Nach Greimas’ Aktantenmodell lassen sich in “Le Mariage de Figaro“ die Figuren in sechs Aktanten einteilen. Subjekt der Handlung ist Figaro, der Kammerdiener des Grafen. Dieser begehrt Suzanne, die Kammerfrau der Gräfin, sie ist also Objekt. Da Figaro Suzanne liebt und sie heiraten möchte, ist der Sender die Liebe. Empfänger sind Suzanne und Figaro, da beide die Liebe des anderen empfangen. Gegen diese Liebe und die daraus folgende Hochzeit ist der Graf. Er ist in Suzanne verliebt und besteht auf das ius primae noctis, er hat also die Rolle des Opponenten. Auch Marceline ist eine Opponentin der Hochzeit. Sie will durch einen Schuldschein erzwingen, dass Figaro sie heiratet. Am Ende des Stücks wird sie aber zur Adjuvantin, nachdem sich herausgestellt hat, dass Figaro ihr Sohn ist. Auch die Gräfin ist Adjuvantin......
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktantenmodell und Figurenkonstellation
3. Zentrale Konflikte
4. Machtverhältnisse
5. Figuren und Charakterisierung
6. Syntagmatische Handlungsstruktur
7. Paradigmatische Wiederholungsmuster
8. Aufbau und Handlungsverlauf
9. Komik durch Verwechslungen
10. Komik durch Wiederholungen
11. Charakterkomik und Wortkomik
12. Komik durch Differenzen der Informiertheit
13. Gesellschaftskritik und Ende
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Struktur und die komischen Elemente in Pierre Augustin Caron de Beaumarchais’ „Le Mariage de Figaro“ unter Berücksichtigung narratologischer Modelle und gesellschaftskritischer Aspekte.
- Analyse der Figurenkonstellation mittels Greimas’ Aktantenmodell
- Untersuchung der syntagmatischen und paradigmatischen Handlungsstruktur
- Identifikation der verschiedenen Formen von Komik (Situations-, Charakter- und Wortkomik)
- Bewertung der diskrepanten Informiertheit als Spannungs- und Komikfaktor
- Kritik der Machtverhältnisse zwischen Adel und Bürgertum
Auszug aus dem Buch
Komik durch Differenzen der Informiertheit
Auch durch Differenzen der Informiertheit entsteht Komik. Am Anfang der Komödie wissen die Figuren mehr als der Leser. In der Exposition wird dem Leser die Vorgeschichte erläutert. Man erfährt im 1. Akt von den Heiratsplänen Suzannes’ und Figaros’, dass der Graf das ius primae noctis wieder einführen will, obwohl er es aus Liebe zu seiner Frau abgeschafft hat (Analepse). In der 2. Szene führt Figaro einen Monolog, der an die Zuschauer gerichtet ist. Man erfährt seine Gedanken und Pläne (Andeutungen), er will die Hochzeit vorverlegen, Marceline beseitigen, da sie gegen ihn klagen will, und die Mitgift des Grafen einstecken. Des weiteren wird angedeutet, dass Figaro Bartholos’ Hochzeit mit der Gräfin verhindert hat und Bartholo schadenfro ist, dass der Graf der Gräfin fremdgeht. Marceline hat von Bartholo einen Sohn, sie hat ihn auf seiner Seite als Rache für die gescheiterte Hochzeit mit der Gräfin. Außerdem wird angedeutet, dass der Graf von anderen Frauen nicht abgeneigt ist. Nach dem 1. Akt ist der Leser besser in formiert als die Figuren, er hat einen Wissensvorsprung. Auch durch das Beiseitesprechen gewinnt der Leser an Information, die die meisten Figuren nicht haben (diskrepante Informiertheit). So z.B. in der 10. Szene des 1. Akts, in der der Graf sich ans Publikum wendet (ad spectatores) und sagt, dass Marceline die Hochzeit von Figaro bestimmt noch stören wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Aktantenmodell und Figurenkonstellation: Einführung in die komplexe soziale und verwandtschaftliche Vernetzung der Figuren basierend auf dem Aktantenmodell.
Zentrale Konflikte: Erläuterung der Hauptkonflikte um das ius primae noctis und die finanziellen Forderungen von Marceline.
Machtverhältnisse: Dekonstruktion der vermeintlichen Überlegenheit des Adels gegenüber dem Bürgertum.
Figuren und Charakterisierung: Einordnung der Figuren als Typen mit Fokus auf die Entwicklung von Graf und Marceline.
Syntagmatische Handlungsstruktur: Gliederung der Handlung in ein triadisches Schema von der Ausgangslage bis zum Happy End.
Paradigmatische Wiederholungsmuster: Untersuchung der für die Komödie typischen Wiederholungen von Lügen und Intrigen.
Aufbau und Handlungsverlauf: Chronologische Analyse der Akte von der Exposition bis zur Klimax.
Komik durch Verwechslungen: Aufzeigen der komischen Momente durch Identitätsverwechslungen und situative Missverständnisse.
Komik durch Wiederholungen: Analyse von wiederkehrenden Handlungselementen wie dem Verstecken und Wiederentdecken von Chérubin.
Charakterkomik und Wortkomik: Darstellung der Verspottung von Justiz und Standesunterschieden durch Sprache und Typisierung.
Komik durch Differenzen der Informiertheit: Erörterung der Wissensdiskrepanzen zwischen Publikum und Figuren als treibende Kraft der Komik.
Gesellschaftskritik und Ende: Zusammenfassung der gesellschaftskritischen Untertöne und des schließenden Happy Ends.
Schlüsselwörter
Le Mariage de Figaro, Beaumarchais, Aktantenmodell, Komödie, Intrige, Machtverhältnisse, Adel, Bürgertum, Charakterkomik, Wortkomik, Informiertheit, Verwechslung, Typen, Handlungsstruktur, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Struktur sowie die komischen Mechanismen in Beaumarchais’ Komödie „Le Mariage de Figaro“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Figurenkonstellation, die verschiedenen Ebenen der Komik und die Kritik an den herrschenden Machtverhältnissen zwischen Adel und Bürgertum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch narrative Strukturen und diskrepante Wissensstände die Komik im Stück erzeugt wird und wie sich die Machtverhältnisse im Verlauf der Handlung verschieben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse stützt sich auf das Aktantenmodell nach Greimas, die Unterscheidung von syntagmatischen und paradigmatischen Strukturen sowie narratologische Konzepte wie die diskrepante Informiertheit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Handlungsverlauf, die Wiederholungsmuster von Intrigen und die verschiedenen Formen der Komik, die das Stück charakterisieren.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Aktantenmodell, Intrige, Machtverhältnisse, Charakterkomik, Wortkomik und Wissensvorsprung des Lesers.
Welche Rolle spielt der Dorfrichter Brid’Oison?
Brid’Oison dient als Beispiel für die Charakterkomik; er verkörpert die Unfähigkeit und Lächerlichkeit der Justiz, da er stottert und keine eigene Meinung besitzt.
Warum ist das Wissen des Lesers entscheidend für die Komik?
Der Wissensvorsprung des Lesers gegenüber den Figuren erzeugt Spannung und Komik, besonders bei den Verwechslungsszenen, bei denen der Zuschauer den Ausgang bereits besser einschätzen kann als die handelnden Personen.
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- Sylvia Hadjetian (Author), 2001, Beaumarchais - "Le Mariage de Figaro", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44038