Die Jeans als Symbol der weiblichen Emanzipation


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Jeans als Symbol der Frauenemanzipation
2.1 Zeichen- und Symbolfunktion in der Mode
2.2 Die Jeans
2.2.1 Die Jeans als Arbeitskleidung
2.2.2 Durchsetzung der Jeans in der Mode
2.3 Die Frauenemanzipation
2.4 Die Jeans als Symbol der Frauenemanzipation

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

״Ich meine, Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen.“[1]

Was Ulrich Plenzdorf im Jahre 1972 in seinem Buch ״Die neuen Leiden des jungen w.“ schreibt, wird repräsentativ für eine neue Ideologie der jungen Generation der 1950er und 1960er Jahre. In dieser Arbeit werde ich mich mit dem tieferen Sinn der Jeans beschäftigen und mich dabei auf die Symbolfunktion dieser Hose für die Frauen der damaligen Zeit fokussieren.

Wieso ist die Jeans Objekt der Modetheorie? Die Modetheorie schöpft aus verschiedenen Disziplinen wie der Kulturanthropologie, Soziologie, Semiologie, Psychologie, der Kommunikationswissenschaft und der Ästhetik und untersucht somit sein Forschungsobjekt, die Mode, im Lichte unterschiedlicher Blickwinkel, wie zum Beispiel aus ökonomischer, system-, gender- und perfomianztheoretischer Perspektive (Lehnert et al 2014, Uff). Hier sei zu erwähnen, dass die jeweiligen Wissenschaftlerlnnen der Forschungsgebiete unterschiedliche Herangehensweisen für ihre Theorien verwenden, sei es soziologisch, historisch oder kulturwissenschaftlich betrachtet. Für die Bearbeitung meiner These relevante Disziplinen wären die der Semiologie, der Kommunikationswissenschaft und der Soziologie.

Bewegt man sich heutzutage in der Öffentlichkeit, dauert es (zumindest in der westlichen Welt) nicht lange bis einem der oder die erste Jeansträgerin begegnet. Auf den ersten Blick erscheint uns dieses Kleidungsstück selbstverständlich- selbstverständlich, dass wir sie in vielen Modehäusern ohne weitere Schwierigkeiten erwerben können und selbstverständlich, dass beide Geschlechter die Jeans tragen. Doch diese Selbstverständlichkeiten waren nicht immer gegeben. Die Funktion der Jeans hat sich mittlerweile vervielfältigt- ob als Freizeithose, als Arbeitskleidung oder zu einem eleganten Hemd auf einer festlichen Veranstaltung. Sie bietet durch ihre verschiedenen Fomien, Farben und Schnitte heute zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten in der Mode und hat sich im Zuge der voranschreitenden Globalisierung in zahlreichen Subkulturen und Kulturkreisen verbreitet. Eine Modewelt ohne die Jeans ist heute für viele schwer vorstellbar.

Doch ist die Entwicklung der Jeans von einer Arbeitsbekleidung zu einem Modestück noch jung und Frauen in Jeans waren bis vor Kurzem noch eine gesellschaftliche Provokation, die sich nicht viele trauten.

Die vorliegende Arbeit wird sich auf die Bearbeitung und Beantwortung der folgenden zentralen These konzentrieren: ״Die Jeans als Symbol der Frauenemanzipation.“

Zu diesem Zweck wird sich die Arbeit zunächst mit den Zeichen- und Symbolfunktionen in der Mode auseinandersetzen. Mit Hilfe von Karl Bühlers Organon-Modell[2] wird eine praktische Definition von sprachlichen und kommunikativen Zeichen und ihren Grundfunktionen erörtert, wobei der Fokus auf der Symbolfunktion liegen wird. Im nächsten Schritt wird die Entstehungsgeschichte der Denim Hose und wie diese zur Mode wurde näher erläutert. Abschließend soll der tiefere und symbolische Sinn der Jeans für die Frauen der 1950er bis zu den späten 1960er Jahren analysiert werden.

Die Arbeit fasst einige zentrale Thesen - zu Mode und Geschlecht - der US-amerikanischen Kunsthistorikerin Anne Hollander aus ihrem Buch Anzug und Eros (1995) und des US- amerikanischen Ökonoms, Soziologen und Philosophen Thorstein Veblen aus seinem Werk Theorie der Feinen Leute (1899) zusammen. Außerdem wird auf das Werk Wenn Frauen Männerkleider tragen (1997) von Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Gertrud Lehnert Bezug genommen. Die Hauptthese dieser Arbeit soll unter Berücksichtigung der Thesen der Theoretikerinnen und der sozial, politisch und wirtschaftlichen Verhältnisse des 20. Jahrhunderts beantwortet werden.

2. Die Jeans als Symbol der Frauenemanzipation 2.1 Zeichen- und Symbolfunktion in der Mode

Wie definiert die Modetheorie Zeichen bzw. Symbole und was kommunizieren diese? Um diese Fragen beantworten zu können, sollte zunächst geklärt werden, was ein Symbol ausmacht.

Nach Karl Bühlers ,,Organon-Modell“ gibt es drei Grundfunktionen der Sprache: Die Ausdrucksfünktion, die Apellfunktion und die Darstellungsfunktion, welche miteinander durch verschiedene semantische Funktionen verknüpft sind. Die expressive Funktion, also die Ausdrucksfünktion, verweist auf das sprechende Subjekt (den Sender) zurück und macht aus dem Zeichen ein Symptom. Die appellative Funktion ist auf das wahmehmende Subjekt (den Empianger) gerichtet und macht das Zeichen zum Signal. Die darstellende Funktion ist charakterisiert durch ihren Verweis auf die gemeinsame Wirklichkeit der Kommunikationsteilnehmer. Durch die Bezugnahme auf diese, wird das Zeichen zum Symbol (vgl. Assmann 2006, 38ff). Um Symbole in der Mode erkennen zu können, müssen diese performativ ausgeübt werden, denn Mode besteht zwar auch aus einem sprachlichen Zeichensystem[3] jedoch funktioniert sie auch als soziales Zeichensystem. ״[...] Mode wird immer erst im Gebrauch mit einer Bedeutung versehen, die je nach Kontext sehr schnell wieder wechseln kann oder ohnehin uneindeutig bleibt“ (Lehnert 2003, 216-217).

Die Bedeutung der Symbolik in der Mode ist sowohl arbiträr als auch ambivalent. Die Mode selbst ist so facettenreich und willkürlich, dass ein Versuch ihr heutzutage eine Bedeutung zuzuschreiben sich als äußerst kompliziert erweist. Denn die moderne Mode lebt in gewisser Art und Weise davon, sich selbst immer wieder neu zu erfinden, mit verschiedenen Formen, Stoffen und Farben zu experimentieren und mit diesen ästhetischen Freiheiten und Ideen sich als Individuum immer wieder neu zu inszenieren (vgl. Lehnert 2013, 19).

Eine Möglichkeit die Zeichen der Kleidermode zu interpretieren, wäre die der Retrospektive. Denn, wie Anne Hollander in ihrem Werk Anzug und Eros beschreibt, ״kann die soziale Bedeutung erst später ermessen und zurückprojiziert werden, um besondere Phänomene zu erklären“ (Hollander 1995, 46). Durch die Medien, die es möglich machten politische Ereignisse und modische Veränderungen der jüngeren Vergangenheit zu datieren, wird uns die Möglichkeit geboten eine gewisse Parallele zwischen diesen beiden Gesellschaftsaspekten festzustellen bzw. eine Parallele meinen sehen zu können. Aber auch retrospektiv muss man die modischen Zeichen mit Vorsicht betrachten, denn ,,viele komisch aussehenden Dinge in der Mode haben zweifellos unergründliche Ursprünge, und diese Tatsache zieht gerade die einfachen Antworten in Zweifel“ (Hollander 1995, 47).

Um im Folgenden die Symbolfünktion der Jeans für die Frauenemanzipation retrospektiv ergründen zu können, werde ich die Merkmale, die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieses Kleidungsstückes im nächsten Abschnitt erläutern.

2.2 Die Jeans

2.2.1 Die Jeans als Arbeitskleidung

Zur Entstehungsgeschichte der ersten Blue Jeans gibt es verschiedene Legenden. Eine der wohl bekanntesten Legenden zum Ursprung der Jeans erzählt, wie der deutsch-amerikanische Levi Strauss, der in New York im Textilhandel tätig war, im Jahre 1853 nach San Francisco zog und dort die Goldsucher antraf. Durch das Sammeln der Mineralien in ihren Hosentaschen waren diese ganz durchlöchert. ״Einer dieser Goldsucher beklagte sich bei ihm, daß er das mühsam geborgene Gold immer wieder durch die Löcher seiner Hosentaschen verloren habe, worauf Levi Strauss der Einfall kam, aus seinen mitgebrachten Zeltstoffen robuste Hosen anfertigen zu lassen“ (Schober 2001, 46ff). Nun gab es zwar die ״[...] äußerst strapazierfähige Hosen, mit denen man nahezu ewig auf Knien durch den Sand der glücksbringenden Flüsse des Goldenen Westens kriechen konnte“[4] (Offen 1977, 19ff), jedoch war für das Problem mit den durchlöcherten Hosentaschen noch keine Lösung gefunden. Um 1870 kam sein Arbeitspartner, der Schneider Jakob w. Davis schließlich auf die Idee, die Ecken der Hosentaschen mit Nieten zu befestigten. Die ersten Blue Jeans, welche noch bis 1950er Jahren den Namen ״Riveted Pants“ also ״vernietete Hosen“ trugen, waren geboren und erzielten einen großen Erfolg bei den Goldgräbern. Ein besonderes Merkmal der Levi's Jeans ist ihr Lederetikett. Sie zeigt eine Hose, die selbst der Kraft zweier Pferde Widerstand leistet, was die Strapazierlähigkeit dieser Hosen unterstreichen soll. Dieses Lederetikett ist auch heute noch auf den Levi's Jeans zu finden.

Der Begriff Jeans ״geht vermutlich auf Gênes, die französische Bezeichnung der norditalienischen Stadt Genua, zurück“ (Menzel 2004, 10). In Genua befand sich über mehrere Jahrhunderte hinweg einer der wichtigsten europäischen Umschlaghäfen für Baumwolle. Der für die Jeans verwendete Stoff wird als ״Denim“ bezeichnet und ist ein besonders fester Baumwollkörper, der damals hauptsächlich aus der französischen Stadt Nîmes bezogen wurde (vgl. Menzel 2004, 10).

2.2.2 Durchsetzung der Jeans in der Mode

Um den Wandel der Jeans von der Arbeitskleidung zum modischen Kleidungsstück erfassen zu können, sollte zunächst einmal geklärt werden, wie Mode definiert wird. Eine wesentliche Unterscheidung von Kleidung und Mode ist erforderlich. Die Soziologin Yuniya Kawamura unterscheidet in ihrem Werk zur Modetheorie The Japanese Revolution in Paris Fashion (2004) undFashion-ology (2005) Mode und Kleidung, indem sie der Kleidung eine materielle Ebene zuspricht. Die Kleidung erfülle eine Notwendigkeit und gehe einer Nutzfunktion nach. Sie sei in der Gesellschaft oder Kultur anzufinden. Wohingegen die Mode auf einer symbolischen Produktion basiere. Sie sei ein Exzess und habe eine Statusfunktion. Die ״Mode muss industriell erzeugt und kulturell verbreitet werden“ (vgl. Lehnert et al. 2014, 168ff).

Im Folgenden werden zwei Theorien zur Mode näher erläutert. Der US- amerikanische Soziologe und Philosoph Thorstein Vehlen analysiert Ende des 19. Jahrhundert in seinem Werk Theorie der Feinen Leute (1899) den Symbolismus in der Kleidung, vor allem in der Kleidung der Frauen. Er behauptet, dass die Frauenkleidung keine Zweckmäßigkeit aufweist, außer die der Darstellung des finanziellen Prestige (vgl. Vehlen 1899, 164ff). Vehlen meint, dass die Frauen der damaligen Zeit ״Hab und Gut des Mannes“ seien, da sie in einer Ehe finanziell von ihnen abhängig sind (vgl. Vehlen 1899, 177). ״Diese Abhängigkeit bedeutet in der ökonomischen Theorie letzten Endes nichts anderes als Knechtschaft“ (Vehlen 1899, 177). Die Aufgabe der Frau bestehe also darin in Form ihrer kostspieligen, immer wechselnden neuen Kleidung den finanziellen Erfolg des Mannes zur Schau zu stellen. Dies geschehe beispielsweise in Form von pompöser Kleidung, wie die Damenhüte, die hohen Absätze der Damenschuhe und die eng geschnürten Korsetts. Gleichzeitig sollen diese einschränkenden Kleidungsstücke, nach Vehlen, den Beobachtern den Eindruck vermitteln, ״daß sich die Trägerin nicht mit produktiver Arbeit beschäftigt, ja, daß sie dazu gar nicht in der Lage ist“ (Vehlen 1899, 169). Demnach symbolisiert die Frauenkleidung ״Kostspieligkeit, Neuartigkeit, Ungeeignetheit“ (Lehnert et al. 2014, 90). Mode wird hier zu Kennzeichnung von gesellschaftlichem Status. Die US- amerikanische Kunsthistorikerin Anne Hollander hingegen interpretiert in ihrem Buch Anzug und Eros (1995) die Mode nicht als reine Frauenangelegenheit. Im Gegenteil: Die Männer- und Frauenmode ist, nach Hollander, eine wechselseitige Beziehung und ״muss insofern als Duett von Männern und Frauen wahrgenommen werden“ (Hollander 1995, 17). Anders als Vehlen, der Prestige und die Zur-Schau-Stellung des finanziellen Status als Grundlage der Mode sieht, ist es bei Hollander die Sexualität, welche nicht alleine mit der Geschlechterdifferenzierung Zusammenhänge. Die Sexualität ״finde Ausdruck in den unterschiedlichen visuellen Formen der Kleidung“ (Lehnert et al. 2014, 140). Zwischen beiden Geschlechtern bestehe ein wechselseitiges Spiel von ״Spannung und Begehren“ (Lehnhert et al. 2014, 140). Die Mode bestrebe in gewissermaßen die Steigerung der ״sexuelle[n] Attraktivität des Trägers“ (Lehnert et al. 2014, 149). Hollander stellt die These auf, dass die Männemiode in der Vergangenheit schon immer als Vorbild der Frauenmode diente und ״die männliche Bekleidung immer eindeutig fortschrittlicher war als die weibliche“ (Hollander 1995, 16). Die Geschichte der Männerkleidung zeige, dass diese sowohl den Standard für die Mode setzten als auch die ״ästhetische[n] Vorschläge zu machen“ pflegten, derer sich die Frauenmode bediente (vgl. Hollander 1995, 16). Darüber hinaus ist die Unterscheidung, die Dualität von Männlichkeit und Weiblichkeit das zentrale Motiv in der Mode unserer Gesellschaften. So wird ״die in der Öffentlichkeit getragene Bekleidung von Erwachsenen schließlich zu einer reziproken sexuellen Geste in einer generell zweigeschlechtlichen Weh“ (Hollander 1995, 16). Mode ist bei Hollander also nicht zuletzt die Manifestation von Geschlechteridentitäten.

Über die Theorien der Mode gibt es eine große Bandbreite wissenschaftlicher Diskurse, wobei sich die meisten dieser Theoretikerinnen jedoch einig sind, ist die Schnelllebigkeit und die gleichzeitige Standhaftigkeit der Mode. Sie ist ein Zusammenspiel von Dauer und Wechsel (vgl. Bausinger 1985, loffi).[5] ״Sie erzeugt schnelle Wechsel des visuellen Designs für den ganzen Körper, aber sie betrifft auch winzige Details und steuert langsame Veränderung“ (Hollander 1995, 31). Dieses Zusammenspiel passt sich jedoch einer bestimmten Nomi der Gesellschaft an. Demnach kann man sich individuell modisch kleiden, bewegt sich aber in einer von der Gesellschaft temporären normierten Konvention (Bausinger 1985, 9).

Dass die Jeans ein Bestandteil der heutigen Mode ist und ihren Platz im Zusammenspiel von Dauer und Wechsel hat, ist retrospektiv wie gegenwärtig zu beobachten. Seit ihrer Produktion um 1870 ist dieses Kleidungsstück präsent. Sie variiert zwar in ihrer Verarbeitung, ihrem Schnitt, ihrer Farbe und ״hinsichtlich bestimmter Zusätze und Schmuckfomien“, allerdings ist ihre ״Grundform- dazu gehört in diesem Fall im allgemeinen auch die Materialsubstanz [...] vorgegeben“ (Bausinger 1985, 12). Wegen ihrer komfortablen und praktischen Trageigenschaften war die Jeans besonders bei der Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten sehr beliebt. Sie wurden zunächst weitestgehend als Latzhosen hergestellt und getragen, haben jedoch in dieser Forni bis zu den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ״keine bzw. nur eine gänzlich unbedeutende modische Rolle gespielt“ (Könenkamp 1985, 118).[5] [6] Die berühmte Levi's Röhre Modell 501 wurde 1937 geschnitten, welcher seit jeher unverändert blieb. Die Nachfrage der Denim Hose war- in der weitestgehend männlichen

Arbeitswelt- sehr groß, da man diese durch ihre Strapazierfåhigkeit langfristig tragen konnte und die amerikanischen Bürgerinnen in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit sowohl sparsam als auch nachhaltig leben wollten. So entstanden neben der Fimia Levi Strauss & Co sehr bald auch andere Unternehmen, die die Arbeitskleidung aus dem robusten Baumwollkörper produzierten. Nennenswerte Vertreter der Denim Jeans Produktion, die sich auf dem Markt durchsetzen konnten, sind ״Wrangler“, ״Blue Bell“ und die Fimia ״Lee“ (vgl. Könenkamp 1985, 118 ; Schober 2001, 50).

Ab Mitte der 1950er Jahre verbreitete sich die Begeisterung für die Arbeiterhose als ״pants“, durch die, sich immer weiter entwickelnden Medien (Film, Fotografien etc.), nach und nach in der breiten Masse. In dieser Zeit der Industrialisierung und der medialen Fortschritte entstanden neue Vemiarktungstechniken mit denen Gegenstände, Kleidungsstücke und Verkehrsmittel auf eine bestimmte Art und Weise in Szene gesetzt und die Wahrnehmung der Betrachterinnen manipuliert werden konnten (vgl. Schober 2001, 57).

Die amerikanischen, männlichen Filmhelden trugen die Jeans in Rollen als Cowboys oder Gang­Mitglieder und verkörperten für das Publikum Freiheit und Rebellion. Berühmte Darsteller, wie Marlon Brando, der in ״Die Wilden“ (1955) als Anführer einer Motorrad-Gang auftrat oder James Dean, der in ״Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955) einen melancholischen Rebell verkörperte, spielten beide diese Rollen in Jeans (vgl. Menzel 2004, 11). Sie wurden zu den (modischen) Vorbildern der jungen männlichen Erwachsenen und die Jeans zum Symbol von Freiheit, Individualität und Männlichkeit. Durch Filme, die auch in vielen europäischen Kinos und Fernsehsendern anliefen, erreichte die Jeans ihren weltweiten Erfolg. Vor allem war sie in der damaligen DDR heissbegehrt, da diese amerikanische Hose im östlichen, sozialistischen Teil Deutschlands nicht zu erkaufen war. ״Jeans entsprachen als typisch amerikanische Hose nicht der Vorstellung der DDR-Staatsführer, wie sich ein Mensch im Sozialismus kleiden sollte“ (Menzel 2004, 19).[7] Der zweite Weltkrieg war vorbei, die technischen Fortschritte hatten ein neues Maß erreicht, der Rock 'n' Roll wurde zelebriert und die jungen Leute gingen in einer so schnelllebigen Zeit mit einer lässigen und unbekümmerten Lebenshaltung voran (vgl. Schober 2001, 57ff; Menzel 2004, 45).

Die Verbreitung der Jeans stieß jedoch nicht überall auf Begeisterung. Zwar bedienten sich allmählich mehr Menschen dieser Hose, allerdings nur als Freizeitbekleidung. Mit Beginn der 1950er Jahre entwickelte sich eine Jugendkultur, eine Bewegung von jungen Erwachsenen, welche meist aus den niedrigeren Sozialschichten kamen und somit ״ihre Ansprüche auf Geltung, Selbstverwirklichung und gesellschaftliche Wertschätzung kaum verwirklichen konnten“ (Könenkamp 1985, 105). Diese Jugendlichen, die auch als ״Halbstarke“[8] bezeichnet wurden,

[...]


[1] Zitat aus dem Buch von Ulrich Plezdorf Die neuen Leiden des jungen w. (1972), welches 1973 seinen Erfolg als Theaterstück in Berlin feierte und 1976 verfilmt wurde.

[2] Siehe: Btihler (1982), 24ff.

[3] Vgl. etwa Roland Barthes (1985) mit seinem Werk Die Sprache der Mode.

[4] Der Artikel von Heike Offen wurde in der ״haspel-press‘■‘ Nr. 3/77 am 26.02.1977 veröffentlicht und ist im Sammelband Jeans. Beiträge zu Mode und Jugendkultur auf der Seite 19ff. zu finden.

[5] Vgl. Hermann Bausingers Beitrag zu Das Zusammenspiel von Dauer und Wechsel in dem Sammelband Jeans. Beiträge zu Mode und Jugendkultur (1985).

[6] Wolf- Dieter Könenkamps Beitrag zu Jeans - Mode und Mythen in dem Sammelband Jeans. Beiträge zu Mode und Jugendkultur (1985).

[7] Die Jeans im sozialistischen Ostdeutschland ist an und für sich ein Thema, das an dieser Stelle den Rahmen dieser Arbeit sprengt. Mehr dazu Z.B. in: Menzel, Rebecca (2004): Jeans in der DDR. Vom tieferen Sinn einer Freizeithose. Berlin: Christoph Links Verlag.

[8] Als ״Halbstarke“ wurden die Jugendlichen dieser Zeit bezeichnet, die meist aus sozial unteren Schichten stammten

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Jeans als Symbol der weiblichen Emanzipation
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Künste und Medien)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V439538
ISBN (eBook)
9783668801257
ISBN (Buch)
9783668801264
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jeans, symbol, emanzipation, modetheorie, gender
Arbeit zitieren
Freste Shir (Autor), 2015, Die Jeans als Symbol der weiblichen Emanzipation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439538

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