Lëtzebuergesch wurde 1848 zum ersten Mal bei einem offiziellen Anlaß verwendet: Der Abgeordnete C.M. André wendete sich anläßlich der Ständeversammlung in Ettelbrück über die Teilnahme am Frankfurter Parlament auf lëtzebuergesch an die Versammlung und erläuterte seinen Standpunkt ganz in seiner Muttersprache. Die Verfassung von 1848 hatte die Wahlfreiheit zwischen Deutsch und Französisch und damit die Zweisprachigkeit des Staates festgelegt. Bereits 1847 war das erste "Lexikon der Luxemburger Umgangssprache" mit deutscher und französischer Übersetzung von J. F. Gangler erschienen.
Die Triglossiesituation in Luxemburg rückte erstmals 1896 in den Vordergrund, als der Abgeordnete Caspar Mathias Spoo seine Antrittsrede im Parlament auf "...Lëtzebuergesch..." hielt. Vorausgesetzt wird bei der Bezeichnung Triglossiesituation, daß man Lëtzebuergesch als Sprache versteht. Die Verwendung der moselfränkischen Mundart der Bevölkerung durch Spoo 1896 führte damals zum Verbot , d.h. zur Nichtzulassung von Lëtzebuergesch im Parlament. Die Einstellung der Bevölkerung zum Lëtzebuergeschen war damals eine andere als heute. So sagte der Präsident zu Spoos lëtzebuergescher Rede:
"Maintenant, si l’hon. M. Spoo a préparé un discours en luxembourgeois qu’il allait nous faire entendre à l’occasion de la discussion du budget, je proposerai, à titre de transaction, de laisser passer la chose pour aujourd’hui: mais la Chambre prendra la décision qu’à l’avenir tout le monde emploiera la langue française ou la langue allemande." Spoo begründete seinen Gebrauch des Lëtzebuergeschen interessanterweise unter anderem mit der damals aktuellen Verfassung, wonach im Parlament entweder Deutsch oder Französisch zu sprechen war:
"Unsere Sprache ist die Deutsche, und ich behaupte sogar, dass dieselbe viel älter und ehrwürdiger ist als das sogenannte Hochdeutsche. Denn lange vorher ist sie gesprochen worden, bevor ein Lessing, Göthe[sic!] und Schiller gekommen waren, welche der hochdeutschen Sprache erst ihre bessere Gestalt gegeben haben. ... ... Luxemburgisch ist Deutsch und hat sein verfassungsmäßiges Recht hier. Das kann doch nicht anders heissen als: Rede jeder das Deutsch, welches ihm am besten geht.."
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Einleitung
2. Der Weg des Lëtzebuergeschen zur Nationalsprache
3. Die heutige Sprachpraxis
3.1 Ein domänenspezifischer Überblick über die Sprachpraxis im öffentlichen Bereich
3.1.1 Das Schulwesen
3.1.1.1 Vor- und Grundschule
3.1.1.2 Hauptschule
3.1.1.3 Schultypen mit handwerklich-technischer Ausrichtung
3.1.1.4 Gymnasien
3.1.1.5 Hochschulausbildung
3.1.2 Die Medien
3.1.2.1 Printmedien
3.1.2.2 Rundfunk
3.1.2.3 Fernsehen
3.1.3 Die Justiz
3.1.4 Das Parlament und die öffentlichen Verwaltungen
3.1.5 Die Regierung
3.1.6 Die Kirche
3.2 Ein domänenspezifischer Überblick über die Sprachpraxis im halböffentlich-privaten Bereich
3.2.1 Handel, Gewerbe und Industrie
3.2.2 Arbeitsstelle
3.2.3 Familie, Freunde, Bekannte
3.3 Umfrage
3.3.1 Die Arbeitsstelle
3.3.2 Der Privatbereich
3.3.3 Öffentliche Sprachkontakte
4. Zusammenfassung
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle trilinguale Sprachpraxis in Luxemburg anhand ausgewählter repräsentativer Bereiche des öffentlichen sowie des halböffentlich-privaten Lebens unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und soziolinguistischer Daten.
- Historische Entwicklung des Lëtzebuergeschen zur Nationalsprache
- Analyse des Sprachgebrauchs in verschiedenen Bildungs- und Verwaltungseinrichtungen
- Einfluss der Medien auf die sprachliche Normierung
- Empirische Untersuchung mittels Umfrage zum Sprachverhalten luxemburgischer Staatsbürger
Auszug aus dem Buch
3. Die heutige Sprachpraxis
Wie sieht nun nach dem Gesetz von 1984 die Wirklichkeit aus? Was wird wann, wo und wie gesprochen und geschrieben? Ein grundlegendes Werk über den Sprachgebrauch in Luxemburg ist Fernand Hoffmanns Werk "Sprachen in Luxemburg". Hierbei muß man jedoch berücksichtigen, daß "Sprachen in Luxemburg" bereits 1979, vor Erlaß des Sprachgesetzes von 1984, veröffentlicht wurde. Das Werk befindet sich demnach nicht auf dem neuesten Stand, insbesondere was das zweite Kapitel "Synchronische Beschreibung der heutigen Triglossie in Luxemburg" anbelangt. Hoffmann schreibt in "Sprachen in Luxemburg": "Vom mündlichen Sprachverkehr zwischen Einheimischen her gesehen, ist das Großherzogtum strikt einsprachig." Er meint damit die soziolinguistische Situation innerhalb der Sprachgemeinschaft im Sinne von Ferguson und nicht die Fähigkeit der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft oder Gesellschaft, zwei oder mehrere Sprachen zu sprechen.
Wozu gehören jedoch die zahlreichen, seit mehreren Generationen in Luxemburg lebenden Italiener? Sie sind luxemburgische Staatsbürger, und diejenigen, die schon lange in Luxemburg leben, sprechen lëtzebuergisch. Damit gehören sie zu der oben genannten Sprachgemeinschaft. Untereinander sprechen viele jedoch italienisch. Sie sprechen also italienisch unter Luxemburgern. Diese Gruppe ist zwar klein, aber man sollte sie nicht ignorieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die historische Entwicklung und Etablierung des Lëtzebuergeschen als Nationalsprache seit dem 19. Jahrhundert.
2. Der Weg des Lëtzebuergeschen zur Nationalsprache: Analysiert die rechtliche und gesellschaftliche Entwicklung, insbesondere durch das Sprachgesetz von 1984.
3. Die heutige Sprachpraxis: Untersucht differenziert den aktuellen Sprachgebrauch in verschiedenen öffentlichen und privaten Domänen.
4. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zur gesprochenen und geschriebenen Verwendung der drei Sprachen (Lëtzebuergesch, Deutsch, Französisch) zusammen.
5. Bibliographie: Listet die verwendeten Quellen und Literatur für diese Magisterarbeit auf.
Schlüsselwörter
Luxemburg, Lëtzebuergesch, Sprachpraxis, Triglossie, Nationalsprache, Sprachgesetz 1984, soziolinguistische Situation, Bildungswesen, Medien, Sprachgebrauch, Umfrage, Mehrsprachigkeit, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit beschreibt die trilinguale Sprachpraxis in Luxemburg in verschiedenen Lebensbereichen zur Zeit der Datenerhebung im Jahr 1996.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Verwendung von Lëtzebuergesch, Deutsch und Französisch in Institutionen wie Schulen, Medien, Justiz, Verwaltung, Kirche sowie im privaten Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Sprachsituation durch die Verknüpfung von Literaturanalyse und einer eigenen empirischen Umfrage unter luxemburgischen Staatsbürgern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine deskriptive Analyse soziolinguistischer Literatur mit einer quantitativen Umfrage, für die 1000 Umfragebögen an luxemburgische Staatsbürger verteilt wurden (mit 810 auswertbaren Ergebnissen).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert domänenspezifisch (z.B. Schulwesen, Medien, Justiz, Handel) den Sprachgebrauch und untersucht, inwieweit das Lëtzebuergesche als gesprochene Sprache dominiert und welche Rollen Deutsch und Französisch in der Schriftsprache einnehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Luxemburg, Lëtzebuergesch, Triglossie, Nationalsprache, Sprachpraxis und Mehrsprachigkeit charakterisiert.
Wie wird das Schulwesen in Bezug auf die Sprachen bewertet?
Das Schulwesen wird als eine Hauptbelastung für luxemburgische Kinder beschrieben, da diese mehrere Sprachen (Lëtzebuergesch, Deutsch, Französisch) parallel erlernen müssen, wobei Deutsch die erste Schriftsprache darstellt.
Welchen Einfluss haben Medien auf die Sprache?
Die Medien wirken sprachgestaltend und normierend; während Lëtzebuergesch in Rundfunk und Fernsehen eine starke und zunehmende Rolle spielt, dominieren im schriftlichen Bereich der Zeitungen Französisch und Deutsch.
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- Andreas Adam (Author), 1996, Die trilinguale Sprachsituation in Luxemburg - heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43951