Die Cashflow-Rechnung bzw. Kapitalflussrechnung befindet sich in Deutschland weiterhin auf dem Vormarsch. Ist sie aus deutscher Sicht bisher nur gesetzlicher Pflichtbestandteil der Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Mutterunternehmen 1 , so stellt sie gemäß den internationalen Auslegungen (IAS und US-GAAP) einen gleichberechtigten Bestandteil des Jahresabschlusses zu Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang dar. Da jedoch auch in Deutschland zunehmend Kapitalflussrechnungen freiwillig von mittleren und großen Kapitalgesellschaften aufgestellt werden, erließ das Deutsche Rechnungslegungs Standards Comitee (DRSC) im Mai 2000 den Standard DRS 2 „Kapitalflussrechnung“ sowie DRS 2-10 / 2-20 als Spezialstandards für Kreditinstitute bzw. Versicherungsunternehmen. 2 Das Ziel war dabei die Vereinheitlichung der veröffentlichten Kapitalflussrechnungen, da es zunehmend zu unterschiedlichen Definitionen des Begriffs ‚Cash Flow’ sowie zu abweichenden Strukturen in Aufbau und Inhalt der Rechnungen von Seiten der Unternehmen kam. Inhaltlich kann der DRS 2 aufgrund seiner Empfehlungen nahezu mit dem IAS 7 sowie dem SFAS 95 gleichgestellt werden. 3 Böse Zungen mögen sogar behaupten, dass es sich dabei um eine reine Übersetzung dieser handelt. Lediglich einige Zusatzangaben und Detailfragen lassen Abweichungen erkennen. Somit ist eine Beachtung der internationalen Regelungen bei Anwendung des DRS 2 möglich. Gelungen ist dies durch die Einräumung von Wahlrechten sowie die Anpassung der Angabepflichten. Hinzu kommt jedoch, dass DRS 2 zusätzliche Ausweis- und Angabepflichten im Gegensatz zu IAS 7 und SFAS 95 beinhaltet. STAHN bezeichnet es deshalb auch als „das international umfassendste Regelwerk zur Kapitalflussrechnung 4 “.
Inhalt dieser Arbeit soll e s somit sein, die mit der Kapitalflussrechnung verfolgten Zielsetzungen und somit dessen Aufgaben darzustellen. Es wird sich dabei primär auf den DRS 2 gestützt. Diese Arbeit soll daher keinen ausführlichen Vergleich mit IAS uns US -GAAP darstellen.
Eingangs soll kurz eine Erläuterungen der Größe Cash Flow stattfinden, bevor dann die Überleitung zu der Kapitalflussrechnung anhand deren Aufgaben und Inhalten folgt. Anschließend wird allgemeingültig auf den im Sinne des DRS 2 geforderten Aufbau der Kapitalflussrechnung eingegangen.
Zum Abschluss werden dann die für die Unternehmensbewertung zu entnehmenden Informationen und deren Aussagefähigkeit zur Beurteilung von Unternehmen näher erläutert werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Überlegungen zum Cash Flow
3. Aufgaben und Inhalte der Kapitalflussrechnung
4. Aufbau und Vorgehensweise der Kapitalflussrechnung
4.1. Abgrenzung des Finanzmittelfonds
4.2. Gliederung der Kapitalflussrechnung
4.2.1. Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit
4.2.2. Cash Flow aus Investitionstätigkeit
4.2.3. Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit
4.2.4. Gesonderter Ausweis einzelner Posten
4.3. Darstellung der Veränderung des Finanzmittelfonds
5. Aussagekraft der Kapitalflussrechnung für die Unternehmensbewertung
5.1. Relevante Cash Flows für die Unternehmensbewertung
5.2. Herleitung von Kennzahlen aus Cash-Flow-Größen
5.2.1. Umsatz-Cash Flow
5.2.2. Schuldentilgungsdauer
5.2.3. Innenfinanzierungsgrad der Investitionen
6. Resume
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die mit der Kapitalflussrechnung nach DRS 2 verfolgten Zielsetzungen und deren Aufgaben darzustellen und deren spezifische Aussagekraft für die Unternehmensbewertung zu analysieren.
- Grundlegende Definition und Konzeption des Cash Flow als finanzielle Stromgröße
- Struktur, Aufbau und Vorgehensweise der Kapitalflussrechnung gemäß DRS 2
- Ermittlungsmethoden für die Bereiche laufende Geschäftstätigkeit, Investition und Finanzierung
- Bedeutung der Kapitalflussrechnung für die Unternehmensbewertung und Finanzplanung
- Herleitung und Interpretation finanzwirtschaftlicher Kennzahlen auf Basis von Cash-Flow-Größen
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit
Unter Mittelzu- und –abflüssen aus laufender Geschäftstätigkeit verstehen wir Zahlungsströme, die „nicht unmittelbar der Investitions- und Finanzierungstätigkeit des Unternehmens zuzuordnen sind“. Es findet somit grundlegend eine negative Abgrenzung gegenüber den anderen Bereichen statt. LODERER u.a. bezeichnet sie auch als „Ein- und Auszahlungen, die mit der eigentlichen Leistungserstellung des Unternehmens zusammenhängen“. Sie ergeben sich somit aus der Umsatztätigkeit und resultieren i.d.R. „aus Geschäftsvorfällen, die in das Jahresergebnis einfließen“. Dazu zählen z.B. der Verkauf von Produkten oder Lohnzahlungen.
Dabei unterscheiden wir zwei grundsätzliche Ausweismethoden – die direkte und die indirekte Methode. Nachfolgend sollen diese kurz ausführlicher charakterisiert werden:
Direkte Methode:
Operative Tätigkeiten werden direkt und in voller Höhe ausgewiesen. Dieser Vorgang kommt daher der eigentlichen Zielsetzung näher. Die Zahlen werden unmittelbar aus Büchern des Unternehmens übernommen. Dies erfordert jedoch die korrekte Verbuchung und detaillierte Zuweisung / Aufschlüsselung der Zahlungsvorgänge zu Unterkategorien (zahlungswirksam oder zahlungsunwirksam) unmittelbar bei Geschäftsvorfall, was sich in der Praxis komplex gestaltet. Die direkte Methode wird aufgrund des Aufwands bisher in der Praxis im Bezug auf den ‚Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit’ aus oben genannten Gründen kaum genutzt.
Indirekte Methode:
Die Herleitung des Cash Flow erfolgt aus dem Jahresüberschuss / -fehlbetrag, indem dieser um Transaktionen, welche nicht mit Bewegungen des Barvermögens verbunden sind, bereinigt wird. Es handelt sich daher um eine Überleitungsrechnung. Es findet somit eine Berichtigung der in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Posten statt, wodurch sich der Aufwand in Grenzen hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der wachsenden Bedeutung der Kapitalflussrechnung in Deutschland und Einordnung des Standards DRS 2 im internationalen Kontext.
2. Grundlegende Überlegungen zum Cash Flow: Erläuterung des Cash Flow als finanzielle Stromgröße und dessen Rolle zur Verbesserung der Informationsfunktion des Jahresabschlusses.
3. Aufgaben und Inhalte der Kapitalflussrechnung: Analyse der Offenlegung von Zahlungsströmen zur Beurteilung der Finanzlage und Ursachenrechnung.
4. Aufbau und Vorgehensweise der Kapitalflussrechnung: Detaillierte Darstellung der Ermittlung von Zahlungsströmen in den Bereichen laufende Geschäftstätigkeit, Investition und Finanzierung sowie der Fondsveränderungsrechnung.
5. Aussagekraft der Kapitalflussrechnung für die Unternehmensbewertung: Diskussion der Bedeutung für die Wertermittlung, unternehmensinterne Steuerung und Herleitung von Kennzahlen wie Umsatz-Cash Flow oder Schuldentilgungsdauer.
6. Resume: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Kapitalflussrechnung als Instrument zur Abbildung der Finanzkraft und deren zunehmender Bedeutung für die Praxis.
Schlüsselwörter
Kapitalflussrechnung, DRS 2, Cash Flow, Unternehmensbewertung, Finanzmittelfonds, operative Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, Finanzierungstätigkeit, Jahresabschluss, Bilanzanalyse, Innenfinanzierung, Schuldentilgungsdauer, Discounted Cash-Flow-Methode, Finanzkraft, Zahlungsströme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Kapitalflussrechnung nach DRS 2 und deren zentrale Bedeutung für die Unternehmensbewertung, insbesondere als Instrument zur Abbildung der Finanzlage und zur Unterstützung unternehmerischer Planungsentscheidungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Aufbereitung des Cash Flow, der systematischen Gliederung der Kapitalflussrechnung in operative, Investitions- und Finanzierungsbereiche sowie der praktischen Anwendung zur Kennzahlenbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, darzulegen, wie eine strukturierte Kapitalflussrechnung dazu beiträgt, Bilanzmanipulationen entgegenzuwirken und ein valideres Bild der tatsächlichen finanziellen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens für externe Adressaten zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf den Standard DRS 2 und nutzt theoretische Erläuterungen sowie praxisnahe Anwendungsbeispiele, um die abstrakten Ermittlungsmethoden (direkt vs. indirekt) verständlich zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der detaillierte Aufbau der Kapitalflussrechnung erläutert, inklusive der Abgrenzung des Finanzmittelfonds, der Einordnung von Zahlungsströmen in die drei Haupttätigkeitsbereiche und der Herleitung spezifischer Kennzahlen wie der Schuldentilgungsdauer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Kapitalflussrechnung, DRS 2, Cash Flow, Unternehmensbewertung, Finanzmittelfonds, operative Geschäftstätigkeit sowie Innenfinanzierung.
Wie unterscheidet sich die direkte von der indirekten Methode der Cash-Flow-Ermittlung?
Die direkte Methode weist Ein- und Auszahlungen unmittelbar aus, was sehr aufwendig ist, während die indirekte Methode den Cash Flow aus dem Jahresüberschuss durch Bereinigung um nicht zahlungswirksame Vorgänge ableitet.
Welche Bedeutung hat der Finanzmittelfonds für die Rechnung?
Der Finanzmittelfonds definiert den Umfang der liquiden Mittel, auf die sich die Zahlungsströme beziehen, und bildet somit die Grundlage für die korrekte Abgrenzung der Rechnung von unbaren Transaktionen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2004, Die Kapitalflussrechnung nach DRS 2 und deren Bedeutung für die Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44029