„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.“ Hinter diesem bekannten Sprichwort steckt die Aussage, dass man in jungen Jahren natürlich in der Lage ist Neues zu lernen, dies im Erwachsenenalter allerdings nicht mehr möglich ist. Doch entspricht das wirklich den Tatsachen? Ist es während der Kindheit wirklich leichter zu lernen? Und verliert das Gedächtnis diese Lernfähigkeit im Laufe der Jahre? Ist es schlussfolgernd daraus überhaupt noch möglich im höheren Alter Neues zu lernen? Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der damit verbundenen Verlängerung der Erwerbszeit ergibt sich die Notwendigkeit nach lebenslangem Lernen. Erst kürzlich wurde das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben. Ein Berufseinsteiger mit 20 Jahren hat demnach eine theoretische Erwerbszeit von knapp 50 Jahren vor sich. Ob die Kenntnisse aus einer, in jungen Jahren absolvierten Berufsausbildung über solch einen langen Zeitraum ausreichen, soll kritisch betrachtet werden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Weiterbildungen oder eventuell sogar Neuorientierungen zum beruflichen Lebenslauf in Zukunft dazu gehören. Lebenslanges Lernen wird somit als Grundvoraussetzung zum Erhalt der Erwerbstätigkeit gesehen.
Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser zu vermitteln, dass Lernen, trotz abnehmender Leistungsfähigkeit im Alter, durchaus lebenslang möglich ist. Lernen sollte nicht mit einer negativen Prägung, wie sie vielleicht aus Schulzeiten entstanden ist, behaftet sein, da Lernen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer sich schnell wandelnden Gesellschaft eine Notwendigkeit darstellt die Erwerbsfähigkeit langfristig zu erhalten und sich im Alter im Alltag gut zurecht zu finden. Die Arbeit stellt dar, wie in den unterschiedlichen Lebensphasen auf unterschiedliche Art Wissen aufgenommen und abgespeichert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Aufbau und Ziel der Arbeit
1.2. Definition Lernen und lebenslanges Lernen
2. Gedächtnis
2.1. Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
2.2. Kurzzeitgedächtnis
3. Lernen als Ergebnis der Langzeitspeicherung
3.1. Explizites Wissen
3.1.1. Deklaratives (explizites) Gedächtnis
3.1.2. Explizites Lernen
3.2. Implizites Können
3.2.1. Non-deklaratives (implizites) Gedächtnis
3.2.2. Implizites Lernen
3.3. Wissen und Können
4. Implizites und explizites Lernen im Verlauf des Lebens am Beispiel Spracherwerb
5. Diskussionsteil
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die neurologischen und psychologischen Grundlagen des Lernens unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels und der Notwendigkeit lebenslangen Lernens. Ziel ist es, die Unterscheidung zwischen impliziten und expliziten Lernprozessen zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie diese über verschiedene Lebensphasen hinweg am Beispiel des Spracherwerbs zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit beitragen.
- Grundlagen des Gedächtnisses und der Informationsverarbeitung
- Differenzierung zwischen explizitem Wissen und implizitem Können
- Analyse der neuronalen Plastizität und Lernmechanismen über die Lebensspanne
- Bedeutung des Spracherwerbs als Anwendungsbeispiel für verschiedene Altersgruppen
- Herausforderungen und Chancen für lebenslanges Lernen im Alter
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Deklaratives (explizites) Gedächtnis
Das deklarative Gedächtnis verwaltet generalisiertes Wissen wie Faktenwissen und Regeln. Es wird auch explizites Gedächtnis genannt, da die Aufnahme der Inhalte explizit, also bewusst, geschieht. Die Lernresultate sind entsprechend bewusstseinsfähig und können artikuliert werden.
Man unterscheidet das deklarative Gedächtnis weiter in episodisches und semantisches Gedächtnis. Im episodischen Gedächtnis sind persönliche Erinnerungen wie die eigene Lebensgeschichte gespeichert. Dazu gehört die eigene Biografie genauso wie das Lieblingsessen. Das semantische Gedächtnis verwaltet im Gegensatz dazu generiertes Weltwissen (z.B.: Schulwissen). Belege der Existenz unterschiedlicher Gedächtnissysteme ergaben klinische Studien von Patienten, die sich zwar noch an Faktenwissen erinnern konnten, aber nicht mehr an Ihre eigene Biografie. Sie hatten somit Ihr episodisches Gedächtnis verloren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des lebenslangen Lernens vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und definiert das Ziel der Arbeit.
2. Gedächtnis: Dieses Kapitel beschreibt die grundlegenden Gedächtnissysteme, den Informationsverarbeitungsprozess sowie die Rolle von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.
3. Lernen als Ergebnis der Langzeitspeicherung: Hier werden die Mechanismen der dauerhaften Wissensspeicherung analysiert, wobei explizites Wissen und implizites Können sowie deren spezifische Lernformen differenziert werden.
4. Implizites und explizites Lernen im Verlauf des Lebens am Beispiel Spracherwerb: Das Kapitel veranschaulicht anhand der verschiedenen Lebensphasen – vom Kleinkindalter bis zum hohen Alter –, wie sich Lernfähigkeit und Methoden je nach neurologischer Entwicklung und Plastizität verändern.
5. Diskussionsteil: Der Diskussionsteil fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung von Erfahrungswissen und Motivation für den Erhalt der Lernfähigkeit bis ins hohe Alter.
Schlüsselwörter
Implizites Lernen, Explizites Lernen, Gedächtnissysteme, Lebenslanges Lernen, Spracherwerb, Neuronale Plastizität, Arbeitsgedächtnis, Deklaratives Gedächtnis, Non-deklaratives Gedächtnis, Assoziatives Lernen, Habituierung, Kognitive Entwicklung, Demografischer Wandel, Wissenserwerb, Lernpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Lernen und deren Anwendung auf den Spracherwerb über die gesamte Lebensspanne.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Gedächtnissysteme, neuronale Plastizität, kognitive Lernmechanismen und die Herausforderungen lebenslangen Lernens für die berufliche Erwerbsfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Lernen trotz altersbedingter Veränderungen lebenslang möglich ist, wenn die richtigen Lernmechanismen (implizit vs. explizit) bewusst genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Zusammenführung psychologischer Lerntheorien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Gedächtnisses, die detaillierte Erklärung der Langzeitspeicherung (Wissen vs. Können) und die praktische Anwendung am Beispiel des Spracherwerbs in verschiedenen Lebensaltern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind implizites und explizites Lernen, Gedächtnissysteme, Spracherwerb und lebenslanges Lernen.
Warum fällt das Lernen in jungen Jahren laut Autorin leichter?
Die Autorin führt dies auf die hohe neuronale Plastizität und die Flexibilität des Gehirns in der Kindheit und Jugend zurück, die das Anlegen neuer synaptischer Verbindungen begünstigt.
Welche Rolle spielt das Erfahrungswissen für ältere Lernende?
Erfahrungswissen ist entscheidend, um Defizite in der Verarbeitungsgeschwindigkeit auszugleichen und durch die Nutzung von bereits existierenden Mustern und Zusammenhängen effizienter zu lernen.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Jaschner (Autor:in), 2017, Implizites und explizites Lernen. Lebenslanges Lernen am Beispiel Spracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441036