Nonverbale Kommunikation im Schulunterricht


Seminararbeit, 2004
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Vokale nonverbale Kommunikation
2.2 Nonvokale nonverbale Kommunikation
2.3 Nonverbale Kommunikation im weiteren Sinne

3 Nonvokale nonverbale Ausdrucksmittel und deren Wirkung im Unterricht
3.1 Mimik
3.2 Blickkontakt
3.3 Blickverhalten
3.4 Gestik
3.5 Körperhaltung
3.6 Proxemik
3.7 Körperkontakt

4 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Der vom Lehrer beim Unterrichten auf den Schüler gerichtete Zeigefinger, die starrenden Augenpaare der Schüler, das Zurückweichen des Schülers mit dem Oberkörper, während der Lehrer ihm etwas erklärt – diese nonverbalen Ausdrucksmittel scheinen Nebensächlichkeiten im Schulalltag zu sein, denen kaum große Aufmerksamkeit beigemessen wird. Betrachtet man diese Kommunikationssituationen im Unterricht jedoch genauer, so fällt auf, wie sehr die nonverbale Kommunikation des Lehrers die Schüler beeinflusst und umgekehrt.

Daher möchte ich in meiner Hausarbeit die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im Unterricht und deren Wirkung untersuchen. Dabei werde ich größtenteils auf die nonverbalen Ausdrucksmittel des Lehrers eingehen.

In meiner Hausarbeit werde ich mich ausschließlich auf die Bedeutung der nonvokalen nonverbalen Kommunikation im Schulunterricht beschränken. Auch wird es mir aus Umfangsgründen nicht möglich sein, genauer auf das Thema Kommunikationshygiene einzugehen, obwohl diese im Unterricht eine wichtige Rolle spielt, um die Schüler nicht durch widersprüchliche verbale und nonverbale Signale zu verunsichern. Ferner wird es aus genanntem Grund nicht möglich sein, die Inhalts-/ Beziehungs- und Prozessaspekte der Unterrichtskommunikation zu untersuchen.

Zum besseren Verständnis möchte ich, trotzdem ich mich in meiner Hausarbeit ausschließlich auf die nonvokale nonverbale Kommunikation beschränke, die Unterteilung der nonverbalen Kommunikation erklären und zusätzlich im zweiten Kapitel die Begriffe vokale nonverbale Kommunikation und nonverbale Kommunikation im weiteren Sinne beschreiben, da natürlich auch diese beiden Formen der nonverbalen Kommunikation im Unterricht eine Rolle spielen.

Im dritten Kapitel meiner Hausarbeit werde ich einzeln auf die wesentlichen nonvokalen nonverbalen Ausdrucksmittel - Mimik, Blickkontakt, Blickverhalten, Gestik, Körperhaltung, Proxemik und Körperkontakt - eingehen.

Ich möchte jeweils deren Wichtigkeit für die Unterrichtskommunikation und deren Wirkung zwischen den Kommunikationspartnern Lehrer und Schüler aufzeigen.

2 Begriffsklärung

Nach Rosenbusch / Schober (2004, S. 6) beschreibt der Begriff „Kommunikation“ unmittelbare Wahrnehmungs- und Wechselwirkungsprozesse zwischen Personen, die sowohl verbal als auch nonverbal erfolgen können.

Zu 85 % wird in einer normalen Konversation auf nonverbaler Ebene kommuniziert (vgl. Müller 1998).

Die nonverbale Kommunikation kann noch einmal unterteilt werden in die vokale nonverbale Kommunikation, die nonvokale nonverbale Kommunikation und die nonverbale Kommunikation im weiteren Sinne (vgl. ebd. S.7; Müller 1998; siehe Anhang A).

2.1 Vokale nonverbale Kommunikation

Die nonverbale Kommunikation wird als vokal bezeichnet, wenn sie mittels der Stimme erfolgt. Die vokale nonverbale Kommunikation wird auch Paralinguistik genannt. Sie kann sprachbegleitend sowie auch selbstständig auftreten. Beispiele für sprachbegleitende Paralinguistik sind die Betonung von Wörtern, das Sprechtempo, Pausen beim Reden oder die Höhe der Stimme.

Lachen, Seufzen, Räuspern oder Lachen sind wiederum Beispiele für die selbstständig auftretende Form der Paralinguistik (vgl. Rosenbusch / Schober 2004, S. 6; Meyer / Paradies 2002,S. 23).

2.2 Nonvokale nonverbale Kommunikation

Der Begriff „Körpersprache“ wird oft mit der nonverbalen Kommunikation allgemein gleichgesetzt. Jedoch bezeichnet „Körpersprache“ in Wirklichkeit nur die nonvokale nonverbale Kommunikation. Zu dieser gehören beispielsweise die Mimik, Blickkontakt, Blickverhalten, Gestik, Körperhaltung, Proxemik und Körperkontakt (vgl. Rosenbusch / Schober 2004, S. 6.; Büeler 2000, S. 24).

2.3 Nonverbale Kommunikation im weiteren Sinne

Die nonverbale Kommunikation im weiteren Sinne umfasst die nonverbalen Signale durch Artefakte. Artefakte können beispielsweise die Kleidung, die Frisur, der Schmuck oder der Geruch einer Person sein (vgl. Rosenbusch / Schober 2004, S. 6, siehe Anhang A).

3 Nonvokale nonverbale Ausdrucksmittel und deren Wirkung im Unterricht

Im Folgenden möchte ich beschreiben, wie die nonverbalen Ausdrucksmittel Mimik, Gestik, Blickkontakt, Blickverhalten, Körperhaltung und Körperkontakt Einfluss auf das Unterrichtsgeschehen, den Lehrer, die Klasse und einzelne Schüler nehmen. Ich möchte die Wirkung der nonvokalen nonverbalen Ausdrucksmittel einzeln betrachten, obwohl sie im Unterricht größtenteils nicht losgelöst voneinander auftreten.

3.1 Mimik

Als Mimik wird ein Zusammenspiel der Signale von Augen, Augenbrauen, Nase, Mund und Haut bezeichnet. Ein großer Teil der Mimik wie beispielsweise Lachen, Weinen, Erröten, Stirnrunzeln und der Ausdruck von Wut und Angst im Gesicht ist angeboren (vgl. Meyer / Paradies 2002, S. 11-12).

Die Mimik des Lehrers im Unterricht ist für Schüler wichtig, da sie das vom Lehrer Vorgetragene unterstützt und ergänzt. Somit bleibt die Aufmerksamkeit der Schüler erhalten. Dies gilt insbesondere bei Grundschülern, da ihre Aufmerksamkeit eher nachlässt als bei älteren Kindern. Die Mimik des Lehrers macht die Information für sie greifbarer und lebendiger (vgl. ebd. S.13; Molcho 1998, S.209).

Des Weiteren hat die Mimik die Funktion, die Kommunikation im Unterricht aufrecht zu erhalten, beispielsweise wird ein Schüler durch Anschauen und Nicken des Lehrers zum Antworten auf eine Frage aufgefordert. Hat der Schüler dann auf eine Frage des Lehrers geantwortet oder sich zu einem Thema geäußert, so ist für ihn die Mimik des Lehrers als Beurteilung des von ihm Gesagten wichtig (vgl. Meyer / Paradies 2002, S.13; Rosenbusch 2004, S.147).

Da das „Feedback“ des Lehrers für die Schüler eine hohe Bedeutung hat, beobachten sie ihn genau. Wenn der Lehrer etwas Negatives mit einem Lächeln sagt oder z.B. eine schlecht benotete Schularbeit lächelnd an den Schüler zurückgibt, entstehen beim Schüler widersprüchliche Gefühle. Dies ist natürlich nicht das Ziel des Lehrers, der vielleicht nur durch ein Lächeln aufmuntern wollte. Ein Schüler könnte dies jedoch leicht als Schadenfreude deuten (Molcho 1998, S. 214).

Hieraus wird ersichtlich, dass die Mimik (ähnlich wie der Blickkontakt) der Mitteilung von Gefühlen dient. Dies hilft den Schülern zusätzlich auch bei der Einschätzung des Lehrers z.B. ob er gut gelaunt ist oder nicht (vgl. Meyer / Paradies 2002, S.12).

Der Gesichtsausdruck des Lehrers, ob offen und lächelnd oder mürrisch mit herabgezogenen Mundwinkeln, wird sich rasch auf den Gesichtern der Schüler widerspiegeln. Sieht der Lehrer beispielsweise den von sich übertragenen mürrischen Gesichtsausdruck in den Gesichtern der Schüler, wird dies wiederum negativ verstärkend auf ihn wirken. Mit diesem Bild vor Augen wird klar, dass der Lehrer es schwer haben wird, den Schülern seine Informationen zu vermitteln und sie zur Mitarbeit anzuregen (vgl. Heidemann 1992, S. S. 96).

3.2 Blickkontakt

Der Blickkontakt als nonverbales Ausdrucksmittel nimmt eine große Bedeutung in der Unterrichtsgestaltung ein. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass das Auge als Sinnesorgan gleichzeitig senden und empfangen kann.

Durch den Blickkontakt ist es dem Lehrer möglich, zu loben bzw. mit einem „strengen Blick“ zu tadeln. Er kann den Blickkontakt des Weiteren nutzen, um die Unterrichtsstunde zu beginnen, indem er mit den einzelnen Schülern Blickkontakt aufnimmt und sie auf diese Weise begrüßt und sie wissen lässt, dass die Pause vorbei ist.

Der Blickkontakt im Unterrichtsgeschehen kann auch genutzt werden, um dem Gesagten Ironie beizufügen oder etwas lächerlich erscheinen zu lassen.

Auch kann er eine Bitte ausdrücken, z.B. richten die Schüler einen bittenden Blick an den Lehrer, um das benotete Vortragen der Hausaufgaben oder das Vorrechnen an der Tafel noch einmal abzuwenden.

Der Blickkontakt ist auch ein Mittel für den Lehrer, um Schülern das Wort zu erteilen, ihnen das Wort zu entziehen oder sie zur Ordnung zu rufen. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass der Lehrer den Schüler nicht zu lange bzw. zu intensiv anschauen sollte, da ihn dies verunsichert und das Gefühl in ihm weckt, der Lehrer wolle ihn einschüchtern (vgl. Meyer / Paradies 2002, S.13; Heidemann 1992, S. 77).

Jedoch kann der Blickkontakt nicht nur für Schüler bisweilen ein Problem darstellen. Besonders jungen Lehrern fällt es oft schwer, in die Klasse zu blicken und sich den ca. 25 Augenpaaren, die ihn ansehen, zu stellen (vgl. Heidemann 1992, S. 75).

Der Grund hier für ist, dass der Lehrer auf die „anstarrenden“ Blicke der Schüler mit visuellem Fluchtverhalten reagiert, also indem er wegsieht, dies jedoch wirkt arrogant oder unsicher auf die Schüler (vgl. ebd., Scheunpflug 2004, S. 117).

Ein weiteres Problem ist es, dass der unerfahrene Lehrer oft mit einer Schülergruppe spricht, die dem Unterricht folgt, jedoch sieht er öfter zu der Gruppe, die nicht zuhört und den Unterricht stört. Folge ist, dass die Schüler, die zuhören und mitarbeiten das Gefühl haben, der Lehrer schätze ihre Mitarbeit nicht, da er sie nicht ansieht. Die Schüler, die stören fühlen sich durch den Blickkontakt besonders beachtet. Hier ist es Aufgabe des Lehrers, sein Interesse auf die mitarbeitenden Schüler zu richten (vgl. Scheunpflug 2004, S. 117).

Im Hinblick darauf, wie dem visuellen Fluchtverhalten beizukommen ist, wurde früher oft angeraten, einen Punkt an der gegenüberliegenden Wand zu fixieren und auf diesen zu sehen, um sozusagen den Blick in die Klasse „vorzutäuschen“. Diese Technik ist jedoch nicht sehr erfolgreich, da der Lehrer für jeden einzelnen Schüler Kommunikationspartner ist. Die Schüler würden sich nach einer Zeit vom Lehrer ignoriert fühlen und entsprechend darauf reagieren. Der nicht vorhandene Blickkontakt könnte als Arroganz gedeutet werden (siehe dazu auch Punkt 3.3 – Blickverhalten). Der Lehrer wird den sprichwörtlichen „Draht“ zu den Schülern nicht finden (vgl. Heidemann 1992, S. 75 – 76).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Blickkontakt dazu dient, zwischen Lehrer und Schülern Kontakte zu knüpfen, die Beziehungen zueinander zu pflegen und das Unterrichtsgeschehen zu steuern (vgl. Meyer / Paradies 2002, S.13).

Um dies zu realisieren sollte der Lehrer unbedingt alle Schüler in seinem Blickfeld haben. Ausgegangen von einer Klassenstärke von 25 Schülern würde dies bedeuten, dass der Lehrer mindestens 2 Meter Abstand halten muss, um alle Personen zu sehen. Bei einer größeren Klassenstärke, müsste sich auch der Abstand zu den Schülern vergrößern. Steht der Lehrer zu nah an der Klasse, kommt es zu einem so genannten „Scheibenwischerblick“ seinerseits. Das bedeutet, dass seine Augen unablässig von rechts nach links schauen, um die Schüler im Blick zu haben. Auf diese Weise kann jedoch kein erfolgreicher Blickkontakt zur Klasse bzw. zu einzelnen Schülern hergestellt werden (vgl. Heidemann 1992, S. 76).

3.3 Blickverhalten

Das Blickverhalten ist nicht gleichzusetzen mit dem Blickkontakt. Selbst wenn dieser nicht besteht, kann nonverbale Kommunikation stattfinden.

Ich selbst erinnere mich an die unangenehme Schulsituation zurück, wenn der Lehrer das Klassenbuch aufschlug, um jemanden zu bestimmen, der vor die Klasse treten sollte und den er zu dem in den vorangegangenen Stunden behandelten Unterrichtsstoff befragen würde. Nach dem Blick ins Klassenbuch folgte meist ein Blick von einem Schüler zum anderen und da eine Flucht kaum als Lösung der unangenehmen Situation in Betracht kam, vermied jeder, in die Richtung des Lehrers oder gar in sein Gesicht zu sehen, um möglichst „unerkannt“ zu bleiben oder wenigstens nicht den Anschein zu erwecken, man wolle dran genommen werden.

Die eben geschilderte Situation des Wegsehens der Schüler, wird als absichtliches Wegschauen bezeichnet. Und trotzdem sie den Lehrer nicht angesehen habe, haben sie nonverbal mit ihm kommuniziert und zu verstehen gegeben, dass sie nicht drangenommen werden möchte.

Eine andere Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation durch das Blickverhaltens ist es, unabsichtlich wegzuschauen, aber der Kommunikationspartner unterstellt Absichtlichkeit. Diese Gefahr ist auch im Unterricht gegeben. Stellt ein Lehrer, der dem Schüler gegenüber steht, beispielsweise eine Rechenaufgabe, wird der Schüler in jedem Falle durch die kognitive Belastung entweder schräg nach unten oder schräg nach oben schauen, er wird den Lehrer also nicht mehr direkt ansehen. Natürlich ist es in diesem Falle nicht die Absicht des Schülers, dem Lehrer gegenüber unhöflich zu sein. Dessen sollte sich der Lehrer unbedingt bewusst sein, damit er den Schüler nicht für sein unterstelltes absichtliches Wegsehen, also für seine Unhöflichkeit rügt (vgl. Meyer / Paradies 2002, S. 15).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Nonverbale Kommunikation im Schulunterricht
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V43966
ISBN (eBook)
9783638416436
Dateigröße
3843 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nonverbale, Kommunikation, Schulunterricht, Seminar
Arbeit zitieren
Christine Schlapa (Autor), 2004, Nonverbale Kommunikation im Schulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43966

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