Friedrich der Große, kaum einem preußischen Monarchen wird so viel Beachtung geschenkt, wie ihm. Er war es, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus dem kleinen norddeutschen Staat Preußen eine Großmacht formte und damit die preußische und deutsche Geschichte nachhaltig beeinflusste. Ein Gesamtkunstwerk, ein Rätsel, ein Mann der Widersprüche, ein Mann dessen Politik so facettenreich war wie seine Persönlichkeit.
Fast jeder Deutsche kennt ihn: den ‚Alten Fritz‘ mit seinem Schloss Sanssouci, den Kartoffeln und Zitaten wie „Jeder soll nach seiner Façon selig werden!“. Obgleich er ein absolutistischer Monarch war, nennt man ihn häufig in einem Atemzug mit der Aufklärung.
Aufmerksam geworden durch eine Unterrichtseinheit zum Thema ‚Absolutismus in Preußen‘ als Teil der Unterrichtsreihe ‚Absolutismus‘, habe ich mir die Frage gestellt, wie weit sich der auf den ersten Blick so fortschrittlich erscheinende Friedrich, der sich mit Philosophen umgab, religiöse Toleranz predigte und Reformen vorantrieb, wirklich von den absolutistischen Grundsätzen, die das Fundament des preußischen Staates bildeten, distanzierte. War er der aufklärerische Schöngeist und Reformer oder der absolutistische Kriegsherr?
Diese Frage, „Friedrich der Große – absolutistischer Monarch oder Aufklärer?“, ist Inhalt dieser Arbeit. Zur Beantwortung dieser Frage ist es zunächst notwendig sich mit seiner allgemeinen Staatsauffassung und dann mit der tatsächlichen Umsetzung seiner Ideen, also seiner Politik auseinanderzusetzen. Außerdem werde ich die Begriffe Absolutismus und Aufklärung darstellen und auf den Begriff ‚Aufgeklärter Absolutismus‘ eingehen. Abschließend werde ich die Zwischenergebnisse zusammenführen und konkludieren, wie Friedrich der Große zwischen den verschiedenen Positionen der Aufklärung und des Absolutismus einzuordnen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Absolutismus
2.1 Allgemein
2.2 Geschichte
2.3 Machtsäulen
3. Aufklärung
3.1 Allgemein
3.2 Geschichte
4. Friedrich der Große
4.1 Geschichte
4.1.1 Friedrich als Kronprinz
4.1.2 Friedrich als König
4.2 Staatsauffassung
4.3 Politik und Umsetzung aufklärerischer Ideen
4.3.1 Militär
4.3.2 Wirtschaft
4.3.3 Bildungsreform
4.3.4 Justizreform
4.3.5 Religion
4.3.6 Weitere Reformen
5. Aufgeklärter Absolutismus
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen absolutistischer Herrschaftspraxis und den Idealen der Aufklärung am Beispiel von Friedrich dem Großen. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Friedrich II. als „aufgeklärter“ Monarch gelten kann und wie sich sein politisches Handeln zwischen diesen gegensätzlichen Positionen einordnen lässt.
- Historische Herleitung des Absolutismus und der Aufklärung
- Biografische Prägung Friedrichs des Großen als Kronprinz und König
- Analyse der Staatsauffassung unter dem Aspekt der Vertragstheorie
- Untersuchung konkreter Politikfelder: Militär, Wirtschaft, Bildung, Justiz und Religion
- Kritische Reflexion des Begriffs „Aufgeklärter Absolutismus“
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Friedrich als Kronprinz
„Ein[] Staat[], der infolge seiner geringen Größe und Bevölkerungszahl, seiner vorwiegend kargen Böden und kleinen Städte, seiner unvorteilhaften geographischen Lage und des vergleichsweise niedrigen kulturellen Niveaus seiner Bevölkerung im ganzen gesehen über wenige Voraussetzungen dazu [Aufstieg des Staates] verfügte“26, so beschreibt Vierhaus den preußischen Staat in den Friedrich II. als viertes Kind des Königs Friedrich Wilhelm I. und seiner Frau Sophie Dorothea von Hannover hineingeboren wird. Nach dem Tod seiner zwei älteren Brüder war er der einzige männliche Nachkomme und damit gemäß dem Primogenitur-Recht zum Thronfolger bestimmt.27
Friedrich II. wurde in seinen ersten Lebensjahren stark von seiner Mutter geprägt, die im Gegensatz zum Vater "feinsinnig, standesbewusst, charmant und vor allem gebildet" war.28 Sie war es auch, die ihm seine lebenslange Leidenschaft für Literatur, Kunst und Musik vermittelte. Sein Vater hat vor allem eine Vorliebe für alles Militärische sowie eine wilde Lebensart: er "liebt[e] Sauhatz und Bier, Tabak und Zoten mehr als die Feinheiten der Zivilisation".29 In diesen Konflikt zwischen Mutter und Vater wurde der junge Friedrich schon mit sechs Jahren hineingezogen, als Friedrich Wilhelm I. begann, Ihn zu seinem Ebenbild heranbilden zu wollen.30 Dies sollte durch eine äußerst strenge Erziehung erreicht werden. Der Tagesablauf des jungen Friedrich wurde streng reglementiert; neben einer umfassenden Ausbildung in Ökonomie, Mathematik, Geographie und Staatskunde musste er die eigens für ihn aufgestellte "Kronprinzliche Kadettenkopagnie", bestehend aus 131 Knaben, selbständig kommandieren und bekam von seinem Vater Gebetsexerzitien und Bibellesungen verordnet.31
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Figur Friedrichs des Großen ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob er eher als aufgeklärter Reformer oder absolutistischer Kriegsherr einzuordnen ist.
2. Absolutismus: Es werden die theoretischen Grundlagen und die geschichtliche Entwicklung des Absolutismus sowie dessen tragende Säulen in der frühen Neuzeit erläutert.
3. Aufklärung: Dieses Kapitel definiert die Aufklärung als Kulturbewegung und stellt deren geschichtliche Entwicklung und zentrale Forderungen wie Gewaltenteilung und Menschenrechte dar.
4. Friedrich der Große: Dieser Hauptteil beleuchtet die Biografie, Staatsauffassung sowie die spezifischen Reformpolitikbereiche (Militär, Wirtschaft, Bildung, Justiz, Religion) des Monarchen.
5. Aufgeklärter Absolutismus: Die Arbeit diskutiert die Vereinbarkeit der gegensätzlichen Begriffe und schlägt stattdessen eine Einordnung als „Reformabsolutismus“ vor.
6. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel führt die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Friedrich II. trotz seiner aufgeklärten Ideale in der Praxis ein absolutistischer Alleinherrscher blieb.
Schlüsselwörter
Friedrich der Große, Absolutismus, Aufklärung, Aufgeklärter Absolutismus, Preußen, Staatsauffassung, Machtpolitik, Gesellschaftsvertrag, Reformen, Militärpolitik, religiöse Toleranz, Preußische Geschichte, 18. Jahrhundert, Souveränität, Reformabsolutismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herrschaft von Friedrich dem Großen und untersucht das Spannungsfeld zwischen seinem öffentlichen Bild als aufgeklärter Monarch und seiner tatsächlichen absolutistischen Regierungspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung von Absolutismus und Aufklärung, Friedrichs persönliche Entwicklung sowie seine Reformbemühungen in Militär, Wirtschaft, Bildung, Justiz und Religionspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Friedrich der Große eher als absolutistischer Monarch oder als Aufklärer zu klassifizieren ist und wie er diese beiden Konzepte in Einklang brachte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse historischer Primär- und Sekundärquellen, um die politische Philosophie und Praxis des Preußenkönigs kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen von Absolutismus und Aufklärung erläutert und anschließend anhand der politischen Umsetzung in Preußen (z.B. Militärwesen, Manufakturförderung, Justizreformen) verifiziert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Friedrich der Große, Aufgeklärter Absolutismus, Machtpolitik, Reformabsolutismus, Gesellschaftsvertrag und Preußen.
Inwieweit beeinflusste Friedrichs Erziehung seine spätere Regierungsweise?
Die extrem strenge und militärisch geprägte Erziehung durch seinen Vater förderte einerseits seinen Ehrgeiz und Disziplin, schuf andererseits jedoch einen scharfen Gegensatz zu seinen eigenen früh entwickelten musischen und philosophischen Interessen.
Warum war die religiöse Toleranz für Friedrich von Bedeutung?
Friedrichs Toleranz war weniger ein Ausdruck humanistischer Ideale als vielmehr politischer Pragmatismus: Er wollte Unruhen vermeiden und durch religiöse Vielfalt die Wirtschaft stärken, statt die Bevölkerung durch Intoleranz zur Abwanderung zu treiben.
Wie bewertet der Autor den Begriff „Aufgeklärter Absolutismus“?
Der Autor steht diesem Begriff kritisch gegenüber und argumentiert, dass er aufgrund der innewohnenden Widersprüche eher durch den Begriff „Reformabsolutismus“ ersetzt werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Sophie Küthe (Autor:in), 2013, Friedrich der Große. Absolutistischer Monarch oder Aufklärer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441156