Ansätze und Methoden der Jugendkulturarbeit


Studienarbeit, 2009
20 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Zum Kulturbegriff
2.2 Zum Bildungsbegriff
2.3 Zum Begriff Jugend
2.3.1 Definition
2.3.2 Geburtenrate
2.3.3 Jugendphase
2.3.4 Sozialisation
2.3.5 Individualisierung

3 Kulturarbeit

4 Jugendarbeit
4.1 Jugendkulturarbeit
4.2 Beispiel verbandlicher Jugendarbeit
4.3 Kommerzielle Jugendarbeit

5 Ansätze und Methoden der Jugendkulturarbeit
5.1 Projektarbeit
5.2 Kurse
5.3 Workshops
5.4 Offener Bereich

6 Schluss

Literaturverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABILDUNGSVERZEICHNIS

Abb1: Gliederung der Fachbereiche der Landes- und Bezirksarbeitsgemeinschaften (LKJ NRW, o. J., S.13)

1 Einleitung

Die Fülle unterschiedlicher Lebensbereiche, die schnelle wirtschaftliche Entwicklung und die Tatsache, dass Kordfelder von einer Krise in der Jugendkulturarbeit zu Beginn der 1980er Jahre gesprochen hat, hat mein Interesse für dieses Gebiet geweckt (vgl. Kordfelder, 2002, S. 74). Tief greifende gesellschaftliche Veränderungen und un­sicheren Zukunftsperspektiven machen es für Jugendliche zunehmend schwierig, in der Vielfalt vorgegebener Normen und Werte eine einfache Orientierung zu finden. Für mich ist ebenfalls von Interesse, inwieweit die Jugendkulturarbeit an der Entwicklung der Lebensphase der jugendlichen Lebenswelt beteiligt ist. Die Motivation zu der vorliegenden Arbeit über die Jugendkulturarbeit ergab sich aus der Aktualität des Themas Kultur/Bildung, sowie aus der Diskussion der Bildung in Deutschland im europäischen Vergleich unter dem Aspekt der Pisa-Studie. Die Studienarbeit befasst sich mit den verschiedenen Begriffen Kultur, Bildung und Jugend, sowie der Kultur- und Jugendarbeit, welche am Beispiel verbandlicher und kommerzieller Jugendarbeit erläutert wird. Weiter werden Ansätze und Methoden der Jugendkulturarbeit aufgeführt. Die Tatsache, dass ich bei meinen Recherchen oft auf unterschiedliche Begriffe und deren Definition gestoßen bin, hat mich darin bestärkt, mich mit diesem Thema zu befassen.

2 Begriffserklärungen

2.1 Zum Kulturbegriff

Für die Jugendlichen und für die Entwicklung der Kultur- und Jugendarbeit lässt sich deren Wert nur beurteilen, wenn erläutert wird, welche Begriffe zugrunde gelegt werden. Kultur ist ein ständiger Gestaltungsprozess, geprägt durch Erkenntnisse, soziale, wirtschaftliche, und politische Entscheidungen, sowie wissenschaftliche Errungenschaften. Als Gegenbegriff zu Natur wird mit Kultur ganz allgemein dasjenige bezeichnet, was nicht naturgegeben ist, also alles, was der Mensch hervorgebracht hat. Im weitesten Sinn kann alles verstanden werden, was Menschen kommunizieren. Weiter präzisiert wird die Kultur als Vorrat von Themen angesehen (vgl. Porr, 1997, S.1). Es lässt sich ableiten, dass der Begriff Kultur mit verschiedenen Vorstellungen belegt wird und werden kann. Das Wort Kultur leitet sich von dem lateinischen Wort colere her, das heißt pflegen, hegen, anbauen. Ursprünglich wurde es zur Bezeichnung der Bodenbebauung benutzt. „Kultur bedeutet Pflege und Vervollkommnung eines der Verbesserung und Veredlung fähigen Gegenstandes durch den Menschen, besonders seiner eigenen Lebensfähigkeit“ (Klaus & Buhr, 1969, zit. n. Kordfelder, 2002, S.33). Kultur wird zum Begriff für Geistesbildung durch Kunst, Wissenschaft, Ethik und Philosophie und bildet einen wesentlichen Pfeiler des bürgerlich-humanistischen Kulturbegriffs. Im engeren Sinn werden Kunst und Kultur oft als weitgehend identische Begriffe benutzt. Der Begriff Kultur reduziert sich auf den Bereich des Schönen, Sittlichen und Humanitären. Zu den sogenannte Elite- oder Hochkultur zählt Kunst, Wissenschaft, Technik/Handwerk, Recht, Medizin, Religion, Wirtschaft und Politik (vgl. Porr, 1997, S. 2).

Definition Kultur:

Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen. (UNESCO-Konferenzbericht Nr. 5, 1983, S. 121)

Kultur ist somit mehr als nur Konsum von Kunst. Kultur als Gesamtheit aller typischen Lebensformen und Verhaltensweisen innerhalb der Gesellschaft wird eher dem erweiterten Kulturbegriff zugeordnet, dabei handelt es sich um eine eher kultur­soziologische Definition (vgl. Kordfelder, 2002, S. 43).

Seit Anfang der siebziger Jahre gibt es eine Vielzahl neuer kulturtheoretischer und ­pädagogischer Ansätze, denen ein erweiterter Kulturbegriff zugrunde liegt. Diese Ansätze gehen davon aus, dass Kultur mehr ausdrückt als Konsum von Kunst. Es gehören unsere Umgangsformen, unser äußeres Erscheinungsbild und natürlich auch die Medien dazu. Kultur soll ausdrücken unter welchen Bedingungen wir arbeiten und wie wir die Umwelt im täglichen Leben empfinden. So entstand der Gegenpol zur Hochkultur, die Massen- oder Populärkultur. Sie beinhaltet unter anderem die Unterhaltungsmedien, Alltagskulturen wie die Trinkkultur oder Esskultur, sowie die Freizeitkultur mit Begriffen wie S-Bahn-Surfen, Autocrashing, Bungeejumping. Um Definitionsschwierigkeiten zu umgehen, könnte man den Begriff Kultur auch als ein nach allen Seiten hin offenes Erkenntnisfeld bezeichnen. Wo ist die Trennung zwischen trivialer Kommerzkultur und Kunst? Viele künstlerische Ausstellungen präsentieren Werke, die in Wahrheit nur trivial sind und eine gewisse Bildung nur vortäuschen. Kulturelles Handeln ist als „Organisation, Planung und Förderung individueller Bildungsprozesse in außerschulischen Bildungs- und Kulturinstitutionen“ (Müller-Rolli, 1988, S. 17) zu verstehen. Es hat keinen eigenen Part jenseits von Arbeit und Alltag. Genauso wie Langeweile, Entfremdung, und Routine ist das Kulturelle Bestandteil des ganzen Lebens.

2.2 Zum Bildungsbegriff

Bildung ist gemeinsam mit Erziehung einer der Grundbegriffe der Erziehungs­wissenschaften und schwer zu präzisieren. Das Verhältnis der Bildung zur Erziehung ist ebenfalls weitgehend ungeklärt. In pädagogischen Standardwerken wird Bildung heute als all das, „was der Mensch durch die Beschäftigung mit Sprache und Literatur, Wissenschaft und Kunst zu gewinnen vermag, durch die erarbeitende und aneignende Auseinandersetzung mit der Welt schlechthin“ (Schwenk 1989, zit. n. Kordfelder, 2002, S. 45) beschrieben. Es gibt viele Bedeutungsnuancen und in den Begriff Bildung sind viele geschichtliche Unterschiede eingeflossen. Heute wird Bildung meist als Prozess der Wahrnehmung von Objekten und Situationen beschrieben. Konstellationen ändern sich und damit der Mensch. Durch geistige Beweglichkeit, die Flexibilität und eine Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen voraussetzt, wird Bildung zur Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln und sich über die Fachgebiete hinaus weiterzuentwickeln. Dabei ist es wichtig, zwischen Individuation und Sozialisation ausgewogen zu bleiben und Sinn- und Moralfragen an sich und die Welt zu richten. Bildung als Prozess ist also abhängig vom Menschen als Individuum, seinen Möglichkeiten und Problemen, sowie der sozialen Umwelt und der gesellschaftlichen Pflichten (vgl. Kordfelder, 2002, S. 47f.).

2.3 Zum Begriff Jugend

2.3.1 Definition

„Jugend ist einer der schillerndsten Begriffe der fachwissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion“ (Hornstein & Thole, 2005, S. 443). Die Definition Jugend ist untrennbar mit der Sozialgeschichte der Familie verbunden. Wann Jugend beginnt und in welchem Alter sie endet wird zur Hauptfrage. Bei einer rein altersmäßig ausgelegten Definition bleibt unklar, was Jugend ausmacht, welche Probleme sie beschäftigt und welche Chancen und Lösungen sie findet. Was Jugend bedeutet kann somit nicht durch eine Lebensaltersgruppe ausgedrückt werden, denn sie stellt gleichzeitig ein Strukturmuster dar und entspricht einer gesellschaftlich gestalteten Lebensphase, die Erfordernisse und Funktionen gewährleisten soll. Das Lebensalter ist ein zentrales Konstitutionsmerkmal von Jugend, reicht aber nicht aus, die Jugend zu definieren. Seit Beginn des Industrialisierungsprozesses im 19. Jahrhundert bezeichnen wir Jugend als Lebensphase mit eigener Ordnung und Aufgaben zwischen Kindheit und dem ökonomischen und sozial selbständigen Erwachsenenleben (vgl. Münchmeier, 2005, S. 816). Ihr Ziel ist die Herausbildung einer stabilen und integrierten Persönlichkeit, die in einer sich individualisierenden Gesellschaft bestehen kann.

2.3.2 Geburtenrate

Ein entscheidender Faktor für die Lebenswelt der Jugendlichen ist die Tatsache, dass der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung deutlich abgenommen hat (vgl. Kordfelder, 2002, S. 67f.). Dadurch besteht zunehmend die Gefahr, dass die Jugendlichen aus der sozialen Optik der Gesellschaft ausgeblendet werden und die sozialen wie politischen Aufmerksamkeiten sich ungleich auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen richten. Eine weitere Folge daraus ist ein ausgedünnter Kommunikationsraum. Dadurch müssen Die Jugendlichen größere Entfernungen überwinden, um neue Kommunikationsformen und Gruppen aufzubauen und aktiv aufrecht zu erhalten. Zudem werden neben Familie und Schule weitere Betreuungs­angebote organisiert. Diese liegen wiederum oft nicht in unmittelbarer Wohnnähe, sind zeitlich isoliert und sind abhängig von öffentlicher oder privater Betreuung. Das erschwert den Anschluss an das Leben als überschaubares Ganzes erheblich und führt auch oft dazu, dass solche Angebote auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Kindheit und Jugend wird somit verstärkt durch eine „Verinselung“ (Zeiher, 1983, zit. n. Kordfeld, 2002, S.70) der Lebenswelt geprägt.

2.3.3 Jugendphase

Die Jugendphase ist nicht mehr wie früher klar abgegrenzt, sie ist anders strukturiert und dadurch zeitlich entzerrt (vgl. Kordfelder, 2002, S. 70). „Wir unterscheiden also zwischen der gesellschaftlichen Jugend und der individuellen, biographisch eigenartigen Jugendphase“ (Böhnisch, 1992, S. 151). Ziel von Jugend ist eine stabile Persönlichkeit und sozialen Kompetenzen um sich später beruflich zu qualifizieren. Die Durchsetzung von Jugend als eigene Lebensphase nahm lange Zeit in Anspruch und war vorerst nur der bürgerlichen Jugend vorbehalten. Dadurch dass Mädchen auf die Aufgaben als Hausfrau und Mutter vorbereitet wurden, standen sie der Lohnarbeitswelt nicht zur Verfügung und ihre Jugend unterschied sich dadurch von der der Jungen. In ländlichen Gegenden waren die Jugendlichen stärker dem Zwang der Mitarbeit im Familienbetrieb ausgesetzt (vgl. Bauer, 1991, S. 16).

Mit dem gesellschaftlichen Modernisierungsprozess seit den 1960er Jahren hat sich die Jugendphase verändert. Durch die Bildungsreformpolitik entwickelt sich die Jugend weiter. Der Modernisierungsprozess löst gerade jene Strukturen auf, die für den Erfolg der Jugendphase erforderlich sind. Dies hat Auswirkungen auf die gesellschaftliche Organisation und Struktur der Jugend (vgl. Bauer, 1991, S. 36). In den letzten 15 Jahren wurde die Wechselwirkung von gesellschaftlicher Entwicklung und Struktur­problematik der Jugendphase diskutiert, denn dies hat Auswirkungen auf die Orientierung und die Lebenspraxis der Jugendlichen. Es wird von einem Strukturwandel der Jugendphase gesprochen. Jugend historisch-gesellschaftlich gesehen löst sich auf, denn sowohl die einzelnen Verhaltensmuster, als auch die die Qualität und die Aufgabenstruktur des Jugendalters haben sich geändert. Die Kategorie Jugend zerfällt in unterschiedliche Verlaufsformen und Zeitstrukturen. Es entwickeln sich mehrere Formen von Jugend, die sich durch Geschlecht und Sozialräume stark unterscheiden. Durch Globalisierung und Rationalisierung entstehen nicht nur in der Arbeitsgesellschaft Probleme, sondern betreffen die Jugendphase genauso. Jugendforschung zeigt, dass nicht die klassischen Probleme, sondern der Blick auf die Zukunftsperspektiven die Jugend am meisten beschäftigt.

Seit den 1970er Jahren hat sich die durchschnittliche Bildungsbeteiligung deutlich erhöht, was zur Verlängerung der Jugendphase beigetragen hat. Die Jugendlichen erlangen durch die länger andauernde Schul-/Ausbildung- oder Studienzeit eine frühe soziokulturelle Selbständigkeit, es besteht aber oft eine lange ökonomische Abhängigkeit vom Elternhaus (vgl. Böhnisch, 1992, S. 153f.). Jungsein heißt für viele Jugendlichen bis zur Volljährigkeit, ja bis zum Beginn des dritten Lebensjahrzehnts Schüler zu sein. Die Abgrenzung und Konfliktlösung gegenüber den Erwachsenen wird durch Zugehörigseinwollen mit den Gleichaltrigen abgelöst. Junge Menschen bleiben länger im Bildungswesen und erwerben dadurch durchschnittlich höhere Bildungsabschlüsse. Die Lebensläufe entwickeln sich anders als die ihrer Eltern, daher muss die Mehrzahl der Jugendlichen ihren eigenen Weg finden, dementsprechend wachsen die Orientierungsprobleme (vgl. Kordfelder, 2002, S. 73). Der Anstieg des formalen Bildungsniveaus bringt aber auch Gefahren mit sich, denn dadurch steigen die Erwartungen an berufliche Eingangsqualifikationen. Es wachsen subjektive Ängste den gewünschten Schulabschluss und die damit verbundene Berufschancen nicht zu erreichen. Die schwer zu realisierende Lebensplanung erzeugt eine Ungewissheit bezüglich der Zukunft, denn oft führen längere und anspruchsvollere Aus- und Weiterbildungen nicht zwangsläufig zu einem erwünschten Anstellungsverhältnis.

2.3.4 Sozialisation

„An welchen Verhaltensbildern sollen sich Kinder orientieren, wenn sie schon in frühen Schülerjahren sich mit der Medien- und Konsumwelt konfrontiert sehen, auf die sie weder Schule noch die Familie eingerichtet hat“ (Böhnisch, 1992, S.84)? Die Erziehungsstile in Elternhaus und Schule haben sich in den letzten Jahren auffallend verändert. Werte wie Achtung, Disziplin oder gute Umgangsformen haben an Be­deutung verloren, die selbständige, eigenverantwortliche und selbstbewusste Persönlichkeit hat jedoch an Bedeutung gewonnen. Viele Jugendlichen erleben ihre Eltern als Partner und der Ablösungsprozess findet nicht im Konflikt, sondern in Absprache mit den Eltern statt. Traditionelle und religiöse Muster, sowie Bindung und Kontrolle von Seiten der Eltern und der Schule werden abgelegt. Für viele Jugendliche bedeutet diese Pluralisierung der Lebensmuster gleichzeitig ein höherer Druck auf die Verantwortung für den eigenen Lebensweg. Die Kunst und Kompetenz Jugendlicher besteht darin, die unterschiedlichen Sozialisationswelten miteinander zu verbinden (vgl. Böhnisch, 1992, S. 86). Die zunehmende Vielfalt der familiären Lebensverhältnisse führt dazu, dass nicht nur eine Familie Sozialisationsort für Minderjährige ist. Bei Trennung der Eltern erleben Kinder und Jugendliche heute während ihres Aufwachsens mehrere Familienkonstellationen oder wachsen in einer Mutter/Vater-Kind-Familie auf. Auch das Aufwachsen ohne Geschwister oder mit Stiefgeschwistern führt zu unterschiedlichen Sozialisationsprozessen. Innerhalb der Ein-Kind-Familie entfällt für Jugendliche die Möglichkeit, soziale Verhaltensmuster unter Geschwistern einzuüben. Durch die Zunahme von Erwerbstätigkeit beider Elternteile werden sozialpädagogische Angebote in Bezug auf Betreuung, Erziehung und Bildung unentbehrlich (vgl. Kordfelder, 2002, S. 69).

2.3.5 Individualisierung

Die Lebenssituation von Jugendlichen hat sich sowohl quantitativ als auch qualitativ entscheidend verändert. Familien haben einen verbesserten sozioökonomischen Rahmen, genießen eine zunehmende Öffnung des Bildungssystems und erleben eine Öffnung und Integration Europas. Die vieldiskutierten Problemkonstellationen Jugendlicher sind also nicht auf materielle Lebensgrundlagen zurückzuführen (vgl. Böhnisch, 2008, S. 148). Jugendliche stehen in unserer durch Massenmedien geprägter Gesellschaft gleich vor mehreren Schwierigkeiten. Medieninszenierte Aktivitäten werden von der Gesellschaft und von den Eltern oft als triviale Ausdruckformen abgetan und dementsprechend kaum oder gar nicht unterstützt, zudem fehlt oft das Equipment und die Kosten für deren Beschaffung sind hoch. Jugendliche sollten nicht als Opfer der Verhältnisse betrachtet werden, sondern es sollte berücksichtigt werden, dass sie längst gelernt haben, sich Kultur und Medien anzueignen und dabei eine erstaunliche Kreativität und Produktivität an den Tag legen können. Daraus ist ersichtlich, dass sich die Lebensentwürfe und -perspektiven junger Menschen stark ver­ändert haben, sie sind pluralisiert und szenegebunden (vgl. Böhnisch, 2008, S.81f.). Junge Menschen müssen ihre Identifikation selber aufbauen, ihre Individualisierung selber in Angriff nehmen, Vernetzungen und Kommunikation selber entwerfen und entwickeln. Die Faktoren Familie, Konfession und soziales Milieu prägen das Leben in geringerem Masse, dadurch nimmt der Freiraum zu und somit auch die Chance, über die eigene Lebenslage selber zu bestimmen. Wenn die gesellschaftlichen Normen in der Jugendphase an Rahmenbedingungen und Verbindlichkeiten verlieren, nimmt der Duck an selbstverantwortlicher Lebensgestaltung zu (vgl. Horstein & Thole, 2005, S. 445). Junge Menschen sehen sich heute mit einer Vielfalt von Gestaltungsmöglichkeiten konfrontiert, diese damit verbundenen Anforderungen produzieren Unsicherheiten bezüglich der eigenen Lebensgestaltung.

3 Kulturarbeit

Die soziale Kulturarbeit soll Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Schichten und Altersgruppen eine Möglichkeit eröffnen, sich etwas anzueignen oder das eigene Ausdrucksbedürfnis zu entfalten. Dazu bedarf es räumlicher, zeitlicher und personeller Unterstützung, dazu kommt, dass Materialien und Medien um die Gestaltungs- oder Erlebnismöglichkeiten realisieren zu können unerlässlich sind. Kulturarbeit ist demnach sowohl ein Dienstleistungsbereich, als auch eine freie Initiative (vgl. Treptow, 1988, S. 83f.). Die Kulturarbeit ist Teil einer kulturellen Infrastruktur. Eine vielfältige kulturelle Infrastruktur ist in vielerlei Hinsicht raschen Wandlungsprozessen unterworfen. So bunt und dicht das Angebot auch ist, solche Angebote werden weder allen Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise zur Verfügung stehen, noch dauernd von allen Gruppen in Anspruch genommen. Viele Kultur­initiativen scheitern am Mangel an Geld. Kulturarbeit fungiert dann als Anregungspotential, wenn ihr Thema oder das qualitative Profil den Geschmack und die Neugier der Adressaten weckt. Kulturarbeit bietet einerseits die Möglichkeit zur einfachen Reproduktion von alltäglichen Erlebnis- oder Ausdrucksmustern und andererseits die Möglichkeit einer Erweiterung der Ausdrucksformen (vgl. Treptow, 1988, S. 85f.). Sie ist so zu sagen ein Bindeglied zwischen der Bestätigung des Gewohnten und dem Ungewohnten, Neuen und Fremden. Damit setzt Kulturarbeit „ Verständigungsbedarf frei und organisiert Verständigung “ (Treptow, 1986, S. 86). Kultur hat grundsätzlich an Bedeutung gewonnen und auch dadurch, dass wir von alltäglicher Kultur sprechen, wurde die Kulturarbeit aller Generationen zu einem weiten Feld, dem viel Beachtung geschenkt wurde und wird. Dadurch entwickelte sich die Kinder- und Jugendkulturarbeit zu einem festen Bestandteil der außerschulischen Pädagogik.

4 Jugendarbeit

Damit der Bereich der Jugendarbeit formal von den Handlungsfeldern Kinder– und Jugendhilfe abzugrenzen ist, wird auf die Definition von Geisecke zurückgegriffen, wonach „Jugendarbeit diejenige von der Gesellschaft Jugendlicher und Heran­wachsender angebotenen Lern- und Sozialisationshilfen (bezeichnet), die außerhalb von Schule und Beruf (berufliche Bildung) erfolgen, die Jugendliche unmittelbar, also nicht auf dem Umweg über die Eltern, ansprechen und von ihnen freiwillig angenommen werden“ (Geisecke, 1983, zit. n. Jordan, 2005, S.450). Die Jugendarbeit hat das Ziel der Befähigung zur Mitbestimmung, gesellschaftlicher Verantwortung, sowie das Anregen und Hinführen zu sozialem Engagement (vgl. Jordan, 2005, S. 450). „Denn nur im Umgang mit Erwachsenen können Jugendliche herausfinden, welche moralischen Orientierungen in der Realität Bestand haben, erfolgreich sind und Anerkennung bringen“ (Müller, 1996, zit. n. Hafeneger & Schröder, 2005, S. 840).

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ansätze und Methoden der Jugendkulturarbeit
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
1,1
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V439498
ISBN (eBook)
9783668791909
ISBN (Buch)
9783668791916
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansätze, methoden, jugendkulturarbeit
Arbeit zitieren
Judith Schmidt (Autor), 2009, Ansätze und Methoden der Jugendkulturarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439498

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