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Analyse der Wahnsinnsentwicklung in Georg Büchners 'Lenz'

Title: Analyse der Wahnsinnsentwicklung in Georg Büchners 'Lenz'

Term Paper , 2002 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Angela Schaaf (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Jakob Michael Reinhold Lenz wurde 1751 als Sohn eines pietistisch geprägten Pfarrers in Sesswegen (Livland) geboren. Ab 1768 studierte er in Königsberg Theologie, war aber schon seit frühester Jugend dichterisch tätig. Einen Wendepunkt in seinem Leben bedeutet 1771 die Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe während einer Reise nach Straßburg. Fortan versucht er, seinem Vorbild nachzueifern und sucht zudem die Bekanntschaft mit Friedericke Brion, Goethes ehemaliger Sesenheimer Geliebter.Sein dichterisches Talent entfaltet er derart, daß er „um 1775 neben Goethe als der zweite dt. Shakespeare angesehen“ 1 wird. Im Jahre 1776 folgt er Goethe nach Weimar, von wo er jedoch bereits wenige Monate später aufgrund vo n Streitigkeiten mit dem Dichterfürsten der Stadt verwiesen wird. Bei einem Aufenthalt im Hause Christoph Kaufmanns im schweizerischen Winterthur im Herbst 1777 zeigen sich offenbar erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Laut Düntzer kann „auf einen ersten » Anfall von Wahnsinn « im Herbst geschlossen“ 2 werden. Am 8. Januar reist Lenz mit Kaufmann nach Emmendingen, wo ihn der im Vorjahr eingetretene Tod der dort ansässig gewesenen Schwester Goethes, Cornelia Schlosser, derart verstört, daß er gewalttätig gegen deren Arzt wird. Nach diesem Zwischenfall schickt man ihn voraus ins Steintal in die Obhut des Waldersbacher Pfarrers Johann Friedrich Oberlin, wo er am 20. Januar des Jahres 1778 eintrifft. Nach anfänglicher Besserung jedoch verschlimmert sich sein Zustand derart dramatisch, daß Oberlin sich in letzter Konsequenz gezwungen sieht, den Gast nach 19 Tagen wieder fortzuschicken. Nach einem weiteren Aufenthalt bei Georg Schlosser, dem Schwager Goethes, wo er „im März 1778 einen neuen starken Schub seiner im Vorjahr ausgebrochenen Psychose mit selbstzerstörerischen Rasereien“ 3 durchmacht, versucht er 1779 in Riga und 1780 in St. Petersburg vergeblich, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Ab dem Sommer des Jahres 1781 lebt er von Gelegenheitsarbeiten in Moskau, wo er am 4. Juni 1792 tot auf einer Straße gefunden wird. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Der historische Lenz

Büchners Quellen

Analyse des Textes im Hinblick auf die Entwicklung des Wahnsinns

Zusammenfassende Übersicht der Symptome

Lenzens Wahnsinn und die übersinnlichen Erscheinungen anderer Bewohner des Steintals

Die gesundheitliche Entwicklung Lenzens aus medizinischer Sicht

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychische Dekompensation der historischen Figur J. M. R. Lenz in Georg Büchners Erzählfragment „Lenz“. Im Zentrum steht die Analyse des Krankheitsverlaufs sowie der Frage, inwiefern Büchner pathologische Zustände im Kontext des 18. Jahrhunderts literarisch vorwegnimmt.

  • Historischer Kontext von J. M. R. Lenz und Büchners Quellenlage
  • Strukturelle Analyse der Wahnsinnsentwicklung in vier Phasen
  • Phänomenologie der Halluzinationen und der gestörten ICH-Grenzen
  • Vergleichende Betrachtung übersinnlicher Erfahrungen im Steintal
  • Psychopathologische Einordnung des Krankheitsbildes aus heutiger Sicht

Auszug aus dem Buch

Analyse des Textes im Hinblick auf die Entwicklung des Wahnsinns

Der Aufbau des Textes läßt sich in vier Phasen unterteilen: Während der ersten Phase irrt Lenz alleine durchs Gebirge. Der darauffolgende Teil umfaßt den Zeitraum, welchen er in der Gesellschaft Oberlins verbringt, gefolgt von der dritten Phase, jener von Oberlins Abwesenheit aufgrund seiner Reise in die Schweiz. Die vierte und letzte Phase umfaßt jene Periode nach Oberlins Rückkehr bis hin zur Entsendung des untragbar gewordenen Lenz nach Straßburg. Laut Ursula Mahlendorf entspricht dieser Strukturierung eine Einteilung folglich des Kriteriums der An- und Abwesenheit einer Vatergestalt. Demzufolge wäre diese „Vatergestalt im ersten und dritten Teil als abwesend und im zweiten und vierten Teil als anwesend“ 6 dargestellt.

Wie gesagt befindet sich Lenz im ersten Teil auf einer Wanderung durchs Gebirge. Bereits während der anfänglich neutralen Naturbeschreibung vermitteln die eingeschobenen Adjektive „aber alles so dicht - (...), so träg, so plump“ (S.3) ein beklemmendes Gefühl bezüglich des Befindens des dort Wandernden. Bestätigung findet diese Vorahnung dann im darauf folgenden Absatz durch den Gedanken, daß „es ihm manchmal unangenehm (wäre), daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte.“ (S. 3) Diese Feststellung ist für Lenz allerdings noch nicht beängstigend. Seine Organisation der Umwelt scheint anderen bzw. keinem Schema zu unterliegen und die Vorgänge in der Natur haben einen direkten körperlichen Einfluß auf ihn: Es drängte „ihm in der Brust, wenn das Gestein so wegsprang“ (S.3). Somit wird schon zu Beginn deutlich, daß Lenz kein abgegrenztes Körperempfinden hat, sich nicht als abgeschlossene Einheit empfindet. Daher ist es nicht verwunderlich, daß er nach einem „äußeren Anhaltspunkt“7 sucht, welchen er allerdings nicht findet: „er suchte nach etwas, (...), aber er fand nichts.“ (S. 3)

Zusammenfassung der Kapitel

Der historische Lenz: Dieses Kapitel skizziert die Biografie von J. M. R. Lenz, insbesondere seine Lebensstationen, seine Begegnung mit Goethe und die ersten Anzeichen seiner psychischen Krise bis zur Aufnahme bei Pfarrer Oberlin.

Büchners Quellen: Hier werden die biographischen und literarischen Vorlagen untersucht, insbesondere die Berichte von Oberlin und Goethes „Dichtung und Wahrheit“, die Büchner für sein Erzählfragment nutzte.

Analyse des Textes im Hinblick auf die Entwicklung des Wahnsinns: In diesem Hauptteil wird der Krankheitsverlauf anhand von vier Phasen analysiert, wobei der Fokus auf dem Verlust der ICH-Grenzen, den Halluzinationen und dem Scheitern der Vaterfiguren liegt.

Zusammenfassende Übersicht der Symptome: Das Kapitel bietet eine systematische Zusammenfassung der beobachteten Symptome, wie die auditiven und visuellen Halluzinationen, die Schmerzerfahrungen und die Auswirkungen der sozialen Isolation.

Lenzens Wahnsinn und die übersinnlichen Erscheinungen anderer Bewohner des Steintals: Hier werden Lenz’ psychotische Schübe in Kontrast zu den religiös-mystischen Erfahrungen der Bewohner des Steintals gesetzt, um eine Abgrenzung zwischen pathologischem Wahn und religiösem Glauben zu ziehen.

Die gesundheitliche Entwicklung Lenzens aus medizinischer Sicht: Abschließend wird das Krankheitsbild aus heutiger psychopathologischer Perspektive diskutiert, wobei Diagnosen wie Schizophrenie oder endogene Depression in Betracht gezogen werden.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Lenz, Wahnsinn, Schizophrenie, Halluzinationen, Pfarrer Oberlin, Psychopathologie, Literaturwissenschaft, Naturwahrnehmung, Identitätsverlust, imitatio Christi, Melancholie, Erzählfragment, Grenzerfahrung, psychische Zerrüttung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Darstellung der Wahnsinnsentwicklung von J. M. R. Lenz in Georg Büchners gleichnamigem Erzählfragment unter Berücksichtigung biografischer und psychologischer Aspekte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die literarische Analyse des Krankheitsverlaufs, die Rolle der Naturwahrnehmung, die Vater-Sohn-Problematik sowie die medizinisch-psychopathologische Einordnung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, den schleichenden Verlust der Realitätswahrnehmung und die daraus resultierende Identitätsauflösung der Hauptfigur Lenz nachzuzeichnen und in den literarischen Kontext des 19. Jahrhunderts zu stellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse folgt einer literaturwissenschaftlichen Methode, die Textstellen mit biographischen Dokumenten und psychopathologischen Theorien vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der strukturellen Unterteilung der Erzählung in vier Phasen, in denen Lenz’ körperliches und geistiges Befinden unter dem Einfluss von isolation und der Suche nach Halt detailliert untersucht wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schizophrenie, Halluzinationen, ICH-Abgrenzung, Wahnsinn und die Suche nach religiösem Halt definiert.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen Lenzens Wahnsinn und den Erlebnissen der Steintal-Bewohner?

Der Unterschied wird darin gesehen, dass die Bewohner des Steintals in einem religiösen Weltbild verwurzelt sind, das ihre Erfahrungen in einen „sinnvollen“ Kontext einbettet, während Lenz’ Erlebnisse ihn isolieren und existenziell überfordern.

Welche Rolle spielt der Schmerz in der Erzählung laut der Autorin?

Schmerz wird von Lenz als zweischneidiges Instrument genutzt: Er dient einerseits als notwendiges Mittel, um das eigene ICH durch physische Reize wieder in der Realität zu verankern, wird aber andererseits auch als Lustgewinn empfunden.

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Details

Title
Analyse der Wahnsinnsentwicklung in Georg Büchners 'Lenz'
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Course
Georg Büchner
Grade
2,0
Author
Angela Schaaf (Author)
Publication Year
2002
Pages
24
Catalog Number
V44012
ISBN (eBook)
9783638416825
ISBN (Book)
9783656252313
Language
German
Tags
Analyse Wahnsinnsentwicklung Georg Büchners Lenz Georg Büchner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angela Schaaf (Author), 2002, Analyse der Wahnsinnsentwicklung in Georg Büchners 'Lenz', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44012
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