Ein Porträt des Propheten Micha: seine Person und seine Botschaft - eine Spurensuche (Facharbeit Altes Testament, Essay)


Hausarbeit, 2003

8 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Formel für Gerechtigkeit
Zu Situation und Anwendungsbereich
Das Veto Gottes
Mischpath und „Die Formel der Gerechtigkeit“
Auswirkungen der Formel für Gerechtigkeit

Literaturverzeichnis

Eine Nummerierung der einzelnen Punkte wurde mit Rücksicht auf die Form des Es­says nicht durchgeführt.

Vorbemerkung

Der vorliegende Essay verzichtet entsprechend der lexikalischen Definition auf die Vollständigkeit des behandelten Gegenstandes. Um dem Anliegen der Micha’schen Pro­phetie gerecht zu werden, die Bedeutung der Heilsgeschichte Israels für die Ge­genwart Michas zu berücksichtigen (so Grimm 26), ist die Botschaft dieses Propheten im vorliegen­den Essay ihrerseits auf die heutige Gegenwart aktualisiert. Moderne Um­schreibun­gen sowie Anachronismen sollen den heutigen Leser einerseits an­sprechen. Der bibelkundige Leser andererseits wird diese scheinbaren „Unge­nau­igkeiten“ in geschichtlicher Hin­sicht leicht selbst erkennen und erklären können, sodass ich auf Platz raubende Fußnoten weitge­hend verzichte.

Die Formel für Gerechtigkeit

Wirtschaftsförderung, spirituelle Ressourcen, Durchsetzung eigener An­sprü­che: Mit diesen Aspekten befasst sich ein bislang als Geheimtipp gehandelter Experte für Wirtschaft und Spiritualität. Der in der Fachwelt un­ter dem Namen „Micha“ bekannte Autor hat jetzt seinen neuesten „Es­say“ herausgebracht: „Die Formel für Gerechtigkeit“. Darin kom­bi­niert er in bisher nicht bekannter Weise Erfahrungswerte aus Wirtschaft und Han­del mit Erkenntnissen aus dem geistlichen Bereich. Das Ergeb­nis kann sich sehen lassen: „Mischpath“ lautet der Schlüsselbegriff, der „Recht“ im umfassenden Sinne und somit auch die Formel für Gerech­tigkeit beschreibt.

Zu Situation und Anwendungsbereich

Ungewöhnlich an dieser Formel ist – möglicherweise, dass sie bean­sprucht, staats- und kulturübergreifend gültig zu sein[1]. Das Ungewöhnli­che an dieser Formel ist – auf jeden Fall – die Quelle, auf die sich Micha beruft. Ungewöhnlich ist weiterhin, dass sie sämtlichen gängigen Prog­nosen und Analysen über Wirtschaft und Staat widerspricht. Das be­deutet im Einzelnen: Auch wenn sich die Untersuchungen über Wirt­schaft und Gesellschaft auf das Fallbeispiel der israelischen[2] Stadt Jeru­salem beziehen, so lassen sich die Ergebnisse der Micha’schen Studie doch auf andere Staaten, etwa auf Deutschland, übertragen. Entschei­dend sind dafür nicht nur die Ähnlichkeiten der kulturellen Situation – entscheidend ist auch die staatsübergreifend höchst­mögli­che Autorität, die hinter seiner Aussage steht: Micha ist bevollmächtig­ter Sonderbot­schafter von – Gott[3]. Diese Legitimation durch den höchsten Inhaber al­ler Regierungsgewalt über sämtliche Kulturen und Wirtschaftssysteme hinweg verleiht der Verlautbarung in jeglicher Hinsicht ein besonderes Gewicht.

Politische Korrektheit? Fehlanzeige. In seinem Essay verzichtet Micha auf Schönfärberei der üblichen Art[4]: rosige Prognosen; Friede, Freude, Eierkuchen; Wirtschaftsaufschwung. In seinen Analysen beurteilt er die Gegenwart messerscharf – und zieht erstaunliche Querverbindungen zwischen Wirtschaft und Spiritualität. Erfolg in Geschäft und Politik be­ruht - in der Umgebung Michas[5] - auf zwei Standbeinen: Auf der Wirt­schaftsförderung einschließlich der Durchsetzung eigener Ansprüche einerseits und auf der Nutzung spiritueller Ressourcen andererseits. Wirtschaftsförderung wird in der Umgebung Michas vorwiegend durch Gütervermehrung betrieben. Kreditgeber, Stadträte, Behörden und an­dere Leute von Rang und Namen haben ein erstaunliches Geschick entwickelt, um ihren Einflussbereich auszuweiten[6]. Zudem finden die von dem Analysten beobachteten Persönlichkeiten erfolgreiche Wege, um ihren Besitz an Immobilien zu vergrößern – und zwar auf Kosten der Menschen, die sich mangels Einfluss oder mangels Unterstützung durch Rechtsanwälte nicht zur Wehr setzen können. Des Weiteren set­zen beispielsweise Sparmaßnahmen bei der Rente von Witwen und Senioren an; Ausländer werden bedrängt oder eine wichtige Feier für Obdachlose gestrichen. Um das Maß voll zu machen, setzen einige Personengruppen in der untersuchten Region ihre Forderungen und Ansprüche so rigoros durch, dass sie den Schuldnern buchstäblich das Kissen unter dem Kopf wegpfänden. Samt Existenzgrundlage[7]. Von Micha auf diesen Miss­stand hingewiesen, haben die Beschuldigten mit Nachdruck ver­lauten lassen, dass eine solche Erörterung „kein Ge­genstand öffentli­cher Diskussion“ sein könne[8].

[...]


[1] Mi 1,2 - auch wenn danach hauptsächlich auf Israel bezogen.

[2] Im alttestamentlichen Sinne: die judäische Stadt.

[3] Mi 3,8. Entsprechend seiner Aufgabe als Diplomat Gottes tritt Michas Person hinter sei­­nen Auftrag zurück. Lediglich sein vollständiger Name „Michajahu“ („Wer ist wie Jahwe (Gott)?“) ist bekannt und deutet auf den Inhalt seiner Botschaft hin. Seine Hei­mat­­stadt ist ein kleiner Ort namens „Moreschet“ in Juda. Trotz der heutigen Aktualität des Essays ist die eigentliche Amtszeit Michas bereits zwischen 750 und 690 v. Chr. gewesen, zur Zeit der Könige Jotam bis Hiskia. (Um den Fehlschluss zu vermeiden, die Bekanntmachungen Michas seien damit überholt, wurde diese Angabe in die Fuß­note ausgelagert.) Über alle weiteren Einzelheiten zur Biografie des Propheten liegen bedauerlicherweise keine gesicherten Er­kennt­nisse vor. Calwer 910 + Stutt.1116.

[4] Die von Micha aufgegriffenen Themen waren „nicht üblich“, tabu: vgl. Mi 2, 6 + 11.

[5] Ausdrücklich auf die Zeit Michas bezogen. Genauso ausdrücklich dürfte aber auch die Bo­tschaft zwischen den Zeilen auf die heutige Zeit zu beziehen sein.

[6] Vgl. Mi 2, 1-2.

[7] Eine genaue Beschreibung der Micha’schen Vorwürfe findet sich in Mi 2, 8-9.

[8] Selbstverständlich fielen derartige Erwägungen ausdrücklich auch nicht in den Kom­­pe­tenzbereich von theologischen Erörterungen. Mi 2,6.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Ein Porträt des Propheten Micha: seine Person und seine Botschaft - eine Spurensuche (Facharbeit Altes Testament, Essay)
Note
1-
Autor
Jahr
2003
Seiten
8
Katalognummer
V43958
ISBN (eBook)
9783638416368
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Facharbeit in sprachlich aktualisierter Form (Vorgabe: Facharbeit als Essay). Knapp unter den 10 Seiten, dafür aber mit 1- bewertet.
Schlagworte
Porträt, Propheten, Micha, Person, Botschaft, Spurensuche, Altes, Testament, Essay), Ideesamkeit
Arbeit zitieren
Karsten Spilling (Autor), 2003, Ein Porträt des Propheten Micha: seine Person und seine Botschaft - eine Spurensuche (Facharbeit Altes Testament, Essay), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43958

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