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Barock in der deutschen Gegenwartslyrik

Die Übertragung barocker Motive in ausgewählten Gedichten Jan Wagners

Titel: Barock in der deutschen Gegenwartslyrik

Hausarbeit , 2017 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Katharina Rinio (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Allgemeines
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Die Kritik am gegenwärtigen Lyrikkanon ist groß. Vor allem in der Gesellschaft zeigt sich eher größerer Unmut, wenn es um neuste, lyrische Werke geht: Ein denkbar schlechtes Image. Uwe Kolbe stellt das Potential moderner Lyrik gänzlich in Frage. Wenn wir uns daher einmal die traditionelle Dichtkunst aus dem 17. Jahrhundert genauer ansehen und sie mit zeitgenössischen Werken vergleichen, treffen wahrlich zwei Gegensätze aufeinander: Während die Lyrik der frühen Neuzeit, speziell des Barocks, von einer obligatorischen Regelpoetik geprägt ist, zeichnen sich die zeitgenössischen Gedichte dagegen vor allem durch Formfreiheit und Experimentierfreude aus. Waren Gedichte also früher besser, weil sie in der Strenge erst ihre Blüte entfaltet haben?
Unter der Annahme, dass es möglich ist, zeitgenössisch hochwertige Gedichte zu schreiben, die wieder auf barocke Stilmittel zurückgreifen und alte Schreibkorsette anlegen, wird die Schreibkunst des modernen Lyrikers Jan Wagner genauer betrachtet. Wagner ist beliebt als Dichter, der nah an den Menschen ist, da man ihn, im Gegensatz zu seinen Kollegen, wieder verstehen kann.
Diese Arbeit befasst sich daher mit der zeitgenössischen Wiederkehr von Vorstellungen und Bildern der „Vergänglichkeit“ in den Gedichten Jan Wagners, wie sie in der Lyrik der Barockzeit entwickelt wurden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitalter Barock

2.1 Themen des 17. Jahrhunderts

2.2 Merkmale und Motive der Barocklyrik

3. Jan Wagner und sein künstlerisches Schaffen

4. Jan Wagner: „houdini im spiegel“ aus: Achtzehn Pasteten (2007)

4.1 Zur Form

4.2 Analyse

5. Gedichtanalyse: Jan Wagner: giersch aus: Regentonnenvariationen (2014)

5.1 Zur Form

5.2 Analyse

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Jan Wagners zeitgenössische Lyrik an Motive und Stilmittel der Barockzeit anknüpft. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie der Dichter klassische Formen nutzt, um Themen wie Vergänglichkeit und Antithetik in einem modernen Kontext neu zu verhandeln.

  • Rezeption barocker Motive in der zeitgenössischen Lyrik
  • Strukturelle Analyse ausgewählter Gedichte Jan Wagners
  • Die Rolle des Vanitas-Motivs und der Antithetik bei Jan Wagner
  • Spannungsfeld zwischen formaler Strenge und moderner Freiheit

Auszug aus dem Buch

4.2 Analyse

Mit den Worten „ich werde jetzt aus diesem kalten glas / ins freie treten“ (Z. 1/2) kündigt der Zauberer Harry Houdini in Wagners Gedicht an, aus dem eigenen Spiegelbild auszubrechen und sich zu befreien. Bei genauerer Betrachtung werden zahlreiche Antithesen erkennbar, die sich auf die Zeit des Barock übertragen lassen. Der Spiegel selbst findet sich in Wagners Gedicht als Gegensatz-Motivik auf mehreren Ebenen: Zum einen birgt er das Selbstporträt und seine Reflexion, denn das Spiegelbild ist immer ein unmittelbares Abbild von Reaktionen: „Mit dem Selbst, der Selbsterkenntnis und deren Darstellung scheint er [der Spiegel; Anm. d. V.] untrennbar verwoben“ (Weinhart 2004:147). Andererseits werden Identitäten über das Spiegelbild auf ihre Oberfläche reduziert und deuten nur auf eine Form, jedoch nicht auf die Tiefe eines Charakters hin. Als Allegorie dafür finden sich „die schatten“ (Z. 2), die „arglos / durch sommerstraßen wandern“ (Z. 2/3). Die erste Antithetik steckt somit schon in der Hauptmotivik selbst: Selbstreflexion steht der Eitelkeit und Oberflächlichkeit gegenüber.

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco (1932-2016) untersuchte in den achtziger Jahren das Phänomen der Spiegel und stellte vor allem fest, dass sie, im Gegensatz zu anderen Abbildungen, unverfälschte Realität aufzeigen: „Von Spiegeln gibt es kein Bild, das wahrer ist, als das Original.“ (Eco 1995:61) Somit steht der Spiegel zum einen für die absolute Wahrheit, denn realistischer als ein Spiegelbild könnte ein Abbild nicht sein. Zum Anderen allerdings, thematisiert das Spiegelbild die Vergänglichkeit in zweierlei Hinsicht: Es zeigt den Menschen, der altert, denn es zeigt immer nur das, was gerade da ist, und da zum Menschsein unausweichlich auch der Tod gehört, zeigt der Spiegel die Vergänglichkeit des Lebens.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Kritik am Lyrikkanon und führt in die Fragestellung ein, wie Jan Wagner barocke Stilmittel in seiner modernen Dichtung verwendet.

2. Zeitalter Barock: Dieses Kapitel definiert das Lebensgefühl und die wesentlichen Merkmale der Barocklyrik, insbesondere die Bedeutung von Regelpoetik, Antithetik und dem Vanitas-Motiv.

3. Jan Wagner und sein künstlerisches Schaffen: Es wird das dichterische Werk von Jan Wagner porträtiert, wobei insbesondere seine Formbeherrschung und seine Vorliebe für den Alltag hervorgehoben werden.

4. Jan Wagner: „houdini im spiegel“ aus: Achtzehn Pasteten (2007): Die Analyse dieses Gedichts untersucht die Formgebung und die symbolische Bedeutung des Spiegels als Gegensatz-Motiv zur Vergänglichkeit.

5. Gedichtanalyse: Jan Wagner: giersch aus: Regentonnenvariationen (2014): Hier wird das Gedicht „giersch“ hinsichtlich seiner Struktur und der ironischen Verarbeitung von Naturmotiven im Kontrast zu barocken Traditionen analysiert.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Aktualität barocker Themen, die durch Wagners moderne Originalität neue Tiefen gewinnen.

Schlüsselwörter

Jan Wagner, Barock, Lyrik, Gegenwartsliteratur, Vanitas, Antithetik, Sonett, Form, Vergänglichkeit, Spiegelmotiv, Houdini, Giersch, Sprachmusik, Tradition, Moderne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Jan Wagner in ausgewählten Gedichten klassische Motive und Stilmittel des Barocks aufgreift und in seine zeitgenössische Lyrik integriert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Vergänglichkeit (Vanitas), die Antithetik (Gegensätzlichkeit), das Verhältnis von Form und Freiheit sowie die moderne Naturlyrik.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Verbindung zwischen der historischen Barockdichtung und Wagners modernem Werk zu analysieren und zu zeigen, wie der Dichter dadurch eine eigene poetische Originalität erzeugt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie vergleichende Untersuchungen zweier spezifischer Gedichte ("houdini im spiegel" und "giersch") vorgenommen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Barock, das Schaffen Jan Wagners sowie die detaillierte Analyse der beiden genannten Gedichte unter Berücksichtigung ihrer Form und inhaltlichen Symbolik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Jan Wagner, Barock, Vanitas, Lyrik, Antithetik und Form.

Warum spielt Harry Houdini in der Analyse von "houdini im spiegel" eine Rolle?

Harry Houdini fungiert als transparente Personifikation des lyrischen Ichs und als Magier, der die strenge Form des Gedichts überlistet, ähnlich wie Wagner selbst mit Traditionen spielt.

Inwiefern ist das Gedicht "giersch" als ironisch zu verstehen?

Das Gedicht hebt ein als Unkraut geltendes Gewächs in den Mittelpunkt eines kunstvoll gebauten Werkes und kontrastiert dessen zerstörerische Kraft mit der ästhetischen Sprache der Barocklyrik.

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Details

Titel
Barock in der deutschen Gegenwartslyrik
Untertitel
Die Übertragung barocker Motive in ausgewählten Gedichten Jan Wagners
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Katharina Rinio (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V441222
ISBN (eBook)
9783668796850
ISBN (Buch)
9783668796867
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barock Jan Wagner Kulturvermittlung Lyrik Gedichtanalyse modern Vanitas memento mori
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katharina Rinio (Autor:in), 2017, Barock in der deutschen Gegenwartslyrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/441222
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Leseprobe aus  21  Seiten
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