Implizites und explizites Lernen. Lebenslanges Lernen am Beispiel Spracherwerb


Hausarbeit, 2017

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufbau und Ziel der Arbeit
1.2. Definition Lernen und lebenslanges Lernen

2. Gedachtnis
2.1. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
2.2. Kurzzeitgedachtnis

3. Lernen als Ergebnis der Langzeitspeicherung
3.1. Explizites Wissen
3.1.1. Deklaratives (explizites) Gedachtnis
3.1.2. Explizites Lernen
3.2. Implizites Konnen
3.2.1. Non-deklaratives (implizites) Gedachtnis
3.2.2. Implizites Lernen
3.3. Wissen und Konnen

4. Implizites und explizites Lernen im Verlauf des Lebens am Beispiel Spracherwerb

5. Diskussionsteil

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prozess des Lernens

Abbildung 2: Speicherprozess von impliziten und expliziten Gedachtnisinhalten

Abbildung 3: Gedachtnissysteme

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Was Hanschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Hinter diesem bekannten Sprichwort steckt die Aussage, dass man in jungen Jahren naturlich in der Lage ist Neues zu lernen, dies im Erwachsenenalter allerdings nicht mehr moglich ist. Doch entspricht das wirklich den Tatsachen? Ist es wahrend der Kindheit wirklich leichter zu lernen? Und verliert das Gedachtnis diese Lernfahigkeit im Laufe der Jahre? Ist es schlussfolgernd daraus uberhaupt noch moglich im hoheren Alter Neues zu lernen?

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der damit verbundenen Verlangerung der Erwerbszeit ergibt sich die Notwendigkeit nach lebenslangem Lernen. Erst kurzlich wurde das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben. Ein Berufseinsteiger mit 20 Jahren hat demnach eine theoretische Erwerbszeit von knapp 50 Jahren vor sich. Ob die Kenntnisse aus einer, in jungen Jahren absolvierten Berufsausbildung uber solch einen langen Zeitraum ausreichen, soll kritisch betrachtet werden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Weiterbildungen oder eventuell sogar Neuorientierungen zum beruflichen Lebenslauf in Zukunft dazu gehoren. Lebenslanges Lernen wird somit als Grundvoraussetzung zum Erhalt der Erwerbstatigkeit gesehen.

1.1. Aufbau und Ziel der Arbeit

Bei intensiverer Betrachtung der Definition des „Lernens“, werden zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen deutlich: Zum Einen geht es beim Lernen um den Prozess der Informationsaufnahme zum Anderen um das Ergebnis, welches im Gedachtnis abgespeichert wird und sich bei Abruf als verandertes Verhalten, also als Lernresultat, widerspiegelt.

Diese Arbeit beginnt mit der Beschreibung des Gedachtnisses und seinen verschiedenen Speicherfunktionen. So soll erklart werden wie Informationen in das Gedachtnis gelangen, dort verarbeitet werden und schlussendlich als Lernergebnis resultieren.

Bei anschlieBender differenzierterer Betrachtung des Langzeitgedachtnisses wird eine Unterscheidung zwischen bewussten (expliziten) und unbewussten (impliziten) Wissensinhalten deutlich. Entsprechend dieser Unterscheidung wird uber das explizite und implizite Gedachtnis zum expliziten und impliziten Lernen ubergeleitet. Diese unterschiedlichen Lernmechanismen werden in dem darauffolgenden Kapitel mit der Differenzierung zwischen Wissen und Konnen genauer erklart. Betrachtet man zusatzlich die altersbedingten Veranderungen des Gedachtnisses im Verlauf des Lebens, so kann daraus abgeleitet werden, welche Mechanismen in welchen Lebensphasen sinnvoll angewendet werden konnen. Dies wird am Beispiel des Erwerbs einer Fremdsprache veranschaulicht.

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser zu vermitteln, dass Lernen, trotz abnehmender Leistungsfahigkeit im Alter, durchaus lebenslang moglich ist. Lernen sollte nicht mit einer negativen Pragung, wie sie vielleicht aus Schulzeiten entstanden ist, behaftet sein, da Lernen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer sich schnell wandelnden Gesellschaft eine Notwendigkeit darstellt die Erwerbsfahigkeit langfristig zu erhalten und sich im Alter im Alltag gut zurecht zu finden. Die Arbeit stellt dar, wie in den unterschiedlichen Lebensphasen auf unterschiedliche Art Wissen aufgenommen und abgespeichert werden kann.

AnschlieBend werden diese Erkenntnisse zusammengefasst um dem Leser eine erganzende Empfehlung zu geben.

1.2. Definition Lernen und lebenslanges Lernen

Lernen ist ein Prozess, der uns uber unser gesamtes Leben begleitet. Er beginnt als Saugling und endet mit dem Tod. Das Lernen macht es dem Menschen erst moglich sich in der Umwelt zurecht zu finden. Orte, an denen Lernen stattfindet, beschranken sich keineswegs auf Bildungsinstitutionen oder sind auf bestimmte Lebensphasen beschrankt, Lernen passiert uberall und jederzeit. Schon das morgendliche Zahneputzen ist keine angeborene Fahigkeit, sondern resultiert aus dem Lernprozess einer komplexen

Tatigkeitsabfolge, die als Erfahrung des „Zahneputzens“ im Gedachtnis eingespeichert wurde. Per Definition ist Lernen ein Prozess aus welchem langfristig ein verandertes Verhalten resultiert.[1]

Wissensinhalte entstehen im Gehirn, indem sich Nervenzellen bei wiederholter Darbietung einer Information zu Synapsen verbinden. Mit diesen Verbindungen werden Informationen weitergeleitet. Da jede Nervenzelle (Neuron) mehrere tausend synaptische Verbindungen herstellen kann und das Gehirn mehrere Milliarden Nervenzellen umfasst, ist die Anzahl der moglichen Verknupfungen scheinbar unbegrenzt. Werden allerdings Informationen nicht mehr dargeboten, fuhrt dies zu einer Verkummerung der entsprechenden neuronalen Verknupfungen. Im Gegensatz dazu werden Bahnen bei haufiger Prasentation gestarkt und ausgebaut, sodass Informationen schneller abrufbar sind.[2] Lernen und Lernergebnisse spiegeln sich in jeder Handlung unseres Alltags. Sie manifestieren unsere Identitat und sind Grundvoraussetzung, sich in der Welt zurechtzufinden.

Lebenslanges Lernen bedeutet aus neurologischer Sicht, dass das Gehirn uber den Verlauf des gesamten Lebens die Fahigkeit behalt neue Verknupfungen zu bilden und umzugestalten.[3]

2. Gedachtnis

Mit dem Begriff Gedachtnis ist die Fahigkeit gemeint, Informationen aus der Umwelt aufzunehmen, abzuspeichern und auch wieder abzurufen, sobald die eigentliche Quelle nicht mehr verfugbar ist.[4] Der Informationsverarbeitungs- prozess findet dabei in drei unterschiedlichen Gedachtnissystemen statt, welche daruber entscheiden, ob Informationen aufgenommen, verarbeitet und schlussendlich ins Langzeitgedachtnis uberfuhrt werden sollen. Diese Systeme sind das sensorische Gedachtnis (Ultrakurzzeitgedachtnis), das Kurzzeitgedachtnis (KZG) und das Langzeitgedachtnis (LZG).

Der Prozess der Informationsaufnahme wird Enkodierung genannt. Gedachtnisprozesse sind das Speichern, mit welchem das dauerhafte Verbleiben der Information im Gedachtnis gemeint ist und der Abruf, welcher allgemein als das Erinnern bekannt ist.[5]

Betrachtet man diesen Prozess von der Wahrnehmung bis zur Speicherung kann er vereinfacht wie folgt dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prozess des Lernens Quelle: Eigene Darstellung

Der Erkenntnisgewinn ist dabei das Endprodukt des Verarbeitungsprozesses. Daraus lasst sich ableiten, dass Lernen und Gedachtnis gemeinsam zu betrachten sind.

2.1. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Die Informationsaufnahme erfolgt uber die sensorische Wahrnehmung. Umweltreize werden entsprechend Ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften von den entsprechenden Sinnesorganen aufgenommen und in Signale, bzw. Stimuli ubersetzt. Das Auge besitzt z.B. entsprechende

Rezeptoren, um elektromagnetische Wellen zu verarbeiten, wahrend das Ohr Schwingungen in der Luft erkennen kann, s.g. Schallwellen.[6] Der Prozess, der die Umwandlung der physikalischen oder chemischen Informationen der AuBenwelt in einen wahrnehmbaren Reiz beschreibt, wird Transduktion genannt und findet im sensorischen Gedachtnis oder auch Ultrakurzzeitgedachtnis statt. Dort wird entsprechend der gerichteten Aufmerksamkeit zwischen relevanten und nicht relevanten Informationen unterschieden und aussortiert. Unsere Umwelt ist voll von Reizen. Wurden wir alles gleichzeitig aufnehmen konnen, wurde das zu einer Reizuberflutung fuhren. Deswegen selektiert die Aufmerksamkeit aus der Fulle an Reizen und entscheidet daruber, welchen Dingen wir uns zuwenden und somit wahrnehmen.[7]

Relevante Informationen werden daraufhin enkodiert, also in das Kurzzeitgedachtnis uberfuhrt.

In Bezug auf das Lernen kann daraus abgeleitet werden, dass wir zum bewussten Lernen viel Aufmerksamkeit und Konzentration benotigen, um unsere Sinne auf das zu richten, was wir aufnehmen wollen und andere Dinge auszublenden. Unter Konzentration wird die Fahigkeit verstanden die gerichtete Aufmerksamkeit uber eine bestimmte Zeit zu fokussieren.[8]

2.2. Kurzzeitgedachtnis

Im Kurzzeitgedachtnis wird nach dem Model von Attkinson und Shiffrin (1968) die vom sensorischen Speicher bereitgestellte Information fur eine kurze Zeit zwischengespeichert, um zu entscheiden, ob diese langfristig weiterverarbeitet oder verworfen werden soll.

Ausschlaggebend, ob eine Information vom KZG ins Langzeitgedachtnis uberfuhrt wird, ist die Wiederholung mit welcher die Information dargeboten wird (Memorierungsschleife). Ohne das KZG ware es demnach weder moglich

Erinnerungen zu schaffen, noch diese abzurufen. Das KZG ist allerdings bezuglich seiner Kapazitat und auch seiner Speicherzeit begrenzt. Untersuchungen haben ergeben, dass die durchschnittliche Speicherkapazitat bei durchschnittlich sieben Items liegt. Dabei wurden Testpersonen eine Buchstabenabfolge prasentiert, welche Sie anschlieBend wiedergeben sollten. Es konnte festgestellt werden, dass jeweils das neuste Item das Alteste ersetzt (Displacement - Modell). Die allgemeine Speicherzeit im KZG variiert zwischen einigen Sekunden und einigen Monaten.

Des Weiteren wurde von Baddley (1994) belegt, dass der Kurzzeitspeicher keinesfalls nur ein passiver Zwischenspeicher darstellt ist.

Bei der Losung von einfachen Kopfrechenaufgaben werden zum Beispiel Zwischenergebnisse vom Kurzzeitspeicher reprasentiert und anschlieBend weiterverarbeitet. Deshalb ging man dazu uber das KZG auch als Arbeitsgedachtnis zu bezeichnen, welches standig neue Informationen mit bereits vorhandenen aus dem LZG abgleicht und in Kombination bringt.[9]

3. Lernen als Ergebnis der Langzeitspeicherung

Lernergebnisse entstehen durch die dauerhafte Speicherung im LZG. Dieses ist im Gegensatz zum KZG, in Bezug auf seine Speicherkapazitat unbeschrankt.[10] Informationen werden vom KZG weitergeleitet, ggf. mit Gefuhlen und Emotionen angereichert und anschlieBend abgespeichert. Das LZG vergisst keine Informationen. Allerdings kann es durch die Verkummerung neuronaler Verknupfungen passieren, dass ein Speicherort nicht mehr wiedergefunden wird. Vergleichbar ist dies mit einem Buch, welches in einer groBen Bibliothek falsch einsortiert wurde und deswegen nicht mehr auffindbar ist.

Das LZG unterscheidet nach Larry Squire (1986) bei der Speicherung grundsatzlich zwischen Faktenwissen, das bewusst angeeignet und abgerufen wird, und Wissen, welches in unbewusster Form erworben wird.

Faktenwissen und Erinnerungen der eigenen Lebensbiographie, also explizite Wissensinhalte, werden im deklarativen (oder expliziten) Gedachtnis

abgespeichert. Unbewusste, implizite Wissensinhalte wie das Wissen uber Fertigkeit, also das Konnen, werden dagegen im non-deklarativen Gedachtnissystem gespeichert.

Wahrend explizite Wissensinhalte durch den bewussten Arbeitsspeicher mussen, der von der gerichteten Aufmerksamkeit abhangig ist, um daraufhin durch Wiederholung in den deklarativen Speicher zu gelangen, fuhrt wiederholtes implizites Wissen direkt zur Speicherung im non-deklarativen Gedachtnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Speicherprozess von impliziten und expliziten Gedachtnisinhalten Quelle: www.kausalepsychotherapie.de (05.06.2017)

Deklaratives und non-deklaratives Gedachtnis sind bezgl. Ihres Inhaltes in weitere Subsysteme unterteilt.

[...]


[1] Vgl. Gerrig/Zimbardo (2015), S.730

[2] Vgl. Jansen (2015), 113 - ff.

[3] Vgl. Kullmann/Seidel (2005), S.21

[4] Vgl. Gruber (2011), S.10

[5] Vgl. Prof. Dr. L. Jansen (2015), S.74

[6] Vgl. Schiebener/Brand (2014), 40-f.

[7] Vgl. Kullmann/Seidel (2005), S.23

[8] Vgl. Kullmann/Seidel (2005), S.26

[9] Vgl. Solso/Reiss (2005), S.184

[10] Vgl. Gruber (2011), 51-ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Implizites und explizites Lernen. Lebenslanges Lernen am Beispiel Spracherwerb
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen  (Mobile University)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V441036
ISBN (eBook)
9783668802780
ISBN (Buch)
9783668802797
Sprache
Deutsch
Schlagworte
implizites, lernen, lebenslanges, beispiel, spracherwerb
Arbeit zitieren
Vanessa Jaschner (Autor), 2017, Implizites und explizites Lernen. Lebenslanges Lernen am Beispiel Spracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441036

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