Der "Capabilities-Ansatz" und sein Bezug zur Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2014
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Vorüberlegungen
2.1 Wissenschaft Sozialer Arbeit

3. Der Capabilities- Ansatz
3.1 Geschichte
3.2 Capabilities- Ansatz
3.3 Capabilities nach M. Nussbaum
3.4 Capabilities- Ansatz und die Soziale Arbeit

4. Abgrenzung zur Lebensweltorientierung

5. Diskurs
5.1 Vergleich UN- Behindertenrechtskonvention
5.2 Vergleich Menschenrechte

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Für die Bearbeitung der Hausarbeit haben sich mir zu Anfang viele Fragen gestellt. Was ist die Wissenschaft Sozialer Arbeit (abgekürzt WSA) und wofür brauche ich diese? Was hat die WSA mit dem Capabilities- Ansatz zu tun? Was ist der Capabilities- Ansatz und wer steckt dahinter? Ist der Ansatz in der Realität anwendbar oder nur ein theoretisches Konstrukt? Wie ist der Capabilities- Ansatz geschichtlich einzuordnen? Wodurch grenzt er sich von anderen Theorien ab? Für welche Zielgruppe und welche Problemlagen ist der Ansatz geschaffen worden und geeignet? Was soll ich als Sozialarbeiterin nach dieser Theorie für eine Rolle einnehmen? Gibt es einen Diskurs über den Ansatz und wie lautet er? Ich werde im Laufe dieser Arbeit versuchen, diese Fragen zu beantworten.

2. Vorüberlegungen

2.1 Wissenschaft Sozialer Arbeit

Um mich mit dem Capabilities- Ansatz zu befassen, war es wichtig für mich zu definieren, ob er unter die Disziplin (Wissenschaft) oder die Profession (Praxis) fällt.

Die Disziplin der „Wissenschaft Sozialer Arbeit“ (WSA) ist eine junge Wissenschaft. In den 1990er Jahren gab es erste Diskurse darüber, wie das Verhältnis von Sozialarbeit und Sozialpädagogik zueinander ist und wie man eine wissenschaftliche Disziplin integrieren kann (vgl. Birgmeier 2012, S. 94f.).

Die WSA will Wissen systematisch gewinnen und weitergeben. Dafür beschäftigt sie sich mit Theorien, Konzepten, Grundlagen und Methoden der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Die beiden Theoriestränge der Sozialarbeit und Sozialpädagogik werden unter WSA zusammengefasst (vgl. Wolf 2002, S. 846 f.).

Eine der Theorien der Sozialen Arbeit ist der Capabilities- Ansatz, auf den ich im folgenden näher eingehen werde. Es handelt sich hierbei um ein theoretisches Konstrukt, das dabei helfen soll, Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Da es keine klaren Handlungsvorgaben gibt, sondern Befähigungen benannt werden, die hierfür von nöten sind, zählt der Ansatz zur Disziplin der Sozialen Arbeit und kann daher zur WSA dazugezählt werden.

3. Der Capabilities- Ansatz

3.1 Geschichte

Amartya Sen ist in Indien am 3.11.1933 geboren. Er studierte Wohlfahrtsökonomie, ökonomische Ungleichheit und Armut in Calcutta. Später Ökonomie in Cambridge. 1998 erhielt er einen Nobelpreis in Wirtschaftsökonomie (vgl. Gaertner). Er entwickelte die ersten Ansätze der Theorie, nannte sie Capability Approach (vgl. Sedmak 2011, S. 20). Er sprach also nicht von Befähigungen, sondern von der Befähigung.

A. Sen entwickelte den Capability Approach in den 1980 Jahren. Später entwickelte er ihn zusammen mit Martha C. Nussbaum weiter.

Martha C. Nussbaum, die den Ansatz Capabilities- Approach nannte, weist also schon in der Bezeichnung darauf hin, dass es sich nicht um eine, sondern um mehrere Befähigungen handelt. Martha C. Nussbaum ist am 06.05.1947 in New York City geboren (Munzinger-Archiv GmbH 2011). Sie hat einen Doktor in Philosophie und an der University of Chicago eine Serviceprofessur für Recht und Ethik (vgl. The University of Chicago- The Law School).

In Deutschland ist der Capabilities- Ansatz bei Holger Ziegler und Hans- Uwe Otto zu finden. Beide haben eine Professur an der Universität Bielefeld an der Fakultät für Pädagogik. Sie beschäftigen sich damit, wie die Capabilities in der Erziehungswissenschaft zum Tragen kommen und was die Soziale Arbeit mit ihnen zu tun hat (vgl. Otto und Ziegler 2010).

3.2 Capabilities- Ansatz

Capabilities bedeutet im deuteschen Fähigkeiten, Befähigungen oder Möglichkeiten. H. Ziegler schlägt jedoch vor Capabilities mit „Verwirklichungschancen, Entfahltungsmöglichkeiten oder Befähigungsgerechtigkeit“ (Sedmak 2011, S. 128) zu übersetzen.

Die Kernfrage des Capabilities- Ansatz ist, laut A. Sen, dem Entwickler des Capabilitie- Ansatz, „inwieweit eine Maßnahme […] die Menschen, auf die sie abziehlt […], in die Lage versetzt, tatsächlich das Leben zu führen, das sie führen möchten“ (vgl.Sedmak 2011, S. 7).

Der Capabilities- Ansatz ist ein Theoriekonzept, welches Menschen dabei unterstützt, ihre eigenen Ressourcenstrukturen zu nutzen. Er zielt darauf ab „Exklusion und Desintegration zu minimieren“. Im Unterschied zu anderen Theoriekonzepten, ist das Ziel des Capabilities- Ansatz „die Soziale Arbeit als ein gesellschaftliches Feld zu entwerfen“. In dem Konzept soll ein gelingendes Leben nicht wie in der Lebensweltorientierung nach H. Tiersch als ein persönlicher Entwurf für jeden einzelnen begriffen werden, sondern als ein sozialer Entwurf für die Gesellschaft. Im Capabilities- Ansatz wird danach gefragt wie politische Ideen (nicht-) verwirklicht werden können. Daher werden hier die „Mechanismen, die moderne Gesellschaften produzieren, um die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit politisch, kulturell und ökonomisch […] unterlaufen“ untersucht (vgl. Thole 2012, S. 50).

Es handelt sich bei der Theorie um einen ökonomischen und philosophischen Ansatz der ein gutes Leben oder „Well- Being“ in den Vordergrund setzt (vgl.Otto und Ziegler 2010, S. 87). Es wird in dem Ansatz nicht danach gefragt, wie der Ist- Zusatand ist, sondern ob ein Mensch in der Lage, also Befähigt ist, etwas zu tun. „Er [der Capabilities- Ansatz – SL] untersucht beispielsweise, ob eine Person in der Lage ist, sich hinreichend zu ernähren, und nicht, ob sie hinreichend ernährt ist“ (Otto und Ziegler 2010, S. 56).

3.3 Capabilities nach M. Nussbaum

Ich werde, um dem Capabilities- Ansatz näher zu kommen, mich erstmal mit der Frag nach einem guten Leben befassen und die capabilities nach M. Nussbaum beschreiben. In ihrer Theorie vom Capabilities- Ansatz spricht M. Nussbaum von zehn verschiedenen capabilities, die benötigt werden, damit ein Mensch ein gutes Leben führen kann. Jetzt stellt sich die Frage, was überhaupt ein gutes Leben im Sinne des Capabilities- Ansatz ist. Das gute Leben beinhaltet gleiche Verwirklichungschancen für alle Menschen, egal welcher Herkunft, ob mit oder ohne Behinderung, egal welcher Hautfarbe oder Religion. Jeder Mensch soll die Möglichkeit erhalten, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Die Capabilities zielen genau hierauf ab. Sie benennen Befähigungen, die einem Menschen als Rahmenbedingung gegben sein müssen um ein gutes Leben zu führen.

Die Befähigungen oder capabilities lauten wie folgt:

1. Life. […]
2. Bodily Health. […]
3. Bodily Integrity. […]
4. Sense, Imagination and Thought. […]
5. Emoticons. […]
6. Practical Reason. […]
7. Affliction.
8. Other Species. […]
9. Play. […]
10. Control over One’s Enviorment. […]“ (vgl. C. Nussbaum 1997, S. 287 f.).

Sie besagt folgendes, (1) jeder Mensch muss die Möglichkeit erhalten sein Leben in normaler Länge zu leben.

(2)Um dies zu erreichen muss er ausreichend medizinisch versorgt sein.

(3)Jeder Mensch muss vor jeglicher Art von Gewalt geschützt werden, sei es Missbrauch, körperliche oder psychische Gewalt o.ä. Auch muss gewährleistet werden, dass er eigenständig mobil ist. Wenn er dies nicht zu Fuß kann, müssen adäquate Hilfsmittel zur Verfügung stehen z.B.: Krankenfahrdienst, Rollstuhl, öffentliche, am besten barrierefreie, Verkehrsmittel.

(4) Jeder Mensch muss, im Rahmen seiner Möglichkeiten, Bildung erhalten. Es muss ermöglicht werden, dass er seinen Verstand, seine Sinne und seine Vernunft einsetzen kann und seine Phantasie nutzen kann. Jedem Mensch muss Rede-, Religions- und Meinungsfreiheit gewährleistet werden. Sein geistiges Eigentum soll geschützt werden.

(5) „Emoticons“ besagt, dass jeder Mensch seine Emotionen, wie Trauer, Liebe, Glück, Angst usw. erleben darf und mit Unterstützung diese, bei Bedarf, bearbeiten und bewältigen kann.

(6) Der sechste Punkt schließt an den vierten Punkt an. Er besagt, dass jeder Mensch sein eigenes gutes Leben erschaffen kann, indem er das Handeln reflektiert und plant. Er hat die Freiheit in der Religions- und Gewissensausübung.

(7) „Affliction“ was zu Deutsch leiden bedeutet, besagt zum einen, dass jeder Mensch in der Lage sein soll Teil an den Sorgen anderer zu nehmen, indem er sich in ihre Lage versetzen kann. Zum anderen geht dieser Punkt auf die Voraussetzung der Gesellschaft ein, dass jeder Mensch als ein „dignified being“ (C. Nussbaum 1997, S. 287) geachtet und nicht diskriminiert werden soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der "Capabilities-Ansatz" und sein Bezug zur Sozialen Arbeit
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V439577
ISBN (eBook)
9783668792531
ISBN (Buch)
9783668792548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Capabilities Ansatz, Capability Approach, Theorie Soziale Arbeit, Befähigung, Behindertenrechtskonvention, Menschenrechte
Arbeit zitieren
Samantha Lason (Autor), 2014, Der "Capabilities-Ansatz" und sein Bezug zur Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/439577

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