Erfolgsfaktoren von Google AMP und Facebook Instant Articles für Medienunternehmen in Deutschland


Bachelorarbeit, 2017
63 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Ziel und Fragestellung

2 Überblick über den Aufbau der Arbeit und die Methode des Vorgehens

3 Begriffserklärung

4 Digitaler Journalismus
4.1 Technische Entwicklung der Verbreitungsmedien
4.2 Entwicklung des digitalen Journalismus
4.3 Einstellung der Medienunternehmen zu technischen Plattformen wie Google, Facebook & Co

5 Gründe für die Entwicklung von Google AMP und Facebook Instant Articles und deren Auswirkung auf Medienunternehmen
5.1 Mediennutzungsverhalten
5.2 Sinkende Anzahl von Zugriffen auf Nachrichtenseiten
5.3 Ausbleiben von Werbeumsätzen durch Addblock Plus
5.4 Einsatz von sozialen Medien im Journalismus
5.5 Geringe Aufmerksamkeitsspannen
5.6 Steigende Anzahl von mobilen Internetnutzern
5.7 Mobile First
5.8 Ertragsmöglichkeiten mit Onlineinhalten
5.9 Zusammenfassung der Gründe für die Nutzung von Google AMP und Facebook Instant Articles für Medienunternehmen

6 Analyse
6.1 Vor- und Nachteile von Google AMP
6.2 Vor- und Nachteile von Facebook Instant Articles
6.3 Monetarisierung von Nachrichtenartikeln innerhalb von Google AMP und Facebook Instant Articles
6.4 Alternativen zu Google AMP und Facebook Instant Articles
6.5 Aktueller Nutzungsstand von Google AMP und Instant Articles in Deutschland
6.5.1 Methode der Datengewinnung
6.5.2 Ergebnisse
6.6 Analyse von AMP Erfahrungsberichten
6.7 Erfahrungsberichte Facebook Instant Articles
6.8 Standpunkt von Unternehmen die auf Facebook Instant Articles und Google AMP verzichten

7 Diskussion
7.1 Diskussion zu Google AMP
7.1.1 Überregionale Medien
7.1.2 Regionale Medien
7.1.3 Medien mit Nischenausrichtung
7.2 Diskussion zu Facebook Instant Articles
7.2.1 Überregionale Medienunternehmen
7.2.2 Regionale Medienunternehmen
7.2.3 Medienunternehmen mit Nischenausrichtung

8 Fazit und Ausblick

9 Literaturverzeichnis

10 Abbildungsverzeichnis

1 Ziel und Fragestellung

Die Medienwelt befindet sich in einem ständigen Wandel und entwickelt sich schnell weiter (Altendorfer & Hilmer, 2016). Das Internet wird zum immer beliebteren Massenmedium, denn es ist schnell, multimedial und überall verfügbar, doch die Schwierigkeit besteht darin, online finanzielle Erlöse zu generieren, denn nur wenige Unternehmen haben es geschafft in diesem Umfeld profitabel zu wirtschaften (Goldapp, 2016). Diese beiden Zitate fassen die Situation für Medienunternehmen in Deutschland gut zusammen. Denn Medienunternehmen werden regelmäßig herausgefordert sich den Anforderungen, die Großunternehmen wie Facebook und Google stellen, anzupassen. In Deutschland ist Google die meistgenutzte Suchmaschine und Facebook das meistgenutzt soziale Medium, daher halten sich dort auch viele potenzielle Leser der Nachrichten von Medienunternehmen auf. Um die Leser auf Nachrichtenseiten aufmerksam zu machen gehören Google und Facebook zur festen Strategie von Medienunternehmen.

Durch die steigende Verbreitung von Smartphones in Deutschland, steigt die Nutzung von mobilen Endgeräten stetig an, während der Anteil von Desktopcomputern zurückgeht (Initiative D21, 2016). Statt normalen Webseiten sind nun also mobil-optimierte Webseiten gefragt, doch diese haben lange Ladezeiten und bieten ein schlechtes Nutzererlebnis.

Aus diesen Gründen hat Facebook mit der Entwicklung von Instant Articles begonnen und Google die Accelerated Mobile Pages (im Folgenden Google AMP genannt) entwickelt. Ziel ist, dass die Nutzer von mobilen Endgeräten auch bei begrenztem Empfang Nachrichten lesen können ohne lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen bis sich eine Webseite aufgebaut hat. Durch die Komprimierung können Webseiten und Nachrichtenartikel bis zu viermal schneller geladen werden, während nur ein Zehntel des bisherigen Datenvolumens benötigt wird. Google AMP und Facebook Instant Articles haben außerdem das Ziel, dass mehr Kunden auf die Seiten von Medienunternehmen zugreifen.

Das Umfeld von Onlinenachrichten unterliegt einem ständigen Wandel, aufgrund dessen ist es unausweichlich für Medienunternehmen zu prüfen, auf welche Trends sie aufspringen sollen oder welche sie ggf. auslassen können, ohne dabei den Anschluss zu verlieren. Einer dieser Trends sind die komprimierten Nachrichtenartikel durch Facebook und Google. Derzeit Stehen diverse Medienunternehmen somit vor der Frage, ob sie den Extraaufwand für Google AMP und Facebook Instant Articles betreiben sollten. Denn beide Alternativen können in Zukunft für eine höhere Reichweite und mehr Erträge sorgen, jedoch ist es schwer zu kalkulieren, ob sich der Mehraufwand hierfür auch rentiert.

Ziel dieser Bachelorarbeit ist, die Erfolgsfaktoren für regionale und überregionale Medienunternehmen sowie Medienunternehmen mit Nischenausrichtung in Deutschland darzustellen und eine Empfehlung auszusprechen ob der Einsatz von Instant Articles oder Google AMP für diese ratsam ist, denn bisher ist nicht bekannt ob diese ein Erfolgsfaktor für Medienunternehmen sein können oder nur Extraaufwand ohne Erträge bedeuten.

2 Überblick über den Aufbau der Arbeit und die Methode des Vorgehens

Um dem Leser die notwendigen Grundlagen zu vermitteln, beginnt die Bachelorarbeit mit detaillierten Erklärungen, worum es sich bei Google AMP und Facebook Instant Articles handelt, aus welchem Grund sie entwickelt wurden und welche Chancen die neuen Entwicklungen für Medienunternehmen bieten. Darüber hinaus werden weitere relevante Begriffe aus dem Bereich der Informationstechnologie sowie der digitalen Medienbranche erklärt.

Anschließend wird auf die Relevanz des Themas mit Untersuchungen zu geringen Aufmerksamkeitsspannen, der teilweise nicht ausreichenden Handynetzabdeckung, sowie der steigenden Wichtigkeit von mobiloptimierten Webseiten in Deutschland hingewiesen. Um einen Überblick über den komplizierten Wandel in der Vermarktung von Onlineinhalten zu schaffen, wird ebenfalls über die Herausforderungen in diesem Geschäftsfeld berichtet.

Anhand von einer quantitativen Nutzeranalyse der deutschen Medienunternehmen die bereits Google AMP und Facebook Instant Articles einsetzen wird ein Überblick über die aktuelle Verbreitung dieser Entwicklungen in Deutschland geschaffen. Im Anschluss daran folgt eine qualitative Analyse der Erfahrungsberichte von Medienunternehmen, die Google AMP und Facebook Instant Articles bereits einsetzen.

Anhand der erarbeiteten Informationsbasis werden dann die Erfolgsmerkmale für die regionalen und überregionalen Medienunternehmen sowie Medienunternehmen mit Nischenausrichtung Empfehlungen ausgesprochen und im anschließenden Fazit die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung dargestellt, sowie ein Ausblick auf die Zukunft gegeben.

3 Begriffserklärung

Dieses Kapitel erklärt und definiert diverse Begriffe, die nicht allgemein bekannt sind. So ist es jedem Leser auch ohne Fachkenntnisse möglich die Fachbegriffe der Sachverhalte nachzuvollziehen.

Medienunternehmen

Mit Medienunternehmen sind alle Herausgeber von Nachrichten gemeint. Dies wird in der Ausarbeitung aufgeteilt in überregionale Medienunternehmen, regionale Medienunternehmen und Medienunternehmen mit Nischenfokus, überregionale Medienunternehmen sind Z.B. Zeitungen oder Verlagshäuser wie ״Spiegel Online" oder Bild, deren Nachrichten in ganz Deutschland gelesen werden. Bei regionalen Medienunternehmen handelt es sich Z.B. um Zeitungen wie die ״Neue Osnabrücker Zeitung", die sich auf eine gewisse Region fokussieren. Medienunternehmen mit Nischenfokus konzentrieren sich auf ein bestimmtes Themengebiet, wie Z.B. das Handelsblatt, das nur über Politik, Wirtschaft und Finanzen berichtet.

Link

Die wörtliche Übersetzung von ״Link" bedeutet ״Verbindung" und steht für ein aktivierbares grafisches Element, das zu einer Webseite führt.

Soziale Medien

Mit sozialen Medien werden Anwendungen und Plattformen im Internet bezeichnet, die den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren fördern. Beispiele hierfür sind Facebook, Instagram und Twitter.

HTML

Bei der Hypertext Markup Language (HTML) handelt es sich um ein Format, in dem Webseiten geschrieben werden. Durch HTML lässt sich der Text einer Webseite strukturieren und formatieren oder sich weitere Objekte wie Bilder, Videos oder Musik ergänzen. Diese HTML Daten werden von Browsern wie Firefox, Chrome, etc. grafisch dargestellt (Aschermann, 2015).

Browser

Ein Browser ist ein Programm zur grafischen Darstellung der Inhalt im World Wide Web (Sjurts, 2011).

Pay wall

Paywall (Bezahlschranke) ist das Fachwort für die Methode Nichtkunden auf der eigenen Nachrichtenwebseite zu animieren für Nachrichtenartikel zu bezahlen.

Suchmaschinen

Ein Suchdienst im World Wide Web, mit dessen Hilfe HTML-Dokumente zu einem vorher spezifizierten Begriff gefunden werden können (Sjurts, 2011).

Popup

Ein Popup ist ein grafisches Element auf Webseiten, dass andere Teile der Benutzeroberfläche bedeckt. Im Regelfall beinhalten Popups Werbung und sollen auf eine andere Webseite locken und zum Kauf anregen.

CTR (Click Through Rate)

CTR bedeutet auf Deutsch Klickrate und ist eine übliche Kenngröße im Online Marketing. Um den Begriff zu erklären, müssen ebenfalls die Begriffe Impression sowie Klicks erläutert werden. Für diese Erklärung ist Abbildung 1 hilfreich.

Impressionen stellen die Anzahl dar, wie oft eine Werbung oder ein Suchergebnis angezeigt wurde. In diesem Fall also, wie oft die Abbildung 1 in den Suchergebnissen von Suchmaschinennutzern sichtbar war. Um die Klickrate zu bestimmen, wird der Anteil von Klicks, also wie oft das Ergebnis angeklickt wurde, zu Impressionen berechnet. Daraus entsteht dann ein Ergebnis das anzeigt wie viele Prozent der Nutzer das Suchergebnis öffnen, nachdem sie es gesehen haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beispiel für Click-Through-Rate

Quelle: Eigene Darstellung

Google AMP

Bei Google AMP, handelt es sich um eine kostenlos zugängliche Software ״mit dem Ziel, das Internet für alle zu verbessern. Das Projekt ermöglicht die Erstellung von Websites und Anzeigen, die durchgehend schnell, schön und leistungsstark sind - und das über alle Geräte und Vertriebsplattformen hinweg." (״Accelerated Mobile Pages Project - AMP", o. J.).

Google AMP soll Entwicklern helfen Webseiten zu erstellen, die im Bruchteil von Sekunden geladen werden, während nur ein Zehntel des durchschnittlichen Datenvolumens verbraucht wird (Vrountas, 2016b) [1]. Es besteht aus den drei Teilen AMP HTML, AMP Javascript und AMP CDN.

AMP HTML ist eine stark verschlankte Version der Hypertext Markup Language (HTML), welche die meistgenutzte Programmiersprache auf Webseiten ist. In dieser komprimierten Version hat Google diverse Restriktionen für die HTML Elemente eingeführt, welche bisher verantwortlich für das Verlangsamen von Webseiten waren.

AMP JavaScript ist eine komprimierte Version des originalen Javascripts. Javascripts werden meist genutzt um interaktive Webseitenfunktionen zu implementieren. Malte Ubi (2016) fasst zusammen:

One thing we realized early on is that many performance issues are caused by the integration of multiple JavaScript libraries, tools, embeds, etc. into a page. This isn't saying that JavaScript immediately leads to bad performance, but once arbitrary JavaScript is in play, most bets are off because anything could happen at any time and it is hard to make any type of performance guarantee.

״Wir haben früh realisiert, dass viele Geschwindigkeitseinbußen durch die Integration von diversen JavaScript Tools auf Webseiten entstehen. Das bedeutet nicht das JavaScripts automatische zu schlechter Performanz führen, jedoch ist dies sehr wahrscheinlich." Aus diesem Grund hat Google bei AMP sämtliche JavaScripts von Drittanbietern deaktiviert, sodass sich die Ladezeiten der Webseiten deutlich reduziert.

AMP CDN (Content Delivery Network) ist eine optionale Komponente des Projektes, welche den Medienunternehmen erlaubt, das Grundgerüst ihrer Webseite bereits auf Google Servern zu hinterlegen, die auf jedem Kontinent Stehen und durch die regionale Nähe schnelle Zugriffszeiten ermöglichen (Vrountas, 2016b). Google AMP lädt bereits das Grundgerüst der Webseiten die im Suchergebnis angezeigt werden auf das mobile Endgerät herunter, sodass der Text direkt nach dem öffnen der Webseiten ohne Ladezeit zur Verfügung steht. Für Bilder, Videos und Werbebanner werden bei der Websuche nur Platzhalter geladen, die genannten Inhalte werden erst geladen, wenn die jeweilige Webseite geöffnet wurde (״Accelerated Mobile Pages Project - AMP״, o. J.)·

Um Google AMP nutzen zu können, müssen Medienunternehmen, aufgrund der unterschiedlichen Programmierung, eine alternative Version ihrer Webseite erstellen. Dies bedeutet dadurch Mehraufwand für die Medienunternehmen (Floemer, 2016).

Erkennungsmerkmal Google AMP

Google AMP Artikel können in den Suchergebnissen bei Google auf mobilen Endgeräten anhand des Blitzsymbols und der AMP Bezeichnung identifiziert werden, was jeweils links unter den Artikeln angezeigt wird (siehe Abbildung 1 & Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. nicht optimierter Google AMP Artikel

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Google AMP optimierter Artikel

Quelle: Eigene Darstellung

Facebook Instant Articles

Ein Facebook Instant Article ist wie Google AMP ein sehr schnell ladendes HTML- Dokument. Mit Facebook Instant Articles können schnellladenden Artikel für mobile Endgeräte in der Facebook-App veröffentlicht werden (״Instant Articles - Dokumentation", o. J.). Facebook Instant Articles sind gewissermaßen das Pendant zu Googles AMP.

Bisher wurden Benutzer, die einen Link in der Facebook App geöffnet haben, direkt auf die Webseite eines Medienunternehmens weitergeleitet. Bei Facebook Instant Articles bleiben die Benutzer hingegen innerhalb der App und werden nicht weitergeleitet (Reckhow, 2015). Laut Facebooks Produktmanager, Michael Reckhow, teilen Menschen viele Artikel auf Facebook, insbesondere in der Facebook App. Aktuell benötigen Nachrichtenseiten im Durchschnitt 8 Sekunden zum Laden und sind so die mit Abstand langsamsten Inhalte auf Facebook (2015). Aufgrund der geringen Aufmerksamkeitsspanne der Benutzer und der Tendenz, Seiten zu verlassen, wenn sie nicht direkt laden, hat Facebook ״Instant Articles" entwickelt. Josh Roberts ein weiterer Produktmanager von Facebook trifft dazu folgende Aussage (Vrountas, 2016a):

״We built Instant Articles to solve a specific problem—slow loading times on the mobile web created a problematic experience for people reading news on their phones. This is a problem that impacts publishers of all sizes, especially those with audiences where low connectivity is an issue...Facebook's goal is to connect people to the stories, posts, videos or photos that matter most to them. Opening up Instant Articles will allow any publisher to tell great stories, that load quickly, to people all over the world."

״Instant Articles wurden entwickelt um ein Problem zu lösen, denn langsame Ladezeiten im mobilen Internet haben schlechte Nutzererlebnisse für diejenigen zur Folge, die Nachrichten auf ihren mobilen Endgeräten lesen wollen. Dieses Problem betrifft Medienunternehmen aller Größen, vor allem jedoch, wenn die Zielgruppe unter geringer Verbindungsqualität leidet. Facebooks Ziel ist es Leute mit den Storys, Videos und Fotos zu verbinden die sie am meisten interessieren. Mit Instant Articles werden Medienunternehmen fantastische Geschichten erzählen können, die schnell laden und Leute weltweit erreichen".

Facebook Instant Articles werden auf den Servern von Facebook gespeichert und von dort aus von den Lesern abgerufen. Facebook hat Instant Articles so erstellt, dass Medienunternehmen weiterhin Kontrolle über ihre Veröffentlichungen haben und ihre Monetarisierungsmöglichkeiten behalten können (Reckhow, 2015). Denn Medienunternehmen können bei Facebook Instant Articles weiterhin Werbung platzieren und damit Ertrag generieren.

Erkennungsmerkmal von Instant Articles

Facebook Instant Articles können ebenfalls anhand des Blitzsymbols identifiziert werden, das links unterhalb des jeweiligen Artikels neben dem Namen des Medienunternehmens positioniert ist, das den Artikel veröffentlich hat (siehe Abbildung 4 & Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. nicht optimierter Facebook Artikel

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5. Facebook Instant Article

Quelle: Eigene Darstellung

4 Digitaler Journalismus

4.1 Technische Entwicklung der Verbreitungsmedien

Der Grundstein für die Medien im 21. Jahrhundert wurde bereits im 15. Jahrhundert durch die Erfindung des Buchdrucks von Gutenberg gelegt (Altendorfer & Hilmer, 2016) [2]. Die Weiterentwicklungen von Gutenbergs Buchdruck führte zum massentaugliche Medium ״Zeitung". Im Jahr 1920 wurde die erste Radiosendung ausgestrahlt, was den Beginn eines weiteren wichtigen Mediums, dem ״Radio", kennzeichnete. 15 Jahre später entstand in Deutschland die erste regelmäßige tonlose Fernsehübertragung, der Grundstein zum Massenmedium ״Fernsehen". Ab 1959 gab es in Deutschland circa zwei Millionen Fernsehempfangsgeräte. Wenige Jahre später begann das US-Verteidigungsministerium mit der Entwicklung des sogenannten ARPANETs, welches als Vorläufer des Mediums ״Internet" gilt. Der Durchbruch als Massenmedium erfolgte jedoch erst mit der Entwicklung des Word Wide Web im Jahr 1989 durch Tim Berners-Lee. Das Internet konnte sich durch die bereits vorhandene Infrastruktur von Telefonleitungen sehr schnell ausbreiten wodurch es für fast jeden zugänglich wurde. 1997 hatten bereits vier Millionen Menschen in Deutschland Zugriff auf das Internet. Mit dem Durchbruch von mobilem Internet wurden Smartphones zu einem weiteren Massenmedium (Ahonen, 2007).

Die neuen Massenmedien werden immer vielfältiger. Begonnen hat der Medienkonsum mit dem Lesen von Zeitungen, welche über lange Zeit die weitverbreitetste Möglichkeit war um Informationen zu konsumieren. Doch durch die Entwicklung des Radios konnten deutlich aktuellere Informationen durch das ״Hören" konsumiert werden, dies war jedoch nur zu festgelegten Zeitpunkten möglich, wenn Nachrichten vorgelesen wurden. Mit der Entwicklung des Fernsehers als Massenmedium wurde die aktuelle Berichterstattung um das ״Sehen" ergänzt, die zeitliche Abhängigkeit blieb jedoch bestehen. Durch die Entwicklung des Internets konnten Konsumenten die aktuellen Nachrichten zu einem selbst ausgewählten Zeitpunkt, sowohl über Nachrichtenartikel als auch über aufgezeichnete Nachrichtensendungen, konsumieren und mussten hierfür jedoch einen stationären Computer nutzen. Durch die Entwicklung von Smartphones ist es mittlerweile möglich jederzeit und überall Medien in sämtlichen Formen zu konsumieren. Diesen Entwicklungen müssen sich auch Medienunternehmen anpassen.

4.2 Entwicklung des digitalen Journalismus

Zu Beginn der öffentlichen Freigabe des Internets im Jahr 1993 konnten bereits erste Texte im Internet veröffentlicht werden (Altendorfer & Hilmer, 2016)[3]. SpiegelOnline war das erste deutsche Onlinemedium mit eigener Webseite, das den Onlineauftritt genutzt hat, um bereits in der Zeitung gedruckte Artikel auch im Internet zu veröffentlichen. Die Webseite war eine geringer wertige Kopie des Hauptmediums Zeitung. Um 2000 wuchs der Anteil von Internetnutzern stetig an und Verlage versuchten ihre Onlineangebote mit Werbung ertragreich zu machen. Durch das große, kostenlose Angebot von Nachrichtenanbietern, verschwand die Bereitschaft der Nutzer für Nachrichten zu bezahlen und das Gut ״Informationen" wurde als selbstverständlich angesehen. Mit der Zeit wanderten darüber hinaus die zeitungsüblichen Inserate wie Immobilien-, Stellen-, und Gebrauchtwagenanzeigen ins Internet ab, da dort eine breitere Masse von Interessenten angesprochen werden konnte. Der Anzeigenumsatz der Zeitungen sank dadurch um ein Drittel, was deutlich höhere Kosten für die Leser zur Folge hatte. Darüber hinaus sind die Auflagen von Zeitungen seit der Verbreitung des Internets rückläufig. Diese Entwicklungen spiegeln den Anfang des öffentlich zugänglichen Internets wider, dies wird auch Web 1.0 oder Read-Only-Web genannt. Im Web 1.0 konnten Nutzer wie bei den bisherigen Massenmedien lediglich Informationen konsumieren, aber nicht selbst produzieren.

Im Jahr 2006 verändert sich die Umwelt der Onlinemedien hin zu sozialen Medien, da durch die steigende Breitbandversorgung in Deutschland auch größere Anwendungen auf den Webseiten verwendet werden konnten ohne lange Ladezeiten zu verursachen. In den sozialen Medien vernetzen sich Benutzer weltweit miteinander, erstellen selbst Inhalte oder teilen diese. Im Jahr 2009 waren soziale Medien bereits weltweit verbreitet und auch Medienunternehmen sahen Chancen über soziale Medien Nutzer auf ihre Webseiten zu locken. Durch immer mehr Seiten mit Kommentarfunktionen Z.B. bei Nachrichtenartikeln, haben die Leser begonnen sich untereinander online über die jeweiligen Inhalte auszutauschen. Statt der bisher einseitigen Kommunikation im Web 1.0 begann die deutlich breitere Masse im Web 2.0 selbst Inhalte zu produzieren statt nur zu konsumieren (siehe Abbildung 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6. Entwicklung von Web 1.0 zu Web 2.0

Quelle:www.wiki.loveitorchangeit.com/showJmage.php?id=2

Durch die Möglichkeiten selbst Inhalte zu erstellen, folgt eine größere Macht für die Nutzer als es bisher der Fall war. Diese Macht stellt sich Z.B. in sogenannten ״Shitstorms" dar, in denen unzählige Nutzer ein Unternehmen oder eine Dienstleistung kritisieren oder sogar beleidigen (Dombrowski, 2016). Im Jahr 2011 beispielsweise gab es Probleme im 02 Handynetz. Das Unternehmen hat den Kunden mitgeteilt, dass es sich bei ihnen um Einzelfälle handele. Ein Blogger gründete daraufhin die Webseite ״www.wir-sind-einzelfall.de", auf der sich unzählige Betroffene gemeldet haben, wodurch 02 zu einer Reaktion gezwungen wurde (״Die zehn bekanntesten Shitstorms", o. J.).

Im Jahr 2006 kam es zu einer Wende im Bereich der Onlineauftritte von Medienunternehmen, denn der Fokus von Medienunternehmen lag von da an im Internet und neue Inhalte wurden erst online veröffentlicht und danach in den Zeitungen gedruckt (Altendorfer & Hilmer, 2016).

Darüber hinaus wurde eine Verschiebung der Nachrichten von der Information hin zur Unterhaltung bei gleichbleibender qualitativ hochwertiger Berichterstattung festgestellt (Schwarzer & Spitzer, 2013). Diese Unterhaltung können auch neu entstandene Konkurrenten wie Z.B. die Huffington Post bieten, die ihre Wurzeln nicht im Verlagswesen haben, sondern nur online existieren und mit ihrem überregionalen Nachrichtenangebot überzeugen (Goldapp, 2016).

Eine Herausforderung für Medienunternehmen im digitalen Zeitalter, stellen die Anforderungen an das Personal dar, denn durch die schnellen Veränderung der Rahmenbedingungen im Internet benötigen Medienunternehmen neben Webentwicklern nicht nur Beauftragte für soziale Medien, die für jegliche Kommentare unterhalb der veröffentlichten Artikel verantwortlich sind, sondern auch Suchmaschinenoptimierer, die dafür sorgen, dass die Artikel Z.B. auf Google leicht zu finden sind (Altendorfer & Hilmer, 2016).

Trotz der Schwierigkeiten mit Onlinejournalismus Ertrag zu generieren, wird dieser in Zukunft eine große Rolle spielen, denn der Anteil von gedruckten Zeitungen ist rückläufig, deshalb werden die Medienunternehmen weiterhin daran arbeiten, ihr Webangebot ertragreich zu gestalten (Altendorfer & Hilmer, 2016).

4.3 Einstellung der Medienunternehmen zu technischen Plattformen wie Google, Facebook & Co

Das Tow Center für digitalen Journalismus berichtet davon, das Technikunternehmen wie Facebook und Google die meisten Funktionen von Nachrichtenunternehmen übernommen haben und zu Schlüsselfiguren im Ökosystem für Nachrichten geworden sind. Von ihnen ist abhängig, welche Nachrichten Benutzer sehen und wie die Medienunternehmen ihr Geld online verdienen. Um Reichweite und Erträge zu generieren, führt derzeit kein Weg an Google und Facebook vorbei. Weiterhin berichtet das Tow Center, dass Anfang 2017 45 Prozent der Leser, die über andere Webseiten zu Nachrichtenseiten weitergeleitet wurden, von Facebook stammen und 31 Prozent auf Google zurückzuführen sind. Zwar ermöglichen Facebook und Google durch Instant Articles und AMP, Möglichkeiten für die Verleger eine höhere Anzahl von Lesern als bisher zu erreichen, jedoch folgt daraus eine große Abhängigkeit der Medienunternehmen zu Google und Facebook. Facebook und Google ändern regelmäßig die Algorithmen ihrer Webseiten und fordern Medienunternehmen immer wieder heraus, sich den neuen Entwicklungen der Plattformen anzupassen (Bell & Owen, 2017), denn ohne diese könnten sowohl Reichweite, als auch Erträge einbrechen.

Eine weitere Untersuchung führte zu dem Ergebnis, dass weniger als die Hälfte der Nachrichtenleser, die Artikel über soziale Netzwerke und über Suchmaschinen finden, sich daran erinnern können, welches Medienunternehmen einen Artikel veröffentlicht hat (Kalogeropoulos & Newman, 2017). Diese Entwicklung zeigt, dass die Wichtigkeit von Webseiten von Medienunternehmen immer weiter nachlässt und die Macht von Google und Facebook steigt, dadurch wird die Existenz von alteingesessene Medienunternehmen bedroht.

5 Gründe für die Entwicklung von Google AMP und Facebook Instant Articles und deren Auswirkung auf Medienunternehmen

5.1 Mediennutzungsverhalten

Das Mediennutzungsverhalten ist stark vom Web 2.0 (siehe Abschnitt 5.2) geprägt. Soziale Medien gehören zu den meistgenutzten Anwendungen im Internet. Für die Nutzer besteht jederzeit die Möglichkeit unterwegs Nachrichten in einem Blog oder auf sozialen Medien zu veröffentlichen, durch diese Entwicklung haben Medienunternehmen ihr Monopol der Nachrichtenverbreitung verloren (Hohlfeld, 2010).

Eine Bitkom Untersuchung im Jahr 2016 zeigte, dass sich 76 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland online über Nachrichten informieren und 22 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland soziale Medien hierfür nutzen (Bitkom, 2016). Dies drückt aus, dass sich der Konsum von traditionellen Medien immer weiter ins Internet verlagert und daher die Wichtigkeit von Medien auf mobilen Endgeräten steigt. Facebook und Google sind durch diese Entwicklungen zu wichtigen Plattformen geworden, die auch für Medienunternehmen die Chance bieten Leser zu gewinnen.

5.2 Sinkende Anzahl von Zugriffen auf Nachrichtenseiten

Im Top Website Ranking von SimilarWeb ist zu sehen, dass die meist besuchten Webseiten in Deutschland Google, Youtube und Facebook sind (״Top Websites in the world - SimilarWeb Website Ranking", o. J.). Die Nachrichtenseiten mit den höchsten Rankings in Deutschland sind Spiegelonline und Bild mit Platz 20 und 21 bei sinkender Tendenz. Um wieder mehr Nutzer auf ihre Webseiten zu locken, versuchen die klassischen Medien ihre Leser in den sozialen Netzwerken anzusprechen, jedoch ist hier die Konkurrenz durch eine hohe Anzahl anderer Medienunternehmen sehr groß (Goldapp, 2016). Der Einsatz von Google AMP bietet die Möglichkeit, dass sich die Anzahl von Seitenzugriffen wieder deutlich erhöht, weil mehr Leser auf die Webseiten von Medienunternehmen zugreifen und so die sinkende Tendenz gestoppt wird. Doch durch die Verwendung von Facebook Instant Articles wird diese sinkende Tendenz weiter verstärkt, denn Leser von Facebook Instant Articles bleiben innerhalb der Facebook App und verursachen keine Zugriffe auf die Webseiten von Medienunternehmen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Erfolgsfaktoren von Google AMP und Facebook Instant Articles für Medienunternehmen in Deutschland
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
63
Katalognummer
V441193
ISBN (eBook)
9783668795730
ISBN (Buch)
9783668795747
Sprache
Deutsch
Schlagworte
AMP, instant articles, Medienunternehmen, digitaler Journalismus, Facebook, Google
Arbeit zitieren
Felix Brandherm (Autor), 2017, Erfolgsfaktoren von Google AMP und Facebook Instant Articles für Medienunternehmen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441193

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