Beziehungen, die mittels Computertechnik zustande kommen beziehungsweise intakt gehalten werden, nehmen in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Die moderne Technik ermöglicht räumlich getrennten Paaren, sich nicht nur mittels einfacher Textübermittlung, sondern sogar audiovisuell nahe zu sein.
Doch wie verhält es sich mit dem Medium selbst? Kann es so etwas wie eine Beziehung geben zwischen einem Computer und der Person, die ihn bedient?
Da die Computertechnik nicht nur am Arbeitsplatz sondern in zunehmenden Maße auch im privaten Bereich wachsende Bedeutung erlangt, ist diese Frage durchaus legitim, zumal einer aktuellen Umfrage der Computerzeitschrift "PC Welt" zufolge gut drei Viertel aller Teilnehmer angeben, mit ihrem Computer zu sprechen.
Der Computer ist ein Arbeitsgerät, mit dem viele Menschen täglich zu tun haben, mit dem man nicht nur arbeiten, sondern auch spielen und durch das man sogar kommunizieren kann.
Ein solch vielseitiges System, mit welchem man auf verschiedene Art und Weise jede Menge Zeit verbringen kann, scheint doch geradezu prädestiniert für die Frage, ob es da eine Art von Beziehung geben kann, die über die eines bloßen Umgangs mit einem Werkzeug hinausgeht.
Mit der vorliegenden Hausarbeit gebe ich einen Überblick über Ergebnisse bisheriger Untersuchungen, in welchen das Verhältnis von Computer-Nutzern zu ihren Rechnern analysiert wurde, und ich werde versuchen, einen Beitrag zur Beantwortung der Frage zu leisten, ob Kommunikation zwischen Computern und Menschen generell möglich sein kann oder nicht.
Die Quellenlage zum Thema ist als eher spärlich zu bezeichnen, jedoch behandeln die wenigen existierenden Schriften die Frage nach der Beziehung zwischen Mensch und Computer teilweise recht umfangreich und tiefgründig. In diesem Zusammenhang verweise ich besonders auf die Veröffentlichungen “Der Mensch als Kommunikationspartner” von Peter Molzberger sowie “The Media Equation” von Byron Reeves und Clifford Nass.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KOMMUNIKATION UND IHRE VORAUSSETZUNGEN
2.1 Begriffsklärung
2.2 Beziehung zwischen Kommunikationspartnern
3. DER COMPUTER ALS KOMMUNIKATIONSPARTNER
3.1 Formen der Kommunikation mit dem PC
3.2 Virtuelle Intention
3.3 Metakommunikation mit dem PC
3.4 Kommunikation durch Halluzination
3.4.1 Vorstellungskraft als Basis
3.4.2 Warum ausgerechnet der Computer?
3.5 Sozialer Umgang mit dem Computer
3.5.1 Der Computer als sozialer Akteur
3.5.2 Höflicher Umgang mit dem PC
3.5.3 Lob vom PC - Lob dem PC
3.5.4 Wut auf Computer
3.5.5 Persönlichkeit von Computern
3.5.6 Geschlecht von Computern
3.6 Einswerdung mit dem Partner - Sex mit dem PC?
4. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob zwischen Menschen und Computern eine echte Kommunikation oder eine beziehungsähnliche Interaktion stattfinden kann, indem sie das Verhältnis der Nutzer zu ihren Geräten analysiert.
- Definition der Kommunikationsvoraussetzungen
- Psychologische Aspekte der Mensch-Computer-Interaktion
- Rolle der "virtuellen Intention" und Projektion
- Soziale Regeln im Umgang mit Computern
- Einfluss von Computer-Persönlichkeit und Geschlecht
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Vorstellungskraft als Basis
Wie oben bereits festgestellt, ist Kommunikation im klassischen Sinne mit einem Computer nicht möglich.
Wechselt man jedoch die Betrachtungsebene, so eröffnet sich doch eine Möglichkeit der Kommunikation und, darauf aufbauend, der Beziehung zu einer Rechenmaschine. Menschen, die glauben, mit einem PC zu kommunizieren, sind auch tatsächlich im Stande dazu. Das bekannteste Beispiel dürften die Arbeiten des amerikanischen Computer-Forschers Joseph Weizenbaum sein.
Menschen, die mit dem von ihm entwickelten Sprach-Analyse-Programm namens ELIZA umgingen, das eigentlich einen US-amerikanischen Psychotherapeuten parodieren sollte, bauten sehr schnell eine emotionale Beziehung zum Computer auf und schrieben ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zu. Eine solche emotionale Beziehung kommt zu Stande, indem der Benutzer bestimmte Aspekte seiner eigenen Psyche auf den Computer projiziert.
In der Wissenschaft spricht man von „Halluzination“. Es handelt sich um eine lebensnotwendige Fähigkeit aller Menschen. Das menschliche Gehirn unterscheidet zunächst nicht zwischen Realem und Virtuellem, sondern es reagiert sozial und natürlich auf alles, was real scheint. Dies geht zurück auf die Steinzeit, in der alles, was sozial agierte, auch tatsächlich real war. Heutzutage trifft man immer häufiger auf Abbildungen von Realität, nicht nur bei Computern. Spricht ein Kleinkind z.B. mit seinem Teddybär, so erfüllt dieses Gespräch alle Kriterien einer echten Kommunikationsbeziehung. Das Kind leiht dem Stofftier sowohl Stimme als auch Intention. Es handelt sich um eine gesellschaftlich akzeptierte Halluzination, niemand würde solch ein Kleinkind für verrückt halten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den wachsenden Stellenwert von Computertechnik im Alltag und führt in die Fragestellung ein, ob eine reale Beziehung zwischen Mensch und Computer möglich ist.
2. KOMMUNIKATION UND IHRE VORAUSSETZUNGEN: Es werden grundlegende Definitionen von Kommunikation erörtert und die Regeln erläutert, die zwischen menschlichen Kommunikationspartnern für ein Verständnis notwendig sind.
3. DER COMPUTER ALS KOMMUNIKATIONSPARTNER: Dieses Kapitel untersucht verschiedene Interaktionsformen, von virtuellen Spielgegnern bis hin zu sozialen Projektionen und dem Phänomen der "Einswerdung" beim Programmieren.
4. RESÜMEE: Das Fazit stellt fest, dass Kommunikation im klassischen Sinne nicht möglich ist, aber eine Beziehung durch psychologische Projektionen des Nutzers auf die Maschine entstehen kann.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Mensch-Computer-Interaktion, Beziehung, virtuelle Intention, Halluzination, ELIZA, soziale Akteure, Projektion, Persönlichkeit, Geschlecht von Computern, Informatik, Psychologie, Benutzerschnittstelle, Medienpsychologie, Technikfolgen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Mensch und Computer und geht der Frage nach, ob man von einer echten Kommunikation oder sogar einer beziehungsähnlichen Bindung zwischen Nutzer und Maschine sprechen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Kommunikationsvoraussetzungen, der soziale Umgang mit Technik, die menschliche Projektionsfähigkeit und die psychologischen Reaktionen auf computerbasierte Systeme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über bisherige Untersuchungen zum Verhältnis von Computernutzern zu ihren Rechnern zu geben und zu prüfen, ob Kommunikation zwischen Mensch und Computer generell möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die verschiedene psychologische und kommunikationswissenschaftliche Studien und Experimente (wie die von Reeves und Nass oder Weizenbaum) zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten der Interaktion, die Rolle der Vorstellungskraft bei der Kommunikation, den sozialen Umgang mit dem PC sowie spezifische Effekte wie Lob, Wut oder Geschlechtszuschreibungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mensch-Computer-Interaktion, virtuelle Intention, soziale Akteure, Projektion und Medienpsychologie charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die "virtuelle Intention" von einer menschlichen Absicht?
Die virtuelle Intention ist keine echte, eigenständige Absicht, sondern eine durch Programmierer oder Nutzer in das System hineinprojizierte Absicht, die dem Gerät erst durch den Menschen Bedeutung verleiht.
Warum neigen Menschen dazu, ihre Computer zu vermenschlichen?
Aufgrund der rasanten Komplexität und der zunehmenden sprachlichen Gestaltung der Ein- und Ausgabe fällt es dem menschlichen Gehirn leicht, soziale Muster auf die Maschine zu übertragen, was zu einer "gesellschaftlich akzeptierten Halluzination" führt.
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- B.A. Mario Müller (Author), 2001, Beziehungen zum Computer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44105