Ende der 60er Jahre entstand in Deutschland eine soziale Bewegung, die durch Studentenproteste über die damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse letztlich die terroristische Organisation der Rote Armee Fraktion (RAF) hervorrief. Diese Arbeit befasst sich sowohl mit den Umständen ihrer Entstehung, als auch mit der Vorgehensweise speziell der ersten Generation bis hin zu ihrem Zerfall. Zu Beginn werden die Forderungen der Studentenbewegung, vor allem ihre Veränderungen während der Großen Koalition, geklärt, um die daraus resultierende Radikalisierung eines Teils der linken Protestbewegung nachvollziehbar zu machen. Im weiteren Verlauf werde ich dann mein Hauptaugenmerk auf die Rote Armee Fraktion legen, wobei dies anhand der Hauptfiguren der ersten Generation, Baader, Meinhof und Ensslin geschehen soll. Weiter werde ich chronologisch die Anschläge der insgesamt drei Generationen bis hin zu ihrer offiziellen Auflösung aufzeigen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle des Staates kritisch zu beleuchten und die Auswirkungen der Geschehnisse auf die heutige Zeit aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Studentenproteste
2.1. Der 2. Juni 1967
2.2. Die Kaufhausbrände
2.3. Flucht und Verhaftung
3. Baader-Befreiung und Anfangsphase der RAF
3.1. Die ersten Opfer
3.2. Bombenterror und Verhaftung
3.3. Haft und Prozess
3.4. Unterstützung durch die zweite Generation
3.5. Der „Deutsche Herbst“ und die Zeit danach
4. Die dritte Generation und das Ende der RAF
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Entstehung, die Radikalisierung und den schrittweisen Zerfall der Roten Armee Fraktion (RAF) über ihre drei Generationen hinweg, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der kritischen Beleuchtung der staatlichen Reaktionen und der Rolle der Hauptakteure liegt.
- Historische Einordnung der Studentenbewegung und deren Radikalisierung
- Die Entstehung und Entwicklung der ersten RAF-Generation (Baader, Meinhof, Ensslin)
- Analyse der militanten Anschlagsserien und der staatlichen Gegenmaßnahmen
- Die Rolle von Haftbedingungen, Prozessen und der sogenannten Isolationsfolter
- Der Übergang zur zweiten und dritten RAF-Generation sowie das offizielle Ende der Organisation
Auszug aus dem Buch
3.2. Bombenterror und Verhaftung
Anfang 1972 startete die RAF Bemühungen, um mit Anschlägen auf sich aufmerksam zu machen und den Staat zu übertriebenen Reaktionen zu bewegen, damit sich die Linke mit ihnen solidarisieren. So wurde das RAF- Mitglied Gerhard Müller beauftragt, mit gefälschten Bestellscheinen bei einer Stuttgarter Chemikalienhandlung Materialien für den Bau von Bomben zu besorgen. Sprengkapseln, Sprengschnüre und Zünder wurden bei einem Einbruch in den Casseler Basalt- Werke erbeutet. In Frankfurt konnte die RAF den Metallbildner Dierk Hoff unter einem Vorwand dazu überreden, Bombenhüllen in verschieden Größen zu fertigen. Nach einiger Zeit wurde er aber misstrauisch, drohte sogar mit der Polizei. Er wurde jedoch von der Gruppe eingeschüchtert und arbeitete weiter für die RAF. In einer Wohnung in Frankfurt bezog die Gruppe Quartier, um die verschiedenen Chemikalien zusammen zu mischen. Als Reaktion auf die Verminung von Häfen in Nordvietnam durch die USA, beschlossen Baader und Ensslin mit einem Sprengstoffanschlag auf US- Einrichtungen zu reagieren. Am 11. Mai 1972 explodierten drei Bomben im von der V. US- Korps genutzten IG- Farben- Haus in Frankfurt. 13 Menschen wurden verletzt und ein US-Soldat getötet. Das war der Auftakt der „Baader- Meinhof- Offensive“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Entstehungszusammenhang der RAF aus der Studentenbewegung der späten 60er Jahre und legt den Fokus auf die Analyse der ersten Generation und die staatliche Rolle.
2. Die Studentenproteste: Das Kapitel behandelt die Radikalisierung der studentischen Opposition, angestoßen durch den Vietnamkrieg, die Springerpresse und insbesondere das Ereignis des 2. Juni 1967.
3. Baader-Befreiung und Anfangsphase der RAF: Hier wird der gewaltsame Ausbruch Andreas Baaders als Geburtsstunde der RAF beschrieben sowie der Übergang zum bewaffneten Kampf und die militärischen Aktionen der Gruppe.
4. Die dritte Generation und das Ende der RAF: Dieses Kapitel thematisiert die internationale Vernetzung der dritten RAF-Generation, die Veränderung ihrer Anschlagstaktik und schließlich die Auflösungserklärung von 1998.
5. Fazit: Das Fazit bewertet das Scheitern der RAF und kritisiert zugleich das staatliche Handeln sowie die langfristigen Auswirkungen der eingeführten Anti-Terror-Gesetze.
Schlüsselwörter
Rote Armee Fraktion, RAF, Baader-Meinhof-Gruppe, Studentenbewegung, APO, Stadtguerilla, Deutscher Herbst, Anti-Terror-Gesetze, Isolationsfolter, 1968, Radikalisierung, Terrorismus, Bundeskriminalamt, Hans-Martin Schleyer, Stammheim
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine historische und kritische Untersuchung der terroristischen Organisation Rote Armee Fraktion von ihrer Entstehung im Umfeld der Studentenbewegung bis zu ihrer Auflösung Ende der 90er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Radikalisierungsprozesse der 60er Jahre, die militanten Anschlagsserien, die Reaktionen des Staates sowie die juristischen und sozialen Auswirkungen der RAF-Ära.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Rolle der Akteure kritisch zu beleuchten und den Einfluss des staatlichen Handelns auf die Eskalation und Bewältigung der Terrorismusproblematik in der Bundesrepublik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, zeitgenössischer Dokumente und der chronologischen Aufarbeitung der Ereignisse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entwicklungsstufen der drei Generationen, angefangen bei den ersten Brandanschlägen bis hin zu den Attentaten der 80er und 90er Jahre, ergänzt durch die Analyse von Prozessen und Haftbedingungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Stadtguerilla, Deutscher Herbst, Isolationsfolter, studentische Radikalisierung und die kritische Auseinandersetzung mit Sicherheitskonzepten wie dem Fahndungskonzept 106 definiert.
Welche Rolle spielte der Staat bei der Entstehung des Terrorismus?
Die Autorin/der Autor hinterfragt kritisch, warum der Staat teilweise durch Informanten wie den V-Mann Urbach die Radikalisierung begünstigte und wie er mit legislativen Sondermaßnahmen auf den Terror reagierte.
Was wird über die Identität der dritten RAF-Generation berichtet?
Die Arbeit beleuchtet die zunehmende Professionalisierung und Geheimhaltung der dritten Generation, was dazu führte, dass viele Taten lange ungeklärt blieben und sogar Spekulationen über eine mögliche Involvierung von Geheimdiensten aufkamen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Broeske (Autor:in), 2002, RAF - die Rolle des Staates damals und die Auswirkungen bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44020