wird ebenfalls auf Testverfahren zurückgegriffen. Zum Beispiel habe ich erlebt wie mit Patienten mit Verdacht auf Demenz, ein Gedächtnistest durchgeführt wird.

Im Gegensatz zu den psychologischen Sitzungen schaue ich bei den Therapien nicht nur zu, sondern darf diese als aktiver Teilnehmer besuchen. Dadurch verschaffe ich mir einen guten Eindruck von der Funktion der jeweiligen Therapie. Als ich an der Gartentherapie teilnehme, verbringen die Therapeutin und ich gemeinsam mit den Teilnehmern Zeit im Klinikgarten. In dieser Einheit wird Unkraut gejätet.

Bei der Bewegungstherapie widme ich mich mit den Patienten Bewegungsaufgaben. Zum Beispiel machen wir Vertrauensübungen mit einem Partner und eine sanfte Trainingseinheit.

Ich darf an drei verschiedenen künstlerischen Therapien teilnehmen. Als ich bei einer Theatertherapiesitzung bin, findet ein Improvisationstheater statt. Die Teilnehmer improvisieren, der Therapeut und ich sehen zu und machen uns währenddessen Notizen. Ohne zu werten überlegen wir uns, welche Bedeutung die einzelnen Improvisationen haben können. Im Anschluss treffen sich alle Teilnehmer in einem Kreis und reden darüber, wie sie sich beim Schauspiel gefühlt haben, warum sie diese Rolle eingenommen haben und ob diese mit einer bestimmten Angst oder Hoffnung in Verbindung steht.

Am Tag, an dem ich bei der Kunsttherapie im Malatelier teilnehme, wird getöpfert oder gestickt. Gemeinsam mit den Patienten stelle ich eine Schale aus Keramik her. Im Anschluss der Sitzung brenne ich die Werke gemeinsam mit der Therapieleiterin im dafür vorgesehenen Ofen.

Die Musiktherapie stellt eine freiwillige interne Einheit der Station XX dar. Der Therapeut erscheint einmal pro Woche und singt mit den Patienten alte Volkslieder während er diese mit Klavier begleitet. In einer Sitzung begleite ich die Gruppe mit meiner Gitarre.

Nach jeder Therapie bemerke ich stets eine positive Auswirkung auf die Gefühlslage der psychisch kranken Menschen. Die meisten sind deutlich entspannter und ausgeglichener als davor.

Jeden Donnerstag findet nach dem Mittagessen die Therapeutenrunde im Stationszimmer des Personals statt. Hier wird besprochen, wie sich die Patienten in den Therapien verhalten und ob sie überhaupt erschienen sind. Außerdem werden in dieser Runde neue Patienten den Therapiegruppen zugeteilt. An dieser darf ich regelmäßig teilnehmen. Oft werde ich aber gebeten, währenddessen den Tresen zu belegen.

3.1.4 Sonstige Aufgaben

Nachdem die Tätigkeiten in den Bereichen „Pflege und Verpflegung“, „Arbeit am Stationstresen“ und „Therapien“ behandelt wurden, werden im folgenden Abschnitt Aufgaben vorstellt, die ich zusätzlich ausführe.

Täglich steht die Morgenrunde auf dem Programm. Diese besteht aus einem Sitzkreis mit den Patienten und einem Pfleger. Manchmal ist ein Arzt oder die Stationspsychologin ebenfalls anwesend. Bei der Morgenrunde erzählt jeder der Reihe nach, wie es ihm geht und wie er geschlafen hat. Diese Angaben notiere ich auf dem Patientenplan. Wenn die Runde zu Ende ist, lese ich vom Tagestherapieplan vor, welche Therapien stattfinden und welche ausfallen. Danach werden die Patienten den Ärzten übergeben. Da nicht jeder gleichzeitig behandelt werden kann, beschäftige ich mich mit einigen Patienten, indem ich mit ihnen spiele, male oder mich mit ihnen unterhalte. Vor allem für demente Patienten ist es von großer Bedeutung, stets mit anderen Menschen zu kommunizieren und zu interagieren. Auch im restlichen Tagesverlauf befasse ich mich mit der Unterhaltung der Patienten. Das kann in Form von Vorlesen der Zeitung oder eines Buches, Fernsehen oder gemeinsamem Teetrinken stattfinden.

Zweimal am Tag findet die sogenannte „Pflegerrunde“ im Stationszimmer statt. Diese dient zum Austausch der abzulösenden und nachfolgenden Schicht. An dieser nehme ich entweder teil und protokolliere diese oder ich werde dazu aufgefordert, einigen Anwesenden Verpflegung aus der Cafeteria zu holen. Da sich diese im Krankenhausgebäude befindet, nutze ich die Gelegenheit, um die Post zu holen. Ein weiterer Grund für mich in das Nebengebäude zu laufen ist, wenn ich Patienten zu Arztbesuchen begleite. Außerdem gebe ich häufig Urin- oder Blutproben der Patienten im Krankenhauslabor ab.

3.2 Arbeitsbedingungen und Betriebsklima

Während meines Praktikums in der [Name der Institution] arbeite ich täglich (Mo. - Fr.) von 8 bis 16 Uhr. In meiner 45-minutigen Mittagspause wird mir ein kostenloses Essen im Krankenhausrestaurant zur Verfügung gestellt.

Beim Eintritt der Station hefte ich mir – so wie jeder andere Mitarbeiter – ein spezielles Gerät an den Hosenbund. Dieses ist mit allen anderen solchen Geräten gekoppelt. Es kann manuell in einer Notfallsituation aktiviert werden oder löst bei einem Unfall automatisch einen Notruf aus. Dadurch wird das restliche Personal informiert bzw. auf das Problem aufmerksam gemacht und kommt zur Hilfe. Damit ist für Sicherheit gesorgt.

Als Praktikantin bin ich auf der Station XX im Allgemeinen gut aufgehoben. Ich darf das Leitbild der psychiatrischen Klinik kennenlernen und werde gleich am ersten Tag vom Stationsleiter – welcher gleichzeitig mein Ansprechpartner und Betreuer während des Praktikums ist – dem Team vorgestellt.

Das Betriebsklima ist zumeist gut, gelegentlich etwas stramm. Dabei ist eine spürbare Anspannung der Mitarbeiter untereinander – aufgrund der vorherrschenden hierarchischen Ebenen – bemerkbar. Ich werde leider nicht von allen Mitarbeitern als gleichgestelltes Teammitglied angesehen. Vor allem nutzen einige Pflegekräfte, die Gelegenheit, an mir „Macht und Autorität auszuüben“, aus. Dies äußert sich in der Aufgabenverteilung. Beispielsweise werde ich mehrmals täglich zum Kaffee- und Brotzeitholen zur Krankenhaus-Cafeteria im Nebengebäude geschickt oder mir wird nicht genehmigt, zur Visite oder Therapie zu gehen. Bei Ärzten und Psychologen ist dieses Verhalten nicht zu erkennen. Als Bezugsperson sehe ich die Stationspsychologin. Bei Schwierigkeiten kann ich mich während des Praktikums an sie wenden. Sie ermöglicht mir auch die Teilnahme an einigen psychologischen Sitzungen und Therapien von ihr und ihren Kollegen.

3.3 Bezug zum Studium

Körper, Geist und Seele sind nicht voneinander zu trennen. Die Bereiche Psychologie, Bewegung und Körperwahrnehmung sowie Ernährung sind im Praktikum in der Psychiatrie somit äußerst relevant. Das Studium setzt sich ebenfalls stark mit diesen Themen auseinander. Somit kann ich im Hinblick auf mein Studium viele Erfahrungen sammeln.

In der Bewegungstherapie darf ich Funktionsstörungen, Muskel- und Krankheitsbildbezeichnungen sowie deren therapeutische Gegenmaßnahmen kennenlernen. Viele dieser Krankheitsbilder werden im Fach „Anatomie und Physiologie“ ebenfalls behandelt. Außerdem lerne ich zahlreiche Erkrankungen kennen, die mir Vorwissen für die Vorlesung „Grundlagen der inneren Medizin“ liefern.

Das Durchführen von Bewegungsübungen mit Patienten in Kleingruppen hat mir die Möglichkeit verschafft, einer Gruppe Übungen vorzuzeigen und die Teilnehmer zur Nachahmung zu animieren sowie zu korrigieren. Heute werde ich aufgrund des Studiums und meines Nebenjobs als Personal- und Gruppenfitnesstrainerin häufig mit dieser Aufgabenstellung konfrontiert und kann das Erlernte umsetzen. Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig ein selbstbewusstes Auftreten ist, um das Vertrauen des Klienten zum Therapeuten bzw. Trainer aufzubauen.

Der Schwerpunkt Pädagogik und Psychologie in der Schule sowie das Praktikum selbst waren mir sowohl für die Psychologievorlesung als auch für das Seminar „Entwicklung und Lernen“ sehr hilfreich. Dieses Vorwissen hat mir das Auffrischen von bereits Bekanntem und dem Erlernen von neuen Inhalten dieser Fächer erleichtert.

Im Krankenhaus gibt es abhängig von der Krankheit oder Essgewohnheit eines Patienten ein angepasstes Essensangebot. Patienten können angeben, ob sie sich zum Beispiel vegetarisch oder vegan ernähren sowie Allergiehinweise, wie beispielsweise Laktoseintoleranz, nennen. Diese Angaben werden dann in der Krankenhausküche bei der Zubereitung der Mahlzeiten berücksichtigt. Bei ernährungsmitbedingten Krankheiten wie beispielsweise „Essstörungen“ wird auf spezifische Kost zurückgegriffen. Sowohl im Seminar „Ernährung verschiedener Bevölkerungsgruppen“ als auch „Ernährungsmitbedingte Krankheiten“ im Studium werden einige dieser Thematiken aufgegriffen und vertieft.

4. Reflexion

Die Erfahrung ein Praktikum in einer Psychiatrie zu absolvieren war für mich neu und aufregend. Bei Eintritt hatte ich ein gemischtes Gefühl aus Neugier und gleichzeitiger Angst. Zwar habe ich in der Oberstufe den Schwerpunkt auf Pädagogik und Psychologie gelegt und bereits einige Krankheitsbilder und Therapieverfahren kennenlernen dürfen, nichts desto trotz war es eine andere Situation, persönlich in einer psychiatrischen Einrichtung tätig zu werden.

Ich habe eine intensive Zeit während dieses Praktikums erlebt und viel Wissen mitgenommen. Es war stets erfreulich, Besserungen bei Patienten zu erkennen oder Anerkennung und Dankbarkeit von der Einrichtung zu erhalten.

Das Verhalten einiger Menschen aus dem Personal gegenüber mir habe ich zum Zeitpunkt des Praktikums sehr persönlich genommen. Heute sehe ich das anders, da ich gelernt habe, dass hinter jedem Verhalten ein bestimmter Grund steckt. In klinischen Einrichtungen herrscht häufig Personalmangel, die Mitarbeiter leisten Schichtarbeit und sind mit schwierigen Situationen konfrontiert. Rückblickend habe ich für einige Verhaltensweisen Verständnis, da sie durch Arbeitsstress und dessen Projektion auf andere bedingt wurden.

In den nachfolgenden Unterkapiteln der Arbeit soll eine abstrahierte Schwächen- und Stärken- sowie Erwartungsanalyse dargelegt werden. Außerdem wird das Inbetrachtziehen von zukünftigem Arbeiten in einer Psychiatrie abgewogen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Praktikumsbericht Psychiatrie
Untertitel
Inklusive eines wissenschaftlichen Teils zum Thema Essstörungen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten  (Universität)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
22
Katalognummer
V439445
ISBN (eBook)
9783668794627
ISBN (Buch)
9783668794634
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychiatrie, Essstörungen, Anorexie, Magersucht, Bulimie, Bulimia nervosa, Praktikum, Praktikumsbericht, Sucht, Selbstwahrnehmung, gestört
Arbeit zitieren
Aneta Bonev (Autor), 2018, Praktikumsbericht Psychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439445

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