Die Propheten aus Kleinasien: Montanus, Priscilla, Maximilla - Offenbarungen des Heiligen Geistes? Die Kirche des Amtes und das freie Wirken des Heiligen Geistes


Hausarbeit, 2002

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Erörterung der Quellenlage

4. Der Montanismus
4.1.1 Kurze Zusammenfassung
4.1.2 Die „Neue Prophetie“ - Wiederbelebung des Urchristentums?
4.1.3 Die Prophetien der Montanisten
4.1.4 Die Form der „Neuen Prophetie“ – Ekstase
4.1.5 Die Forderungen der Montanisten – Askese
4.2 Die Abwehr des Montanismus
4.3 Kirchengeschichtliche Konsequenzen

5. Bezug zur Gegenwart
5.1 Das freie Wirken des Heiligen Geistes heute - am Beispiel der Pfingstbewegung
5.2 Erwählungsbewusstsein und Ökumene

6. Persönlicher Kommentar zur aktuellen Situation – Geist und Amt im Widerspruch?

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Als wir im Seminar über den Montanismus sprachen, beeindruckte mich besonders die Korrespondenz zur Gegenwart: Die Adventisten und die Pfingstbewegung weisen nicht nur gewisse Analogien auf, sondern stellen auch den gegenwärtig am stärksten wachsenden Zweig des Christentums dar. Vor diesem aktuellen Hintergrund war es mir ein besonderes Anliegen, mehr über die Bewegung der Kataphrygier, wie sie sich selbst nannten, herauszufinden.

Der Montanismus weist ein breites Spektrum auf; verschiedene Entwicklungsphasen, Enthusiasmus, Chiliasmus, Rigorismus, Kirchenorganisation, etc.. Ich habe mich auf die Behandlung der Frühphase beschränkt, da diese Bewegung nach Ausbleiben des prophezeiten Weltendes durch Anpassung stark modifizierte und sich danach hauptsächlich über seinen Rigorismus definierte.

In dem Bemühen, meiner Abhandlung Seriosität und Eigenständigkeit zu geben, werde ich zuerst kurz die Quellenlage erörtern und dann zur Herstellung des Kontexts eine Kurzbeschreibung dieser Bewegung geben. Unter Berücksichtigung der Aspekte urchristlicher prophetischer Tradition, der Ekstase montanistischer Prophetie und der daraus abgeleiteten rigoristischen Forderungen möchte ich den Kampf der sich institutionalisierenden Großkirche gegen diese prophetische Bewegung in ihrer Motivation und den kirchenpolitischen Konsequenzen erläutern, um damit den Bezug zur Gegenwart herzustellen:

- Wie haben die damals getroffenen Entscheidungen die Kirchengeschichte beeinflusst?
- Was treibt so viele junge Menschen in charismatische oder pfingstkirchliche Bewegungen?
- Wie kann die Ökumene von diesen Bewegungen profitieren?

Da meine Literatur und die benutzten Quellen schlussendlich weitaus zahlreicher waren, als ich anfänglich zu vermuten wagte, möchte ich an dieser Stelle nur auf das Literaturverzeichnis verweisen. Anzumerken bleibt, dass ich in meiner Hausarbeit bewusst nicht auf die Benutzung von Quellen aus dem Internet verzichtete (obwohl diese mir zu polarisiert erscheinen), da sie für mich wichtige Zeugnisse des gegenwärtigen Zeitgeistes sind.

3. Erörterung der Quellenlage

Die Schriften der Montanisten sind nicht erhalten worden und man kennt sie nur fragmentarisch aus Zitaten ihrer Gegner. Über die Lehrsätze und Gebräuche dieser s.g. Sekte erfahren wir nur etwas aus den Widerlegungen, die höchstwahrscheinlich auch nicht unparteiisch formuliert waren.[1] Da der Montanismus hart verfolgt wurde und der Besitz montanistischer Schriften mit dem Tode geahndet wurde, sind nur noch Fragmente der prophetischen Aussprüche bei Epiphanius, Tertullian, Didymus und Eusebius überliefert.[2] Die rekonstruierbaren ca. 20 Orakel sind die wichtigsten Quellen für die Frühzeit der „Neuen Prophetie“.[3]

Die Schriften der o.g. Kirchenschriftsteller, die sich ihrerseits auf zahlreiche und zum großen Teil verloren gegangene (teils anonyme) antimontanistische Quellen beziehen[4], und die Werke des in der Spätphase zum Montanismus konvertierten Tertullian bilden die einzige literarische Grundlage unseres heutigen Wissens über den Montanismus und werden in jedem Fachbuch zitiert.

4. Der Montanismus

4.1.1 Kurze Zusammenfassung

Der Montanismus, nach dem gerade zum Christentum bekehrten Montanus (wahrscheinlich vorher Priester des Apollon[5] ) benannt, entstand etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts in Phrygien (Kleinasien). „Montanus verstand sich als der Paraklet (beistehende Geist der Wahrheit[6] ) aus Joh 14,16, hatte die Prophetinnen Prisca und Maximilla neben sich und gründete eine eigene Kirche mit der Naherwartung eines neuen Zeitalters des Geistes, das nach Christi Kommen noch aussteht.“[7] Andresen schreibt, dass Montanus sich als Inkarnierung des „Parakleten“ bezeichnet habe[8], jedoch gibt Tröger zu bedenken, dass er möglicherweise erst von anderen mit diesem identifiziert wurde[9].

Die Bewegung war bereits 170 weit verbreitet und mit dem Tod Maximillas, einer der drei Gründergestalten, sollte spätestens um 179 das von ihr selbst prophezeite Weltende kommen. Dessen Ausbleiben ließ die Naherwartung verständlicherweise abklingen, so dass in der zweiten Phase nach ca. 200 der Montanismus zwar keine Massenbewegung mehr war, sich jedoch als Kirche des ethischen Rigorismus ( = streng an ethischen Grundsätzen ausgerichtetes Handeln[10] ) konsolidierte.[11]

4.1.2 Die „Neue Prophetie“ - Wiederbelebung des Urchristentums?

Montanus griff den religiösen Enthusiasmus der urchristlichen Gemeinde wieder auf, in der besonders begnadete Geistesträger und Propheten dem Gemeindeleben dienten.[12]

Obwohl sich die neue Prophetie sich im dogmatischen Lehrbestand nicht von der Großkirche unterschied, wirkte sie doch durch ihre Kritik an der Verweltlichung des normalen Christenlebens attraktiv und „knüpfte an die in Kleinasien noch im 2. Jahrhundert lebendige Tradition des urchristlichen Prophetentums an (vgl. z. B. Apokalypse, die Töchter des Philippus, Quadratus),..“.[13]

Nach Aland ist der Montanismus als Phänomen nur durch den damals in der Gemeinde noch starken Glauben an die Parusie (Naherwartung der Wiederkunft Christi[14] ) zu erklären (vgl. 16. Kap. der Didache)[15], während die Theologische Realenzyklopädie die Ursachen für das Ausbrechen der Bewegung der „Neuen Prophetie“ in den lokalen Traditionen Phrygiens sieht; in der anhaltenden prophetischen Tradition, in dem Bestehen einer starken jüdischen Gemeinde und in einer angestammten Religion, die sich durch orgiastische und asketische Bräuche auszeichnete.[16]

Die ausführlichen Quellenvergleiche von Schepelern legen jedoch nachvollziehbar dar, dass die Adaption phrygischer Kulte in der Frühphase des Montanismus höchst unwahrscheinlich ist und der Montanismus eher eine Bewegung innerhalb der christlichen Kirche war. Nach seiner Erkenntnis ist das Christentum nicht nur durch seine kultische Ausdrucksweise (z.B. Kyrios), sondern auch durch den transzendentalen Gottesbegriff traditionell orientalisch geprägt: Der Heilige Geist nimmt Wohnung im Menschen und benutzt den Leib als Werkzeug. In der urchristlichen Gemeinde sind „ diese frei gewählten Medien des Geistes Führer der Gemeinde gewesen, deren Worte und Entscheidungen unmittelbare göttliche Autorität besaßen[17], was Schepelern mit Zitaten aus dem Markusevangelium und der Didache belegt. Nach Andresen gilt die montanistische Prophetie ebenfalls als übernommene Tradition aus judenchristlichem Gemeindeleben, die aber mit der alttestamentarischen Prophetie darin bricht, dass sie Jerusalem nach Pepuza (der Heimat Montanus) verlegt.[18]

Der allgemeine Tenor aller zitierten Autoren ist, dass in der Frühphase des Montanismus keine Abweichungen zur großkirchlichen Dogmatik bestanden und seine wesentlich unterscheidende Charakteristik in der Übersteigerung der Prophetie, der Askese und des Martyriums lag.

4.1.3 Die Prophetien der Montanisten

Es ist unbedingt notwendig, die eschatologische (Eschatologie: Vollendung des Einzelnen und der ganzen Schöpfung (Auferstehung der Toten, Jüngstes Gericht, Weltende)[19] ) Botschaft der erhaltenen Orakelsprüche zu kennen, um die aus der Endzeitprophetie der Montanisten folgende rigoristische Ethik und Glaubenspraxis[20] nachvollziehen zu können, die vielerorts als Korrektiv zur großkirchlichen Entwicklung verstanden wurde[21].

Die theologische Realenzyklopädie gibt die 14 mutmaßlich echten Prophetensprüche, im folgenden „Orakel“ genannt, wieder. Die bei Epiphanius erhaltenen vier bekanntesten Aussprüche des Montanus zeigen ihn sowohl als Deuter des Geistes, als auch vom Geist ergriffen und benutzt:

[...]


[1] Belck, S. 9

[2] Tröger, S. 74

[3] Hausschild, S. 77

[4] Tröger, S. 74

[5] ebd., S. 125

[6] Brockhaus multimedial 2002

[7] Brox, S. 140

[8] Andresen, S.110

[9] Tröger, S. 125

[10] (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

[11] Hausschild, S. 76-77

[12] Baus, S. 231

[13] Hausschild, S. 76 - 77

[14] Brockhaus

[15] Aland 1, S. 93

[16] TRE XXIII, S. 272

[17] Schepelern, S. 132

[18] Andresen, S. 110, 112

[19] (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

[20] Tröger, S. 126

[21] ebd., S.125

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Propheten aus Kleinasien: Montanus, Priscilla, Maximilla - Offenbarungen des Heiligen Geistes? Die Kirche des Amtes und das freie Wirken des Heiligen Geistes
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin  (Fachbereich Religionspädagogik)
Veranstaltung
Alte Kirche
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V4414
ISBN (eBook)
9783638127356
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele Quellen verarbeitet.
Schlagworte
Montanismus, Prophetie, Alte Kirche, 2. Jh.
Arbeit zitieren
Regine Seidel (Autor), 2002, Die Propheten aus Kleinasien: Montanus, Priscilla, Maximilla - Offenbarungen des Heiligen Geistes? Die Kirche des Amtes und das freie Wirken des Heiligen Geistes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4414

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