In unserem Referat beschäftigen wir uns mit der Methode der biographischen Analyse und deren Anwendung auf ein konkretes Beispiel. Nach einer kurzen Einführung in die Methode der biographischen Analyse wird der Begriff der Nekrophilie erläutert. Anschließend veran-schaulichen wir die Methode anhand einer von Fromm durchgeführten biographischen Analyse Hitlers im Hinblick auf seinen nekrophilen Charakter.
Die biographische Methode ist ein Forschungsinstrument, bei dem das “Subjekt” notwendigerweise umfassend in den Forschungsprozeß einbezogen wird (Bedeutung des Verhaltens im “Gesamtzusammenhang”).
Die Anwendung der biographischen Methode nennt man biographische Exploration. Unter Berücksichtigung der Gesichtspunkte
- bedeutsame Entwicklungsabschnitte
- Konstanz und Veränderung im Erleben und Verhalten
- Abschnitte, die besonders positiv bzw. negativ empfunden wurden
gelangt man zu einer subjektiven Gliederung des Lebenslaufes.
Deshalb führt eine differentielle Entwicklungspsychologie mit den Bedingungsfaktoren Konstanz und Variabilität zu idiographischen und nomothetischen Forschungsprinzipien. Unter idiographischen Forschungsprinzipien versteht man die Erfassung der individuellen Welt durch differenzierte Aussagen, in denen das subjektive Erleben berücksichtigt wird, unter nomothetischen den Vergleich einzelner individueller Welten, da im Gegensatz zur z.B. Geschichtswissenschaft es nicht das Ziel ist, einzelne Lebensläufe in ihrer Einmaligkeit zu erfassen, sondern in ihnen gewisse Gemeinsamkeiten zu entdecken.
Die Biographische Methode erfordert am Anfang jeder Exploration einen Einblick in das Begriffssystem des Individuums. Deshalb muß am Beginn eine Analyse der individuellen Interpretationsmuster vorgenommen werden.
Daraus entwickelt sich die Frage: Ist biographisches Material von verschiedenen Personen vergleichbar? Ist also qualitative Forschung überführbar in statistische Methoden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Methode der biographischen Analyse
2.1 Einführung
2.2 Methodisches Vorgehen
3. Nekrophilie
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Nekrophilie und die Vergötterung der Technik
3.3 Der Verquickung von Technik und Destruktivität
3.4 Ursachen für Nekrophilie
3.5 Zur Diagnose der Nekrophilie
3.6 Kritik
3.7 Der DRY-NT
4. Hitler, ein Fall von Nekrophilie
4.1 Zur Methode
4.2 Hitlers Lebenslauf
4.3 Hitlers Destruktivität
4.4 Andere nekrophile Merkmale Hitlers
4.5 Verdrängung der Destruktivität
4.6 Gaben und Talente
4.7 Tarnschicht
4.8 Willensdefekte und Mangel an Wirklichkeitssinn
4.9 Kritik an der biographischen Methode Fromms
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung der biographischen Analyse als Forschungsinstrument am konkreten Beispiel Adolf Hitlers. Ziel ist es, Hitlers destruktives Verhalten durch das Konzept der Nekrophilie nach Erich Fromm zu explorieren, seine Persönlichkeitsstruktur zu beleuchten und den Einfluss psychologischer Faktoren auf seinen Werdegang zu analysieren.
- Grundlagen und Methodik der biographischen Analyse
- Theoretische Definition und Erscheinungsformen der Nekrophilie
- Fromms psychoanalytische Deutung der Hitler-Biographie
- Verbindung von moderner Technik und menschlicher Destruktivität
- Kritische Reflexion der verwendeten Methode und Quellen
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsdefinition:
Bei der Nekrophilie handelt es sich um die Liebe zum Toten (Griechisch: nekros = Tod). Sie ist traditionell unterteilt in 2 Arten, in die sexuelle Nekrophilie, die sich im Wunsch äußert, mit einer Leiche Geschlechtskontakt zu haben und in die nicht-sexuelle Nekrophilie. Diese Form der Nekrophilie geht mit dem Drang einher, sich in der Nähe von Leichen aufzuhalten, ihren verwesenden Geruch zu inhalieren und auch mit dem Bestreben, Leichen zerstückeln zu wollen, wobei hier auch gelegentlich Tiere als Lustobjekte herangezogen werden.
Fromm hingegen betont, daß es noch eine zweite Form der Nekrophilie gibt, die nicht den traditionellen Definitionen entspricht und die demnach auch auf den ersten Blick nicht so abstoßend erscheint. Nekrophile Handlungen sind für ihn Handlungen reinen Zerstörungsdrangs. Nekrophilie läßt sich in diesem Sinne beschreiben als das ausschließliche Interesse an allem, was rein mechanisch ist. Es ist die Leidenschaft, lebendige Zusammenhänge mit Gewalt entzureißen. (E. Fromm (164a).)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Anwendung der biographischen Methode auf das Fallbeispiel Hitler unter dem Aspekt der Nekrophilie.
2. Einführung in die Methode der biographischen Analyse: Hier werden die theoretischen Grundlagen und das methodische Vorgehen der biographischen Exploration als Forschungsinstrument dargelegt.
3. Nekrophilie: Dieses Kapitel definiert Nekrophilie in ihrer traditionellen sowie in der erweiterten Form nach Fromm als zerstörerische Leidenschaft und setzt sie in Bezug zur modernen Technik.
4. Hitler, ein Fall von Nekrophilie: Dies ist der Hauptteil, in dem Fromms Analyse von Hitlers Biographie, Destruktivität, Persönlichkeitsstruktur und seinen charakteristischen "Tarnschichten" detailliert nachgezeichnet wird.
Schlüsselwörter
Biographische Analyse, Nekrophilie, Erich Fromm, Adolf Hitler, Destruktivität, Persönlichkeitspsychologie, Psychoanalyse, Marketing-Charakter, Technik, Ideologie, Narzißmus, Biographie, Forschungsprinzipien, Verdrängung, Forschungsdesign.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der biographischen Methode der Persönlichkeitspsychologie und wendet diese exemplarisch auf die Analyse der destruktiven Persönlichkeit Adolf Hitlers nach Erich Fromm an.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Einführung in die biographische Exploration sowie der detaillierten Untersuchung des Nekrophilie-Konzepts im Kontext von destruktivem Verhalten und moderner Industriegesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Hitlers Handeln aus einer intensiv verdrängten nekrophilen Leidenschaft als Teil seines Charakters erklärt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die biographische Methode bzw. Exploration angewandt, die ein forschendes Individuum ganzheitlich betrachtet und durch psychoanalytische Ansätze unbewusste Persönlichkeitsanteile beleuchtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird Hitlers Lebenslauf unter verschiedenen Entwicklungsaspekten analysiert, wobei Fromms Thesen zu seiner Destruktivität, seinen Talenten, Tarnstrategien und der Rolle der Mutter kritisch reflektiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Biographische Analyse, Nekrophilie, Destruktivität, Hitler, Fromm und psychologische Exploration.
Was unterscheidet Fromms Definition von Nekrophilie vom traditionellen Verständnis?
Während die traditionelle Sicht Nekrophilie auf sexuelle Akte mit Toten reduziert, beschreibt Fromm eine zweite Form als "leidenschaftliches Angezogenwerden von allem, was tot, vermodert, verwest und krank ist" bzw. als einen allgemeinen Zerstörungsdrang.
Warum wird Hitlers Beziehung zur Architektur in der Analyse hervorgehoben?
Die Architektur wird als einziges konstruktives Element in Hitlers Leben bezeichnet, auf dem er als "lebendig" und am wenigsten destruktiv wahrgenommen wurde, was einen Kontrast zu seinem sonstigen Streben bildet.
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- Raphaela Böhmer (Author), 1999, Die biographische Exploration am Beispiel: Hitler, ein Fall von Nekrophilie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4410