Aspekte solidarischer Ökonomie bei Ribeirinhos


Referat (Ausarbeitung), 2005
30 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was bedeutet Ribeirinhos
1.1. In welchem Land befinden wir uns und wo leben die Ribeirinhos?
1.2. Die nichtstädtische Bevölkerung im Bundesstaat Amazonas
1.3. Abgrenzung Indigene – Ribeirinhos
1.3.1. Indigene
1.3.2. Ribeirinhos

2. Die indigene Ribeirinhokultur

3. Frauen in Amazonien

4. Die Wirtschaftsweise der Ribeirinhos
- Fischfang
- Sitio
- Landwirtschaft
- Sammelwirtschaft
- Haustiere
- Jagd
4.1 Übergeordnete Regulatoren des Wirtschaftens
4.2 Die Wirtschaftsweise der Ribeirinhos im Untersuchungsgebiet
4.3 Ribeirinhowirtschaftsweise vs. Indigene Wirtschaftsweise
4.4 Tauschhandel & Marktintegration

5. Die neue Bedrohung der Ribeirinhos
5.1 Das Aufkommen der Fangflotten nach Gründung der Freihandelszone
5.2 Das Erdöl- und Erdgasprojekt Urucu
5.2.1 Auswirkungen auf die Ribeirinhos

6. Bewegung der Ribeirinhos

7. Zukunftsvisionen

1. Was bedeutet Ribeirinhos?

„Der Begriff Ribeirinhos … beinhaltet schon im Wortstamm, dass es sich um eine Bevölkerung handelt, die am und, wie auszuführen sein wird, auch vom Wasser lebt. Die Flüsse bzw. die verschiedenen Gewässer Amazoniens sind konstituierendes Element ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise (Gawora, 2001).“

1.1 In welchem Land befinden wir uns und wo leben die Ribeirinhos?

In dem Seminar „Aspekte solidarischer Ökonomie bei traditionellen Gruppen Lateinamerikas“ werden Völker behandelt, die sich in Südamerika befinden. Südamerika ist der viertgrößte der sieben Kontinente (nach Asien, Afrika und Nordamerika). Er umfasst insgesamt 17 819 100 Quadratkilometer, das sind rund zwölf Prozent der Landfläche der Erde. Südamerika wird vom Äquator und dem südlichen Wendekreis durchzogen (Encarta, 2003). Auf diesem Kontinent befindet sich das Land Brasilien. Es wird im Norden von den Ländern Französisch – Guayana, Surinam, Guayana und Venezuela, im Nordwesten von Kolumbien, im Westen von Peru, im Südwesten von Bolivien und Paraguay, im Süden von Argentinien und Uruguay, und im Osten vom Atlantischen Ozean (Zahn, 1991). Wie auf der Karte von Brasilien zu sehen, befinden sich die fast alle großen brasilianischen Städte an der Ostküste. Diese Städte, wie Pôrto Alegre, Curitiba, Sao Paulo, Rio de Janeiro, Salvador, Recife, Fortaleza und Belem sind während der Kolonisation des südamerikanischen Kontinents entstanden und ihre Größe hat ihre Ursache in ihrer nahen Lage zum Ozean. Bis 1960 war Rio de Janeiro auch die Hauptstadt des Landes. Um diese Bevölkerungskonzentration aufzulösen, wurde dann Brasilia im inneren des Landes zur neuen Hauptstadt.

Brasilien besteht aus vielen großen Bundesstaaten. Unter anderem gehören dazu Amapa, Para, Bahia, Piaui, Tocantine, Minas Gerais, Parana, Goias, Mato Grosso, Rondonia, Acre und Amazonas. Amazonas ist der größte Bundesstaat des Landes mit seiner Hauptstadt Manaus. Er ist hauptsächlich mit Regenwald bedeckt.

Dieser Bundesstaat wird durchflossen vom Amazonas. In den Amazonas münden die Flüsse Rio Negro, Rio Branco, Japura, Juruà, Coari und Purus. An diesen Nebenflüssen des Amazonas leben die Ribeirinhos im Einklang mit dem Wasser (Zahn, 1991).

1.2 Die nichtstädtische Bevölkerung im Bundesstaat Amazonas

Die Bevölkerungsgruppe der Ribeibinhos ist in den letzten Jahren gegenüber anderen Völkern wenig hervorgetreten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Nichtstädtische Bevölkerung im Bundesstaat Amazonas (Gawora, 2001, S.29)

Wie in Abbildung 1 zu sehen ist beträgt die gesamte nichtstädtische Bevölkerung 623.113 Menschen. Von dieser Gesamtzahl sind nach Schätzungen zwischen 300.000 – 500.000 Ribeirinhos, circa 56.000 Indigene und zwischen 70.000 – 270.000 Menschen, die weniger mit einer indigenen Kultur verwandt sind. An diesen Zahlen erkennt man, dass das Verhältnis von Indigenen und Ribeirinhos eins zu neun beträgt. Es kommen auf einen Indigenen neun Ribeirinhos.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Entwicklung der Stadt- und Landbevölkerung im Bundesstaat Amazonas (Gawora, 2001, S.30)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Entwicklung der Stadt- und Landbevölkerung im Bundesstaat Amazonas (Gawora, 2001, S.30)

In Abbildung 2 die Entwicklung der Stadt- und Landbevölkerung im Bundesstaat Amazonas und in Abbildung 3 ist die Bevölkerungsentwicklung im Allgemeinen von 1940 bis 1996 dargestellt. Sie wird aber auch aufgeschlüsselt betrachtet unter den Differenzierung Stadt- und Landbevölkerung. Die Bevölkerung ist auf allen Ebenen zunächst langsamer gestiegen. Ab 1970 ist die Stadtbevölkerung jedoch sprunghaft angestiegen und dadurch auch die Gesamtbevölkerung. Das ist auf die bessere medizinische Versorgung zurückzuführen. Es gibt weiterhin eine hohe Geburtenrate in Amazonien, jedoch ist die Sterberate rapide gesunken. Die Landbevölkerung hat sich im Zeitraum von 1940 bis 1996 nicht einmal verdoppelt. In dieser Zeitspanne ist die Gesamtbevölkerung des Bundesstaates Amazonas um das 5,5 fache gestiegen, gleichzeitig stieg die Anzahl der Menschen die in der Stadt leben um das fast 17 fache von 104.789 auf 1.766.166. 1940 war das Verhältnis von Land- und Stadtbevölkerung drei zu eins. Betrachtet man das gleiche Verhältnis 1996 dann erkennt man, dass es sich umgekehrt hat. Es kommen jetzt auf 1 Menschen der auf dem Land wohnt 3 Menschen die in der Stadt leben. Die Umkehrung dieses Verhältnisses geschah zwischen 1970 und 1980. Dieser Trend ist nicht nur lokal in Brasilien zu beobachten, sondern er ist auf der ganzen Welt sichtbar. In Nordamerika bilden sich riesige Städtebänder an den Küsten, aber auch in Europa ziehen immer mehr Menschen von Land in die Stadt, was oftmals mit ökonomischen Gesichtspunkten zu tun hat (Gawora, 2001).

1.3 Abgrenzung Indigene – Ribeirinhos

1.3.1 Indigene

In den hat sich die Sozialwissenschaft intensiver mit den Bevölkerungsgruppen in Amazonien beschäftigt. Insbesondere wurden die Indigenen erforscht. Die indigenen Völker sind von der dargestellten Entwicklung von der Stadt- und Landbevölkerung am meisten bedroht. Ihre Lebensweise widerspricht am stärksten dem täglichen Verhalten der Stadtbevölkerung. Die Indigenen erleiden seit Jahrhunderten einen Genozid und Ethnozid. Das Besondere jedes indigenen Volkes ist ihre Einzigartigkeit. Sie sind von Volk zu Volk verschieden. Jede homogene Gruppe lässt sich deutlich unterscheiden. Als Ureinwohner Amazoniens haben sie ihre eigene Geschichte, Religion und medizinischen Praktiken. Die Indigenen differenzieren sich durch unterschiedliche Wirtschafts-, Kultur- und Lebensformen.

Die Sicherung ihres Überlebens soll durch die Errichtung von Indianergebieten erreicht werden. Ende 1999 gab es 370 Indianergebiete mit einer Gesamtfläche von eine Million Quadratkilometern. Von dieser Gesamtfläche standen 60% unter juristischem Schutz. Der Rest befindet sich in einer schwierigen und konfliktreichen Phase der Demarkierung (Gawora, 2001).

1.3.2 Ribeirinhos

Bei den Ribeirinhos sind im Gegensatz zu den Indigenen die homogenen Elemente weniger ausgeprägt. Sie sind keine Minderheit, sondern bilden, wie oben bereits erläutert, die Bevölkerungsmehrheit im Bundesstaat Amazonas. Besonders entlang Tropenflüsse im Amazonasgebiet sind die Ribeirinhos häufig anzutreffen. In Bundesstaaten, wie Rondonia oder Para, wo gezielte Kolonisationsprogramme durchgeführt wurden, bilden Neusiedler, auch Colons genannt, die Bevölkerungsmehrheit.

Die traditionelle Einordnung der Ribeirinhos als Landbevölkerung geschah durch die europäische Definition bei der Differenzierung von Stadt und Land. Übersetzt man das Wort Ribeirinhos, meint man damit Flussbevölkerung oder Flussanwohner, also eine Bevölkerung, die vom Fluss lebt.

„Die Ribeirinhos sind „Flussanwohner“, aber sie sind auch „Flussbewohner“: Sie leben nicht auf dem Land, und doch auch nicht auf dem Wasser: Sie leben zwischen beiden Welten und in beiden.“

(Pabst 1988, S.122)

Durch dieses Zitat wird ihre enge Wasserbeziehung deutlich. Die europäische Definition der Stadt- und Landbevölkerung lässt sich kaum noch auf die Ribeirinhos projizieren. Ihre enge Verbundenheit zum Wasser bildet ihren Lebensmittelpunkt (Gawora, 2001).

2. Die indigene Ribeirinhokultur

Die indigene Ribeirinhokultur gehört zu den ältesten und historischen beschriebenen Kulturformen in Amazonien.

Frei Gaspar Carvajal fuhr 1542 als erster Europäer den Amazonas entlang. Er sah am Ufer des Flusses tausende Indianer, die dort lebten. Des Weiteren berichtet er, dass die zahlreiche Bevölkerung in unzähligen Dörfern, die in Wassernähe lagen, beheimatet war. Selbst auf Flussinseln waren Indianer anzutreffen. Es handelte sich um wohl organisierte Gesellschaften, bei denen ein Überfluss an Nahrungsmitteln herrschte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Bevölkerung und Bevölkerungsdichte im präkolonialen Amazonien (Gawora, 2001, S. 35)

Die enorme Bevölkerungsdichte wird in Abbildung 4 deutlich. An den inneren Flussufern lebten pro Quadratkilometer circa 14,6 Menschen, in den restlichen Gebieten Amazonien betrug die Dichte dagegen nur zwischen 0,2 und 0,8 Menschen. Insgesamt lebten an den inneren Flussufern auf einer Flächen von 102.814 Quadratkilometern mehr Menschen als im inneren Tiefland auf einer Fläche von 5.037.886 Quadratkilometern. Es lebte auf 1/55 circa die Hälfte der gesamten Bevölkerung Amazoniens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Bevölkerungszahl und Besiedlungsdichte im tropischen Tiefland von Südamerika vor 1492 (Gawora, 2001, S.35)

Wie in Abbildung 5 zu sehen ist betrug die Bevölkerungsdichte in manchen Gebieten bis 28 pro Quadratkilometer. Die Bevölkerungsdichte nahm nach vom Amazonas in Nord- und Südrichtung hin stark ab, obwohl dort auch ein weit verzweigtes Nebenflusssystem vorhanden war.

Die ursprüngliche indigene Ribeirinhobevölkerung wurde, bis auf wenige Reste, in den ersten beiden Jahrhunderten der Kolonialisierung ausgelöscht. Dieser Vorgang ist zu vergleichen mit den Geschehnissen in Nordamerika, wo die Indianer das gleiche Schicksal ereilte oder mit den Kolonisationsprozessen in Afrika.

Der Missionar Samuel Fritz aus Böhmen befand sich 1689 und 1691 im Amazonasgebiet. Dort legte er zweimal die Strecke auf dem Amazonas zurück und schrieb seine Erlebnisse in einem Tagebuch nieder. 1689 schildert er eine Situation folgendermaßen: “...pflegten mich mit Eifer und Liebe, mehr noch, als ob es Christen gewesen wären. Sie brachten mir viele Fische, Schildkröten und Bananen und zeigten Verlangen, dass ich bei ihnen bleiben sollte.

”1691 kommt er an der gleichen Stelle wieder vorbei und schreibt in seinem Tagebuch: „… zu einem Ibanomasdorf, das wir aber auch menschenleer und abgebrannt fanden. Von hier fuhren wir 3 Tage, ohne Menschen zu begegnen.” Die Zitate zeigen wie sehr die europäischen Eroberer im Amazonasgebiet gewütet haben. Es wird die Gier und die Gewalt der Kolonisten sichtbar. Die schutzlosen Kulturen wurden von der europäischen Übermacht vernichtet. Vom heutigen Manaus aus bis 500 Kilometer westwärts fand eine fast vollständige Entvölkerung statt. Es wurde versklavt, gemordet und verschleppt. Aber auch eingeschleppte Krankheiten dezimierten die Indigenen Völker. Bereits 150 Jahre nach der Entdeckung waren viele kulturelle Muster der Eingeborenen komplett zerstört.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Aspekte solidarischer Ökonomie bei Ribeirinhos
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Aspekte solidarischer Ökonomie bei traditionellen Gruppen in Lateinamerika
Note
sehr gut
Autoren
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V44066
ISBN (eBook)
9783638417266
ISBN (Buch)
9783640233847
Dateigröße
1250 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aspekte, Ribeirinhos, Gruppen, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Franziska Maresch (Autor)Marc Schlotzhauer (Autor), 2005, Aspekte solidarischer Ökonomie bei Ribeirinhos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44066

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