Leben in der mediatisierten Welt. Wie mobile Instant-Messaging-Anwendungen wie "WhatsApp" unsere interpersonale Kommunikation verändern


Hausarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vor und hinter dem Bildschirm: Mediatisierungsprozesse kommunikativen Handelns
1.1. Annäherungen an den Mediatisierungsbegriff
1.2. Interpersonale Kommunikation als grundlegendes Bedürfnis des Menschen
1.3. Besonderheiten mediatisierter Kommunikation

2. Kommunikation 2.0: Mit Instant Messaging auf dem besseren Weg zur Sozialisation?
2.1. Instant Messaging und Smartphones als sozialer Trend
2.2. Der App-Favorit “WhatsApp” in seinen medien- und kommunikatioswissenschaft- liehen Dimensionen
2.2.1. Funktionen von WhatsApp
2.2.2. Besonderheiten der multimedialen Kommunikation über Whatsapp anhand von exemplarischen Beispielen
2.2.3. Betrachtung möglicher Veränderungen interpersonaler Kommunikation durch Anwendungen wie Whatsapp

Fazit und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

"Weil wir eine bessere Alternative zur SMS-Nutzung schaffen wollen. Weil wir glauben, dass
wir das können. Weil irgendwann jeder ein Smartphone besitzen wird ." (whatsapp.com)

So umwirbt sich der allgegenwärtig beliebte mobile Nachrichtendienst WhatsApp fast schon visionär auf seiner Internetseite und prognostiziert damit einen Trend, der unschwer abzusehen ist. Denn fast jeder besitzt es und nutzt es täglich: Das Smartphone hat sich in der gegenwärtigen Gesellschaft zum alltäglichen Begleiter des Menschen verselbstständigt. In den Medien- und Kommunikationswissenschaften wird dieses Phänomen unter den Begriff der "Mediatisierung" gefasst.

Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit soll ein fokussierender Blick auf die Kommunikationsgewohnheiten, die sich mit der Nutzung von Instant Messaging Anwendungen wie beispielsweise WhatsApp einstellen, geworfen werden. Auf welche Weise findet interpersonale Kommunikation über dieses Medium statt? Inwieweit wird unsere Kommunikation darüber mediatisiert? Um noch einen Schritt weiter zu gehen: Ist WhatsApp als exemplarisches Beispiel für Instant Messaging Anwendungen ein Medium, das uns auf dem Weg zur Sozialisation hilft oder kann entfremdet es die Menschen in ihren privaten Beziehungen voneinander?

Ständige Verfügbarkeit und soziale Vernetzung sind gerade in der heutigen Mediengesellschaft immer wieder häufig Anlass zum Diskurs über mögliche Vorzüge als auch Problematiken, die Smartphones potentiell verbergen. In diesem Zusammenhang ist es auch nicht uninteressant, sich mit dem neologistischem Begriff des "Phubbings", das Abweisen des Kommunikationspartners durch den Blick auf das eigene Smartphone, auseinanderzusetzen.

Doch bevor es zu diesen Diskussionen kommt, sollen zunächst grundlegende Theorien über Mediatisierung, mediatisierte Kommunikation, sowie den Menschen als soziales Wesen und seine Gewohnheiten in der interpersonalen Kommunikation betrachtet werden, um diese im Anschluss auf die oben aufgelisteten Fragestellungen anzuwenden. So soll Schritt für Schritt eine Annäherung an die zentrale Disskussionsfrage der vorliegenden Arbeit (Wie beeinflusst WhatsApp unsere interpersonale Kommunikation?) erarbeitet werden , die auch anhand von beispielhaften Kommunikationssituationen in WhatsApp diskutiert werden soll.

Abschließend wird ein zusammenfassendes Fazit Überblick über die im Rahmen der Hausarbeit gewonnenen Erkenntnisse schaffen und ferner ein Ausblick gegeben werden, inwiefern insbesondere WhatsApp unsere interpersonale Kommunikation prägt oder verändert und ob sie mediale Kommunikation Anspruch auf Ersatz des Face-to-Face-Gesprächs erheben kann.

1. Vor und hinter dem Bildschirm: Mediatisierungsprozesse kommunikativen Handelns

Im folgenden ersten Kapitel wird eine Theoriegrundlage über den Begriff der Mediatisierung, die Kennzeichen interpersonaler Kommunikation sowie mediatisierter Kommunikation erarbeitet. Es werden unter anderem Zusammenhänge von Kommunikation und Medien geklärt oder aber auch Abgrenzungen des klassischen Face-to-Face-Gesprächs und der medialen Kommunikation vorgenommen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für eine intensive Auseinandersetzung von medialen Einflüssen auf die interpersonale Kommunikation anhand des Beispiels WhatsApp dienen.

1.1. Annäherungen an den Mediatisierugsbegriff

Die Idee der immer mehr von Technik und medialen Trägern durchwachsenen Gesellschaft ist in den Medien- und Kommunikationswissenschaften in einem zentralen Schlüsselbegriff verankert: Der Mediatisierung. Die Prozesshaftigkeit dieses Wandels in den Mittelpunkt stellend, bezeichnet Friedrich Krotz das gegenwärtige Mediatisierungsphänomen als ״Metaprozess“ (vgl. Kratz 2007: 38). Mit diesem Etikett geht die Aufforderung einher, die Mediatisierung nicht als bloßen gesellschaftichen Zustand zu benennen, sondern die Vielschichtigkeit der ״breite[n], lang andauernde[n] und übergreifende[n] Veränderungen [...], die die soziale und kulturelle Entwicklung der Menschheit begleiten und die mindestens Kontexte ihres Lebens beeinflussen“ (Krotz in 2012, 20) zu betrachten. Es sei also ein komplexes Zusammenspiel verschiedener einzelner gesellschaftlicher Vorgänge (vgl. ebd.).

Für Krotz ist essentiell, dass Mediatisierung nicht den (Bedeutungs-) Zuwachs an Medien erklärt, sondern sich auf ein bestimmtes Bezugsobjekt konzentriert, dem Wandel des Medialisierten, dies sei die Kommunikation bzw. das kommunikative Handeln (siehe 1.2.) und die Produkte dessen also Z.B. Die Identität der Menschen, Kultur, Gesellschaft, Wissen oder Politik. Anders gesagt seien es nicht zwangsläufig die Medien an sich, die Mediatisierung hervorrufen, sondern das menschliche Bedürfnis nach Kommunikation passe sich vielmehr gesellschaftlichen Veränderungen an und lasse sich mithilfe der gegebenen Medien bewältigen (vgl. ebd., 26 f.).

Zusammenfassend sei der Mediatisierungsprozess also nicht an technische Entwicklungen gebunden: Stattdessen werde durch die Integration von Medien in die Alltagswelt (Kommunikation via Medien oder Bezugnahme auf Medieninhalte) die Beschaffenheit von Kommunikation verändert und ferner damit auch gesellschaftliche, politische oder soziale Vorgänge (vgl. Krotz 2007, 40). Mediatisierung solle "nicht als technisches, sondern als soziales Geschehen" (ebd., 41) definiert werden.

Hinsichtlich des Themas dieser Hausarbeit sind weiterhin Krotz' Aussagen bezüglich der neuen Medien erwähnenswert. Den Grund für eine verhäufte Mediennutzung sieht er in der stetigen Weiterentwicklung verschiedener Funktionen der Medien, die gleichzeitig neue Horizonte und Kommunikationsmöglichkeiten anbietet. So komme es zu einer vielschichtigeren und vermehrten Nutzung der neu eröffneten Potenziale (vgl. ebd., 43). Wichtig dabei sein, dass kein Ablösungsprozess der alten Medien durch die neuen stattfinde, sondern dass sich vielmehr ein Erweiterungs- und Ausdifferenzierungsprozess der Funktionen abspiele (vgl. ebd.).

1.2. Interpersonale Kommunikation als grundlegendes Bedürfnis des Menschen

"Kommunikation zwischen Menschen ist die Grundvoraussetzung menschlichen Daseins und persönlicher Identität - die Grundlage der Konstitution des Sozialen überhaupt." (Höflich in: Jäckel 2005, 69). In dieser Aussage von Joachim Höflich ist eine Grundannahme der soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Forschungsfelder verankert: Der Mensch existiert als soziales Wesen, er ist angewiesen auf Kommunikation mit anderen Personen, um zu funktionieren, studiert man themenrelevante Literatur, so fällt auf, dass eine einheitliche Definition von interpersonaler Kommunikation schwierig ist, da sie auf unterschiedlichsten Ebenen und kontextabhängig betrachtet werden kann. Weitestgehend in der Literatur als Antonym zur Massenkommunikation beschrieben (vgl. ebd.,76), muss die interpersonale Kommunikation in ihre unterschiedlichen Formen aufgeteilt werden. Alexander Haas differenziert hier zwischen 1.) verbaler und non­verbaler, 2.) medial vermittelter und direkter und 3.) Zwei-Personen- und Gruppenkommunikation (vgl. Haas 2001, 26) . Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen, soll interpersonale Kommunikation an dieser stelle als allgemeiner kommunikativer Austausch von zwei Individuen verstanden werden.

Setzt man sich mit Phänomenen der interpersonalen Kommunikation auseinander, so ist ein Blick auf die Gedankenzüge des symbolischen Interaktionismus, dessen Theorie auf George Herbert Mead (1863-1931) (vgl. Kübler 2003, 31) zurück geht, fast unumgänglich, da in ihnen fundamentale Aussagen über das menschliche kommunikative Handeln formuliert werden. Knapp zusammengefasst umfasst die Theorie Folgendes: Die menschliche Kommunikation erfolge über ein Symbolsystem, das aus allgemeingültig gesellschaftlichen Symbolen bestehe. So seien bestimmte Wörter und Begriffe mit symbolhaften Bedeutungen versehen, die den Kommunikationspartner nach einem interpretieren dieses Symbols zu einer bestimmten sozialen Handlung anregen würden. Anhand dieser Symbole finde daher soziale Interaktion statt (vgl. Kübler 2013, 31) Voraussetzung dafür sei ein parallel zur Unterhaltung ablaufendes reflexives, empathisches Verhalten, in dem die ständige Selbst- und Fremdbeobachtung die weitere Kommunikation maßgeblich beeinflusse (vgl. ebd., 32). Detailliertere Ausführungen findet man dazu unter anderem bei Krotz: "Es entsteht so aus diesen beiden Perspektiven ein innerer Dialog im Menschen, in dem dieser aus den unterschiedlichen Perspektiven eine beide Seiten berücksichtigende Strategie dafür entwickelt, wie die Kommunikation in der aktuellen Situation weiter verlaufen soll." (Krotz 2007, 76) Der Mensch greife dabei auf individuelle Gesprächserfahrungen zurück und könne eben dadurch das kommunikative Handeln des Gegenübers nachvollziehen (vgl. ebd.).

Dieses reflexive Verhalten bringt Hans-Dieter Kübler in Zusammenhang mit der Idee des nicht- nicht-Kommunizierens: Sowohl äußerlich durch eine bestimmte (Körper-)Sprache, als auch durch das innere , reflexive Aufnehmen der Situation würde gegenseitige Interaktion wahrgenommen werden (vgl. Kübler 2003, 40).

Auf Zustimmung der Grundannahme des Symbolischen Interaktionismus trifft man auch bei Krotz: "Die Welt des Menschen [ist] symbolisch vermittelt, bzw. Der Mensch Bewohner einer kommunikativ konstruierten symbolischen Welt." (Krotz 2007, 86).

1.3. Besonderheiten mediatisierter Kommunikation

Wurde sich in 1.2. der interpersonalen Kommunikation in einem allgemeineren Sinn angenähert, so soll in diesem Abschnitt eine spezifischere Auseinandersetzung mit der Form der mediatisierten Kommunikation geschehen. In Hinblick auf die Forschungsfrage dieser Arbeit soll weniger von Massenmedien, als von Medien der interpersonalen Kommunikation (z.B. Smartphones) die Rede sein.

Was zeichnet nun also die Kommunikation über Medien im Genauen aus? Es macht zunächst einmal Sinn, die mediatisierte Kommunikation von der klassischen Face-to-Face-Situation abzugrenzen. In diesem Zusammenhang hat sich Friedrich Krotz im Rahmen seiner Mediatisierungstheorie ganz besonders intensiv mit der mediatisierten Kommunikation zwischen Menschen auseinandergesetzt.

So vertritt er die These, dass Medienkommunikation eine veränderte Form von Face-to-Face- Kommunikation sei, da "die Menschen in der Kommunikation mit und mittels Medien auf ihre Face- to-Face-Kommunikationserfahrungen zurückgreifen müssen, wobei sie aber wissen, dass es sich bei Medienkommunikation nicht um Face-to-Face-Kommunikation handelt." (Krotz 2007, 86). Medien der Kommunikation würden eine Ausweitung und Modifikation des Grundgerüsts von Kommunikation verkörpern (vgl. ebd.). Doch inwiefern in diesem Sinne von einer Modifikation und nicht etwa einer Einschränkung oder gar Verhinderung der Urform der interpersonalen Kommunikation, also des Face-to-Face-Gesprächs, die Rede sein kann, muss im Laufe dieser vorliegenden Arbeit noch geklärt werden.

Krotz zufolge sei beiden Kommunikationsformen gemein, dass es innerhalb der Gesprächssituation zu einem inneren, reflektivem Verhalten sowohl der eigenen, als auch der Kommunikation des Gegenübers komme, das sich durch das gedankliche Hineinversetzen in die verschiedenen Gesprächsrollen äußere (vgl. ebd.).

Literatur, die sich exemplarisch mit den Facetten und Phänomenen einer neumodernen Kommunikationsform wie WhatsApp auseinandersetzt, ist aufgrund der Neuartigkeit dieser Anwendung kaum zu finden. Man kann sich dieser besonderen Form von mediatisierter Kommunikation also annähern, indem man auf Vergleichbasis mit anderen medialen Kommunikationsvarianten (z.B. Internet-Chats) entscheidet, welche Kriterien sie erfüllt und welche nicht. Dies soll im zweiten Teil dieser Hausarbeit explizit geschehen und nun noch in einem allgmeineren Rahmen stattfinden.

Kratz spricht zum Beispiel "reduzierte Wahrnehmungskanäle" (ebd., 91), die während des Schreibens über das Internet, oder allgemeiner des Kommunizierens über Medien auftreten, an. Damit ist wohl gemeint, dass die Kommunikation sinneseingeschränkter erlebt wird, da keine körperliche Präsenz des anderen Gesprächteilnehmers vorhanden ist.

Hinzu komme die Thematik der Kontrolle des eigenen Gesprächsverhaltens oder der eigenen Identität während des medialen Kommunikationsprozesses. Schreiben sich zwei Personen über ein Medium (z.B. Brief oder E-Mail), so bestehe die Möglichkeit, sich eine andere Identität zu verschaffen oder sich in andere Rollen hineinzuversetzen (vgl. Kratz 2007, 91) Das ist natürlich bei einem Face-to-Face-Gespräch kaum möglich, denn dieses erfolgt deutlich intuitiver und vermittelt dem Gesprächspartner ein recht authentisches Bild der eigenen Identität.

Zusätzlich sei im Fall der Nutzung von Medien eine Erschwerung bezüglich der Kommunikation zu vermerken, da mithilfe der Medien die "raum-zeitlichen Bindungen und Bedingtheiten" (ebd., 69) zunächst überwunden werden müssten. Das Wahrnehmen einer gemeinschaftlichen Situation wird dadurch natürlich erschwert. Ein weiterer ortsbezogener Aspekt zeichnet die mediale interpersonale Kommunikation aus: Befinden sich zwei Gesprächspartner an unterschiedlichen Orten, so sagt Höflich, würde ein dritter, ein "virtueller Raum der Kontaktnahme" (Höflich 2005, 20) entstehen. In jedwedem Moment, in dem zwei Personen sich an diesem virtuellen Ort begegnen, in dem sie also beispielsweise telefonieren oder Kurznachrichten in ihr Mobiltelefon tippen, seien sie zwar physisch in einer bestimmten Umgebung präsent, trotzdem finde ein Prozess der Abkapselung oder gar Isolation, aus dieser tatsächlichen, realen Situation statt. Höflich formuliert provokativ: "[...] trotz der Anwesenheit anderer verhalten sie [die Telefonierenden] sich so, als wären sie alleine" (ebd.).

Eng mit diesem Gedanken verknüpft ist daher auch die Idee der ständigen Verfügbarkeit. Man kann, folgt man dem Ansatz von Nicola Döring, von einer Veränderung der interpersonalen Kommunikation durch mediale Möglichkeiten von einer abgegrenzten, geplanten Handlung der Kontaktaufnahme zu einer beiläufigen kommunikativen Interaktion sprechen. Daraus resultiere zwangsläufig ein quantitatives Wachsen der Kommunikation, da eben mehrere Aktivitäten gleichzeitig vereinbar wären (Döring nennt als Beispiel das Tippen einer SMS unter dem Tisch während eines Meetings (vgl. Döring in: Höflich/Gebhardt 2005, 67).).

Ein weiteres Glied der Reaktionskette, die die mediale interpersonale Kommunikation in Bezug auf unsere Kommunikationsgewohnheiten auslöst, und die an den gerade zuvor angesprochenen Aspekt der ständigen Verfügbarkeit anknüpft, liegt fast auf der Hand. Von Dörig in die These "Oft geht es eben nicht um substatiellen Informationsaustausch, sondern um sozio-emotioal relevante emphatische Kommunikation, die [...] soziale Bedürfnisse nach menschlicher Zuwendung und sozialer Einbindung befriedigt." gefasst, beweisen mediale Kommunikationsformen also das Potential, soziale Bindungen durch regeren Austausch zu festigen.

2. Kommunikation 2.0: Mit Instant Messaging auf dem besseren Weg zur Sozialisation?

Dass neue Medien innerhalb der Bevölkerung einen immer größeren Stellenwert für die Nutzer einnehmen, bedarf nicht großer Beweisansätze, denn die rasche Verbreitung der heute vermeintlich kaum noch wegzudenkenden Smartphones innerhalb der letzten Jahre ist ein Phänomen, an dem fast jeder partizipiert. Ganz im Sinne der Mediatisierungstheorie nach Krotz soll es in diesem Kapitel also weniger um eine quantitative Analyse der Nutzungsgewohnheiten, als vielmehr um eine kulturelle, kommunikationswissenschaftliche Betrachtung von Social Media Anwendungen wie WhatsApp, ihr Zusammenspiel mit Nutzern und sozialen Einflüssen gehen. Dennoch ist ein kurzer Blick auf einige Zahlen und Fakten, die mit der Smartphonenutzung als sozialer Trend einhergehen, nicht uninteressant, um sich die Ausmaße der sprichwörtlichen Digitalisierung und Gebundenheit der heutigen Gesellschaft an neue Medien mitsamt ihrer Funktionen vor Augen zu führen.

Der größere Schwerpunkt soll jedoch auf einer detaillierten Auseinandersetzung mit der Instant­Messaging-Anwendung WhatsApp liegen. Es sollen verbreitete Nutzungsangewohnheiten und -praktiken der App in ihren kommunikationswissenschaftlichen Ausmaßen diskutiert werden und mögliche Konsequenzen für außermediale Kommunikation und soziale Beziehungen abgewogen werden.

2.1. Instant Messaging und Smartphones als sozialer Trend

Die JIM-Studie, ein Langzeitprojekt des 'Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest', evaluiert jährich Befragungen von 1200 Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren hinsichtlich aktueller Trends und Gewohnheiten in der Nutzung von Medien (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2014, 3 f.). Eine altersabhängige Analyse von Mediennutzung ist nicht Ziel dieser vorliegenden Arbeit, aber es macht durchaus Sinn, sich das Nutzungsverhalten der jüngeren Bevölkerungsschicht anzusehen, da hier von einer intensiveren Nutzung der neuen Medien gesprochen werden kann und somit auch Aussagen über die zukünftigen Trends handfester sind.[1]

Wie ausgeprägt ist nun also die Smartphone-/ Instant-Messaging Nutzung in der erwähnten Altersgruppe? Die aktuellste JIM-Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass fast jeder Jugendliche im Besitz eines Handys, darunter 88% eines Smartphones, sind. 87% der Handybesitzer gaben an, ihr Gerät täglich zu nutzen. Nicht unerwartet ist daher die Nutzung des Handy die favorisierte tägliche Medienbeschäftigung der Studienteilnehmer (87%), knapp gefolgt vom Internet (täglich genutzt von 81% der Jugendlichen) und weniger knapp vom Fernsehen (57%) (vgl. ebd., 11).

Welche Beschäftigung dabei am Liebsten auf dem Handy ausgeführt wird, soll die folgende Grafik[2] veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Die am häufig genutzten Smartphone-Apps bei Jugendlichen 2014

Demzufolge scheinen Instant-Messaging-Apps wie WhatsApp unter den Jugendlichen am Beliebtesten zu sein. Aber auch Social Media Plattformen wie Facebook werden häufig genutzt. Anwendungen, die dazu dienen, sich mit anderen zu vernetzen und in Kontakt zu bleiben dominieren also über 'Unterhaltungs-Apps' (z.B. Youtube, Spiele-Apps etc.).

Vertieft man den Blick noch ein bisschen mehr und geht der Frage nach, wie häufig die Nutzer WhatsApp am Tag aufrufen, so gibt knapp über ein Drittel der Befragten an, die App 20 bis 49 Mal am aufzurufen, also mehrmals pro stunde. Um die zwanzig Prozent nutzen WhatsApp sogar entweder noch häufiger, oder nur 1 bis 9 Mal am Tag (vgl. ebd., 50) (siehe Abbildung 2[3] ).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Haufigkeit der Nutzung von WhatsApp pro Tag 2014

[...]


[1] Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 gibt an, dass 2013 64% der 14-19 Jährigen mobiles Internet nutzten, unter den 20-29 Jährigen waren es sogar 68%. Mit zunehmenden Alter sinkt laut Studie die Nutzung, so sind es unter den 30-39 Jährigen beispielsweise mit 46% zwar verhältnismäßig viele Nutzer, jedoch vergleichsweise deutlich weniger als bei jüngeren Handybesitzern. http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Onlinestudie/PDF/Eimeren.pdf

[2] Eigens erstellt anhand von Werten aus der aktuellen JIM-Studie 2014 (,httpV/www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdfl 4/JIM¬Studie 2014.pdf. ), 49

[3] Ebenfalls anhand von der Werten der JIM-Studie 2014 erstellt ( http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf14/JIM- Studie 2014.pdf). 50

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Leben in der mediatisierten Welt. Wie mobile Instant-Messaging-Anwendungen wie "WhatsApp" unsere interpersonale Kommunikation verändern
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,0
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V441111
ISBN (eBook)
9783668795273
ISBN (Buch)
9783668795280
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, welt, instant-messaging-anwendungen, whatsapp, kommunikation
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Leben in der mediatisierten Welt. Wie mobile Instant-Messaging-Anwendungen wie "WhatsApp" unsere interpersonale Kommunikation verändern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441111

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