Unter dem Begriff „Visualität“, um den es zentral in der nachfolgenden Arbeit gehen wird, versteht man laut Duden grundlegend den „Gesamtbereich der optischen Wahrnehmung, Auffassung und Vorstellung“. Er bezeichnet folglich eine Sinneswahrnehmung mittels der Augen, die die Menschen die vor ihnen liegende Welt zunächst objektiv wahrnehmen und ein Weltbild entstehen lässt. Eine Auffassung oder Vorstellung dessen unterliegt allerdings auch subjektiven Empfindungen, je nachdem, welches Weltbild im Kopf des Rezipienten vorherrscht. Eine visuelle Wahrnehmung kann zudem, wie man speziell im Bereich von Literatur und Film erfährt, getrübt und eingeschränkt werden, wodurch das Subjekt zu der Frage gelangen kann, was überhaupt real und was Fiktion ist. Wir haben es also mit einem sehr komplexen Feld zu tun, das nicht nur medienwissenschaftlichen, sondern auch philosophischen Fragestellungen unterliegt, die näher analysiert werden sollen. Thema der Arbeit sind die Visualität und Wirklichkeitskonstruktionen im populären US-Film am Beispiel von „The Matrix“ unter Rückkopplung auf das „Höhlengleichnis“ des Philosophen Platon. Es wird der zentralen Fragestellung nachgegangen, inwiefern durch visuelle Darstellungsweisen eine Wirklichkeit im Spiel mit Fiktion in den Medien Literatur und Film konstruiert werden kann. Dazu wurde zunächst die Arbeit „Visualität in Literatur und Film: Eine medienkomparatistische Untersuchung moderner Erzähltexte und ihrer Verfilmungen“ von Sandra Poppe analysiert, um einen theoretischen Hintergrund zu schaffen und Gemeinsamkeiten sowie Übergänge zwischen den Medien Literatur und Film herauszustellen. Im dritten Kapitel werden Poppes Erkenntnisse schließlich auf das Sehen und „Nicht-Sehen“ im platonischen Höhlengleichnis sowie auf den Film „The Matrix“ übertragen. Die Konstruktion von Wirklichkeitsmodellen in Abgrenzung zur Fiktion durch die Visualität soll dabei im Vordergrund stehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Aspekte der Visualität nach Sandra Poppe (2007)
- Visualität in der Literatur
- Visualität im Film
- Überschneidungen von Visualität zwischen Literatur und Film
- Beispiele für literarische und filmische Visualität
- Sehen und „Nicht-Sehen“ im „Höhlengleichnis“ von Platon
- Filmische Visualität am Beispiel von „The Matrix“ (1999)
- Visuelle und philosophische Ansätze vom Höhlengleichnis im Film „The Matrix“
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Visualität und Wirklichkeitskonstruktionen im populären US-Film am Beispiel von „The Matrix“ (1999) unter Rückkopplung auf Platons „Höhlengleichnis“. Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern durch visuelle Darstellungsweisen eine Wirklichkeit im Spiel mit Fiktion in den Medien Literatur und Film konstruiert werden kann.
- Visualität als konstitutives Element von Literatur und Film.
- Gemeinsamkeiten und Überschneidungen von Visualität in Literatur und Film.
- Platons Höhlengleichnis als Paradigma für die Konstruktion von Wirklichkeit und die Rolle des Sehens.
- Die Konstruktion von Wirklichkeitsmodellen im Film „The Matrix“.
- Der Zusammenhang zwischen Visualität und philosophischen Fragestellungen nach Realität und Fiktion.
Zusammenfassung der Kapitel
Das zweite Kapitel untersucht die „visuelle Wahrnehmung“ nach Sandra Poppe (2007) und beleuchtet die spezifischen Darstellungsmethoden von Visualität in Literatur und Film. Dabei werden die Funktionen von Deskription und Narration sowie die semantische Funktion von visuellen Darstellungsmitteln wie Metaphern, Symbolen und Leitmotiven beleuchtet.
Das dritte Kapitel analysiert das Sehen und „Nicht-Sehen“ im platonischen Höhlengleichnis sowie die filmische Visualität in „The Matrix“. Es werden exemplarische Szenen aus dem Film hinsichtlich ihrer visuellen Darstellungsmittel und deren semantische Funktion analysiert, um den Zusammenhang zwischen dem Höhlengleichnis und dem Film „The Matrix“ aufzuzeigen. Das Kapitel beleuchtet, wie beide Werke das Spiel mit Realität und Fiktion und die Suche nach Erkenntnis durch den Akt des Sehens thematisieren.
Schlüsselwörter
Visualität, Literatur, Film, Höhlengleichnis, The Matrix, Realität, Fiktion, Deskription, Narration, Intermedialität, Semantik, Erkenntnis, Wahrheit, Illusion, Scheinwelt, Konstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Visualität“ in Film und Literatur?
Visualität umfasst den Gesamtbereich der optischen Wahrnehmung und Vorstellung. In den Medien wird sie genutzt, um Wirklichkeitskonstruktionen zu erschaffen oder zu hinterfragen.
Welche Parallelen gibt es zwischen Platons Höhlengleichnis und „The Matrix“?
Beide thematisieren Menschen, die in einer Scheinwelt (Höhle/Matrix) gefangen sind und die Schatten bzw. digitalen Simulationen für die einzige Realität halten.
Was ist die zentrale Fragestellung dieser Arbeit?
Es wird untersucht, inwiefern visuelle Darstellungsweisen in Literatur und Film dazu beitragen können, eine Wirklichkeit im Zusammenspiel mit Fiktion zu konstruieren.
Welche Rolle spielt das „Sehen“ und „Nicht-Sehen“ bei Platon?
Das Sehen steht als Metapher für Erkenntnis. Wer nur die Schatten sieht, verharrt in der Unwissenheit; erst der Blick ins Licht (die Wahrheit) ermöglicht wahre Erkenntnis.
Wie wird Visualität im Film „The Matrix“ semantisch genutzt?
Durch spezifische filmische Mittel wie Leitmotive, Symbole und Deskription wird die Grenze zwischen Realität und Fiktion für den Zuschauer erfahrbar gemacht.
Was ist das Ergebnis der medienkomparativen Untersuchung?
Die Arbeit zeigt Überschneidungen auf, wie Literatur und Film visuelle Reize nutzen, um philosophische Fragen nach Wahrheit und Illusion zu behandeln.
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- Jessie Kristen (Author), 2017, Platons Höhlengleichnis als Paradigma. Visualität und Wirklichkeitskonstruktionen im populären US-Film "The Matrix", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441097