Im Jahre 1961 unterzeichneten Deutschland und die Türkei ein Abkommen, durch das billige Arbeitskräfte in der Türkei angeworben werden sollten, um im Deutschland der “Wirtschaftswunderzeit” Beschäftigungsengpässe auszugleichen. Diese von da an einsetzende “Arbeitsmigration” sollte ursprünglich zeitlich begrenzt sein, jedoch erwies sich das Wunschmodell temporärer Beschäftigung als unrentabel, sowohl für die deutschen Unternehmen als auch für die türkischen Arbeitnehmer, welche dauerhaft in Deutschland verblieben und gegen Ende der 1960er Jahre auch ihre Familien aus der Türkei nachholten.
Der stetig wachsenden Immigrationswelle wurde 1973 durch einen Anwerbestopp Einhalt geboten, 1981 erließ die Bundesregierung sogar ein “Gesetz zur Förderung der Rückkehrbereitschaft von Ausländern”, welches die Rückkehr in die Türkei u.a. finanziell förderte und den Familienzuzug einschränkte.
Im Jahr 2001 bildeten die ca. 2,5 Millionen türkischstämmigen Bürger der ersten, zweiten und dritten Generation die mit Abstand größte ausländische Minderheit in Deutschland. Ihre Kaufkraft beträgt ca. 12,2 Milliarden Euro pro Jahr. Es handelt sich also um eine große Gruppe von Menschen, deren spezielle Interessen innerhalb Deutschlands auch und gerade durch besondere Medienangebote berücksichtigt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine Übersicht über diese Angebote zu geben, darzustellen, welche medienspezifischen Entwicklungen absehbar sind sowie zu untersuchen, inwiefern die genutzten Medienangebote zur gesellschaftlichen Integration türkischstämmiger Bürger in der Bundesrepublik beitragen.
Als Quellenbasis nutze ich überwiegend eine Studie des Bundespresseamtes aus dem Jahr 2001 sowie die Dokumentation einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. MEDIEN FÜR IN DEUTSCHLAND LEBENDE TÜRKEN
2.1 Fernsehprogramme
2.2 Printmedien
2.3 Radioprogramme
2.4 Internetangebote
3. TÜRKISCHE MEDIENNUTZUNG
3.1 Studie des Bundespresseamtes
3.2 Medien-Nutzer-Typen
3.2.1 Der Kulturexil-Typ
3.2.2 Der politische Exil-Typ
3.2.3 Der Diaspora-Typ
3.2.4 Der Bikultur-Typ
3.2.5 Der Transkultur-Typ
3.2.6 Der Assimilationstyp
4. DAS DEUTSCHLANDBILD IN TÜRKISCHEN MEDIEN
5. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mediennutzung türkischstämmiger Bürger in Deutschland und analysiert, inwieweit die verschiedenen Medienangebote zur gesellschaftlichen Integration dieser Minderheit beitragen oder durch eine mögliche Ethnisierung entgegenwirken.
- Überblick über türkischsprachige Medienangebote in Deutschland (TV, Print, Radio, Internet).
- Kategorisierung türkischer Mediennutzer anhand spezifischer Typologien.
- Analyse des Deutschlandbildes in türkischen Zeitungen.
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Mediennutzung und Integrationsgrad.
- Bedeutung von deutsch-türkischen "Misch-Medien" für nachfolgende Generationen.
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Der Bikultur-Typ
Der Bikultur-Typ nutzt sowohl deutsche als auch türkische Medien, wobei sich bei der Mehrzahl der Befragten ein Trend dahingehend abzeichnet, dass deutsche Medienangebote bevorzugt zur Informationsbeschaffung und türkische Medienangebote überwiegend zur Unterhaltung und zum Erhalt des Kontaktes zur türkischen Lebensart genutzt werden. Die zweisprachige Mediennutzung steigert die Medienkompetenz, da direkte Vergleiche zwischen beiden Medienkulturen gezogen werden können. Der Bikultur-Typ kritisiert türkische Medien häufiger als deutsche, ihm missfällt besonders die Staatsorientierung der klassischen türkischen Medienangebote. Die Zweisprachigkeit und das geistige Dasein in zwei Kulturen wertet er als positiv für seine Identität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der historischen Entwicklung der Arbeitsmigration seit 1961 und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich des Integrationsbeitrags von Medienangeboten.
2. MEDIEN FÜR IN DEUTSCHLAND LEBENDE TÜRKEN: Übersicht über die verschiedenen Mediensparten wie Fernsehen, Printmedien, Radio und Internet und deren spezifische Angebote für die türkische Minderheit.
3. TÜRKISCHE MEDIENNUTZUNG: Analyse empirischer Daten zur Mediennutzung und Differenzierung der Nutzer in verschiedene psychologische und soziologische Typen.
4. DAS DEUTSCHLANDBILD IN TÜRKISCHEN MEDIEN: Auswertung einer Untersuchung zur Berichterstattung über Deutschland in führenden türkischen Tageszeitungen.
5. RESÜMEE: Abschließende Einschätzung des Einflusses von Medien auf die Integration und Identifizierung eines Trends zur bikulturellen Mediennutzung.
Schlüsselwörter
Türkische Mediennutzung, Migration, Integration, Ethnisierung, Türkische Minderheit, Medienkompetenz, Bikulturalität, Mediennutzer-Typen, Bundespresseamt, Deutsch-türkische Medien, Identität, Transkultur, Printmedien, Fernsehen, Internetangebote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mediennutzung der in Deutschland lebenden türkischstämmigen Bevölkerung und deren Einfluss auf den gesellschaftlichen Integrationsprozess.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der verfügbaren Medienangebote (TV, Print, Radio, Online), der Typisierung von Mediennutzern und der Untersuchung des Deutschlandbildes in türkischsprachigen Publikationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine Übersicht über die aktuelle Medienlandschaft für türkischstämmige Bürger zu geben und zu untersuchen, inwieweit diese Medien die Integration fördern oder behindern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert primär auf der Sekundäranalyse einer qualitativen Studie des Bundespresseamtes sowie auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und Tagungsdokumentationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Medienangebote, eine Typologie der Nutzer und eine Analyse der medialen Berichterstattung über Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Migration, Integration, bikulturelle Mediennutzung, Ethnisierung und Identitätsbildung in einer Einwanderungsgesellschaft.
Warum spielt das Fernsehen laut Studie eine so herausragende Rolle?
Das Fernsehen ist mit 90 % Reichweite das am intensivsten genutzte Medium, da es sowohl Unterhaltungsbedürfnisse abdeckt als auch den Kontakt zur türkischen Heimat aufrechterhält.
Was unterscheidet den "Bikultur-Typ" von anderen Nutzern?
Dieser Typ nutzt gezielt sowohl deutsche als auch türkische Medien und kombiniert diese, was laut Arbeit die Medienkompetenz erhöht und eine positive Identitätsentwicklung unterstützt.
- Quote paper
- B.A. Mario Müller (Author), 2002, Türkische Mediennutzung in Deutschland - Zwischen Integration und Ethnisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44106