Bedeutung des Auf- und Ausbaus beruflicher Selbstkonzepte für die Zusammenarbeit im Bildungsgang


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Selbstkonzept
2.1 Was versteht man unter einem Selbstkonzept
2.2 Wie entsteht ein berufliches Selbstkonzept

3. Aufbau des beruflichen Selbstkonzeptes bei Lehrern
3.1 Berufsbild als Stärkung des Selbstkonzeptes?
3.2 Wie entwickelt sich das berufliche Selbstkonzept bei Lehrern?

4. Kooperation im Lehrerzimmer

5. Psychohygiene für den Lehrer

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lehrer[1] garantieren die Qualität unseres Bildungssystems. Ihr professionelles Handeln, ihre Einsatzbereitschaft, ihre Offenheit und Flexibilität, ihre Kreativität und Belastbarkeit machen diese Qualität aus.

Auf der einen Seite werden an das berufliche Handeln der Lehrpersonen höchste

Erwartungen und vielfältige Anforderungen im Zusammenhang mit dem heutigen Erziehungs- und Bildungsauftrag von Schule gestellt. Auf der anderen Seite sind es unzureichende Voraussetzungen und problematische Rahmenbedingungen im Sys­tem Schule und im Bildungssystem, die eine optimale Erfüllung dieser anspruchsvol­len beruflichen Aufgaben erschweren oder sogar behindern. In diesem Spannungs­feld kommt es immer wieder zu beruflichen Belastungen, die sich auf unser Selbstkonzept auswirken können[2].

In diesem Zusammenhang beginne ich meine Arbeit mit einem passenden Zitat aus der Weltwoche (02. Juni 1988):

„Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe,

an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt:

Gerecht soll er sein, der Lehrer, und zugleich menschlich und nachsichtig,

straff soll er führen, doch taktvoll auf jedes Kind eingehen,

Begabungen wecken, pädagogische Defizite ausgleichen,

Suchtprophylaxe und Aids-Aufklärung betreiben,

auf jeden Fall den Lehrplan einhalten, wobei hochbegabte Schüler

gleichermaßen zu berücksichtigen sind wie begriffsstutzige.

Mit einem Wort: Der Lehrer hat die Aufgabe,

eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten

bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen,

und zwar so, dass alle bei bester Laune möglichst gleichzeitig an drei

verschiedenen Zielorten ankommen.“

Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Bedeutung das berufliche Selbstkonzept von Lehrern und die kollegiale Zusammenarbeit im Lehrerteam für die Bewälti­gung der Belastungen im Lehrberuf hat.

Nach einer allgemeinen Einführung in den Begriff Selbstkonzept wird Augenmerk auf die Entwicklung und den Ausbau des beruflichen Selbstkonzeptes und des Berufsbilds von Lehrern gelegt. Anschließend wird der Hauptaspekt, die konstruktive Lehrerteam­kooperation näher beleuchtet und abschließend das Thema “Psychohy­giene für Lehrer” erläutert.

2. Selbstkonzept

2.1. Was versteht man unter einem Selbstkonzept?

Buff definiert den Begriff „Selbstkonzept“ als „Oberbegriff für eine ganze Reihe thematisch unterschiedlichster, selbstbezogener kognitiver Repräsentationen“[3], es kann sich aber auch um „unbewusste kognitive Repräsentationen“ handeln.[4] Das „Selbstkonzept“ (oder auch „Selbstbild“) bezeichnet nach Meyer die „Gesamtheit der wahrgenommenen eigenen Attribute und deren Struktur“.[5] Es gilt als zentrale Komponente persönlicher Identität - die Vorstellung, die eine (heranwachsende) Person von sich insgesamt bzw. von wichtigen Teilbereichen der eigenen Person entwickelt. Dementsprechend umfasst das Selbstkonzept verschiedene Bereiche: das Konzept der eigenen Fähigkeiten (Begabungsselbstkonzept, Leistungsselbstkonzept), das körperliche Selbstkonzept, das soziale Selbstkonzept usw.

Aus diesen unterschiedlichen Definitionen wird deutlich, dass es schwer ist, eine eindeutige und allgemein anerkannte Definition des komplexen Gefüges „Selbstkonzept“ zu finden. Das Konzept, das eine Person von sich selbst hat, entsteht einerseits durch Selbstbeobachtung, aber auch durch Rückmeldungen der Umwelt. Das Selbstkonzept und die damit verbundene Wertschätzung der eigenen Person haben fast immer Auswirkungen auf das Verhalten eines Menschen. Das Selbstkonzept unterliegt ständigen Einflüssen, die dem Individuum Möglichkeit und Anlass geben, das Bild von der eigenen Person immer wieder zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Diese Veränderungen geschehen allerdings nicht schnell, denn die Repräsentationen des Selbst erweisen sich als zeitlich relativ stabil. Menschen neigen dazu, selbstbezogene Informationen sogar so zu selektieren, dass sie der Aufrechterhaltung des Selbstkonzeptes dienen („kognitiver Konservativismus“).[6]

Selbstkonzept und Selbstwertgefühl steuern in einem hohen Maße die Handlungen von Personen und haben großen Einfluss auf die (emotionale) Verarbeitung von Ereignissen. Personen mit einem positiven Leistungs-Selbstkonzept treten schwierigen Aufgaben zuversichtlich gegenüber und können auch Misserfolge gut bewältigen; Personen mit einem negativen Konzept der eigenen Fähigkeiten werden dazu tendieren, Leistungsaufgaben aus dem Wege zu gehen und unter Misserfolgen zu leiden.[7]

2.2. Wie entsteht ein berufliches Selbstkonzept?

In seiner Identitätspsychologie nennt Haußer (1995)[8] drei Komponenten von Identi­tät: das Selbstkonzept, das Selbstwertgefühl, die Kontrollüberzeugung.

Haußer definiert das Selbstkonzept als die „generalisierte Selbstwahrnehmung“, das Selbstwertgefühl als die „generalisierte Selbstbewertung“ und die Kontrollüberzeu­gung als die „generalisierte personale Kontrolle“. Berufliche Identität sieht Haußer in Abhängigkeit von beruflicher Zufriedenheit. Entscheidend sei der Wechselwirkungspro­zess zwischen Arbeitserfahrung und Identität: „Alltägliche Ar­beits- und Berufserfahrung wirkt auf die Identität einer Person in der Regel als Akkomoda­tion. Die Person kann jedoch bei Arbeitsunzufriedenheit ihre Arbeitserfahrun­gen mit ihrer vorhandenen Identität assimilieren – bis hin zu offensi­ven Handlungskonsequenzen wie Firmenwechsel, Umschulung und Aussteigen oder de­fensiven Handlungskonsequenzen wie Krankmachen und ‘Burnout’.“[9]

Der Wechselwir­kungsprozess zwischen Arbeitserfahrung und Identität lässt sich – aus psychologischer Sicht - als Persönlichkeitsentwicklung begreifen.[10]

Berufliche Identität bezieht sich als bereichsspezifische Identität nur auf den Lebensbereich von Beruf und Arbeit. Für die Betrachtung der Entwicklung des beruflichen Selbstkonzeptes muss auch der Prozess der Berufswahl mit

einbezogen werden:

Unter der Perspektive des Lebenslaufes ist die Berufswahl ein jahrelanger Entscheidungsprozess, im Laufe dessen die Berufswünsche im Zeitraum zwischen einem Schulabschluss und der Übernahme einer beruflichen Erstausbildung oder Arbeit auch durch Fremdeinflüsse mit unterschiedlicher Intensität festgelegt werden. Der Verlauf dieses Prozesses lässt sich als eine Folge von Situationen darstellen, die man als Berufslebenslauf (Berufsbiographie) bezeichnet.[11]

Der Berufswahlentscheidungsprozess ist ein Interaktionsprozess zwischen einer Person (Persönlichkeitsstruktur) und einem beruflichen Objektbereich (Berufstruktur) mit dem Ziel, verschiedene Berufstätigkeiten zu analysieren und alternativ zu vergleichen und auf Grund subjektiv wie objektiv gesetzter Prioritäten eine Entscheidung zu treffen. Dieser Prozess vollzieht sich mehrstufig über einen längeren Zeitraum mit Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung. In das im Laufe einer Sozialisation aufgebaute berufliche Selbstkonzept fließen individuelle Erfahrungen und Vorstellungen der Berufswählenden ein.[12]

[...]


[1] Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verzichte ich auf die Nennung der weiblichen Bezeichnungsform von Für- und Hauptwörtern

[3] Buff, Alex (1991, S.47)

[4] Pekrun, Reinhard (1983, S.74)

[5] Meyer, Wulf-U. (1984, S.14)

[6] Greenwald, Anthony G. (1980, S.35)

[7] Eder, F. & Lang, B. (2002)

[8] zit. Nach Mieg, Harald A., Woschnack, Ute(2002)

[9] Haußer (1995), zit. Nach Mieg, Harald A., Woschnack, Ute (2002)

[10] Mieg, Harald A., Woschnack, Ute (2002)

[11] Dichatschek, G.

[12] vgl. Dichatschek, G.(2004)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Bedeutung des Auf- und Ausbaus beruflicher Selbstkonzepte für die Zusammenarbeit im Bildungsgang
Hochschule
Universität zu Köln  (Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V44013
ISBN (eBook)
9783638416832
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Auf-, Ausbaus, Selbstkonzepte, Zusammenarbeit, Bildungsgang, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Joanna Mirgeler (Autor), 2005, Bedeutung des Auf- und Ausbaus beruflicher Selbstkonzepte für die Zusammenarbeit im Bildungsgang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44013

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